Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-30 · 34 (30.8.1918) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
34 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022335--27137-3052536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Eine EHnnemng M Ludwig Frank. , Im Hamburger „I. F." schreibt Herr 'S. Rothschild, Worms :' Es war vor 25 Jahren, genau «am 29. Juli 1893, als das Gymnasium der badischen Amtsstadt. Lahr durch - einen feierlichen Akt den landesüblichen Schluß, seines ’ Schuljahres veranstaltete. Das dortige Amtsblatt glaubte in seinem Schlußaktberichte Itlage führen zu müssen, weil „der schöne ästhetische Genuß" durch ein rollenroidriges Extempore gestört morden sei. In der-Nummer 177 der „Lahrer Zeitung" vom 1. Äugush 1893 cheißt.es unter anderem: „Leider wurde diese, durch die Äbschiedsredci des israelitischen Abiturienten L. Frank, der sich einige nicht vorgesehene Ausführungen über Iudenknechtung, Volksansbeutung und ähnliches erlaubte, das sich, wie freisinnig-sozialistische Wahlrede anhörte, sehr beeinträchtigt, so daß selbst des Direktors längere, meisterhäfteRede über den guten Geist in der Schule chen unangenehmen Eindruck nicht zu verwischen vermochte. Wie.wir hören, ist dem jungen Mann, der sich doppeltgegen die Disziplin der Anstalt vergangen, unter der er >steht, zunächst das Abgangszeugnis vorenthalten worden bis zur Entscheidung der Oberschulbehörde." . Leute, welche der Feier anwohnten, konnten'denngegenüber bezeugen, daß die FraNksche Rede wegen ihrer Verherrlichung des Lessingschen Nathan-Problems in der . Versammlung eine. Begeisterung hervorgerufen hatteIdie in einem für solche Schulfeiern seltenen -Beifall zum lebhaften Ausdruck gekommen war. Der Vorträg befaßte sich mit dem Thema: „Lessing und -seine Zeit im Lichts der modernen Forschung", und als bester Schüler der Anstalt empfing der . Oberprimaner Frank den - Schillerpreis. Am Schlüsse des Festes wurde-er von vielen Zuhörern für seine meisterhafte Rede beglückwünscht; mm anderen Tage aber wurde von anderen über den „frechen Judenbuben" losgezogen. Ob wohl die, die sich damals so entrüsteten, erröteten, als in den ersten Kriegstagen fast ganz Mannheim dem m das Feld.ziehenden Juden Frank Blumensträuße zuwarf> und als man "oie herrlichen Worte vernahm, mit denen der Reichstagspräsident vor deM schmerzlich bewegten Reichstage den Heldentod des so jäh Dahingerafften beklagte? Tie Orgjanisajtion der isr-Mitischjen Kultusgemeinden in Rumänien. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Minister des Auswärtigen und, Vizepräsident des Ministerrates C. C. Arion äußerte sich einem Journalisten . gegenüber: „Ich glaube nicht, daß die .Regierung in der gegenwärtigen Tagung des Parlaments eine GeseM!- vorlage über die Organisation der israelitischen .Kultusgemeinden einbring en wird. Ich habe .einstmals als Kultusminister eine derartige Vorlage ausgearbeitet, 'deren Notwendigkeit aber heute nicht ersichtlich; ist.. Die. Organisation der Kultusgemeinden wird aber auch, ohne das Eingreifen des^ Staates erfolgen, der nur die freifl Religionsübung zu verbürgen hat, was selbstverstände lich ist. Ein Sondergesetz, betreffend das Eingreifen des Staates, würde bedeuten, daß der Staat die israelitischen Schulen und. Anstalten übernimmt, was bei den heutigen Verhältnissen sehr schwer und überdies zwecklos igare. Die Organisation der Kültusgemeinden kann durch die israelitische Bevölkerung selber, ohne direkte Einmengung des Staates erfolgen. Der Friedensverkraa, der die frei.? Errichtung und Existenz der Israeli-- _ tischen ' Gemeind en sichert, schließe nicht hie Schafsung eines Sonderaesetzes in sich. Uebrigens wird