Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022335--27136-3052535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kr. 34 Dr. Bloch's Wochenschrift «*ft« 54» Glaubensgenossen geltend zu machen. Er erklärte sich sofort bereit, den ihn ehrenden Auftrag auszuführen, verwendete sich mit Erfolg.bei der Regierung für die unschuldig Angeklagten und schrieb 1837 sein berühmtes Buch ,,Eseß Damim", das/ in Form eines Dialogs zwischen einem Patriarchen der griechisch-katholischen und einem- Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Jerusalem gehalten, die von ihm erhoffte Wirkung nicht verfehlte.*) Die Regierung, Geistliche und Gelehrte überhäuften den Autor mit Ehrenbezeigungen und versicherten ihm, aus seiner Schrift die volle Uebevzeugung von der Haltlosigkeit der.gegen die Juden gerichteten Btutbeschuldigung gewonnen zu haben. 1839 erschien fein „Beth Jehuda", das von den Gelehrten des In- und Auslandes mit großem Beifall ausgenommen wurde. Abraham G e iger in Breslau feierte dieses Werk auf der Kanzel, J o st, R a p p a p o r t, K r o chm!a l, Isaak E r t e r und S. I. 'Fi n n. richteten an den Verfasser herzliche Dankschreiben und forderten ihn zu weiterem literarischen Schaffen auf. Auch dieses Werk wurde von der russischen Regierung subventioniert, indem sie 2000 Exemplare käuflich erstand und in den jüdischen" Schulen verteilen ließ. ~ Lev in so hu wurde die Ehre zuteil, von dem mächtigen Nikolaus I. wiederholt in Audienz empfangen zu werden sowie eine periodische Korrespondenz mit ihm unterhalten zu dürfen. Es.gelang ihin^ den Kaiser für den Plan zu gewinnen, im Gouvernement Eherson jüdische Ackerbaukolonien zu gründen und in Schitomir, Wilna und Warschau den Anforderungen der neuen Zeit entsprechende Rabbinerschulen zu errichten, voll denen er für die russische Judenhhit viel Segen erwartetes die aber, zur Schande der dortigen lichtscheuen Orthodoxie sei es gesagt, nur von kurzer Dauer waren. Kaiser Nikolaus wollte ihn zum Oberrabbiner von Rußland ernennenvr zog esjedoch vor, obwohl er in drückender Armut lebte/vielleicht aber auch, weil er sich schwach und gebrechlich fühlteseine Lebensbahn als Privatmann fortzusehen. Besondere Erwähnung. verdienen seine Schriften: Serubabel- Toldot Sekem, Jalkut Ribl, J'mim ZMki, B'er Jizchak, P'tuche Chotam und Melitzi Joscher — in dieser tritt er für Leopold Zunz wider seine Gegner auf —, die alle, in einem klassischen Hebräisch geschrieben, in vielen Auflagen erschienen sind. Isaak Bär Levinsvhn starb, 73 Jahre alt, im Februar 1861 und wurde in seiner Geburtsstadt, in derer den größten Teil seines Lebens zugebracht, zur letzten Ruhe bestattet. Er hinterließ keine Kinder, aber er lebt fort: in seinen Werken und im Herzen vieler Tausende seiner Stammesg'enossen, die seiner noch heute in Liebe und Ehrsürcht gedenken. AjUjfrnf! Das Elend in NordpaNstina hat seinen Gipfel erreicht. Safed allein zählt über 500 Krjegswaisen. Die hi lf losen K l e ine n find ohne Brot, ohne Kleidung, ohne Obdach. Tausende von Evakuierten aus den Gebieten Palästinas, die Vonder Entente besetzt find, haben die Not dieses Städtchens ins Grenzenlose gesteigert. Verheerende Krankheiten wüten. Auch kein einziger Arzt ist. zur Stelle. Viele griffen zum '*) Das Buch Efetz Dannm hat