Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 32 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 32 Seite 531 Dr. BLqch'sl Wochenschrift . Prag. (Leichenbegängnis.) . Unter ungewöhnlich zahlreicher Beteiligung fand vorige Woche vom Straschnitzer Friedhofe aus das Leichenbegängnis des Herrn Moritz Austerlitz, Vaters des Eeneraldirktors Robert Austerlitz in Wien, statt. Der Verblichene, der Senior einer der ältesten Prager Patrizierfamilien war, hat sein ganzes Leben dem Dienste der Humanität gewidmet'und die größten^Wohltätigkeitsinstitutionen Prags bis zu seinem Tode geleitet. Moritz Austerlitz, welcher Chef der-bekannten Tertilfirma Brüder Austerlitz war, hat auch eine ganze Reihe «von kaufmännischen Ehrenstellen bekleidet, so war er Zensorder Böhmischen -'Sparkasse. Vertrauensmann der Erwerbssteuerkommission, Vorstandsmitglied des Handelsgremiums usw. Besondere Verdienste hat er sich um!den Prager Volksküchenverein, dessen letzter noch lebender Gründer er war, und um den Verein für geregelten' Gottesdienst, 'erworben. Dieser Verein erleidet wohl einen unersetzjlfchm Verlast, denn,der Verstorbene war es, der seit Dezennien bis in (die letzten Stunden die umfangreiche gottesdienstliche und materielle Organisation der Tempelgemeinde geleitet hat. Die ungewöhnlichen Sympathien, deren sich der nunmehr Verblichene in allen Prager «Kreisen erfreut hatte, kamen bei der Leichenfeier zu beredten! Ausdruck. In der dichtgefüllten Zeremonienhalle sah man unter anderen Polizeidirektor Hofrat Dr. Kunz, Universiiätsprosessoren, Bankdirektoren, Großindustrielle, Fabrikanten, Kausleute, Advokaten Abordnungen einer Unzahl von 'humanitären Vereinen, der Direktion des Prager Volksküchenvereines, des Nächstenliebevereines u. .a., weiters den. gesamten Vorstand der Tempelgemeinde und die, Kultusgemeinderepräsentanz. Nach Absingung von Trauerpsalmen durch Oberkantor Mirsky und den Telnpelchor widmete der Prediger der Tempelgemeinde Dr. Sschwarz dem Verblichenen innige Worte. des -Gedenkens, in denen er dessen humanitäre aufopfernde Tätigkeit, sowie.die Verdienste um die Tempelgemeinde pries; dann sprach Dr. Josef Popper namens des Nächstenliebevereines. dessen Kassier der Verblichene durch Mehr als 40 Jahre war. ' Nach Absingung von Trauerchorälen fand die Beisetzung statt. Anläßlich des Ablebens seines letzten Gründers und Vize- Präsidenten ließ der Prager Volksküchenverein statt einer Kranzspende sämtlichen ständigen Besuchern der Altstüdter Volksküche ein Gratis-Mittagessen verabreichen; es sind dies 3000 Portionen. Liteyarisch-Mtfikallscher Atzend. Die Sektion. II des Zionistischen Zentralvereines /veranstaltet Sonntag den 18. August, 7 Uhr abends, im Saale des „Bayrischer Hof" einen literarisch-musikalischen Wend unter Mitwirkung des Oberkantors Bass er mit verstärÄem Chor und der Schriftsteller Dr. F. Finkelstein, M. G.ro ßi, Melech Ra witsch und David Klin gHof er. ___ Hebräische Universität in Jerusalem. Der Grundstein zur hebräischen Universität in Jerusalem wurde am. 24. Juli «gelegt. Für hovoxstehende Feiertage verleihe ich Sessel. Ertrag ausschfteWich dem Witwjeu- und Waisenfonds. Ludwig WLer, IV^ FrerlMs (Naschmarkt). ZfLuMewn. Wober stklinwt ckor Glaube au Mitualraorde? Ein Vortrag im Verein für jüdische Geschichte und'Literatur in Breslaugehalten von * Dr. Joseph 8. Bloch. (Schluß.) " 7. Es zeigt sich wiederholt, daß es noch eine besondere Schicht gibt, ^die für die Existenz des jüdischen Ritualmordes sich verbürgt, für den Glauben an diesen Wahn förmlich schwärmt lind nach Möglichkeit trachtet, ihn zuverbreiten. Es ist die Gilde , der Mörder. Denn die Mörder wissen den Nutzen des Ritualmordaberglaubens zu schätzen und für ihre Zwecke zu verwenden. Mit Hilfe dieses Wahnes gelingt es meistens, die wichtigsten ersten polizeilichen Erhebungen auf falsche Geleise zu bringen und allmählich die Spuren des Verbrechens zu verwischen. Dem Ritualmordwahu haben es zahlreiche Mörder zu danken, daß sie straflos blieben. Manchmal nur mißglückte das Manöver. Am 21. November 1900 wurde die 15 Jahre alte Näherin Marie Suchanek im Pecklcgrunde bei Nachod ermordet. Der Leichnam wurde, in entsetzlicher Weise verstümmelt, am 23. November im Gestrüpp gefunden. Nachdem eine Zeitlang - der Mörder nicht gefunden worden war,brachtendiechristlichsozi&len Abgeordneten in der Sitzung des Abgeordnetenhauses in Wien vom 20. 0kt. 19dl eine den Mordbetreffende und gegendie Juden gerichtete Interpellation ein und fordertenSch r M te gegen Juden. Später gelang es in dem Weber Karl Järosch den Mörder zu ermitteln. Am 26. Mai 1902, begann gegen Jarosch die Verhandlung vor dem Schwurgerichte in Königgrätz. Der Indizienbeweis gegen den Angeklagtem war. so schwerwiegend, daß Jarosch auf Zureden seines Verteidigers am 2. Juni ein Geständnis über die von ihm verübte Tat ablegte. Vorher hat der Mörder Wiederholt erklärt, den Mord könnten nur die Juden begangen liab en, wei 1 sie das Blut brauchten, unter anderem auch zu einer Frau Hammer und zu dem Ehepaar Jabionski, auf deren Zeugnis er sich zum Zwecke eines Alibibeweises berufen hatte. 1905 brach/e der Olmützer „Pozor“ die Nachricht, daß hei Pochwatow in Böhmen die Industrielehrerin Ludmilla Wolf mit durchschnittenem Hals ermordet aufgefunden wurde und daß in der Bevölkerung die Mein nag verbreitet sei, Fräulein Wolf sei einem „Ritualmord“ zum Opfer gefallen. Drei Tage nach Auffindung der Leiche wird «in gewisser Schramek als Täter dem Bezirksgerichte Neustrechitz eingebracht. Schramek war ein Sehn katholischer Eltern und verstand es, durch einen Schnitt in den Hals des Opfers den Verdacht auf die Juden abzuwälzen. Am 16. September 1904 wurde (wie die „Oesterr. Wochenschrift“ v. 1904, S. 661 berichtete) in dem Ort. N- Kamenicek bei Hlinsko in Böhmen die Leiche eines ziika 17 jährigen Mädchens mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Auch das Gesicht wies zahlreiche Schnitte wunden‘auf und der Körper war fast blutleer. In der Toten wurde die am Orte ansässige Stephanie Pospischil agnosziert, und es gelang auch dar energischen Tätigkeit der Gendarmerie, am seihen Tage des Mörders in '■ der Person des 22 jährigen Webers Anton Tlnsty habhaft zu werden. Dieser hatte das Mädchen nachmittags vom Tanzboden fortgelockt und dasselbe in ein Wäldchen, welches nur einige Schritte vom Dorfe «ntfernt war, geführt, wo er das Verbrechen verübte. Charakteristisch war nun folgender Umstand: Als die Leiche gefunden wurde, befand sich auch der Mörder unter den Zuschauern und war bemüht, das Verbreche n mit dem Hinweise aut den Halsschnitt und das F ehlen des Blutes als „Ritualrno rd“ 'darzustellen. „Das kann kein Christ getan haben“, rief er’ aus. Der Mörder wurde dem Bezirksgerichte in Hlinsko eingeliefert. Dem Gerichtsadjunkten Dr. Paröus gelang es nach dreitägigem Verhöre, den Mörder zum Geständnis zu bringen. 3. Ich weiß nicht, ob ich Ihrer Geduld eine Erwähnung der sogenannten wissenschaftlichen Beweise für den Ritnalmord noch zumuten darf. Nur wenige Bemerkungen kann ich mir gestatten. Der Urheber dieser sonderbaren Wissenschaft ist August Rohling mit seiner Schrift „Die Polemik und das Menschenopfer des Rabbinismus“, dessen Fälschungen ich vor dem k. k*