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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-23 · 33 (23.8.1918) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
33 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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seit» 626 Ljr. Bloch,'H Wochenschrift Rr. 33 betung des einig-einzigen Gattes stark, einheitlichnnzerbrählich Das gemeinsame GeMl> der gemeinsame Gedanke, das gemeinsame Glaubensbekenntnis und die gemeinsamen Leiden. : . . Ml die Täuflinge aber kann ich, nur unablässig die Krage richten: .Weshalb! tretet ihr Ger? Warum schämt ihr euch der Religion eurer Väter? Ist es etwa schöner, daß ihr eure Eltern verstohlen, im Geheimen begraben müßt, damit es nicht offenkundig werde, daß ihr Juden wäret? .Ist die Heuchelei wirklich, schöner? Der Heuchelei schämt ihr eüchj nicht, bloß eurer Religion! Ist das nicht G'shoßend? Weshalb geht ihr von dannen? Wessen schrämt ihr. euch,? Saget doch, was wollt ihr? Quo vadis? Aus der Woche. OAGMANN und ArGtz. . Dr. W. Güd emann, der greise Oberrabbiner von Wien, war ein SchMex VM .Professor Graetz^ Selbst,ein hochbedeutender.Sch,riftgelGrter, schreibt das „Jsr. F." in Hamburg, .hak GAd.ema.nn seinem ¥>& rühmten Lehrer anläßlich, der Wiederkehr von dessen hundertstem Geburtstag. Ende vorigen Jahres, also nur wenige^ Monate vor derkk eigenen Tode, im Jahrbuch sü,r JGische Geschichte und Literatur ein Denkmal gesetzt, das ihn nicht minder ehrt, den Gefeilten. ■ selber. Geistreich, und doch in 'bescheidener Zur.äckhältung leitet Güd emann seine „Erinnerungen an meinen Hochverchrten Lehrer" wie folgt ein: „Ich muß mich, jedoch zunächst mit meinen Lesern darGer.verständigen, was sie von mir zu erwarten haben pnd. was ich ihnen zu bieten habe. Ich werde hie imposante, wenn auch, viel abgegriffene Erscheinung^Graetzens nicht -objektiv beurtellen, dafür stehe ich als sein Schüler zu tief, ich, werde ihn auch nicht gegm -Angriffe verteidigen, dafür-steht er-min als mein Lehrer zu hochja nicht einmal' ihn zu rühmen stcmde, mir ^wohl an, es sähe aus, - als wollte ich, mich in feinem Glgnze sonnen." . ' .. ' - . , . Gjüdemann erzählt von den Anfängen des jüdisch-theologischen Seminars in .Breslau, in dem er Graetz kennen lernte: „Ule Hgrer, es waren chrer nur wenige, Mlten sich sogleich von Graetz, am meisten ang^ogen und zu ihm hingezogen." Der 'Direktor des .Seminars (Krankel) hatte keine Kinder, JgM Bernays, Zuckermann und die anderen Lehrer waren Junggesellen, und soschreibt Güd eman n die Beliebtheit, die Graetz genoß, mit dem Umstande zu, daß.dessen Geraus Wcklich,e Me ihn zu einem der umgänglichsten Männer im damaligen Kreise der. Breslauer Mischen Gelehrtenwelt gemacht hakte. „Wer aber die HerZensgüte Graetzens an der . Wurzel kennen lernen wollteder muM ihn in'seinem Hause inmitten seiner Familie beobachten. Das Verhalten seiner Frau, gegenüber hatte die ZarGefi und Delikatesse des Bräut- . standes bewahrt. ,Er w,ar ein ebenso zärtlicher Vater. Sein Haus war Wrr ,Äles. Kür junge Männer ein . nicht leicht.zu hoch, anzuschlagendes Bildungsrnittel." Gübemann Preist Graetzens Witz und seine guten Einfälle. Er tut dies in einer Ajrt, die gleichfalls von Geist und Witz, beredtes Zeugnis ablegt. Graetz hatte einen Gelehrten, von dem gerade ein Werk erschienen war, einen Stocktälmudisten genannt. Güd emann findet, dieses Wort in 'dein Munde eines! Juden, noch dazu eines jGischen Geschichtschreibers, nW um Platze. „Man gestatte mir zur BegrGdnrG dieser Beh'anMn^, sagt er, „eine sprachliche