Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022335--27133-3052532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kt. 34 MM« 546 Dir. Bloch'S Wochenschrist G. Bj. SchLoMM. ' Wie aus Petersburg telegraphisch berichtet wird,, ist dort der bekannte jüdische Rech-tsanwalt G. B. Schloß? berg den lpolitischen Wirren zum Opfer 'gefallen. Er wurde bei einer Ausfahrt von seinem! eigenen Kutscher meuck^ lings ermordet. Einzelhieiten über die Tat und deren Motive sind'noch nicht bekannte Die'Annahme liegt aber sehr nahe, daß es sich hier uml eines der politischen Attentate handelt, die in Petersburg und Moskau zu den Erscheinungen des Tages gehören. Schloßberg war auf das politische Programm der Kadetten eingeschworen, einer der ersten russischen Freiheitskämpfer auf der Basis einer bürgerlichen Konstitution und als solcher den 'Bolschewisten nicht seh!r genehm, um so 'mehlr, als er, ein Mann von Ansehen und Einfluß,, ihnen eine gewisse Gesffhr bedeutete. Die beiden Freunde und treuen Gesinnung^ genossen Schloßbergs, Winawer und Erusenberg, sind, einem ähnlichen Schicksal dadurch.entgangen, daß, sie sich rechtzeitig aus Petersburg mach der Akraine flüchten konnten. _ Schloßberg entstammte einer jüdischen Gelehrtenfamilie in der Gegend von Minsk und erreichte ein Alter von nur 55 Jahren. Er ging Ms der Jeschiwah Hervor,? wandte sich später dem Studium zu und absolvierte die juristische Fakultät an der Petersburger Universität, wo. er sich dann als Rechtsanwalt niederließ und sich baK einen großen Namen in. juristischen Kreisen erwarb. In den letzten Iahten wurde auch! von den höchsten Stellen seine ungewöhnliche Fähigkeit dadurch anerkannt, daß er vom Ministerium des Innern zum juristischen Beirat berufen wurde. Seine öffentlich^ jüdische Wtigkeit ging vornehmlich darauf hinaus, seinen entrechteten Glaubensgenossen wirksamen Rechtsschutz zu verschaffen, und kaum gab es im Mnzen Lande einen^Iurisien oder Verwaltüngsbeamten, der sich, so wie er än dem weitverzweigten Netz der Judengesetze auskannte. Er besaß ein wohlgeordnetes. Archiv von sämtlichen Senatseiitscheidungen in bezug auf die Rechte de; Juden, die er hei jeder Gelegenheit b£r Oeffentlichkeit wie den Verwaltungen als Material «zur Verfügung stellte. Ein gut Heil seiner Kraft widmete' Schloßberg dem „Vereine zur Verbreitung von Bildung unter den Juden" und' hatten wir im „Israelit" nicht immer Veranlassung,. diesen Zweig feiner Tätigkeit zw rühmen. In Emigrationsfragen galt er als Autorität. Auch war er es, der den ^verschiedenen Rabbinerkommissionen als juristischer Leiter zur Seite »stand und ihnen den Weg zu den Regiernngsinftanzen ebnete. In unzähligen Pogromprozessen fungierte er als Anwalt der Beschädigten, wobei er auch die politischen Hintergründe dieser Erscheinungen schonungslos aufdeckte. Auch literarisch war er als Mitarbeiter vieler russischer Zeitschriften sehr fruchtbar. Nach Ausbruch der Revolution gründete er in Gemeinschaft mit Winawer und anderen EesitzM gsgenossen den „Jüdischen Klub" zum Zwecke der Erreichung einer jüdischen nationalen Autonomie. Die zunehmenden Wirren, die die ersten Freiheitswerte in 'Rußland wiederum aufs neue uMwerteten und neue in ihrer Tragweite noch nicht abzüsehend'e Umwälzungen brachten, rafften auch diesen tatoollen und rastlosen Mann hinweg, was in den weiten Kreisen der russischen Iudenheit tiefe, aufrichtige Trauer auslosen wird. . Geheimnisvolles Verschwinde» jüdischer Arbeiterführer in Warschau. Die