Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 33 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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«r, 33 Tr. Bloch's. Wochenschrift KSS sonders auf ein unter seiner Herrschaft stehendes «Land wie Palästina. es durchaus nicht undenkbar ist, daß -man auch dort Kultstätten nach der gerade inr Stammlande herrschenden >„Mode" anlegte. Da diese „Gräber" bei Jerusalem, einen.großen aus ,deM lebenden Stein gemeißelten Vorhof haben und -die Quer-Cellat, bei ihnen zur offenen Halle umtzeformt, schon -von weitem sichtbar ist, so muß sie wohl auch Hirarrt-gekannt haben. Sie können ihm den Gedanken für die Vorhalle des Tempels -als Quer-Cella mit sich daran anschließender Längs-Cella, die bei den «„Gräbern" die gleiche wie beim Tempel ist, eingegeben haben. > Man muß wohl bei unbefangenem Urteil zugeben, daß es kein.reiner Zufall sein kannwenn einerseits die Heiligtümer in Aegypten-und andererseits die-,,Gräber" bei Jerusalem fast „wörtlich" miteinander überein^, stimmen und dann der Tempel Salomos wiederum ein ähnliches Grundschema aufweist. '■ Soviel über Herkunft und Ableitung des Grundrisses/ die immerhin, entwicklungsgeschichtlich interessant sein dürsten, aber noch, nicht vollständig den großen Eindruck erklären, den der Tenrpel unstreitig auf Mit- und Nachwelt gemacht hat. Der muß, wenigstens soweit er die äußere Wirkung anbelangt, einen anderen Grund.gehabt haben, sonst wären ja wohl die ägyptischen Heiligtümer ebenso, berühmt geworden, was aber nicht geschehen ist. Sowohl letztere als auch die Kultgrotten bei Jerusalem waren «Bauten der .Fels- Architektur, das heißt aus dem lebenden Gestein -herausgearbeitet. Von ihnen sah Man also nur den«Eingang, sonst nichts. Eine harmonische Außenwirkung kam bei diesen- Schöpfungen der Fels- Architektur vollständig in Fortfall. Da konnte man im Innern des> Felsens die Räume anlegen, wie man wollte. Auch die Jnnenwirkung wird, in Anbetracht des Fehlens von Fenstern und der damaligen Beleuchtungsmöglichkeiten,- nur eine sehr beschränkte gewesen sein. -HiraM aber erkannte in genialer -Weise, was man daraus machen konnte, und übertrug zum erstenmal den Grundriß aus dem Innern des Felsens auf die freistehende Architektur. Die gleiche' Grundmauer umfaßte jetzt Quer- und Längs-Cella, das heißt Vorhalle -und den eigentlichen Tempel! zusammen, und zwang sie so in die gleichen Harmonien Matze, so daß ein großer und' schöner Bau entstand. Auch die Raumwirkung des^ Längs-Cella wird durch die bei (tzechiel erwähnten Fenster .eine ganz andere geworden, sein, als in den unterirdischen, nur -durch Oellampen —oder Fackeln erleuchteten Grotten. So wurde Hiram und' indirekt' auch Salomo, weil er es ^verstand-, einen solchen Architekten zur Ausführung feines grandiosen Planes zu berufen, zum Schöpfer des heutigen „Kirchenschiffes" mit Vorhalle. Das ist das unbestreitbare Verdienst dieses nicht nur prunkliebenden, sondern auch kunstsinnigen Fürsten und seineS großen Baumeisters." . Der jüdischen Tradition laufen die Voraussetzungen Dr. Brandenburgers zuwider, denn der Tempel Salomos ist -nach dieser eine Nachbildung, der den Bestimmungen des Pentateuchs entsprechenden Stiftshütte. Wenn die Archäologie auf ähnliche -Bauten bei anderen Völkern stößt, so kann es sich ^ebenso wohl um parallsel laufende architektonische Bestrebungen gehandelt haben, wie es nicht ausgeschlossen ist, daß gerade der Salomonische Tempel erst die Baumeister der damaligen Zeit künstlerisch beeinflußt hat. Losgelöst von der Frage der Priorität, schien «uns-die Arbeit Dr. Brandenburgs interessant genug, uM hier kurz erwähnt -zu werden. «ö&erftft. Graf Platen und Hauptmann Tillipaul, von der k. k. Bezirkshauptmannschast % M- Bauer/ von dem Bürgermeisteramte kais. Rat Vizebürgermeister Brussatti, die Schuldirektoren Martin und Wolf, auch das i k. Steueramt/ das Sta-i tionsamt der l.l Südbahn und das Polizeikommissariat waren durch