in. dieser Frage wahrscheinlich Ministerpräsident Marghjlo - man sein Wort sprechen." ' ' Tie NewyoE jüdische Giemeindekonvention. Der diesjährigen Konvention d er jüdischen Gemeinde Newyorks, die am 2. Juni ftattfand, wird besondere Bedeutung beigemessen. Die Konvention befaßte sich hauptsächlich! mit der Reorganisation der Gemeinde und nahm diesbezüglich tiefgreifende Beschlüsse an. Zum Verständnis dieser Frage sei vorausgeschickt, daß die jüdischen Gemeinden in Amerika nicht den Zwangscharakter haben, wie in den meisten Ländern Europas, so daß sie eigentlich freiwillige Verbände, die auf Grund des Verein's'r-schteN. gegründet sind, darsteklen. Die jüidische Gemeinde in Newyork, die führende Gemeinde im Lande, stellte bisher eine ganz lose Vereinigung vieler Organisationen dar; von ihrer lWstenz hörte man eigentlich nur auf ihren Jähbesv ersammlungen. Die Verwaltung der Gemeinde war zur Deckung' ihres Budgets auf die Unterstützung -einer ganz engen Gruppe von PhikanHropen angewiesen, wodurch sie ln oollständige Abhängigkeit von chNen geriet. Das hat zu großen Mißständen und Konflikten geführt. Nach-, langen Kämpfen,, die auf der diesjährigen Konventionihren vorläufigen Abschluß fanden, hat die Gemeinde eine Verfassungsänderung vorgenoMmen- Die Gemeindeverwaltung wird bestrebt sein, ' sich Mehr auf die Massen des Volkes zu stützen und auch ihre Mittel gröUen?- teils von diesenzu -erhalten. Zu diesem' Zwecke wurde! beschlossen, eine großzügige Propaganda zu entfalten, um 106.000 Mitglieder zu gewinnen, die durch eine, progressive Selbstbesteuerung die Gesamtsumme von 200.000 Dollar jährlich, also im Durchschnitt 2 Dollar) pro Kopf, äufbringen sollen. Ferner wurde ein Antrag angenommen, -eine Monatsschrift „The Jewish Communal Eeyiew^ herauszngeben. Sehr bezeichnend^ für die jüdifchen Kerhälfyisse trt Amerika ist die R-esölutivn, sobald die Rriegsnmstände es gestatten, auf die Einführung einer fünftägigen V beitswoche in den Jndustriezweigen hinzuwirken, in denen das jüdische Element überwiegt. Wie bekannt, wird in Amerika in den Industriebetrieben Samstag nur vormittags gearbeitet' Nun'hat vor einigen Jahren unter der indischen Bevölkerung in Newyork eine Bewegung für die Einfügung'einer' zweitägigen Arbeitsrühe, d.h. für die Abschaffung der Samstagsärbeit bei entsprechender Verlängerung der Arbeitszeit an den Wochentagen, eingesetzt. -Diese Bewegung ging ursprünglich von orthodoxen Kreisen aus, die um die Heilighältung des Sabbats besorgt sind'. Sie fand aber auch zahlreiche Anhänger in den anderen Klassen der jüdischen Bevölkerung, .die sich, ihr aus nationalen und sozialen Motiven anschlossen. .. . - ,Jm Anschluß an die Genie indetagnng fand in Carnegie Hall eine Massenversammlung, statt, auf der der Philanthrop Jakob Schis f eine viel bemerkte Rede-hielt. Nach der Schilderung der großen politischen Dienste, hie dje Juden dem Lande, während des Krieges grM wiesen, sagte er: .. „Und -auch in einer anderen großen und bedeutsamen Angelegenheit haben., sich jüdische Einheit urrd' Solidarität als unmittelbares Ergebnis' dieser Prüsungszeiten -erwiesen. Die -Hoffnung auf den' Wiederaufbau des Landes unserer Ahnen' für die verstreuten Sohns Israels, hat die Vorstellungskraft aller Juden beflügelt und ihren Herzschlag beschleunigt, wenigstens der großer. , Mehrheit,' die die geistige Erbschaft unseres Volkes fortsetzen gewillt ist. Auch hier 'können wir abweichende Ansichten über die^ verschiedenen Seiten der 'großen Aufgabe, vor der wir stehen, haben, wir stimmen!ab'er alle iw der Hauptsache überein,' daß! es höchst wünfchenNwvrt ist/dem Wischen Volke eine sichere Stütze in'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.