Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 34 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Leit» 5LS Lir. Bloch'H Wochenschrift Kr. 34 Merweise einzig dasteht, austriftigen Münden unter* . sWt- . . ' t ■/ . , ' i •, ' Genau (io; unbegründet jyti) heuchlerisch wie die Klagen gegen die angebliche „jüdischen KrieMentralen". in DeutschAnd sind die leidenschaftlichen Anklagen.der Merrer EhriMMozialen gegen die österreichischen Kriegszentralen- .In d er Brünn er „Rovnosif" konnte man vor einigen Monaten lesen von dem „reichen, größtenteils reklamierten bäuerlichen .Junkertum, das ftch in allerlei Zentralen, Getreideanstalten, Kommissionen und,Kanzleien versteckt hält und für das die.heutige Zeit eine goldene Erntezeit bedeutet". Das Hefterste dabei aber ist, daßwahrend in Oesterreich und Deutschland die antisemitischen Marteren aller.Schattierungen gegen die „jüdischen Kriegszentralen" Sturm laufen, der Begründer der christlich-konservativen Marter in Tirol, der ' ReichsraLsabgeordnete Dr. S chö Hs e r, im „Tiroler Anzeiger" (4. Mai) einen von der „Germania" übernommenen -Artikel veröffentlicht, worin er die deutschen Wirt- . schast^entralen geradezu als vorbildlich preist und der österreichischen Regierung den Vorwurf macht, daß, sie nicht die „bewährte staalliche Ernährungspolitik Deutschj- - lands" befolgt habe. „Gegen die Zwaugs'wirtschast und die jüdischen Zentralen" und „für den freien Handel" wird gleichwohl überall in diesen ^Protestversammlungen manifestiert. Früher lautete der Schlach-Lruf bekanntlich. anders, da war gerade der freie Handel das Dorado, ja geradezu eine Erfindung des Judentums, das dem christlichen Erzeuger seine Ware zu Spottpreisen Oliste and dem christlichen Verbraucher ' zu Wucherpreisen aufdränge., Daß die jetzige. Hetze schlimmste Demagogie, ja der abgefeimteste V ol ks betrug ist, muß, wenn auchwider Willen, das Wiener - beutschnationale Hauptorgau, die ,,O. R.", selbst zugeben, indem sie .(19. Mai), die Notwendigkeit der .Zwangswirtschaft durch die Zentralen selbst-anerkennt: „Man stelle sich, nur vor, wie es uns ergangen wäre, wenn die Regierung die knappe Ernte von 1915 freigegeben hätte. Angesichts der Unzahl von galizischen FMhtlingen, die wir damals zu ernähren hatten . Unsere Zeit, und vor allen/Dingen der Öesterreicher, habe ein sehr kurzes Gedächtnis, da mPa aus' dem Anfang des Krieges ganz vergessen habe, »wie der freie Handel allmählich ganz versagte und die Regierung zu Eingriffen förmlich gezwungen wurde"'. Doch des Menschen Wille sei sein Himmelreich! „Sollte es dem allgemeinen Volksänsturm gelingen, über kurz oder*läng den freien Kandel zu erzwingen .— im Schoße der Regierung und' auff den Lehrstühlen der Hochschulen sitzen ja genug Vertreter liberaler Wirtschaftstheorien —, dann wird auchdas. Wenige, das wir noch besitzen, mit Gold ausgewogen, und die heutigen Schleichhandelspreise werden öffentliche Preise werden. Ach einen Abbau der Preise ist auf Jahre hinaus nicht zu denken, und unsere Industrie wird an den hohen Erzeugnngskosten rettungslos zugrunde gehen. Nur eines wird blühen und ge- - deihen: das Judentum, das im Trüben zu fischen v ersteht." Mso die Juden sind in jedem Falle, ob staatliche Bewirtschaftung bestchen bleibt oder , freier Handel sie ablösh diejenigen, die das Volk aussaugen und die ' nachdem Kriege das arme Wristenvolk noch mehr -bedrücken werden! Hat doch; WÄtDaM Hentschel, der Verfasser des ersten antisemitischen größeren Rassenwerkes „Varuna" („Neues' Leben", Nr. 7 d. I.), schon eine Probe dieses grenzenlosen Hochmutes der reichgewordeileu jüdischen Kauflente festgenagelt: „Eine jüdische