Abordnungen vertreten. Dien kantoralen Teil absolvierte in eindrucksvollster künstlerischer Form der seitens des Vorstandes der isr. Kultusgemeinde in dankenswerter Weise zu diesem Zwecke beurlaubte Kantor Leo Funke samt Chor. Nach dem Absingen des Matoüwuh und des Psalmes 21 hielt Oberrabbiner Wich. Reich in patriotischer Begeisterung, eine Festrede, dis von nachhaltigster Wirkung war. Nachher verrichtete derselbe. vor offener Bundeslade das übliche Kaisergebet. Mit der Absingung der Vokkshymne wurde die Feier geschlossen. Tags zuvor wurden sämtliche Badener Reservistensrauen wie auch sonstige Arme aus diesem Anlässe mit namhaften Beträgen beschenkt. In Marierchad wurde am. 17. d. M. im festlich geschmückten Tempel die Kaiser fei er begangen. Die Vertreter der politischen, städtischen unir staatlichen Behörden, zahlreiche Offiziere und Soldaten und eine auserlesene Schar Kurgäste.füllten die hellerleuchtete Synagoge. Die kantoralen Funktionen versah Herr Golde nb erg, unterstützt von einem wohlgeschulten Chor, während Rabbiner Dr. Diamant eine inhaltreiche, formvollendete Festpredigt hielt und vor geöffneter Bundeslade der Mahner heI verewigten Kaisers Franz Josef I. pietätvoll gedachte. Mit Absingung der Volkshymne nahm die erhebende Feier ihren Abschluß. L. In Dachau fand die Kaiserfeier cm Freitag den 16. d. M. um halb 7 Uhr abends statt. Anwesend waren Bezirkshauptmann Dr. Gusch all mit den Beamten der Bezirkshanptmannschast, Bezirksarzt Doktor Sperber, Dr. Straß, in Vertretung des Kultusvorstandes Dr. Wilhelm Lurja, Karl Gr Anhut, Max Kohner, ferner der Obmann d^r „Ohava Thora" Josef Adler. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Josef Schon, die Festpredigt hielt Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Moritz Wohl. ° Vermischtes. Präsident Dr. Alfred Stern. Mn 29. AuWst 1918 begeht Dir. Alfred Stern, Präsident der Mener isr. Kultusgemeinde, in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 87. Geburtstag. . Kaisers Geburtstag. Anläßlich des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers fand in sämtlichen Synagogen und Bethäusern Wiens ein feierlicher Gottesdienst statt, in welchem die Rabbiner patriotische Festpredigten hielten.';!Jm Tempel der Instern -Stadt, in welchem sämtliche in Wien weilenden Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde, der gesamte Bethausvorstand, die Beamtenschaft und zahlreiche Vertreter von Vereinen -und Korporationen erschienen warenhielt Oberrabbiner Dp. CHajes die Festpredigt. Die kantoralen Funktionen versah I. Kantor M a t y a s mit Chor. In Baden bei Men wurde aus Anlaß, des Alters höchsten Geburtstages unseres Kaisers!'der Festgottesdienst in weihevoller Weise abgehalten. In dem festlich dEorierten. Tempel versammelten sich vor 11 Uhr vornttttags viele Festgäste, darunter auch der Präsident der isr. Kultus gemeinde Wien Dr. Alfred Stern. Der /Vorstand der Badener Kultusgemeinde war von den Gesamtmitgliedern vertreten. In Vertretung der eiligeladenen zivilen und Militärbehörden erschienen: vom Trauergottesdsenst Dr Oberrabbiner Dir. Giüdemaim. Dienstag den 27. d. M. um 6 Uhr abends findet im Tempel der Innern Stadt/ T. Bez., Seitenstettengasse, ein Requiem für den verewigten Oberrabbiner Dr. Moritz Gü bemann s. A. statt. Me Trauerrede hielt Oberrabbiner Dir. Chajes. OberraWiner Dir. WMemann-Stistchrgjen der Ehewm- Kadischa Wien I. Dier Vorstand der Ehewra-Kadischa Wien I. beschloß, in einer letzthin abgehaltenen Sitzung, zur dau-» ernden Ehrung des Andenkens des Ehrenmitgliedes der Ehewra-Kadischa, Oberrabbiners Dr. Moritz Güdemann s. A-, Wer Stiftungen-zu errichten: . 1. eine „Oberrabbiner Dir. Moritz Güdemann-Bettstiftung^ für das Erholungsheim der Wiener Ehewra- Kadischa in Bähen bei, Wien, 2. eine „Oberrabbiner -Dir. Moritz Güdemann-Stiftung" mit einem Kapital von 3609 K., deren Erträgnisse jeweils am Jahrzeitstage an arme, jüdische, vorzugsweise kranke Gelehrte zur Verteilung gelangen sollen.