Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ictWOIHrri ' Seite 8LL Dr. BlyH'si Wochen fthrtft Nr. 34 LM uns frei und offen ohne Verschönerungsiünche üe- Rmnen. Dfe Zeilen haben sich geändert. Mir stehest nämlich nicht mehr auf dem Standpunkt der Mtion.alisten zu Beginn des Kampfes für die Emanzipation, wonach die Gleichberechtigung nur unter Verlust der Nationalität zu erreichen ist. Der Nationalismus ging pon der irrigen Ansicht aus, „der Mensch sei imstande, Jahrhunderte von geschichtlichem Werden von seinen Schultern herabzuwälzen und sich im Nu nach den Anordnungen des abwagenden Verstandes neu umzuge staltem Und so entstand die Epoche der Negation per jüdischen Nationalität."**), Nun gehört glücklicherweise der Rationalismus der -Vergangenheit an und das Wiedererwachen des jüdischen Nationalgesühles steht auf der 'Tagesordnung- Wer kennt sie nicht, die. weltumspannende jüdische nationale 'Organisation „Zionismus"? Muh; in Rumänien ist sie bekannt, sogar in Bukarest. . : Dort sprachen vor^ einer tausend'Löpsigen Menge die Zionistenführer N. Dokv- - l o w, Professor Dr. Fr. O p p e n h e i m e r, Dr. Jako L- -sohn, Dr. Hantke und viele andere. Dort waren und sind noch jetzt. viele zionistische Vereine, die sich zrüst Baseler Progranün bekennen. Und diese Juden sollten aus einmal, angesichts der Gleichberechtigung, ihre jüdische Eigenart von sich äöwerfen? Phantasien,- an die kein ehrlich denkender Mensch glauben kann, jemals glauben wird. Und nochmals. Die Gleichberechtigung darf in uns nicht den lästerlichen Gedanken an eure Auflösung der jüdischen Religion oder der jüdischen Eigenart auflomnken lassen. Vielmehr muß jetzt, mehr Wie. je, an einer Erstarkung des religiösem Lebens und des jüdischen Nationalbewußtseins gearbeitet und mit aller Energie darauf hingewiesen werden: ,Me volle Gleichberechtigung der Juden ist nur dann möglich, wenn auch gleichzeitig die.Gleichberechtigung des Judentums, des jüdischen Mtus, der jüdischen Religion gesichjert ist. Denn wenn so vielst dje verfassungsmäßig gewährleistete bürgerliche und staatsbürgerliche GleichUerechtigung der Juden nicht zur Wirklichkeit geworden, son-, dern Staatsbürger.zurückgesetzt werden, lediglich weil und so lange sie zum Judentum sich bekennen, so wirkt nicht im letzten Grunde hier die Bewertung des Judentums mit, so lange das Judentum die Mutter der anderen Bekenntnisse, das Aschenbrödel unter den Religionen im Staate ist und als ein den christlichen Religionsbekenntnissen ebenbürtiger Kulturfaktor nicht anerkannt wird, so lange wird auch, die Zugehörigkeit zum Judentum im Einzelfalte als ein Mangel angesehen und entsprechend behandelt werden. Die Emanzipation der Juden wird erst dann zur Tatsache werden, wenn auch das Judentum emanzipiert und als ein völlig gleich-, berechtigter Faktor neben den christlichen Bekenntnissen angesehen sein wird."**) . An diese Arbeit sollte die rumänische Judenheit unverzüglich herantreten, eine Arbeit, des-Schweißes der Wen wert. Den beschämenden Worten von der Auflösung der Mischen Religion und des jüdischen Volkstums: „Die Indem werden nicht mehr "nach Erreichung der Gleichberechtigung Juden 'sein wollen usw", setzen wir die Worte Äoethes entgegen: „Israel, ist das beharre lichfte Molk der Erde, es ist, eswar, es! wird sein, um den Namen des Ewigen durch alle Zeiten zu verherrlichen."***) : Jas G«d» d«< |«tm **) Freund, , Staat und Kirche", Jahrb. 