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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-23 · 33 (23.8.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
33 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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der ein Bruchteil Ms unserer Gelte genügenwürd'e, um die Rettung! der Sthguchelnden zu bewerkstelligen/ Diese, von . den RasfenanLisemiten so verhöhnten und versOnten hüngerich'en KDzianer werden von der kleri- Wen Judenmission nichts nur in Wien, 'dem Zentrum { einer systematisch tätigen katholischen Bekehrungsaktion, sondern auch von den Missionären des? neutralen Auslandes mit den verlockendsten Versprechungen umworben, umsie^dem' Christentum zuzuführen. Mit welchen Mitteln die Missionare arbekten, um in die MM ihrer Opfer zu 'gelangen,^ zeigt am krassesten der folgende Fall: Irr dem in Kopenhagen erscheinenden Missionsblatt \ „JsraelsNrissionerr", Nr. 5 vom 15. Mai 1918, prahlt der dänische Missionär Pastor E. Clausen -damit, daß es chm gelungen sei,' durchs-falsch e V o r spi e gel u n g. für sich und seine Frau Reis eerlaubnis nach Przemysl zu Erhalten, indem er als Reiseziel an: gab: „Hilfstatigkeit in Galizien, indem ichi und meine Frau im Anschluß an die evangelische Hilssexpedition für Galizien und die Bukowina uns.der durch den Krieg betroffenen Glaubensgenossen und insbesondere der dortigen Israeliten annehmen wollen" — mit dem Sitz in Przernysl. Zynisch fügt Pastor Clausen hinzu: „Dieses Reiseziel wird uns sicher Berge von Visitationen und. Untersuchungen ebnen..." Arbeit kann nur durch Gegenarbeit unwirksam ge- . macht werden. Auf der anderen Seite wird organisierte Arbeit geleistet. Daß sie erfolgreich sei, dafür sorgt nicht nur-ihre Skrupellosigkeit, sondern auch unsere eigene jammervolle Hilflosigkeit. I. Kr. Quo yadis? Wohin, Ihr Austreteudeu? Von Johann Vszsonyi.*) - Drei Bilder ziehen hintereinander an nreinenr geistigen Auge vorbei, jedes Bild ein Stück Geschichte und jedes bezeichnend für seine Zeir. Das alte ^Rom. Im Zirkus werden zu Ehren des Kaisers Vorträge abgehalten. Vorne auf erhöhter Tribüne sitzt düster, übelgelaunt in seiner Loge der . Kaiser, umgeben - von. den Notabeln: dem Senat, den Rittern. Dev Kaiser ist von dem Spiele schon gelang-- weilt, er möchte Blut sehen, Sklavenblut. Judenblur, weil dieses Volk, sichdem kaiserlichen Befehle. widersetzend, an -seinem Glaüben festhält. Weil es sich „das auserwählte Volk Gottes" nennt. Sie, die Niedergerungenen, die kümmerlichihr Dasein Fristenden, die Verlassenen, Getretenen. Wie denn? Sie, das aüserwählte Volk? Nicht Rom, das große, majestätische, siegreiche ' Moni? Sind sie vielleicht zum Leiden auserwählt? Gut . denn, so mögen sie leiden. Und der Kaiser gibt Befehl, die „Rechtgläubigen" vorznsühren. „Ist ihr Gott der. wahre Gott, so möge, er sie. beschützen!" spricht der Kaiser, schon besser gelaunt. Er lacht bereits, sein Gesicht erheitert sich Und die Märtyrer werden von ■ den ausgehungerten Bestien zerrissen. Sie sterben , für ihren Glauben. Und während die wilden Tiere,.fletschend die Zähne iit die Leiber der Opfer grüben, *) Im Anschlüsse än den vorangehenden Artikel reproduzieren wir - gerne die Übersetzung dieser im „Egyenlösäg" erschienenen -Bekenntnisse eines jungen ungarischen Juden, der so sehr abweicht von dem abschüssigen Pfade, den der Großteil der ungarisch.jüdifchen Intelligenz wandelt. . Der Aufsatz gewinnt auch Lurch die Persönlichkeit des Verfassers —; es ist der Sohn des gewesenen Ministers, Geheimrat. Dr. .Wilhelm BLzsonyi — an Jntereffe. Die Ehrlichkeit der Gesinnung, die aus diesen Zeilen zu uns spricht, läßt^ uns von dem. Verfasser eine Entwicklung erhoffen, die ihm ein freies unbefangenes Urteil über die gesamte andere Judenfrage ermöglichen wird. ' Red.; verherrlichen diese, bis zu ihrem letzten Herzschlag Psalmen -singend, ihren wahren Gort, den. Ewigen. Rußland. Moskau: -oder Pet ersburg,-. ^d. Mq- Ta.s-! Ienld,. .. es . W. gleichMtiA welches der -Schauplatz ist. Und es ist auch gleichgültig, ob am - Tage oder nachts. Pogrome gibt es immer. Der Jude wird immer geschlagen, gemartert,' gemordet. Weshalb? Weil er Jude ist. Weil er eine Ueberzeugung, eine Religion, eine^r. Glauben hat.