Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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«eit».548 v Tr. Bloch's ihre Pflichten ausgefaßt, und den selbstivseir, echt jüdische il Qpfersimr- Mit dem sie LroH' eines stlpvereü 'Herzleidens freiwillig "den aufreibenden Dienst inr Felde aus sich genommen habe. Mit dem Käddischgebet, in das die anwesenden jüdischen Soldaten einstimmten, fand die Feier ihren Abschluß. Aus emem Kakästwa-Iekdörief. -In der Zeitschrift „Deutsche Politik"^ finden wir im Heft 25 vom 21. Juni „Feldbriefe eines .jüdischen Sol-- daten von der Palästümfront", die den Besuch einer zionistischen Kolonie schildern. Aus diesem Bericht mögen > einige, kuM Abschnitte folgen : . Aus ollen Aeutzerungen der Leute.spricht ein unerschütterlicher Idealismus, ein Glaube an die nationale Zukunftdes Judentums auf altem Boden, an die Prophetie Herzls. der natürlich längst ins Hebräische übersetzt ist ... v ■ Ich besichtigte alle Wirtschaftsgebäude, überzeugte mich von der -Sauberkeit.der Molkerei und der Privaträunre, rr-elichr schön weitz. wenn auch sonst völlig schmucklos ausgestattet sind, sah die Juden in der Schmiede an Ausbesserungsarbeiten für landwirtschaftliche Geräte tüchtig hämmern; sie blickten nicht einmal auf, als der East hineintrat, wie ich überhaupt die ruhige Unbekümmertheit allgemein wahrnahm. Man hat es nicht nötig-M zeigen „ich tue etwas", das ist selbstverständlUch. Selbstverständlich ist auch die Betonung des jüdischen Nationalstandpämktes; kein Aufdröngen, keine Mache; keine PotemkinHen Dörfer. Ich ging auf die^Felder, deren »guter Standüberrascht, deren sachgemäße Behandlung an beste deutsche Musterwirtschaften erinnert. Noch reichen Zwar die mir Ernannten 'Erträge (Weizen zwanzigfach als Höchstleistung) nicht'an deutsche Erträge heran, aber sie ergeben gute .Durchschnittswerte.- Der Boden ist »sehr ausgesogen-, weil nie gedüngt von den Arabern. > Ts ist aber vorzüglicher schwerer Boden,, der zweifellos-bei weiter betriebener sachgemäßer Bewirt^ schaftyng zu grasten Beträgen befähigt ist. - Ich sah. Männer und. Weiber bei '.erns^r, emsiger.' schwerer Pflug-, Häusel- und Hackarbeit,. ich -sah >sie mit Pferden, ich sah sie fmk Hacke und Spaten arbeiten. Es kann mir keiner die durch Augenschein gewonnene Gewißheit rauben, daß hier-ehrlich und rechtschassen um den Ertrag der.alten Schvltz. gerungen wird. Und nicht blost ehrlich gearbeitet «wird,' sondem auch intelligent'gedacht und geplant. Ich säh'Earbenbmde- und- Erntemaschinen,.. Dreschmaschinen., 'neuzeitliche- Mlüge; Mit. denen bis zu '30 Zentimeter Tiefe' gepflügt wird ..." . - - Ire antisemitische polnische Legion in Frankreich. Der „LokalanKeiger" meldet aus Kopenhagen: Die Pariser „.Humänite" meldet, daß die polnische. Legion m Frankreich ausgeprägten antisemitischen Charakter, hat. Man sucht jüdische Freiwillige am Eintritt zu verhindern. -Die schon eingetretenen Juden werden schlecht behandelt und zum Ofsiziersavancement nicht zugelassen. Autgarien und die Inden. Dasisraelitische Großrabbinat in Sofia veröffentlicht in der Presse' eine Note, welche die von dem Athener Berichterstatter des „Journal de Geneve" diesem Blatte übermittelten Berichte in Abrede stellt, wo-' nach nach dem Zeugnis israelitischer Gefangener der mazedonischen Front israelitische Bulgaren in der Ar-in e e m i ßhand el t worden seien, israelitischen -Schülern in-den. bulgarischen- Schulen, alle möglichen Schwierigkeiten bereitet würden und die Israeliten m Bulgarien inr allgemeinen sehr bedrückt würden. Das Großrabbinat erklärt, daß man den groben Erfindungen der Verleumder Bulgariens keinen-Glauben schenken dürfe. Es fügt hinzu, daß in Bulgarien die Jsraeliten.in die Reihen der. Armee als freie Bürg er eintreten -und sich .dort für das Wohl Bulgariens mit Eifer ., und