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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-30 · 34 (30.8.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
34 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr.?4 Dr. Bkoch'S Wochenschrift Seite 545 b„en jubelt unb Revobltionären fontme, nicht unwesentlich genährt worben sein durch die jetzt von den Bolschewiki aus dem Archiv der geheimen diplomatischen Dokumente ans Tägeslicht gezogene blutrünstige Denkschrift des Grafen Lamsborf an ben Zaren vom 3. Januar 1906, worin schön bie damalige revolutionäre Bewegung in Rußland unb Westeuropa als bie Verschwörung bes „allweltlich organisierten antichristlichen und antimlonarchischeN Jubentums" unb des „international-;übischen Kapitals" geschildert wirb. Die russische Revolution werbe von berHlianoe Isra4-. lite, bie über kolossale Geldmittel verfüge, unb von ben Rothschilb s unterstlitzit unb geleitet. In bem Bilbe der gvoßen jübischen Verschwörung, die vor bem schreckhaften Auge bes Zaren entrollt würbe, fehlten auch nicht bie unvenneiblichen Freimaurerlogen, bie sich -ganz in jübischen Händen befinden unb . deren in „den 18. Grab" vorgerückte jüdische unb nichtjüd.ische Mit- Kieber burch diesen Akt »selbst Mitglieder ber Alliance werden sollen. Kurz, dem' Zaren wurde als ernsthafter, auf Tatsachen gestützter Bericht ein alter antisemitischer Schwindel aufgetischt, um' bie innere und auswärtige Politik in reaktionäre Bahnen zurückzuführen. Die Urheber dieser verlogenen Politik haben die Mentalität des Zaren auch richtig eing'eschätzt, denn der all einherrsch ende Schwachkopf vermerkte auf dem Dokument eigenhändig: „Man muß ohne Verzug in. die Verhandlungen treten, ich^teile ganz die hier geäußerten Meinungen." Zur Unterstützung dieses reaktionären Betruges würben dann unter - ben Bauern der verschiebenen Gouvernements von den Schwarzen Hundert Aufrufe verbreitet, baß die Juden im Begriff seien, den Zaren zu fangen, bie rechtgläubige Kirchö zp stürzen und eine Judenherrschaft zu begründen: Aus diesenWngstvorstellungen erklärtsich zum großen Teil der. ü'nstiWare Blutdurst des Zaren, die unmenschliche Grausamkeit der Feldgerichte und die ungeheure Zahl der Todesopfer, die zwar amtlich nie festgeftellt worden ist, aber, wie ein -guter Kenner ber russischen Verhältnisse behauptet, wird die Zahl derer, die während der französischen Revolution der Guillotine und andere^, mörderischen Maßnahmen des jakobinischen Terrors, zum Opfer fielen, um ein Vielfaches übertroffen. Dieses fürchterliche Schreckensregiment liefert auch eine Erklärung dafür,. daß der Zar bei seiner Abdankung vollständig allein stand, daß niemand im Lande sich für ihn rührte und auch das Mitgefühl mit seinem jetzigen Schicksal in seinem eigenen Volke wahrscheinlich fast vollständig erstickt ist. Selbst der fromme „Reichsbote" (22. Juli), der zwar ein gewisses menschliches Mitgefühl mit dem Schicksal des Zaren, nicht ganz verdarmnen will, meint doch daß. vom politischen Standpunkt ans der Ermordete „sein Geschick verdient und selbst herbeigeführt hat". Man sieht, der „alttestaprentliche Rachegott" steckt dem Häuptorgan der evangelischen Orthodoxie doch tiefer im Blüh als es selbst vielleicht ahnt. . . Nicht ohne Interesse ist ferner die Aufnahme. des Zarenmördes in unserer völkischen Presse. Konrad HaußmanN hat einmal die konservativ-völkische Weltanschauung Au Anfang dieses Krieges als' „blutrünstig" bezeichnet, was ihm selbstverständlich sehr verdacht worden ist. Nun, das alldeutsche Häuptorgan, 'die.