Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 33 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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\ «r. 33 M. BlochV Wochenschrift Sew 527 Bewegung mir pöllig! unverständlich und unbegreiflich ist -arbeitsam, ehrlich. Der Aristokrat ist konservativ, ist." ..Und dennoch gibt es solche, die nicht den Mut haben, reaktionär, Kapitalist. Der kleine Jude, ist bürgerlichder Lüge die Wahrheit entgegenzustellen! Sie halten fortschrittlich, demokratisch gesinnt, Girondist. Die Mehrsie nicht für stark genug dazii., Wer keine Freude daran zahl der Aristokraten schämt sich, Jude zu sein, verempfindet, ehrlich zu sein, der. sei auch, nicht ehrlich, meidet ..es nach Möglichkeit,, über .Dinge zu sprechen. Wer sich seiner Religion schämt und deshalb abtründie auch in die leiseste Beziehung.zu. seiner Religion nig wird, der kann niemals..ein überzeugungsstarker gebracht werden könnten, und ist nach dem' Rezept Lud- Mensch,sem. Aber diese Kategorie tritt gar nicht aus wig Hatvanys „ständig im Frack". Nach ihrer Wei- Opportunität über, sondern aus Feigheit. Weil er nung ist Jude sein ein Geburtsfehler. Der kleine Jude die täglich gegen seine Konfession aufwuchernden Anist stolz darauf, den einig-einzigen Gott anbeten zu griffe fürchtet. , . ' können, heftet ostentativ, auffallend, wenn nötig/ sogar . ■ jEs ist eine aste Verleumdung, der Jude sei feige, provozierend, den gelben Fleck an seine Brust: Hierher Dieser Krieg hat, glaube icchdiese Anklage vor jedem schlagt! Hierher stecht! jawohl, ich bin Jude, denkenden Menschen unhaltbar gemacht und sie wäre Ich hebe diesen Unterschied nur deshalb hervor, auch lächerlich,!wenn ste nicht gar so traurig wäre, weil dies mit der Frage des.Uebertrittes in engem Das verspritzte Blut ster vielen Tausend als Helden Zusammenhänge steht. Der kleine Jude Pt selbstbewußt, gefallener jüdischer Soldaten, die zahllosen notleidenstolz aus feinen .Glauben. Die Renegaten kommen nicht den jüdischen Familien, deren Erhalter ausziehen mußjaus den Reihen der kleinen Juden, ten zur Verteidigung des - Vaterlandes, während ihre Der aristokratische Jude, .dem das Leben alles ge- Kinder zü hungern gezwungen waren: sind das nicht geben hat, der jeder Zerstreuung, jedem Genüsse gegen- Beweise genug? . Männer, die sich der öffentlichen Ach? über schon, abgestumpft ist, braucht eine kleine Abwecystung erfreuen, klagen trotzdem an und wollen durch l-ung. Er braucht envas, ivas seine schlaff gewordenen Anlegung falscher Statistiken die öffentliche Meinung Nerven auffrischc. Und er wechselt ferne Religion. Nur irresühren. Suchen Sie aber, meine Herren Antisemiten, so aus Launenhaftigkeit. Der Abwechslung halber. Anünbedingt solche Feiglinge, dann halten Sie Umschau sangs ist es ihm doch etwas neuesan Stelle des Mus ja sunter Ihren neuängelangten Glaubensgenossen, scheu geveres das Credo zu setzen. Mer sein Zynismus geht Sie sich hei den getauften Juden mit, die vor Ihren 'noch weiter. Erft wird er ein eifriger Christ und später, verleumderischen Allklagen erschrocken und zu Ihnen hinallmählich, nach Ablauf der Uebergangssrist, begeisterter übergelaufen sind. Diese sind die Feiglinge! Sie Änrisemir. Als Jude war er niemals Fanasind aus. Feigheit üöergetreten. Sie hatteii Angst vor' tiker, aber als Antisemit ist er es voltkom- ' Ihren verallgemeinernden Angriffen. men. Die größten Antisemiten sind die ge- Anders wäre auch Ihre Flucht nicht zu erklären, tauften Juden, die nicht daran denken, dW.sie da- Karrieren? Fpüher . einmal gab es eine Legende, womit sich, sewst ins Gesicht speien. Sie vergessen, djaß stach der Jude keine Karriere machen Wune, aus einem der Mauve das Heiligste, Unverletzbarste ist; sie ver- Jüden könne, nichts