Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 33 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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S-1K-M2 D-r. BlockM Wochenschrift Kr. 33 oder billigen' Verbreitung des gelungenen Vortrages „Woher stammt der Glaube am. Ritualmord?" Möge die is.r. Kultusgemeind e in Wien als Negotiorum Gestor der ganzen JuderHeit mit' gutem Beispiel vorangchen und jenen Fonds gründen! Möge sie vor.'allem einen Separatabdruck jenes Vortrages veranstalten, damit unsere Femdle, in deren Gehirn das Gespenst des Blutmarchens noch immer Herumgicht, die Wahrheitsbollen Ausführungen lesen und sich von her Absurdität des Blutnijärchens überzeugen! Jene Herren kommen niemals dazu, solche lichtreichen Worte zu hören, was bei manchem vielleicht gar-ein Herzens-- oder, besser gesagt, ein Verstand esbedürfnis ist. Der Glaube am Ritualmord hat uns zu viel Leid und Blut gekostet, als daß wir uns nicht alle Mühe geben sollten, um diesen vermöge der historischen Wahrheit zu bekämpfen. Ich wende mich wieder an Herrir Dr. Alfred Stern — den greisen und weisen Präsidenten der Wiener isr. Kültusgemeinde,. den Mann mit dem hellen und gol- - denen Herzen —, damit er den Fonds ins Leben rufe, und dein Rufe des gelehrten, mutigen Vorkämpfers für das verlästerte Gottesgesetz, für die Anerkennung, der . Menschenwürde und Gewissensfreiheit, werden alle edlen Juden gebefreudig folgen. Das Hauptorgan der schwedische« Sozialdemokratie zur Judenfrage. Der Stockholmer „Sozialdemokraten" bringt in seiner Nummer vom 27. Mai einen Artikel „Ein vergessen es Volk", der für den während des Krieges eingetretenen Umschwung der Anschauungen über die Judenfrage innerhalb' der Internationale charakteristisch ist. In dem' Artikel wird aus'geführt, daß erst der Weltkrieg dem zivilisierten Westeuropa die Existenz des jüdischen Volkes und seinen Kampf ums Dasein klar zum Bewußtsein gebracht hat, und 'es wird auf die Bedeutung hingewiesen, welche die russische Revolution für diese Erkenntnis gehabt hat. Der auf die Revolution folgende politische Niedergang Rußlands, die Los'trennung der Randstaaten ist stir das Mische Volk ein schwerer Schicksalsschlag! geworden. „Es ist durch; den Brest er Irre den in ein —^jonalistisch^ Chaos hineingeschleüdert worden, in welchemsich! die Freunde von gestern in Unterdrücker von morgen verwandeln. Die russischen Juden verschwinden und an ihre Stelle treten großrussische, polnische, Manische, litauische Juden, geschwächt durch ihre Zersplitterung und auf Gnade und Ungnade den neugeschaffenen kleinen Staaten ausgeliefert, die von nationalistischem Uebexmut übersch-äuwen..." „Jedermann kepnt die schrecklichen Leiden, die das jüdische Volk vor dem Kriege und während desselben im zaristischen Rußland zu erdulde^ hatte. Die russische Revolution war 'für das Mische. Volk die Morgendämmerung der Auferstehung'.' Der Niedergang der Revolution und der Fried e von Br est-Ljitowsk hat.niemanden schwerer getroffen, als die Juden. Nicht nur politisch mch kulturell. Sie werden aufy direkt ökonomischdavon betroffen. Deutschland strebt danach, feine neuerworbenen Randstaaten in Kolonialland zu verwandeln. Handel und Industrie irr diesen Ländern werden untergraben, nicht zuletztdurch die Zollmauern gegen Rußland, ihr aÜ0 Absatzgebiet. Handel und Industrie waren jedoch vor allem das TätiMitsseld der Juden." „Wie immer leiden die am! -meisten, die wenig oder nichts besitzen; in diesem Falle das große jüdische Proletariat. Seine Hofftmngen beruhen nunmehr auf dem Gedanken, daß dästzwas im Osten geschah, keinen dauernden' Bestand haben.wird. Daß ein neuer Dag herartbrechen wird, an welchem die Internationale aufersteht, als der feste Kern im Bunde der Nationen, der allein die freie und selbständige Entwicklung des jüdischen Volkes gewährleisten kann." „Die Internationale ist die größte Hoffnung. des jüdischen Proletariatsder Mischen Sozialdemokratie, des'ganzen Mischen