Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 33 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Är. 33 Wochenschrift Seite 5L? ,Ait«iümor-" ««d „Hostirnschiindung" i« ver christttchrm K««st. Von Clodilde Benedikt. Die Ausführungen Dr. Blochs in den Feuilletons der letzteniltummern dieses Blaues sind um. so verdienstvoller, als noM immer die weitesten Kreise uilserer österreichischen BevölrerunA sich von diesem Jrrtvahn angestecvt finden. So möchte ich noch aus ein paar Belspiele Hinweisen, in denen große Künsfier oem ihrer Zeit und chrer Besteller Tribut leisten mutztell, j-ie uver geeignet sind, noch heute Uebles zu lvirren- Ju dem-Juwel gotischer Baurüust, das Brüssel irr seiner Güdalachthedrale besitzt, stand wohl. jeder Beschauer irn . Banne der Herrlichen Glasfeuster, vielleicht der schönsten, die uns 'bewahrt. worden sind. Dort haben die Könige von .Portugal, Frankreich Ungarn. und Böhmen im 16. Jahrhündert eine Fellsterreihe durch.Iau van Haech ALichel Coxie und Bernhar0 von Oerley ausführen lassen, welche die Geschichte einer Hostzeu-. schändung (Zerstücllung in der Synagoge, ivundecvares Bluten, Berdrennultg der .Juden), schildert. Mir ist nicht mehr erinnerlich, wo ssch diese Geschichte zugetragen haven soll, Wohl aber, daß der Sakrtstjan, wenigstens unter dem milden und aufgeklärten König Leopolo II., unter dessen Regierung, ich die Kirche besuchte, immer hervorjhob, es handle sich um eine unerwiesene Legende. . In den letzten vier ^Jahren haben aber Tausende und und Abertausende unserer Soldaten aus allen Schichten durch den Gang der. Weltereignisse diese ungemein lebendigen und draMütischen Darstellungengesehen^- Dies läßt mich fast wünschen, diese Fenster würden ausgebrochen und im Depot eines Museums eines rein Kunstverständigen ausbewahrt. - , ' . , Keine kunsthistorische Notwendigkeit liegt jedenfalls dafür vor, die greulichen Sudeleien eines Korneuburger Meisters, der in einer Reihe von Streifenbildern alle angeblichen Details der 'angeblichen Korneuburger HostienschäUduug, her die mittelalterliche Wiener Judengemeinde zum Opfer fiel, schildert, in dem Korneuburger Atuseum zur.Schau zu stellen. Da ich es ganz allein besuchte, weist ich nicht, welche 'Kommentare die Übrigens wackere und durch den Krieg hartgeprüste Kastellanin etwa der bäuerlrchen Besuchermenge gibt. Ich' möchte über bei der Stimmung unserer Bevölkerung und Schuljugend — wie tief Museumseindrücke hasten, weist .ich aus der eigenen Kindheit — schon lange dafür .plädieren, daß das historisch gewist interessante Bild bis in glücklichere Zeiten größerer Aufklärung allgemeiner Besichtigung -endogen wird. Nicht heute mehr, Der bei der.Vergötterung und. . Verbreitung, die Lope de Begas Dramen mit Recht " in der spanischen Welt genossen, in vorigen Jahrhunderten hat gewist.schweres Unhe.it Pas Drama des spanischen Meisters angestellt: LI mLno Lnuoeeute äv lg. Guardia. Man wird immer bedauern müssen, daß dieser gvoßa Dichter, herrliche Mensch und sogar Judenfreund — die Besprechung seiner „Esther", .seiner „Jüdin von Toledo" und seiner Bibeldramen in diesem Sinne be- ' halte ich! mir einmal für künftig vor — der bestellenden Bruderschaft dieses LokaUelligen zü Liebe das! Süßeste seiner Kunst einer Ritualmordgeschichte geweiht hat. Der Fall spielt am' Himmelfährtstage des Jahres, in dem Jsabella, die Katholische, die Inden ans Spanien vertrieb, und der Mord, der in zwei Men mit empörender Roheit genau nach dem Vorbilde der Martern Christi vor sich geht, ist als Ritualmord und Racheall der Juden vor ihrer Austreibung gedacht. Schon Grille parzer urteilte, man wisse nicht, ob man die Kunst des Dichters mehr bewundern, die Verirrung der Zeit mehr verwerfen müsse, und nie ist größere Dichterkraft mehr entweiht worden, wie in diesem angeblichen Martyrium des kleinen heilig gesprochenen Juannicos. Was soll man nach der Verirrung eines solchen Geistes Mn den Bauern von Polna oder Tisza-EWar verlangend Aufklärung der Kinder durch die katholischen oder protestantischen Geistlichen im christlichen Religionsunterricht wäre ein Postulat, das das Gesamtjudentum der zwei verbündeten Reiche stellen sollte WithNm F»t>mann. Jankel, der Faktor. Uebersetzt von M. Scherlag. I.; ■ ... Jankel! Zu dienen, hochgeborner Herr! Morgen brauche ich fünfhundert Gulden. Paßt du .auf? Ich passe aus, hochgeborner Herr. Warum soll' ich nicht auspassen? * No und warum, znm Teufeß stehst du noch da, du L,apserdak? Verdufte doch endlich zu hunderttausend Teufeln und komm' mir ohne Geld nicht vor die Augen! Der kleine, hagere, gelbe und wie ein Span abgeschabte Jude rollte sich unter unzähligen ^Verbeugungen in einen Knäuel zusammen. Gehorsamster Diener, hochgeborner Herr. Ich geh' schon . . . Warum soll ich itidjft geh'n? Er raffte den Kaftan, setzte den Hut ^auf und wollte davoneilen. JankÄ! Diese feine, schöne Altstimme kam von dem letzten Palastfenster her. Jankel war mit einem- Satze dort, den Hut, der einst an Samt gemahnte, in der Hand, und das von Fett und Schmutz bemooste Käppchen zitterte, auf seinem Kaps bei der neuen Serie der tiefen und jähen Knickse. 'Wenn Jankel in die Stadt geht, so soll Jankel bei der Schneiderin eintreten. Und soll ihrausrichten, daß sie das Kleid nicht mit Jet, sondern mit Spitzen qufputzen soll, mit echten Spitzen, versteht sich. Und kann Jankel diese Spitzen hier bekommen oder soll ich sie ' aus Wien bestellen? Aber soll Gott der hochgebornen gnädigen Frau so eine Gesundheit geben, was für feine Spitzen sch bringen werde. Aus Wien? Wozu aus' Wien? Wofür aus Wien? Warum aus Wien? - Jankel kann alles selber bekommen. Denn was für Faktor wäre Jankel. . . Also soll sich- Jankel merken. Am besten wäre es, mir diese Spitzen zum Anschau'n zu bringen. Aber sogleich schöne und sogleich gute, denn wenn dadurch die .Schneiderin sich mit' meinem Kleide verspäten sollte... So hetz' ich dich mit.Hunden hinaus, beendigte der hochgeborne Herr, der auf der Veranda stand und eben laut pfiff. " Wie aus dem Boden,- sprang aus einem Winkel ein schwarzer Hund mit einem Wolfskopf hervor und ohne den Befehl äbtzuwarten^ ohne nach dem Anlaß zu fragen, nur seiner Hnndenatur treu, knurrte er und stürzte sich auf den Juden. Aj-aj-aj, hochgeborner Herr! Gewalt! Was ist. das? Er verwundet mich, er beißt mich, schon miordet er mich!