1911/ S. 110. ***) Wanderjahre, 2 B., 2 Kap. Der russische Volkscharakter gibt' während dieses' Krieges Mts el Mer Rätsel auf- Kalten Blutes hat das Volt den Zaren, der für manchen Bauer in der Mng^ ordnung vor Gott gesetzt wurde, der — nach Bäkunin — „wie ein russischer Christus, ein Vater und Ernährer ganz von der Liebe zunk Volke durchdrungest ist", abge- ' schlachtet, nachdem der Heilige Synod schon nach seinem Sturz -vom Thron die Zarenfamilie aus der Liturgie Das menschliche Mitgefühl, das .selbst diesem -Jämmerling auf dem Throne, der Karikatur eines Herrschers, gegenüber sich nicht zum Schweigen bringen läßt, wird freilich auf eine harte Belastungsprobe .gestellt, wennman sich vergegenwärtigt, welchen Katarakt von Blutströmen dieser - Neurastheniker, der von seinem Vater Alexander Alexandrowitsch auch noch das Uebel des Alkoholismus geerbt-hatte, auf dem Gewissen hat. In einem rechtsstehenden Blatte ist dieser Tage die Auffassung vertreten worden, selbst während der jahrhundertelangen Herrschaft des Zarismus in Rußlandvon Iwan' beni^ Schrecklichen bis Nikolaus II., sei nicht so viel unschul-' diges Blut geflossen, wie unter der jetzigen kurzen Herrschaft der Bolschewiki. Das ist ein großer -Irrtum. Der Blutstrom in Rußland war nie höher gestiegen als unter dem sogenannten „Friedenszaren"; man braucht nur die Zahl der. Opfer, angefangen von den Tausenden, - die bei . seinem Krönungsfeste aus demChodinkafelde niedergetrampelt wurden, die unzähligen Opfer der Feldgerichte, .die Hund erttausende. in Sibirien in den Gefängnissen . und in. Pogromen Umgekomm enen zu summieren.; — > die.. ZiW, ^das.üetzMBofWstM Regiment. Umgekommenen schrümpft demgegenüber zu einer winzigen Zahl zusammen. Das Blut muß -auf diesen durch, und durch neurasthenischen, von einem unsagbaren Schrecken vor Revolutionären und. Juden erfaßten wollüstigen Mystiker, der sich! mit Geistersehern, Wettermachern und. Bauernpropheten umgab, 'der auch 'inseiner Gefangenschaft der Geisterbeschwörung oblag, und z. B. fortgesetzt den Geist seines verstorbenen Vaters um Rat gefragt hat, wie er aus seiner persönlichen Bedrängnis herauskommen könne, das..Blut muß auf den Freund des Purischkewitsch des Häuptlings der Schwarzen Hundert, und des finsteren Pobjedonoszew einen .förmlich, berauschenden Einfluß ausgeübt haben. Als der Gouverneurvon Kischin ew, Fürst Urussow, es wagte, vor ihm einige Worte des Mitleids mit den -Opfern der Pogro,me auszusprechen, stieß er auf eisiges Schw eigen. Eine byzantinische Geschichtschreibung hat diese Züge persönlicher Grausamkeit und feiger Hinterlist in Abrede stellen wollen, nun, es gibt einen klassischen Beweiszeugen. T o l st o iverzeichnet . in seinem Tagebuch vom 3i Februar 1898: „Man sagt vom Zaren, nicht er fei schukd, sondern seine Uimge'bung. Es ist nicht chahr, er allein-ist die Ursache vivn allem. Bemitleiden kann man ihn und muß man ihn, , aber man muß wissen, wo die Ursache ist." Tolstoi erblickt diese öffenbar ebenfalls in sein er größenwahnsinnig en Brutalität, in seiner kretiniftischen. Frömmelei und in seinem sadistischen Blutdurst, der ihn zum Opfer solcher gerissenen Scharlatane wie Rasputins und des Mönches Heliodor werden ließ. Rasputin verehrte er als den schon beinahe zu Christus gewordenen Staretzder ihm fortgesetzt in den Ohren lag, daß man -nicht die Minister anklage, sondern /die Juden und Revolutionäre verfolgen solle. Die Politik, die. ihm 'diese Ratgeber empfahlen, war die H omoge.nit.cst de r Kn u t e. Zweifellos mag die W ahn v or'stel lun g, daß alles Unheil für das heilige Rußland. von