Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34 v f Gr. BLplh'Ä idealen und staatMrbernbm-Zwecken dienstbiar zu machen, er ist w e i t enKf er n t, e i M Mt r i o t i s chfe-K e r r e nkäste zu bilden" Ein so vernichtendes UrteilüöerdieSeLbstsucht und die unpatriotische .Gesinnung kerndeutscher Bauern in Oesterreich, aus der Feder eines Mann^ der gleichzeitig. auch .einer der rabiatesten BÄänchfer desJudentpms ist, ist bisher noch niemals gebrochen worden; da verblassen ja beinahe die oben erwähnten harten Vorwürfe der christlichsozialen und' deutschnationalen Antisemiten,gegen die jüdischen Wucherer. Me Juden in Oesterreich!- die ja jetzt durch die. wüste antisemitische Hetze der beiden vereinigten großen deutschen Parteien etwas unsanft aus ihrer bisherigen beschaulichen aufgescheucht worden sind und sich;, wie es scheint, zu einer 'kräftigeren Wwehraktion aufzurütteln beginnen, sollten dieses Urteil über agrarischen Wucher jedem antisemitischen Ketzer in jeder Versammlung entgegenhalten. Daß im übrigen dieses Verdamm? nisurteil über die österreichischen Landwirte, besonders die Bauern, genau so einseitig, maßlos und ungerecht ist, wie die antisemitischen Anschuldigungen gegen die „jüdischen Zentralen" und die jüdischen Händler, braucht unserseits wohl nicht noch besonders hervorgehoben zu werden. selbstverständlich sinddie Juden auch die Verbreiter der-geigen die habsburgische Dyn a sti eg e r i ch t e t e n Verleumdungen, worüb er die christlichsozialen Abgeordneten Kunschak und Jerzabek bewegliche Klagelieder anstimmten, ohne freilich daran zu erinnern, daß ein reichsdeutsches) ihnen gesinnungsverwandtes Blatt, die.,„L eip.zigx r,N.e neste n Nachrichten", schon seit Wochen und Manchen durch gehässige Ausstreuungen über das österreichische Kaiser-. Haus den Boden für die Northcliffe-Propaganda wirksam bestellt hat. M«e Nermahr««-. Bon Dr. I. N a ch t, Focsani. „Juden sollen Juden bleiben." ' ltzerzl.) In der „Gazeta Bueurestiler“ (Nr. 592 vom 8. Aug. 1918) erschien ein Artikel „Pentru Evroi“ (für die Juden), in dem es unter anderem heißt: Langsam, langsam werden (nach. Erreichung -der Gleichberechtigung) Schächter, Rabbiner und Synagogen aushören. Die Juden werden nicht mehr Juden sein wollen. Die Juden in Rumänien, wenigstens die aus Bukarest und der Muntonie, erwarten mit Ungeduld das, was ihnen die Nationalisten nicht gewähren wollen: das Recht auf Assimilation. Diese Worte enthalten eine herausfordernde, ich möchte fast sagen, eine schwere, beleidigende Zumutung an die Adresse der rumänischen Judenheit, die nicht energisch genug zurückgewiesen werden kann. Wie,, die Gleichberechtigung der Juden soll die Auflösung des. jüdisch-religiösen Momentes, der konfessionellen Sonderart, zur Folge haben? Soll das ein Muß, eine „conditie sine qua non“ sein? Unglaublich! Ist es dem Verfasser nicht bekannt, daß es gegenwärtig — in den ältesten' Zeiten war es freilich anders — Bürger, gibt, die ein und dieselbe Staatszugehörigkeit aufweisen, obschon sie verschiedener Religion find, und wiederum umgekehrt ein und dieselbe Religion, zu der sich Bürger. verschiedener Staaten bekennen? Was inaller Welt berechtigt nun den Verfasser zu seiner eigentümlichen Anschauung? Der Wunsch dürfte wohl der! Vater des Gedankens sein. ~ . Wochenschrift Seite 843 Denn folgerichtig ist diese Ansicht nicht- Gerade vom assimilatorischen Standpunkte aus nicht, den der Verfasser einnimmt. Sind es ja