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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-16 · 32 (16.8.1918) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
32 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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(gelte 5^2 Dir. BlochsH Wiener Landesgerichte entlarven mußte. Die Ritualmordlehre findet Rohling im Sohar und bei den Kabbalisten. Bekanntlich war die Kabbala eine Lieblingswissenschaft der hervorragendsten Repräsentanten des Humanismus und ausgerechnet der Sohar soll den Ritualmord, die Tötung der Christen propagieren. Wenn z. B. es im Sohar heißt, daß der Jude zur Osterzeit nicht bloß den Sauerteig aus seinem Hause, sondern auch den bösen Trieb (jezer horä) aus seinem Herzen wegschaffen muß, daß ein Gehorchen dem bösen Triebe der schlimmste Götzendienst sei, so erklärt Rohling, das will besagen, man muß die Christen umbringen. Die7 beiden vom k. k. Wiener Landesgericht in 'Eid genommenen Sachverständigen in meinem Prozesse, Prof. Theodor N ö 1 d ö c k e und Profi August W.ü ns che erklärten übereinstimmend: „Hier etwas wie Menschenmord oder Menschenopfer zu flndep, ist ohne die ärgste Selbstverblendung unmöglich“. Oder ein anderes Beispiel: Wenn es im Sohar heißt, daß im Paradies im vierten Palast in der Nähe der Gottheit alle die Märtyrer sitzen, welche von den Völkern totgeschlagen worden, — so geniert sich Rohling nicht, die Märtyrer in Mörder zu verwandeln und in der Nähe Gottes jene sitzen zu lassen, welche Leute von den anderen Völkern umgebracht haben. Um seine Auslegung möglich zu machen, hat Rohling in dem hebräischen Zitat eine eigenmächtige Textänderung vorgenommen. Die Sachverständigen äußerten ihre Entrüstung über. diese gemeine Fälschung. Im Sefer Halikkutim hat Rohling ein ganzes Ritual mit muniziösen Vorschriften .für Christenabschlachtung gefunden. Ich habe diese zwei Seiten dem Gerichte in Uebersetzung vorgelegt. Eine Verlesung und Kommentierung dieser mystischen Ausführungen würde Stunden in Anspruch nehmen. Ich begnüge mich mit der Konstatierung, daß die Sachverständigen, indem sie meinen Ausführungen beipfiichteten, Rohlings üebersetzungsmethöde dahin charakterisierten: „Aut solche Weise könnte man aus jedem Gesetz die obrigkeitliche Aufforderung zu einem Verbrechen herauslesen!“ Sein eigener Freund, Professor Bickel in Innsbruck, hat geschrieben: „Alle angeblichen'Beweisstellen für Ritualmord sind der reinste, auf grober Unwissenheit beruhende Schwinde 1, da an den betreffenden Stellen von ganz anderen Dingen gesprochen wird.“ Trotzdem wurden alle diese Zitate bei der Gerichtsverhandlung in Kiew und auch Von dem Vertreter der Privatbeteiligten bei der Gerichtsverhandlung in Polna gegen Hilsner als Beweismomente vorgeführt. 9. In den lateinischen Komödien der Reformationszeit wird das Märchen wiederholentlich im ernstesten Glauben behandelt. Und mit solchen Poesien war damals Geld zu verdienen und zuweilen sogar eiiypites Geschäft zu machen,. indem man sich erst von gläubigen, raub- und rachgierigen Personen die Anfertigung und hinterher von den jüdischen Gemeinden die Unterdrückung des Poems, natürlich in doppelt so hohem Preise, bezahlen ließ. Ein solches Histörchen wird auch aus dem 18. Jahrhundert gemeldet. Der edle Sänger war Gi ac o m o Giar dano von As coli. Von ihm war bereits ein Prosawerk erschienen „San Simonico“, nach dem Namen des vorgeblich zu rituellen Zwecken getöteten Knaben. Mit dieser Schrift glückte es dem Autor nicht. Sie hatte das Schicksal einer anderen gleichzeitigen Schrift „Die Irrtümer der Juden“ von C or d o Ri d o1f i aus Ancona; sie wurde nämlich vom Papst, Pius VI. auf den -Index gesetzt und verboten. Das hielt den