„Deutsche Zeitung" (Nr. 397 l.-J.) liefert hierfür gerade jetzt einen vollgültigen Beweis.' Sie b e d a u e r t „die moralisierenden wehleidigen Betrachtungen" anläßlich des Zarenschicksals, „die nicht gerade von besonderem' Verständnis für die Zusammenhänge" zeugen. Revolution sei Revolution. „Die Sowjets konnten von ihrem Standpunkt aus ihren Gefangenen unter keinen Umständen lebend ihren Gegnern Werlassen." Zar Nikolaus hat sein Schicksal in vollem Umfang selbst verschuldet. Und npn kommt die Nutzanwendung, die der Schreiber des „Nachrufes" ganz im Sinne der bekannten „Kronwürdigkeits"- Artikel seines .Herrn und Meisters Ckaß zieht: In jedem Lande sei eine revolutionäre Uniterströmnng vorhanden," deren Intensität ganz äÜhänge von der Güte oder Schlechtigkeit der jeweiligen Regierung. „Wird schlecht regiert, so ist sie groß und stark, entartet die Regierung, ist insbesondere in monarchisch regierten Staaten der Träger der Krone den Aufgaben seiner Stellung nicht mehr gewachsen, so schleudert sie ihn beiseite und tritt an seine Stelle! Es handelt sich dabei.um eine Art natürlicher Sicherheitsvorrichtung des Staates, ber stark regiert sein will, weil nur eine starke Hand ihm Ordnung im Innern und Sicherheit nach außen verbürgt. Ist der Monarch ein Schwächt in a, wird er zum Feigling, so verschlingt ihn die Revolution, und zwar von Rechts wegen." An« der Woche. Mn LehrstuM für jüdische Apologetik. Laut Berliner Mitteilungen soll am orthodoxen Rabbinerfeminar ein Lehrstuhl für jüdische Apologetik ..begründet werden. Die Mittet für die neue Dozentur hat Herr Max Jaffa (Berlin.) durch eine Spende, von 100.000 Mark zur Verfügung gestellt. Wie wir hören, wird von der Leitung des Rabbinerseminars beabsichtigt, Rabbiner Dr: Carlegtach, jetzt in Warschau, auf den neuen Lehrstuhl zu berufen. Wne „Liga der Fäeunbq des Zionismus^ in Frankreich. In Frankreich hat sich unter, dem Titel „Liga der Freunde des Zionismus" eine Bereinigung gebildet, der hervorragende christliche und jüdische Persönlichkeiten angehören. Die „Liga" verfolgt zwei Ziele: Sie. will erstens in Verbindung mit der zionistischen Organisation die jüdischen Sieblungsbestrebungen in Palästina, insbesondere auf dem Gebiete des Unterrichts und Grziehungswesens, und. bei der Gründung industrieller und sozialer Unternehmen fördern. Sie will zweitens, die Politik der französischen Regierungdahin beeinflussen, gemeinsam mit den Bereinigten Staaten und den übrigen Verbündeten die englischen Palästinapläne zu unterstützen. Der RWbiner im nichjtjMischckl Schrifttum. In Branns Monatsschrift macht Professor I. C a r o auf die Tatsache aufmerksam, daß das Wort „Räbbi" und „Rabbiner" in Grimms Deutschem Wörterbuchmerke würdigerweise nicht verzeichnet ist. Interessant ist dagegen die Verwendung! des Rabbi-Begriffs in einem englischen Lustspiel des Ben Jouson (1614), dem Zeitgenossen Shakespeares. In dieser Satire mtf~ die Puritaner wird als „Räbbi" ein puritanischer ' „Prophet" eingeführt, der „öffentlich Schweinefleische übermäßig Schweinefleisch ißt, um seinen Haß und seine Verachtung des Jubentums laut zu bekennen". Ein unbedeutendes, aber charakteristisches Zeichen Wo die literarische Mißhandlung des Judentums im Mittelälter, die nicht Men bis auf den heutigen Tag nachtvirkt.

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