leme Reihe von Auflagen erlebt unb wurde 1878 von H. »Sortzn ins Russische unh 1892, gelegentlich des Tantener Prozesses, von mir 'unterdem Titel , Die Blutlüge" ms Deutsche übersetzt. Cs soll-auch wie Gustav Harpeles mir einmal sagte, eine englische und'französische Uebersetzung dieser Schrift existieren. über die aber nichts näheres bekannt ist. A. Stj Wauderstnbe, nur sich vor dem verhrerenden Untergänge in ihrer Heimat nach unserer Mouarch-L zu flüchten. Die meisten erliegen den Beschwerden der gefahrvollen Reise. Menschenpflicht gebietet uns: 1. so rasch als "möglich durch Geldsendungen der momentanen Not, vor allem der bedauernswerten Waisenkinder und der E v aknierten, zu steuern; 2. ärztliche Hilfe und Medikamente beizu stellen; 3. die Errichtung eines Waisenhauses in Nord- Palästina mit allem Eifer zu bestreben. Brüder, Wische Herzen, öffnet Eure Hand und stehet uns beß unser schweres HilMverk weiteczuführen! Bedenket bei den Spenden vor der Sesertora, besonders an den hohen Festen Vinn "VW N"2V *Y1D3DT nittn Vdr-i auch unserer Hilfsk.ommi.ssion für Palästina. Gott lohne jede, auch die bescheidenste Gabe! D'pHtt bv pSDi lörrm '□nan ram Für die „Hilfskommission 1915": Rabbiner Dr. Max Grün Wald, Oberrabbiner W. Reich, Baden. Für die „Kriegsspitalshilfe für Palästina": Dir. Adolf Kalpralik, kk. Hofrat Dr. Julius Schlag. Sämtliche Spenden in Oesterreich erbitten wir an das Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien, I.t, Renngasse 3, mittels beiliegenden Posterlagscheines; in Ungarns Magyar Attatanos Hitetbank, Budapest; in Deutschland: Deutsche Bank, Berlin. Adresse für sämtliche Zuschriften: „Hilfskommission 1915" und „Oesterreichisches Ländeskomitee für Palästina", Wien, IV-, Frankenberggasse 14, oder k. k. Hoftat Dr. Julias Schlag, Wien, II., Obere Donaustraße 109, für „Kriegsspitalshilfe für Palästina". NB. Um Jrrtümer zu vermeiden, bitten wir bei solchen Spenden ausdrücklich jedesmal das Schlagwort „Hilfskommission 1915" oder „Kriegs-- spitalshckfe für Palästina" zu wählen. Sollte die Spende einer der unter Nr. 2 und 3 genannten speziellen Aktionen zugedacht sein, so gilt für Nr. 2 als Empfänger dje „Kri egsspitalshilfe für Palästina", für Nr. 3 das „Oesterreichische Landeskomitee für Palästina". Tie deutsche Jndenpotitik lm Osten. Die Chemnitzer „Bolksstimme" schreibt in einem Leitartikel: Geradezu unerhört klingen Mitteilungen, die uns über.die von der deutschen Verwaltung betrieb bene.Judenpolitik im Osten zugehen. Es müssen in der neueren Zeit geheime Verfügungen erlassen worden sein, die eine völlige Beschränkung in der Einwanderung .jüdisch-polnischer Arbeiter nach Deutschland vorsehen^ wodurch für Millionen Menschen ein neues Ausnahm'srecht aufgerichtet wird. Noch toller ist, daß. man sowohl nach Kurland wie'nach Litauen und ebenso nach Polen mit dem Einverständnis der deutschen Verwaltung nicht einmal diejenigen Juden wieder in ihre Heimat zurückkehren läßt, die von den Russen verschleppt worden sind oder die seinerzeit vor den heranrückend^r deutschen Heeren geflohen sind. Mit einer wahren Wonne schlachtet die Presse in den Ententeländern diese antisemitische Haltung deutscher Behörden aus. Die ungerichtete üble Wirkung kann durch zehn Ministerreden nicht wiedev gut gemacht werden.