Autor aber nicht ab, dem Papste noch im selben Jahre ein humoristisches Gedicht „Der Hebräer im Exil“ zu dedizieren. - Als Motiv dieser Gesänge.gab er selbst sein Poetenlos an: Wochenschrift Nr. 33 den Ueberfliiß an Schulden. Er brauchte 2000 Taler,und ließ erkennen, daß er beide Werke nur geschrieben habe im Aufträge eines katholischen Ministers, der seine Juden gern vertreiben wollte. Dieses Manuskript zeigte er einem Juden, der nach Ascoli kam, und gab ihm zu verstehen, welchen Nachteil die Publikation den Juden in Ascoli bringen mußte. Er wolle aber davon ablassen aus christlichem Mitleid mit den Juden. Aber natürlich mußte ihm die Gemeinde von Ancona mindestens für seinen Zeitverlust und seine Mühen eine Summe von 3000 Talern zusicTiern, da er von dem Minister eine Rente _ auf Lebenszeit von 12 Talern monatlich zugesichert erhalten habe. Dafür wolle er denn sogar auf sein Ehrendiplom, das er zuversichtlich für das Gedicht erhalten werde, und den unausbleiblichen Dichterruhm verzichten; alles aus christlichem Mitleid! Gegen diesen Erpresser haben die Juden beim Papst Schutz gesucht und gefunden. 10. Und nun zum Schluß eine Geschichte nach mündlicher Mitteilung eines alten Mannes. Es war vor etwa 60 Jahren, am 1. Pessachtage. Ich saß am Fenster und studierte das Hohe Lied. Plötzlich kommt der Schames (Gemeindediener) gesprungen. Verwirrt und zitternd ruft er: „Zum Rabbiner. Ein, Unglück ist geschehen.“ „Was ist los? sprechet“; aber der Schames ist fort. Schnell ziehe ich mich an und springe zum Rabbiner. Der kommt mir schon entgegen. „Was ist denn geschehen, Rabbi?“ „Es ist ein großes Unglück,“ sagt der alte Mann, „ein sehr großes Unglück. Außerhalb der Stadt im Walde hat man ein Mädchen mit durchschnittenem Halse gefunden“ ... In der ersten Minute war ' ich starr. Am P e s s a c h ein christliches Mädcheninit durchschnitten em Halse finden! Ihr versteht, welches U n g 1 tt c k für. : die Juden. Was - jetzt- » tun^^V trugich «Jeise.v „Zudem sende ich nach Euch, um mit Euch zu beratschlagen. Gleich kommen noch einige andere und wir werden dies besprechen.“ Nach einigen Minuten kamen die Gerufenen, alle Ehrenmänner. Der Vorsteher hielt eine Rede: ' ' „Juden! lieber uns ist ein großes Unglück gekommen. Natürlich die Wahrheit wird siegen, denn unser Gott ist groß und allmächtig. Aber bevor die Wahrheit siegen wird, kann eine Metzelei entstehen.“ „Wir müssen jetzt unverzüglich Maßregeln treff en, wir müssen -zu den Dorfältesten gehen“, sagte einer von den Anwesenden. „Wie wollen Sie denn ohne Geld gehen?“ fragte; der Rabbiner. „Feiertags darf man doch kein Geld tragen und ohne Geld zu ihnen gehen kann man nicht.“ „Das macht nichts“, sagten wir, man muß versuchen.“ Als wir herauskamen, waren schon die schmalen Straßen mit Leuten überfüllt. Man hörte schon das Klirren'der zerbrochenen Glasscheiben; den Ruf: „Juden haben ein Mädchen getötet, das Blut ausgesaugt“. Einer warf schon einen Stein auf den Rabbiner und das Blut strömte über sein weißes Gesicht und seinen grauen Bart. Am Rande des Waldes, zwischen Bäumen sähen wir einige Dorfälteste mit Abzeichen-am'der Brust. Auf der Wald wiese erblickten wir die Leich e, es war die eines achtjährigen Mädchens. Das Kleidchen war zerrissen. Man.merkte, daß der Schurke vor der Ermordung das Kind vergewaltigt hatte. Hier nahm der Alte sein rotes, nicht sehr frisches Taschentuch und rieb lange seine alten verweinten Augen. . „Ich hob die Augen, "schaute, Und eine Fre u d e e r füll t e mein Herz. In der L e i c h e erkannte ich meine Sarah . . . Mein einzig kleines T ö c h ter ch en Sarah ... Wollt ihr wissen, was weiter war? Wie ich schon erzählt habe, es War eine

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