Händlerin Hiesiger Stadt (BöhM-ens). gefragt, was die Zu den denn nach, dem Kriege mit so viel verdientem G'elde an fangen werdenantwortete: „Nun, wir kaufen uns eine g old ene Kutsche, dann spannen wir die Christen ein und lassen uns.fahren" . Schade, daß aüf diesen „Deutschen Volkstagen" der vereinigten chriMchsozialen und deutschhationälen Anti-> semiten Oesterreichs kein Gegner'und auch niemand" von der Regierung anwesend gewesen ist, der diesen demagogischen Hehern dse heuchlerische Maske der Volksfreundlichöeit vom Gesicht gerissen und dem händlerischen Wucher von Juden den agrarischen Wacher der arischen Landwirte gegenübergestelll hätte, als notwendige Ergänzung einer 'erschöpfenden Darstellung der Schuld am Wucher. Die Wiener freiheitlichen d eutschen Ab- . geordn eten hatten in einer öfsenüichen Kundgebung vorher jede Beteiligung. an diesem demagogischen Treiben der ChriWchsozialen und. Deutschnationalen ab g elehnt, nüht etwa aus Liebedienerei, gegen die „verjudeten Zentralen" oder aus Sympathie für den „verjudeten freien Handel", sondern weil sie die volksoer-- hchende .Absicht der Veranstalter dieser Kundgebungen zur Genüge erkannt hatten: Vielleicht macht aber doch noch nachträglich ein Parlamentarier oder ein Parteiorgan dieser Richtung das Wiener.deutsche Bürgertum daraus ausmetksam, wie ein gpt österreichisch und kern-, .antisemitisch gesinnter publizistischer Wortführer der Deutschnationalen,' Dr. Franz Ha i s e r, in der „Pol. Anthr. Monatsschr." (Mai d, über'den Wucher der ö st e r r e ichisch e n La n d w i rt e urteilt. Hier einige Proben: . ' . „So tierisch egoistijschwie unser Rührstand, könnte während dieser harten Zeiten allenfalls nur noch, das ,Kapital, in -hew Händen des W.ters ge?' herrscht hOen..'Ja,-es' Mr nicht'WAn ein Pressen ' und Prellen um der eigenen, bereits wohlgefüllten Tasche wegen) es lag geradezu .eine planmäßige, boshafte Aus hu n ge run gsp v l i t'ik i n d e m G e bar en unser er.Bauern, aus Haßaus Mißgunst gegen bie Stadt, die sie nun endlich einmal-in ihrer Gewalt hatten. Man konnte sogar Worte hörerr, die diese Stimmung bewiesen: ,Sie sollen nur verhungern, sie sollen jetzt mir ihren eigenen Tr . . fressen.' Von Gemeingefühl und Väterländsliebe verraten solche Worte wenig. Der Demagoge wird mir nun einwenden, der -Bauer müsse gegen Staat und Gesellschaft mißtrauisch werden, weil er Macht verwaltet werde und die größten Lasten, zu tragen HOe. Das ist aber nichts anderes wieder als das ewige Auskneisen von dem Kernpunkt der Sache; der Bauer bliebe immer Bauer, und wäre auch Verwaltung^ und Regierung rwch so tadellos, eher noch boshafter würde er sein, wennes ihm' noch besser ginge..." „. . . Der Großbauer wäre genug Produktions fähig, Oer er selbst istsaul^. hält einen Troß Leute, die das meiste selbst .auszehken, ist allen Neuerungen und Verbesserungen gegenüber unzugänglichj und v er füttert heut e s eine Milch noch eher d en Schweinen,-als daß er sie für ft eures Gelb den verhaßten Städtern lieferte . ..." . . Der echte Bauer hat für alle linkskulturellen Ausdünstungen ein sehr feines Geruchjsorgan, Oer seine ' Ablehnung -hätte schließlich keine Grenzen und ging in rohe S elbstsucht über. Man wird mir -wohl einwenden: welcher Stand sei in dem Sinne nichs ableh^ nend, wer - müsse zum Tragen, der Staatspflichften und -lasten nicht sozusagen mit 'den Haaren herangeschleppt werden? Gewißj, aber bei keinem Stande ist die Sache so gefährlich wie bei unserem Ernährer. Unser G r o ßha N e r i st v i el zu r e ich) um d«e Härten des Lebens und das Folgen, .kennen gelernt zu haben, geistig Oer viel zu arm> um seine Freiheit u.nb Unabhängigkeit