Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Fr. 34 * Lr. Äivch's Macheaschritt ' Teile 553ddchhod. Am 31. .Juli 1918 wurde -die Mutt ec unseres Rabbiners, Frau Fanny S ich e r, geb- G o l d-, mann^ unter zahlreicher Beteiligung aller sie verehrenden Gesellschastsschichjten zu .Grabe getragen. Rabbiner Prof. Dr. G. Sicher, r^t. Feldrabbiner, nahut' in der Wohnung in sehr bewegten Worten Abschied von. der entschlafenen Mutter,,an die er stets mit kindlicher Liebe und Verehrmkg gehangen. Sie war eine' ideal veranlagte Frau von vorneAn-ev Gesinnung.' Für bevorstchende Feierchge verleihe ich Sessel. Ertrag ausschlieMch dem Witwen- und Wchsenfon-s. Ludwig Adler, IV., Frerhaus (Zlaschmarkt). Wilhelm Krldma««. Jankel, -er Faktor. Uebersetzt von M. Scherlag. ' ll. Das Nachdenken gehörte nicht zu den Beschäftigungen, denerr der Herr Gutsbesitzer sich oft und mit zu großer Vorliebe hingab. Wenn er dieser Tätigkeit die kostbare Zeit widmete, so geschah es vornehmlich unter dem Druck der traurigen Notwendigkeit, sich Geld zu verschaffen. Uebrigens war auch Hann immer, her unentbehrliche Jankel bei der Hand. . . Es ereignete sich jedoch einmal, daß, die Notwen-, digkeit," üachjüdenkech'eintrahnnd Jankel nicht bei der Hand war. Es ivar nämlich Sabbat. Die hochgeborne Herrschaft war an die Sabbatruhe des Faktors gewöhnt, denn, wie bekannt, muß, jeder Jude an diesem Tage Kugel essen und im Bette faulenzen^ -Das ist eine Tatsache, die man im Schloß; als natürlich und ordnungsgemäß änsüh; ähnlich wie die Tatsache, daß, der Faktor den Rest, der Woche hindurch um die Herrschaft .herumtänzelte. . \ J So ist ja schon die Organisation dieser. Welt und an diese ist die ganze Lebensweise angepaßjt. Jankel erledigte nämlich alle Geschäfte der Herrschaft vor Eintritt des Freitag Wend. Elementarereignisse geschehen jedoch in der ganzen Natur, und so käm est daß der Herr plötzlich unverzüglich Gelb benötigte. Es gab keinen anderen Ausweg; er ließ, die Pferde vor hen Wagen spannen und .fuhr in die Stadt, den Faktor zu suchen. k Es war um die Nachmittagsstunde, das Städtchen war wie ausgestorben. Der Ringplatz, der sonst alltäglich "v.on schwarzen Bekeschen, die die weißen Kleider und die bunten' Trachten der Bauern und der Weiber durchwirkten, wimmelte, war heute rot; nur hie und da saßen auf der Schwelle Jüdinnen in T.üchern mit Kindern auf dem Schoße und führten halblaute Gespräche. Ws wenn der Geist aus dem Städtchen entflogen wäre: Stille, und Oede herrschten darin. . Da schau her, meditierte der Schtachziz, wie die Bestien heute schwelgen. Frißt sich der und jener mit Fisch und Kugel an, singt sich sein Majufes und will jetzt nicht aus den-Federn kriechen. Er ließ sich in ein schmutziges, armseliges Seitengäßchen führen — Wale'k kannte diesen Weg gut — und hielt vor einer baufälligen Hütte, die der Faktor bewohnte. Auch hier war hie Tür zu und kein Lebenslaut drang heraus. ,Hej!. schrie der Kutscher mit einer Stimme, vor der gewöhnlich das Wirtshaus wackelte, ist wer drin?! Keine Antwort. Arr einemnormalen Tage ward der herrschaftliche Wagen gewöhnlich von eintzr ganzeil Schar Inden und Jüdinnen umgeben, besonders von schmierigen, drängeirden und lärmenden Kindern — aus der Hütte Pflegte Jankels Frau, mit einem halben Dutzend ihrer Sprötze linge herauszutreten —, heute war's still mrd leer. Einige Jungen gaffen aus der Ferne, einige Frauen schauen neugierig aus den Fenstern, inr allgemeinen macht das Gefährt keinen Eindruck und Jankels Haus öffnet sich nicht. Das eigenhändige Klopfen des Herrn bleibt ebenfalls ohne Wirkung. Haben sich mit ihrem Rosinenweiu angesoffen oder was! murrte der Edelmann, im Grunde geärgert. Er konnte es. nicht fassen, daß der Faktor nicht zu seiner Verfügung stand. Euer Gnaden, redete ihn plötzlich mir ziemlich reiner Aussprache ein sauber verleideter Knabe, sichtlich ein Schuljunge, .an, jetzt ist Jankel nicht zu Hanse. Wo denn> mein Lieber? fragte der Herr erstaunt. Er sitzt jetzt im Bethaus. Im Bethaus? - Sein Staunen wuchs, aber noch mehr her Äerger. Er empfand es als große UngehörigkeiL, daß der Jude im Bethaus zu sein wagt, gerade wann er ihn braucht. Junge, kannst du mich in dieses euer Bethans führen? fragte er nervös, ungeduldig der Erledigung des Geschäftes entg ege »harrend. Warum nicht? Ter Edelmann ließ den Kutscher mit den Pferden in der Einfahrt warten und folgte selbst dem Führer. Sie durchschritten einige Gäßchen, die, wie alles in dem Städtchen, schmutzig, gewunden und öde waren, und hielten vor einem Hause, das sich durch nichts von der Umgebung unterschied. Von den Wänden fiel wie von den anderen Gebäuden die Tünche ab, schutzige, rotgelbe, eiternde Wunden entblößend, die Scheiben hatten den Star, das Dach war mit neuen Schindeln, sogar mit Stroh mosaikartig gestreift. Das ganze Elend des Volkes, das nicht einmal dafür, was es am meisten liebte und , so oft mit eigenem Blute begoß, eine Heimstätte hatte, sprach autz dieser niederen, mit Mühe und Willensanstrengung erhaltenen Hütte. Also hier ist euer Gotteshaus? Der Schlachziz konnte sich des Lachens nicht erwehren. Schäm schön . . . Und weshalb ist's da so still, so ruhig. . .? Fürwahr weshalb? Aus dem Tempel» sollte doch immer der sprichwörtliche höllische Lärm dringen . . . ... Der Knabe antwortete nicht. Er führte den Gast in den Borraum und fragte: Soll ich Jankel Herausrufen? Freilich. . - Dabei zog er einige kleine Münzen aus der Tasche und reichte sie dem Knaben. Der wich! zurück. Ich danke. Euer Gnaden, aber heute ist's nicht erlaubt. ' Der Edelmann 'erholte sich noch nicht von dem Erstaunen, als feine Augen ein Anblick traf, der ihn geradezu starr machte. Durch die Tür erblickte er eine schwane Menge, die in gedrängter Masse das Betstübchen füllte, in Stille und Andacht versunken. Und im Hintergründe, hart am. Fenster, saß bei einem von den übrigen Sitzen durch einen Halbkreis abgesonderten Pult, gleichsam als König in dieser Versammlung! thronend — Jankel. Sein Haupt war jetzt nicht-gebückt, seine Augen hatten nicht den Ausdruck eines bald geschlagenen, bald schwänzelnden Hundes, die ganze Gestalt machte nicht den Eindruck, als trüge sie eine schwere Kette. In desm gelben Gesicht glühten die Augen, die hagere Hund