bekanntlich die Assimi-' lauten aller jener Länder, wo die Juden schon seit Jahren emanzipiert sind, die vom jüdischen Volke als von einer nur beson de reu Konfes s i o n sprechen, . das einzig .berechtigte, was noch 'heute vom jüdischen Volke ausgesagt werden kann uno soll. Das gesonderte religiöse Moment, also mithin auch Synagoge, Rabbiner usw-, will auch, der Assimilant gewahrt wissen, und mag er sich noch so patriotisch gebärden. Der Grundsatz „cuius regia.eius reiigie“ ist ein längst überwundener Standpunkt und dürfte wohl von keinem, am allerwenigstenvon Juden, welcher- Partei immer sie angehören mögen, wieder Herbeigesehnt werden. Der Jude kann wohl ein guter Staatsbürger sein, obschon, oder richtiger, je mehr er an seiner Religion feschält. Ist es ja das Prophetenwort, das uns' zuruft: „Arbeitet an dem Wohle des Staates, in dessen -Mitte ihr wohnt, denn sein Wohl ist euer Wohl." Jawohl, das religiöse Moment steht der patriotischen Gesinnung nicht Hindernd im Weg- Im Gegenteil: Djas sagen nicht allein die Propheten Alt-Israels, das sagen auch moderne, hervorragende Denker, die sich im Kampfe für die Emanzipation der Indien große Verdienste erworben und deren patriotisch^ und sogar assimilatorische Gesinnung der gebiitdieten Welt zur Genüge bekannt ist. Kein Geringerer als der berühmte Universitätsprosessor H. Steinthal — sicherlich ein guter Patriot und gesinnungstüchtiger Assimilant — mjeint über den Punkt jüdische Religion und Staatsbürger: .. „Als ich Student der Berliner Universität war. Hörte ichvon eir^em beliebten Professor Vorlesungen über Anthropologie her vorzüglichsten Völker und schließlich auch der Deutschen. Von diesen sagte er: „Die Deutschen find das Volk der Religion." Das hatte ' mich erschüttert odjer vielmehr freudig durchschauerr. Sind denn nicht wir Juden das Volk her Religion? Und die Deutschen sind es auch! So bin ich demtz von dreifachen Fähen umwunden:. Jude, Deutscher, Mensch, und er wird nicht Zerreißen, und er soll auch nicht ausgedreht und zerfasert werden. Nein, es ist kein Widerspruch zwischen Deutfchseiu, Judesein und Menschsein, sondern diese drei schlingen sich so . ineinander, daß wir eines nur sein können, indem wir die beiden anderen sind, uUd es um so mehr sein werden, je mehr wir diese sind."*) Soll das, was dem Patrioten und Assimilanten Stein 1ha l recht ist, nicht auch dem jüdischen Patrioten und Assimilanten in Rumänien billig sein? Rein, die Emanzipation der Juden , bedingt keine Preisgabe des jüdisch-religiösen Lebens. .Auch nicht einmal in Rumänien, wo es trotz des in manchen Orten um sich greifenden religiösen Verfalls noch so viele, viele jüdische Juden.gät, wie Sekolow in seinen Reiseeindrücken von den rumänischen Juden sagt. O nein! An unserer Religion darf nach, wie vor nicht gerüttelt werben. Sie ist die Feuersäule, die uns aus 'unserer Wanderung durch den Wüstensand der Diaspora vorangeleuchtet; sie ist unser'heiligstes Panier, das wir hoch und immer höher schwingen müssen, auf daß „die Volker alle sehen, baß der Name des Ewigen uns kennzeichnet". An der Religion darf nicht gerüttelt werden, aber auch nicht an der jüdischen Eigenart, an der Mischen Nationalität. Das ist der Standpunkt der Nationaljnden,. zu dem wir gesetzestveue Juden, denen das Prophetenwort: „Ich, der Ewige, habe mich nicht geändert, und ihr Kinder Israels werdet nimmer anfhören", Devise und Leitstern (.* Stein thall, Juden und . Judentum, S. 14— 15.