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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-30 · 34 (30.8.1918) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
34 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ar. 34 Dr. Bloch’s Ashr-«WK XXX? Zentralocgan kür die gesamten Interessen des Judentums R. k. Vostsparkalsrnamr Llearisg-Berkehr: 810.97# oo VMcOtos »ntz «dmtntstritt*« I nie« Ü/i, Praterstra-e 9 , Tvltpboat 45*359 oö= Wien, 30. August 1918 •:» Erscheint jeden Freitag ■:» «ir», H/i, Pratrrstr«tze 9 £d*$*wt8i4ttKf|e: Bl»ch'S Wsch«rschrift, Wtom DezugS-rsi-: Halbjährig 10 Krone» Ganzjährig 20 Krone» Einzelexemplare 50 Heller ■spffMt Mi 8aai|«fiMttsM« © . Oeett^tt» N #**nr Do Q -Sv Inhalt: Leitartikel: Der jüdische Sündenbock in Oesterreich. — Eine Verwahrung. — Das Ende des Zaren. — Aus der Woche Ein Lehrstuhl für jüdische Slpologetik. — Eine «Liga der Freunde des Zionismus" in Frankeich. — Der Rabbiner im nichtjüdischen " Schrifttum, — G. B. Schloßberg. — Geheimnisvolles Verschwinden jüdischer Arbeiterführer in Warschau. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Zwei Brüder. — Tragischer Tod einer jüdischen Krankenschwester. — Aus einem Palästina- Feldbrief . — Die antisemitische polnische Legion in Frankreich. — Bulgarien und die Juden. — Isaak Bär Levinsohn. — Korrespond enz e n:.Aufruf! — Die deutsche Judenpolitik im Osten. — Eine Erinnerung an Ludwig Frank. — Die Organisation der israelitischen Kultusgemeinden in Rumänien. — Die Newyorker jüdische Bemeindekonvention. — Vermischtes. — Feuilleton: Wilhelm Feldmann. — Romain Rolland im Jean Christof über Juden und Judentum. — Inserate. Der jüdische SündenUock i« Oesterreich. Berlin, im August. Die innerpolitischen Vorgänge in der verbündeten Donaumonarchie ,erheischen auch>' bei uns ernste Beacht > lung, da. tausend gegen .eins zu wetten, ist, baß die diabolische Taktik der dortigen Reaktionäre von ihren antisemitischen Gesinnungsgenossen der verschiedensten politischen Richtungen in Deutschland, soweit das bisher nicht schon geschehen ist, Mer kurz oder lang nachgeähmt werden wird. Für alle wirtschaftlichen und politischen Nöte, unter denen die Gesamtheit des Volkes schwer zu leiden hat, suchen die Kreise, die ein böses gewissen haben, einen Ableiter, um den Zorn des Volkes abzuwälzen, —v und wer wäre hierzu geeigneter als der', traditionelle. Sündenbock durch die Jahrhunderte: der Jude und die „Judenpresse"! Auf den verschiedenen „Deutschen Volkstagen", auf denen jetzt die Deutschen Oesterreichs gegen die Regierung mobil gemacht werden, hat diese systematische Verunglimpfung der Juden den weitaus wichtigsten Bestandteil der'Reden gebildet. Und wie sehr auch die Gegensätze in Programm und Taktik zwischen Christlichsozialen und D eutschnationalen durch verschiedene Streitftagen des Krieges in den letzten .Jahren verschärft worden waren, und zwar in einem Maße, daß dabei die parlamentarische Vereinigung der deutschnatiünalen .Gruppe in die Bruche gegangen ist — in der UeberzeugunA daß der Jude, als Blitzableiter für die Ernährungsschwierigkeiten der Bevölkerung vorzüglich zu verwenden ist, waren sie'sich alle einig; ja, man gibt sich sogar der Hoffnung hin, daß der KreüzzUg, der auf diesen Deutschen Volkstagen gegen das I u d ien t u m gepredigt wurde, -eine Brücke der Verständigung' sein werde füjr ein' späteres taktisches' Zusamm>engehen sämtlicher. deutschen Gruppen in Oesterpeich^Wie da auf dem Tiroler „Deutschen Volkstäge" in St erzin g und hem niederösterreichischen „Deutsch en' Volkstage" in W i e n von den Wortführern beider Gruppen gegen das .Judentum gehetzt^ worden ist, das spottet jeper Beschreibung; das Aergsta hat die Oeffentlichke.it übrigens noch gar nicht einmal erfahren,- da die Zensur /«es 'unterdrückte. Dazu gehört u. a. die Rede des christlichsozialen Landesausschußmitgliedes Kunschak auf dem Wiener Deutschen Volkstage, der, ganz im Stile seines Parteigenossen Dc. M a - taja, gegen die „Hydra des jüdischen Wuchergeistes" wetterte. Als Motto scheint er sich eine unverschämte Lüge der „Ostdeutschen Rundschau" auserwählt zu haben, die im Briefkasten (12. Juni), ihren. Lesern die Schwindelnachricht servierte: „Schon im ersten Kriegsjahre hat der Bankier Friedkänd er auf der Börse in Newyork gesagt: „Der Krieg mag ausgehen, wie er will, wir Juden auf der ganzen Welt haben ,gewonnen'" Vielleicht hatte er auch den brennenden Ehrgeiz, die Hetzrede des reichsdeutschen Professors! Edgar Mey er auf dem Sterzinger Volkstage noch zu übertrumpfen, der dort nach dem Bericht der „Md. Bl." (Nr. 25) die Juden folgendermaßen anpöbelte: „Der Jude ist allmächtig in Oesterreich. Wir .über dürfen nicht einmal unser freies Wort unter freiem Gotteshimmel äußern. Ihm ist .alles erlaubt, ihm sind -alle Wege, alle staatlichen 'Türen offen; in den Kri egszentralen, dem größten Feinde, den wir im Weltkrieg haben, sind sie Alleinherrscher. Entweder läßt man dort die Gottesgabe zugrunde gehen, oder sie wird zu Wucherpreisen mit Wuchergewinn abgegeben." Das Maß sei voll. „Oder sollen wir weiter zufehen, wie unsere Söhne auf den Schlachtfeldern verblute n, unsere Bauernhöfe veröden, unsere Wöhnstätten entvölkert werden, während Hund er tt aus ende von Slawen und Juden im Hinterlaw.de sich mästen?" Mit einer zweiten Auflage dieser Hetzrede sollte auch der Wiener „DeutscheVolkstag" beglückt werden, die Wiener Zensurbehörde hatte jedoch das Auftreten emes solchen Demagogen, wie er unter deutschen Professoren wohl glück-

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