Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-23 · 33 (23.8.1918) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
33 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022334--27124-3052522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

£tft* 538 Sr- Bloch,'s Wochenschrift M. 83 Der Jude schriee, um die Veranda laufend', der Hund lief ihm nachj, spranU Hü an, und der hochge- Arne Herr l-achte, daß die Tränen auf seinen schönen, wahrhaft adeligen Schnurrbart fielen. Er hätte nicht gelacht wenn er gewußt hätte, daß der Huüd dem Faktor wirtlich wehtun wird: der hochgebvrue Herr war nämlich gar nicht schlecht; diese blinde Angst ,jedoch »var so komisch . . . Und diese Angst des Juden wuchs, nahm einen imm.er lächerlicheren Ausdruck an, denn auch Jankel fürchtete sich eigentlich! gar nicht vor dem Hund, sondern wollte mit dem unschuldigen Schauspiel L^n Herrn in gute Laune versetzen. Das zahlte sich manchmal so gut aus. - Aber Stach, mein.e Spitzen, mein Kleid.... In der Tat war es schad.e, -Zeit zu verlieren für eine Pantomime, die -sich übrigens nicht nur einmal abgespielt hatte und noch abspielen wird. Karo, kommst her! Jankel warf in die Richtung seiner Herrschaft noch einige forschende Blicke und tiefe Verbeugungen und setzte sich in Haus gegen das Palasttor. Jankel! - - Das ist die Beschließerin. Eben steht sie vor der. Küche, niedrig, dick," rot wie Paradeis, und/kaut, wie immer, etwas im Mund.e. Ihr bringt mir einen. Hut Zucker, Jankel. . . Sogar zwei, wenn Frau Beschließerin befehlen. Was? Was?! Ist das eine Strafe Gottes mit diesem Indien! Ich Hab' euch, tausendmal gesägt, daß man michanspricht... Frau Schafferin. Verleihen 'Sie, aber ich habe mich vergessen. Möge Gott der Frau Schafferin .so Gesundheit und Lieben geben, wie ich; mich vergessen habe. Pergeßt meinetwegen, ob ihr zu leben habt, .aber nicht, wie man' eine Person zu titulieren braucht. Das wär' gar schön. Ich werde hier zehn solche finden, die guf allen Vieren vor mir herumspringen werden. . . Jantel stand schon demütig, gebückt da; sein gelbes, kleines, runzliges'Gesicht faltere sich,-schrumpfte zusammen^ sah aus wie xine alte, vertrocknete Zitrone. 'Wollen sich Frau Schafferin nicht mehr ärgern.' Ich bitte um Verzeihung . . . Und erlauben Frau Schäferin, Rosinen und Mandeln . . . .Er zog pus der Tasche ein Päckchen Näschereien, die nebst der Titulierung eine unentbehrliche Äebiensbedinaung für die Beherrscherin der Hosküche bildeten. Na, , noch dies eine Mah ries sie begütigt. Wer/ was wollt' ich! nur gesagt haben? D>enn wegen euch vergeß' ich. immer. Also... Ein Hut ZücLr. Wa, und ein Pfund Kaffee und zwei Kilo Kerzen. Werdet ihr es euch merken? < Hi, hi, hi, warum soll ich's mir nicht werken Und noch wie werd' ich's mir merken!/Ich soll so gesundher zurMWommeg... . 7 Pttt dem Hut bezeichnete er tief am Boden eine prächtige Verbeugung und springend den Kaftan — der einst aus Mips' war und heute eine wahre Mosaik von: Flecken bildete — mit Kot bespritzend, erreichte er das große Tor. Hier Händen W.alek, der Kutscher, und Matthias, der RechnungsMrer. Jener brauchte Nägel und Tabak, dieser, .einen speziell „Reinen" aus der Propination. Geld gabi keiner, dafür stieß der glänzend gelaunte Walek dM Juden gegen Mätchias, Matthias schob ihn gegen Walek zurück und der hieb ihm mit dem 8drf: O, mein Gott! den Hut bis über die Augen ein. Und nun marschmarsch! rief er. Mer Jude verschwand mit einer Eile, die nicht einmal ein.e Antwort auszustottern erlaubte, währendj beide Digüitär.e shh vor Lachen die Seiten hielten. Ist das ein Kerl, rief Walek. -Rur daß er mit dem Bart wackeln tut und so zittert als wie eine Espe. Was kann er denn dafür, weil ihir schon so der Herrgott halt geschaffen hat/bemerkte philosophisch der RechnungsMhrer. Er hat ihnen Verstand zu Gaunereien gegeben, wenn er ihnen auch; keine Kraft vüt den Knochen gegeben hat. ... > Zankels Silhouette verkleinerte sich am Horizont immer mehr, der lächerliche, schwarze Fleck, oer aus dem Hintergrund des letzten herbstlichen. Grüns wippend oahinrollte, schwand schwell, hastig.