Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 33 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. 33 Dr. Bloch's Aa-r,««, XXXV Lentrslorgan kür die gesamten Interessen des Judentums 0<F ff x)0 Si K. L Postsparkasfenamt vearrusÄerkehr: 810.87« oo SUbaßlo» vsib Hbmtai[katt«a r «öle* II/i, Praterstraße 9 . Telephoai 45*359 O - CO ,■ ■ ■ ■ ■ ——T) Wien, 23. August 1918 Lrscb^nt jeden kreitag <- «ie». II/i. Praterstraße 9 XdtfManrfßttft! Bloch « Wochesschrlft, «ft» OCr =DO BezagS-rel»: Halbjährig 10 Krone» Ganzjährig SO Krone» Einzelexemplare SB Held» r Mt 1 mal |<f* «!*«*• »•eitieife »0 H»«e» OCb gjrr^inM—iB—e» Inhalt: Leitartikel: Die Taufepidemie. — Quo vadis? — Ans der Woche: Güdemann und Graetz. — lieber das schandloseTreiben der Antisemiten. — „Deutschchristlich." — Ein Schächtverbot in Finnland. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere- Auszeichnungen. — Auf dem Felde der Ehre gefallen. — Korrespondenzen: Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann. — Zum Bezüge von Esrogim. —.Ein Appell an die Israel. Kultusgemeinden. — Rabbi Meschulem Salat sel. And. — Die Razzien in Satoräljanjhely. — Die.^Vorbilder" des Salomonischen Tempels. — Vermischtes. — Feuill eton: »Ritualmord- und „Hostienschändung" in der> christlichen Kunst. — Wilhelm Feldmann. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. - Jie T«nf»pid«mir>; i Der. Krieg hat die Menschen nicht besser gemacht, trotzdem überzeugte oder geschäftsmäßige KrieAschwär- Mr uns vom Gegenteil überzeugen möchten. Der Mangel eines. vollwertigen Ersatzes für das gelockerte und in vielen Fällen bis auf den Grund aufgewühlte Familienleben hat eine Lockerung der Sitten herbeigeführt und eine moralische Unterernährung bei groß und klein, bei arm und reich gezeitigt, welche die Widerstandskraft großer Schichten der Bevölkerung gegen die Mural insanity" ganz untergräbt und in mancher Beziehung bereits so erschreckende Formen annimmt, daß sie zu energischen Maßnahmen Herausfordert. Bei uns Juden haben diese ungesunden Lebensbedingungen, verschärft durch die abnormalen, spezifisch jüdischen Leiden, in den Kriegsjahren zur Taufbewegung geführt, die in der letzken Zeit den Charakter einer Epidemie'^ angenommen hat und geeignet erscheint,, uns aus unserer untätigen Gleichgültigkeit aufzurütteln. Da und dort zuckt bereits 'der kranke. Volkskörper unter den Schmerzen, die ihm die Krankheit verursacht, bisweilen kommt es .auch zu Ausbrüchen des Volksge- Wissens und des öffentlichen Schamgefühls gegen dreistere, schamlose Schaustellung der eigenen Schande, der selbstbewußten Treulosigkeit an seiner VolkK- und Glaubensgemeinschaft. In Warschau häufen sich die 'Skan-" dalfälle, in denen: sogenannte Führer und -Repräsentanten des Judentums unter_ förmlicher Parade ihre -UnmÄndigen Kinder zur Däuse führen' Und erst vor -kuchem Konnten wir aus Budapest, dem Eldorado der Assimilation bis zur äußersten Konsequenz, über eine Versammlung berichten,'die. ihrem Entsetzen über die Ausbreitung der Taufepidemie Ausdruck gab und über Maßnahmen zur Eindämmung dieser verwerflichsten, aller Erscheinungen.: in diesem Kriege beriet. __ . . . ..- Das Heilmittel, das in Budapest empfohlen wurde, ist allerdings ebenso wertlos, wie unwürdig der aus diesem Anlasse unternommene Ausfall gegen Die gglizischen Juden war. Nicht von diesen besonders abstoßend wirkenden Auswüchsen wollen wir hier reden. Das-find Menschen, die schon längst innerlich angefault, moralisch von Stufe zu Stufe sinken, bis sie jed^l Empfinden für die Schwählichkeit ihrer Handlung eingebüßt haben, aus hohler Eitelkeit, einem nichtswürdigen sozialen Vorurteile unterliegend, ^>as Heiligste von sich werfen. Diese waren schon vor dem Kriege für uns verloren und das Judentum gewinnt nur, wenn sie gus seiner Mitte verschwinden. Wir sprechen hier von jener 'großen 'Zahl der namenlosen Opfer verdamürenswerter, ' gewissenloser - Seelenschacherer; uns schweben die vielen Brüder und Schwestern der sogenannten unteren Schichten vor Augen, denen der Krieg den letzten wirtschaftlichen Halt genommen und Hann auch moralisch so 'widerstandsunfähig geworden find, baß sie der Versuchung, durch die Taufe wirtschaftlich besser gestellt zu werden, nicht Widerstehen können, um so weniger, als die Führer ihrer eigenen Konfession sich ihrer nicht: annehmen. Wir denken Hier auch an unsere jüdischen 'Soldaten, von denen so viele als tapfere Juden'eingerückt sind, sich, heldenmütig geschlagen haben und dann als'— Nichtjuden befördert, dekoriert oder im Heldengrab bestattet werden'. Diese Kategorien von unschuldigen, von allen, die ihnen nahestehen sollten, verlassenen Judbn und Jüdinnen liegen, uns am Herzen; um Dieses Material ist es uns so bange ums Herz, 'denn diese find die Opfer unserer eigenen Schuld,' ihr Fall ist'eine laute Anklage gegen unsere GleichMtigjkeit, unsere Wckständigkeit in der Organisation im Hinterlande und im Felde. Und die Fangarme der „Bekehrer" strecken sich von allen Seiten diesem vernachlässigten Menschenmaterial entgegen und haschen nach ihnen mit einer Gier, von