werden. Diese Legende ist zerronnen, gessen, daß wer s einen Glauben verleugnet, sich seiner. Es. Qäb schon einen jüdischen Oberbürgermeister, einen ' schämt, ein abtrünniger Verräter, ein Renegat ist, der jüdischen Staatssekretär, Mischen Minister, es gibt auch aus Zynische, großsprecherische, - heucPerische Weise sich einen jüdischen Geheimrat. Fähigkeit Kraft, Ausdauer selvst zerrrümmert, seine eigene Rasse geißelt, wie der sind für die Karriere notwendig, aber die Taufe? Lacher- Flagellant die zehn Gebote verletzt, die Gebote Gottes lich! Die Christen verspotten die wegen der Karriere bricht, wie das unreife Kind, das gegen die eigene sich Taufenden und nennen sie unter sich doch nur Mutter die Hand erhebt. Unp bieten unseren Feinoen „den Juden", die Inden hingegen, die nüchtern denkenneue Nahrung, die dann ausrufen können: „Siehe, auch den Juden verachten sie. — Traten sie vielleicht der sie selbst!" Und sie feiern'den Siegesschmaus, ^oerkünnachkommenden Generation zuliebe über? Möglich, daßden den Sieg des Antisemitismus: „Jeder Jude ist aus diesen einst ganz befähigte Antisemiten werden, ein Schurke!" während die zur dritten Gruppe Gehörigen? diejenigen. Am Vorabend des Jom-Kippur war ich mit meidie aus Radikalismus austreten, wenn auch nicht durchnein Vater im Tempel in der Tabargasse. Als wir in Wegs befähigte, ja sogar minderbefähigte, aber sicherden Tempel traten, ging ein Murmeln durch die Banklich-selbst schon vollkommene Antisemiten sindt reihen: ,,De^ Minister,ist da!" Und als ich nach vorn Diese Letzteren vermag ich überhaupt nicht zu. begreifen, ging, hörte ich, wie jemand bemerkte: „Als kleiner Welcher. Zusammenhang besteht zwischen Radikalismus Knäbe sang er dort oben im Chor und jetzt sitzt er und Taufe? Glaubt jemand nicht an Gott,- hat er .keinen ' da in den vordersten Bänken; er blieb treu seinem Glauben, wozu dann die Konfession? Sie glauben, nicht Glauben, blieb ein tsteuer Sohn Israels und hat es an Gott, kennen kein Vaterland, spotten über jeden dennoch weit gebracht." Die Synagoge ist nicht der Idealismus. Die Rumänen verherrlichen sie, über die Platz für Diskussionen, ich vermochte nichts zu erwidern. Juden geben sie in ihren Zeitschriften „Extra-Juden- Und doch, hätte ich den Herrn gern dahin aufgeklärt; nummern" aus und verbreiten auf solche Weise den nicht dennochsondern nur so. Nur durch Ausdauer, Antisemitismus. Die jüdische Religion ist ihnen nicht Ehrlichkeit, Treu und.Glauben. Und damals gelobte ich: vornehm, fein, nicht „europäisch," genug. sollte mir auch .kein anderes Erbe , jemals zuteil werden, .... Der größte Irrtum der Antisemiten besteht die Ausdauer, das Ehrgefühl, die Treue und der Glaube darin, daß sie die jüdische Rasse.- für eine einheitliche werden mir stets teurer bleiben, als jeder andere .Behalten. Nirgends gibt es', so große Unterschiede, so .sitz, jedes andere .Erbe. Und wird man auch: von mir mächtige Scheidewände' zwischen Aristokraten und Proeinst nicht sagen: „Da kommt der Minister!", sa wird . letariern, Reichen und Kleinbürgern, wie. gerade bei es mich glücklich.Machen, wenn, man von mir sagen den Juden. Verallgemeinern darf man natürlich auch wird: „Hier, kommt ein wackerer, treuer Jude^- . hier nicht. Der aristokratische. Judie.— auch dieses soll * Israels wegen braucht man nichtsNrsürchken.Wir keine Verallgsemeinerung sein, sondern ist bloß eine vielstanden schön so vielen Leiden, Entbehrungen, Verleumfach äuftretende - Erscheinung. — ist nach unten hochdüngen gegenüber, daß wir auch vor neueren Angriffen ttnütig, nach, oben nachgiebig, Christen sich anbiedernd! nicht zurückschrecken werden. Die Abtrünnigen aber wer- Der kleine Jude ist . arm, kämpft um seine Existenz, den unsere Kraft nicht schwächen, uns macht die An-