Bemerkung/ Die mit der Vorsilbe „Stock" zusammengesetzten Wörter bezeichnen alle etwas Unangenehmes, Widrigesdas durchs diese Vorsilbe noch verstärkt werden soll. So .sagt man stockfinster, stocke. blind, stocktaub, stockheiser. Alle diese Glen Zustände sollendurch, die BorsWe noch verstärkt werden.. Dagegen braucht man dieselbe Vorsilbe nie bei angenehmen Eigenschaften, man sagt also nicht stoMrG>-Aocked'el, stockhell. Auch verstockt wendet man nur bei etwas Bö^ sem zu größerem Nachdruck an. Man spricht von einem verstockten SGder, Ger. nicht von einem' verstockten WMtäter. Ich, glaube demnachdgß Lessing, wenn er sich die Sache länger Gerlegt hätte, Naitha,n Heu Weisen nicht die Worte in den Mund .gelegt ,haben würde: „So MUz Stockjude sein zu wollen, geht schon nicht." Das will gemäß dem geschilderten Sprachgebrauch. sagen: Jude ist schon etwas Unangenehmes, Häßliches, das Wort Stockjude verstärkt dies noch. Nathan wollte wohl eigentlich, sagen: „So ganz Nur-Jude sein zu wollen, geht schon nicht." Das geht schon ans, dem Nachsatz hervor: . „Und ganz und gar nicht .Jude, geht noch, minder." j " . 7 , j Eines pikanten Beigeschmacks! entbehrt nicht die Stelle in G-Gemanns „Erinnerungen", die von dem Verhältnis Graetzens zu .einem seiner großen Zeitgenossen, zu Z n n z, handelt. G r a e tz hatte sich gesprächsweise .einmal die ziemlich, bissige Bemerkung, gestattet: „Zunz' mehr verwirrender als aushellender Notizenkram und dürre Nonrenkkakur HGen meine Arbeit wenig gefördert." ' Dias Häßliche seiner Bemerkung erkennend, gab er Güdemann Ger die ihn gegen rZnnz wvhl beherrschende Voreingenommercheit Aufschluß. Güdemann schreibt: „Graetz ha.t mir selbst erzGlt, daß er einmal kurz vor dem Erscheinen seines ersten,. das heißt seines vierten Bandes bei Michael Sachs in Berlin - zu Besuch war und, als zufällig auch Zünz gu Besuch, kam>' Sachs diesen Gm vorstellte l „Der Verfasser einer Mischen Geschichte"; Zunz machte, mit den Achseln zuckend, die schnippische Bemerkung: „Schon wieder eine GeWchlte," aber Sachs erwiderte schlagferttg: „Erst ein e GeschWe!". Seine Erinnerungen an den groGn. Mischen Geschichtsschreiber schließt G ü d e m a n n mit dem Dichterwort, das sowohl aus Graetz, wie -ans.ihn selber , paßt: Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem,. . Ihr werdet nimmer seinesgleichen sehn! Ueher das schandkose Treiben der Ajntfiemiten gibt ein Artikel des ^Berliner Tageblatt" Aufschluß, - den wir hier ohneweiters folgen , lassen: . <' f. Ein antisemitisches Sch'wind.el- . ■. Manöver. . Ein apokryphes Klugblatt ' Die Antisemiten sind eifrigam Werke, um künstlich eine Hetze gegen die 'Staatsbürger. Mischen Glan-— bens zu inszenieren und die, öffentliche. 'Meinung.. Kn vergiften. Neuerdings versuchen sie es! mit einem selbstverständlich anonymen Klugblatt,das sie brieflich in Massen versenden und das den trügerischen.Anschein zu erwecken versucht, als ob! es! sich hier um einen Rechtfertigungsversuch von Politikern jüdischen WaGens handelt. Adressiert ist das Flugblatt an die . „Arbeiter und Genossen, Proletarier Deutschlands". Es Gißt bia u, a . : „Augen ans! Ein Mugblatt allgemeinster Sorte ' und von elender antifemitisch,er Färbüng wird gegenwärtig mit Ausbietung.großer Geldmittel hergestellt und Kahl- und schamlos unter euch zu verbreiten M- . swht. Dazu - Wvtzigen, wäre Bech-rechm. - Denn man - Will euch zersplittern und von uns und von euern .internationalen Brüdern trennen. BleVet gedenk, daß ihr.,. Genossen seid und daß

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