--Man verfolgt ihn, haßt ihn, -verachtet ihn. 'Und er duldet, weil er glaubt. Gr hält aus, weil er den Herrn liebt, anbetet. .Undj betet mit-frommer Hingebung. Und wenn man ihm alles raubt, sein Haus gnzündet, seine Töchter schändet, seine Familie ihm entreißt: man kann chm alles rauben, seines Glaubens'kann mau ihn nicht berauben. Sein Glaube, seine Andacht, seine Frömmigkeit sind ihm heiliger denn alles andere. Und selbst wenn das sein einziges Vermögen ausmacht, so ist er doch glücklicher, zufriedener in seinem Glend, als die vielen reichen, in Ueberguß schwimmenden Räuber, die alles haben, nur keinen Glauben. Jener verkündet die Gerechtigkeit, die Nachsicht, und die Geduld, dieser die Politik der Faust, der Gewalt. Jener glaubt und leidet dafür. Gr duldet und' spricht stolz: „Ascher bochar bonu mikol hoamim" (der du uns auserwähltest Mn Lechen aus allen Völkern)'. . . Budapest. Gegenwart. Gm eleganter, junger Mann erscheint im Rabbinat und meldet seinen Austritt an. Er ist -ein wenig befangen, errötet kein wenig uM vielleicht schämt er sich auch ein wenig, während er chie.se Mitteilung.-macht. Wie er angibt, tut er diesen Schritt „notgedrungen und gezwungen". Und der Rabbiner .fragt nochmals nach der Ursache: Weshalb?! Hierauf antwortet er schon stotternd, daß es seiner Karriere schäd t, wenn er Iud e bleibt, und selbst, wenn es ihm vielleicht, nicht besser, ergehen werde, seine Kinder würden es bestimmt besser haben, denn diese werden bereits Christen.sein. Der Rabbiner entläßt ihn und er wird, ein eifriger Christ. Aber bloß seine Konfession ist eine neue, sein Glaube nicht. Sein Glaube — ist (verloren gegangen. Man 'kann eine Konfession wechseln,, einen Glauben niemals. Wer. an beit einen Gott nicht glaubt, den seine Eltern angebetet, dessen Äidte sie bereits in seine'empfängliche Kinderseele geträufelt haben, zu dem er betete, seitdem er überhaupt zu sprechen vermag, wie kann er mit einemmal einen anderen Glauben bekommen? Glaubt er an keines von beiden? Wenn dem so ist, weshalb wechselt, er die Konfession? Etwa aus Eigennutz? Aus Furcht? Weshalb? Vor kurzem hielt Paul Farkas einen Vortrag über die Psychologie des Religionswechsels. Seiner Meinung nach liegen den Austritten einerseits Opportunität, anderseits Feigheit und drittens Radikalismus! zugrunde. Es seien mir einige^Bemevkungen zu diesen dreifachen Begründungen gestattet. Aus Opportunität treten diejenigen aus, die sich, ihrer Religion schämen. Die in ihr Zählblatt nichtt gern hineinschreiben: „Religion: isr.". Die das Wort „Jude" nach Tunlichkeit meiden. .Die den Verleumdungen der Lügner Glauben schenken oder ihnen eine gewisse Grundlagezuerkennen: Üeber die Juden werden sehr viele Verleumdungen verbreitet und sie schämen sich deshalb. Wir schämen uns . nicht,. Wessen Gewissen rein Ist, der hat keinen Grund,' sich i zn. fürchien, sich zu schämen. Mögen sich jene, schämendie in perfider Weise lügen, verleumden, denen jedes Mittel gut genug ist, um mit grundlosem, jedoch unbändigem Haß die. Finsternis, die Verdummungden Hader, die Zwietracht, den Antisemitismus zu verbreiten. Ibsen sagt: „Ueber den Antisemitismus kann ich nichts sägen/ weil die ganze

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