jüdische Presse in Warschau brachte folgende vielsagende Nachricht: -; „In den Kreisen der jüdischen Arbeiterschaft iii. - Warschau hat die Tatsache großes Aufsehen erregt, daß Id Mitglieder. des Zentralbureaus der jüdischen gewerkschaftlichen Vereine plötzlich verschwunden, sind.". . Dias fragliche Zentralbürean ist eine der zwei jüdischen Gewerkschaftszentralen, die in Warschau bestehen. Es. umfäßjt 13 gewerkschaftlich! -organisierte Berufe, die unter dem Einftuffe der.jüdischen Sozialdekraten poale-zionistisch er Richtung stehen. Es unterscheidet sich von der.bündistischen gewerkschaftlichen Zentralstelle, die den Namen Jnformationsbureau führt, durch den unparteiischen CharaÄer seiner Leitung. Das/geheimnisvolle Verschwind en der 19 Mitglieder des Zentrakbureaus, der Meisten Mitglieder der Verwaltung dieses Bureaus? steht offenbar im engsten Zusammenhang mit den Verfolgungen gegen die Poäle- Zion seitens der Behörden, die feit Monaten in Warschau, Perlin, Wien, Lemberg an der.Tagesordnung sind. Es wird die Apsg'abe der demokratischen.Kreise, namentlich der Sozialdemokratie in Deutschland, sein, von der deuffchen Regierung Aufklärung über die Umstände des „Verschwindens" der genannten Personen, zu fordern und-sich! für deren Befreiung eürzusetzen.; Kriegsdekorattonen jüdischer Kffiziere uttb Sokdaten. - Seine Majestät der Kaffer hat verliehen: den Ordett der Eisernen Krone 3. Klasse mit den Schwertern in Anerkennung'tapferen und erfolgreichen -Verhaltens vor dem Feinde dem Leutnant d. R. Richard Stern, Feldart.-Reg.,; . d a s R i t t e r k r e u z d es F r a n z I o s e siO rd e n s mit der Kriegsdekoration dem Oberarzt Dir. Salomon. Heumann, Div.-San.Anstalt, dem Ldst.-Hauvtmänn Dr. Artur Lemberg e r, Transportleitung, dem Hauptmann Karl Singer, Bauleitung, dem Regimentsarzt Dr. Hugo Deutsch, ung. Ldwreg.; das M ili t ä r v er di e nstk r emz -Z'.'^Mlasse mit den Schwertern den Oberleutnants d. R. Viktor Pollak, Feldart.Meg., Hirsch Fuchs, den Leutnants d. B. Hugo Barnch, J.-R/, Emmerich Gottlieb^ JE., den vor dem Feinde gefallenen. Leutnants d.!R. Dr. Ludwig F r a n k e l, J^-R , Siegmnnd V ö lgyesi (Weiß), JE, Emil Kaufmantt, J.-R., dem Ldst.-Kauptmynn Jakob Vieler, Ldstreg., dem Oberleutnant d. R. Hermann.Markus, Schützenreg.; das silberne Signum laudis bei gleichzeitiger Verleihung der Schwerter den OberarAen Dr. Alfred Weiner, Sturmbat., Dr. Ignaz' Mu n d, J.-R., den Oberleutnants d. R. Alfred S chj ö n, J.-R.t Johann Tanssig, Trainbat., Wilhelm Polla k, BergführeEompagm'e, den Ldst-Leutnants Bernhard Sachs, J.M., Dr. Benv Do r'n, JpR., den Oberleutnants d. R. Egon F r ä n k l, Feldart.-Reg., Emil N e u m a n n, dem Assistenzarzt Dr. Alexander Gergelh (Grün- Hut); ' ' . ' •' ' d a § H lbe rn e Sig n u m In uh i s mit der Kriegsdekoration dem Hauvtmann a- D. Friedrich Sternfeld, Heimkehrlager, den Ldst-Öberleutnants Bär Schiff, Lbst-Et.-Bat., Emmerich Br'ody, dem Oberleutnantingenieur Oskar May; . dabronzene Signum laudis bei gleichzeitiger Verleihung, der Schwerter dem Stabsarzt Dr. Artur Lö w e n st e in, Fest--Spital, dem Ldst.-Oberarzt Dr. Siegmund R e ich Feldart.-Reg., den Sanitätslentnants Josef Hamburg, JE.,-Michael Gold in st e in, JE., dem Sanitätsleutnant d. R.j David Lehrhaft, Schützenreg., dem Oberleutnant d. R: Eisig Avter, FeldartEeg., den Leutnants d. R. Isaak Go ttlieb, schw. FeldartEeg.', Sussie F r ö h l i, ch, Brigädekdo., Paul Blaszb alg, Desiderius Fisch e r, ung. Ldwreg., Jakob Torbe, JE.;