Volkes. Wie für kein anderes. Volk sind für die Juden , die nationalen Probleme iw ternational. Nicht bloßweil das! jüdische Volk seine Wurzeln über alt^ Schützengräben hinaus erstreckt und die wirkliche Verständigung zwischen den Kriegführenden die-erste Voraussetzung für die Vereinigung-und Verständigung auch der Mischen Nation ist. Sondern auch deswegen, weil das Streben der Juden nach, gleichem Bürgerrecht in Men Staaten und vor allem nach national-personaler Autonomie überall, wo die jüdische Bevölkerung in großen.sozialen Einheiten lebt, zur unumstößlichen Wirklichkeit nur unter der wirksamen Garantie einer überstaatlichen internationalen Organisation werden kann." - „So auch die Träume betreffs! der Wiedergewinnung Palästinas. Der Plan, durch eine freie, unbehinderte Kolonisation allmählich eine wirkliche Heimat für düs Volk der Zerstreuung wieder aufzurichten, auch dieser Plan und diese Hoffnung kann nur verwirklicht werden im Rahmen ein er internationalen Ver ständtzgung und . durch den" aufrichtigen und guten Willen der verbündeten Völker, ihre, Kräfte. zu vereinigen, um auch dem jahrhundertelang in Verbannung und Knechtschaft lebenden jüdischen Volk einen P l a tz i n d er V ö lke r f a mi l i e. zu bereiten." rDije „WchMe-r" kW SEEonischM MMMsi. . In einer kürzlich veröffentlichten Studie, über den Tempel, Salomos kommt der Altertumsforscher Dr. Brandenburg auf die. -/Vorbilder" des Tempelbaues zu sprechen und führt aus : „Als erster jüdischer Tempel kann der Salomonische natürlich nicht jüdisch gewesen sein, das/heißt rein nationale Eigenart gehabt haben, sondern muß von vorhandenen" Vorbildern beeinflußt worden sein. ' Darauf weist auch schon! die Herkunft seines Erbauers Hiram aus Tyrüsi hin. 'Als Phönizier hatte er nicht nur.dis Heiligtümer feines eigenen Landes, das kulturell stets"von anderen Nationen abhängig war, gesehen, sondern war wohl aber auch aller'.Wahrscheinlichkeit nach, wie die meisten seiner Landsleute,/ weit gereist. . /Welche Vorbilder sind' das wohl nun gewesen? Der 'altbabylonische Tempeh der aus zwei hintereinander liegenden Quer- Cellen bestand, in denen weiter vor einer flachen Nische das Kultbild aufgestellt - war> auf das man beim Eintritt fast „mit der Nase stieß", machte einen ästhetisch durchaus unbefriedigenden Eindruck. Außerdem können-wir aus ^echiel mit Sicherheit entnehmen, daß der Tempel Salomos sich aus Qiuer- und Längs-Cella zusammensetzte. Dieses Schema finden wir aber' nun bereits etwa tausend Jahre früher m Aegypten, zuM Beispiel bei den Felsengräbern, von BeNi-Hassan, wie überhaupt die Längs-Cella allem Anschein nach dort am frühesten zu finden ist. Vor ihr befand sich dann noch ein kleiner Raum zur Vornahmle von Kulthandlungen, in der Form der Quer-Cella. -Die unbefriedigende Raumwirkung dieser war in glücklicher Weise dadurch vermieden, daß. man die vordere Wand fortließ und sie durch Pfeiler oder Säulen ersetzte, wodurch sie zur offenen Säulenhalle wurde, eine der glücklichsten Schöpfungen der Architektur. Unter Ramses III., uM 1230, wurde dieser Grundriß Mehrfach für Fels-Heiligtümer benutzt, und in die gleiche ’ Zeit fällt.auch, was für uns hier wichtig ist: die Eroberung Palästinas durch die Aegypter. Da ist es nun recht-auffällig, daß sich gerade in der unmittelbaren Umgebung von Jerusalem (und zwar auch im Norden der Stadt neben den sogenannten „Richtergräbern", wozu (tzechiel 8, 3 ff. gut paßt) einige in den lebenden Fels gearbeitete" Grotten finden,^ die Man bisher für Gräber hielt, und die einen ganz ähnlichen GrmHriß aufweisen wie die ägyptischen Fels-Heiligtümer aus der Zeit Rdmses III. Meine Annahmen daß diese- >,Gräber" bei Jerusalem hauptsächlich zu Kultzwecken gedient haben und-nicht Grabstätten waren, hier ausführlich auseinanderzusetzen und zu beweisen, ist besonders ohne Abbildungen schwer möglich. Hier sei nur soviel gesagt,-daß bei dem starken Einfluß, den Aegypten auf die. damalige Kulturwelt hatte, und bs-