- -Zur Stadt sind nämlich; zwei Meilen unv der Faktor sollte noch heute zurück fein. Indessen unterhielten sich dieim Schloß Verbliebenen mit Betrachtungen und weiteren philosophischen Bemerkungen. Aste waren sie ziemlich - ähnlich den Erwägungen des Walek und des Matthias, obschon sie v.on Repräsentanten' der mittleren Klasse.und Kultur herrührren: her- Beschließerin, sowie der -höchsten: der Herrschaft. Die Frau war eine Person mit delikaten Nerven und sentimentalen Anwandlungen. Was hast, du für Passion, fortwährend mit diesem Juden Hetzen zu treiben?! sprach sie zu-ihrem Gatten. Diese Geschichten mit dem Hund wiederholen sich schon zum ich weiß nicht wievielten Male und für den armen Menschen sind sie nicht überaus unterhaltsam. ' ■- Der Herr, lachte breit auf. - , Aber Seelchen, sagte er, wie man doch erkennt,^ daß du ein städtisches . Mäderl bist! Wer. macht sich denn etwas daraus . . .? Dieser' .Jankel, - weißt du, gehört zu meinem Inventar, ich habe ihn Mit dem ganzen Nachlaß geerbt und nie hat man ihn and ers bHandelt/ Sett'.MdenMchew Zeiten etwahocktirgendein Jankel bei uns'-in der Küche, im Vorzimmer oder m der Scheune herum und jagt nach einem Kreuzer.. Um diesen Kreuzer nur zu erhaschen,. würde - er nichtnur solche Geschichten treiben. Meinst du, daß diese Leute auch Nerven, Ambitionen und Ideale haben? Die Frau blickte mit Verwunderung aus. . Nein, das nahm sie nicht, an, Gott bewahre, sie wird , diese erhabenen Begriffe nicht profanieren, indem sie sie auf irgendeinen solchen anwendete. Wer immerhin . . . . so ein Schauspiel hinterläßt, einen unangenchmen Geschmack. Sie haben ihr goldenes Kalb und das ersetzt ihnen altes, vollendete der Herr, und fügte leiser, langsam einen--noch-nicht formulierten Gedanken spinnend, hinzu: Ich fange an, darüber nachzudenken, ob unser Volk nicht recht hat, wenn es ihnen überhaupt, eine Seele abspricht. ' _______ (Forts, folgt.) Kriegs- und Friedenskalender 5679. Hickls „Jüdischer Volkskalender" (18. Jahrgang) erscheint als „Krie g sü n d 'Fr i e- .d e n s k a l e n d e r". Der Kalender enthält unter! anderem Beiträge von: Dr. Nathan. Birnbaum;- Chlothilde BeneSitt; Dr. Hugo Bergmann, Direktorial-Assistent Dozent Dr. Böhm,- Mainz; Eh. Bloch; Rechtsanwalt Dr. Kohn, Altona; Dr. Dienemann, Ratibor; Dr. N. Färber, Cholm; Dr.. G. Freudmann. Belgrad; . iRuben' Fahn; D-r. I. GüNzig; Dr. Siegfried Gelles, Liga; iUri Zwi .Grünberg; Dr. Mar Joseph, Stolp; Eisig König; Benzion Moser; Thekla Blech, Merwin; Dr. Ernst Mülhr; Universitätsprosessor Dr. Mar Neuburger; Rabbiner Dr. Perles-, Königsberg; Meilech Rawitsch; 'Dr. D. Rothblum; Fabius Sch ächz Berlin; Lorenz lSchsrrlag«; Mareg Scherlag; B. Tag; Dr, B. Wachste (n.lAls Anhang: „Ehrentafel für Gefallene." _ 1 - Jur k. I Schulbücherverlage in Prag ist »soeben erschienen: -Biblisches Lesebuch, 1. Teil. Für die unteren-Klassen der Mittel- ' chut n, von Pros.. Dr.', I. PoUak ' und Prof. O.- Werner. 1. Heft : Tert. Preis K. 2.36. 2. lHest: Grammatik und Wörterbuch Preis K. 2.30. Genehmigt von der 'israelitischen Kultusgemeinde-Repräsentanz in Prag unter dem 13. Juli ,1914) Z. 1139. Zulässig erklärt mit Erlaß deL k. k.'Ministeriums für Kultus unÄ Unterricht vom 10. Mai 1918, Z. 14.626-Xu. (

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.