Selbstverleugnung schlagen. D-ie Israeliten genössen in Bulgarien vollkommene Freiheit und - vollständig^religiöse' und politische Duldung. Wochenschrift «t 34 Isaak Bür Lebinsohn. Won Albert lK a tz. Unter den Vertretern der H'askala, der Aufklärung, innerhalb der russischen Judenheit, die, dem Beispiel, der deutschen Measphim folgend, unter ihren Glaubens- , genossen die Kenntnis der Hebräischen Sprache förderten,' um in dieser allgemeine Kenntnis zu verbreiten, verdient Isaak Bär L e v i n so h u an erster Stelle genannt zu werden. Er wurde am 2. September 1788 zu Kremenetz, polnisch Kchemicnice, einer mittleren Kreisstadt - im südwestlichen Teil ,des Gouvernements Wolhhnien, als Sohn armer Eltern geboren und inr Geiste der Thora erzogen. In dieser, jetzt einer Stadt "der menen Ukraine, hat er „gelernt" und gelehrt, gehungert und gelitten uitb — für seine spätere Mission sich, vorbereitet. Das ist .alles,'.was wir Mer seine Kindheit und seine ersten Jünglingsjahre wissen. Wir wissen' aber, daß er, mit jüdischer Kenntnis reich ausgerüstet, in der klassischen Literatur vorzüglich, bewandert, der russischen, polE^ schen und deutschen Sprach^ in Schrift und Wort mächtig war und, kaum zwanzig Jahre alt, der russischen Judenheit als Pfadfinder öoranschritt. Er wurde und wird von vielen noch jetzt- „der russische Mendelssohn" genannt, und. das mit Recht: denn was Moses M en d elssohn im achtzehnten Jahrhundert für die deutschen, hat Isaak Bär Levinsohn im neunzehnten Jahrhundert für 'die russischen Juden getan: er hat für sie nach einer Fangen finsteren Nacht der Unwissenheit und des Aberglaubens die Morgenröte einer neuen Zeit herausgesührt. Bon dem richtigen Standpunkt ausgehend,, daß die Juden, um ihre soziale Lage günstiger zu gestalten und die"seitens der christlichen Welt -gegen sie gehegten Vorurteile wesentlich» abznschwächen, zuvörderst sich selbst als ebenbürtige Menschen, zu achten lernen und den Anforderungen der Zeit Rechnung - bringen müßten, veröffentlichte er äm Jähra 1828' fein^ bekanntes Buch T'ndäh bsJsrael, „Die innere Mission Israels", in dem er seinen unter Druck und Elend schmachtenden Stammesgenossen die Botschaft besserer Tage verkündete. Mit zündenden Worten Forderte er sie ans, allgemeine Bildung sichanzueignen, Handwerk und Ackerbau zu treiben, die durch» Drstck und Verfolgung überkommenen falschen Anschauungen über Welt und Menschen „in das Meer der Vergessenheit zu werfen", bei aller Treue zur Sprache und Literatur der Väter die Landessprache zu erlernen und eifrig zu pflegen, Gott zu fürchten, das Vaterland-zu lieben und sorgfältig, alle Untertanenpflichten zu erfüllen. Der Erfolg dieser Schrift war trotz! der Wutausbrüche und Ränke der Frömtnler und Finsterlinge, die den. Verfasser für einen Abtr-ünnigen erklärten und über ihn den Bann zu verhängen drohten, ein geradezu glänzender. Die große Masse der russischen Juden begeisterte sich an seinen Worten, und der damalige Minister der Volksaufktärnng, General Blndow, der schon läng ft zu Lc'vinsohüs Verchtern zählte, benutzte diese Gelegenheit, Kaiser Nikolaus I. -outf das segensreiche Wirken des „Kremenetzer Einsiedlers" aufmerksam zu machen. 'Levinsohn erhielt kurz darauf von der Regierung eine Subvention von 1000 Rubeln, vom Zaren aber ein eigenhändiges Dankschreiben, in dem er ihm. zugleich seine kaiserliche Huld versicherte. L e V i n s o h n ging nun mit frischem Mut an die Arbeit, seinen längst gehegten Plan, eine volkstümliche Geschichjte des Judentums zu schreiben, zu verwirklichen. Da erging plötzlich an ihn der Ruf vieler Rabbiner und Gemeindevorsteher, eine. Apologie gegen die Blutanklage, die damals an verschiedenen Orten des Zarenreiches gegen die Juden erhöbe^ wurde, zu schreiben und seinen Einfluß an höherer Stelle zugunsten seiner schwer verdächtigten