Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 32 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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flc. 32 M. Blachl« Die wirtsch,aftlich>en Aussichten Palästinas. Der gewesene britische Botschafter in Amerika und bekannte Diplomat und Volkswirtschaftler L.ord Bry c e veröffentlicht in dem Newyorker „Menorah-Journal" einen längeren Artikel Wer die wirtschaftlichen Ans-- sichten und Ausgaben in Palästina im Zusammenhang mit der Bildung des neuen Judenstaates daselbst. Bryce glaubt, daß nach! den Heutigen Zuständen im Heiligen Lande wohl noch für 300.000 jüdische Emigranten Platz sei, daß diese Zahl sich mindestens verdoppeln könnewenn die fruchtbare Jordan-ebene bewässert, das übrige Sfcmb mit Wasserreservoirs für die regenlose Periode versehen, wenn ferner die -alten Zisternen -und Terassen von neuem instand-gesetzt,'die einst reichen Waldungen wiederhergestellt weroen .usw. Zu diesen gewaltigen Meliorations- und Herstellungsarbeiten seien große Kapitalien nötig, die aber sehr rasch und .verhältnismäßig leicht zu erlangen seien, wie die Freigebigkeit und das große Interesse der europäischen und amerikanischen Juden an Palästina gelehrt habe. Diese Kapitalien würden^ sich übrigens nach 'kurzer Zeit glänzend verzinsen, denn die gesteigerte Produktion nnd allmähliche Industrialisierung des Heiligen Landes würden die daran aufgewendeten Arbeiten reichlich lohnen. Zum Zwecke besserer Bewirtschaftung des Landes sei .aber notwendig, daß erstens eine normale, sichere politische Herrschaft dort einkehre, und dann/daß alle Voraussetzungen für wirtschaftliches Aufblühen, vor allem ein ausgedehntes Netz guter Straßen und Wege, Eisenbahnen und Häsen, geschaffen werden. Das Beispiel Aegyptens hat gezeigt, was eine europäische und vernünftige Verwaltung erreichen kann. Bei der religiösen und nationalen Zusammensetzung per palästinensischen Bevölkerung ist eine solche Verwaltung ein noch dringenderes Bedürfnis. Der Verfasser, der erst 1914 Zum letztenmal. Palästina bereist hat, läßt sich dann des längeren über die einzuführenden administrativen und richterlichen Reformen, die Organisation der Polizei und der Miliz, die wohl in der ersten Zeit unter europäischer Kontrolle stehen müssen, aus, und bespricht auch die Art der Behandlung der heiligen Stätten, die in einer solchen'Weise verwaltet werden müssen, daß lokaler Fanatismus/wie "er heute vielfach existiert, ausgeschaltet würde. Die Ausführungen von Lord Bryce haben in England und Amerika berechtigtes Auffehen erregt. Peter Nansen. . Der femsinnige, auch in Deutschland und Oefter-I reich wohlbekannte dänische Dichter ist dieser Tage in* Kopenhagen gestorben. v „Der Urgroßvater, ein b edeutender Finanzmann, war aus einer Hänsüstadt nach Dänemark eingewändert und auch den Vater hielten wohl immerdar ernste Geschäfte fest." (Paul Ziffer er in der „N. Fr. Pr." vom 7. August.) - Sein Großvater war der nicht minder berühmte Großkausmann und nationalökonvmische Schriftsteller Lob N athanso n, der Reorganisator der Kultusgemeinde Kopenhagen und Gönner Jsak Poa Mannheimers, dem es die Munifizenz. Nathansons ermöglichte, die Studien an der Mittelschule und Universität seiner Vaterstadt zu absolvieren,' um dann gleichfalls durch Nathansons bedeutendem Einfluß am dänischen Königs- Hofe zum (isr.) königlichen Katecheten ernannt zu werden. Ob Peter Nansen dem ^Judentum nochangehörte, läßt sich dermalen nicht feststellen. Zweifelsohne sind viele charakteristische Züge seiner edlen Dichtkunst nur ans seine schon vor hundert Jahren kulturell hochstehende jüdische Mstammung zurückzuführen und so zu er kl är en. M. M. Rosen mann. Zochenschrist 517 Die Judenvertreibuttg aus Finnland Zwei einander widersprechende finnische Demientis. Unsere Meldung über die bevorstehende Ausweisung der Juden aus Finnland setzte der Staatsrat Gripende r g, der Vertreter Finnlands in Schweden, ein Dementi entgegen. Das Dementi lautere: „Der Staatsrat Gripenb.erg ermächtigte das Svenska Telegrambyran, anläßlich der in der Presse erschienenen Meldung über die Ausweisung der Juden aus Finnland mitznteilen, daß eine solche Ausweisung weder ftattgefunden habe noch beabsichtigt sei." Mit dieser kategorischen Ableugnung steht int vollsten Widerspruch Line Erwiderung der finnischen Gesandtschaft in Berlin, die gleichfalls auf. unsere Meldungen Bezug nimmt. Die Morgenausgabe des „Berliner Tageblattes" vom 17. Juli brachte folgende Notiz: „Das Jüdische PreWur.eau in Sto<Holnt hat mitge- Leilt, daß die finnische Regierung, die Juden aus Finnland ausweife. Die Presseabteitung der finnischen Gesandtschaft in Berlin bittet uns > um Ausnahme einer Entgegnung, welche zunächst besagt, daß der finnische Landtag vor Mehr als einem Jahre ein Gesetz angenommen habe, welches alle Hindernisse für die Naturalisation von Juden aufhebt, daß die Naturalisation vielleicht allen einzelnen Personen verweigert worden sei, die „an dem roten Aufruhr gegen die gesetzliche Regier rung teilgenommen" haben/ In der Erklärung heißt es dann weiter: „Infolge des verhängnisvollen Mangels an Lebensmitteln .hat sich die Regierung gezwungen gesehen, den größeren Teil der sich vorübergehend irrt Lande aufhaltend.en Ausländer, insbesondere die Raffen, unter denen sich natürlich auch eine Me n g e r u f f i schie r Juden befinden, aufznfordern, das Land zu verlassen. Daß diese Aufforderung sich auch auf die im> Lande ansässige jüdische Bevölkerung erstrecken solle, ist dagegen nicht richtig. Auch sind die russifchen Juden keineswegs in eine schwierigere Lage versetzt worden als andere russische Staatsangehörige. Es find im^Megenteil eine Menge Ausländer verständigt worden, unmittelbar das Land zu verlassen, und nur di.e zuverlässigeren Elemente unter ihnen haben einen Aufschub ihrer Reise, zum? Teil bis zuM 30. September, bewilligt erhalten. Wenn das' Recht, sich nach dem genannten Zeitpunkt in Finn- . land auHuhalten, nicht einmal für die letztgenannte Kategorie von Ausländern anders als in Ausnahmefällen ■irnrb verlängert werden können, so beruht dies aus- » schließlich auf den äußerst geringen Lebensmittelvorräten fdes Landes, nicht äher auf irgendeiner Abneigung gegen die Ausländer als solche nnd crmf allerwenigsten auf irgendeiner Judenfeindlichkeit der gegenwärtigen finnischen Regierung, die nur in der Phantasie des berichtenden Preßbureaus vorhanden ist." Hier wird also, im! Widerspruch zu G r i v e n b e r a s Angaben, offiziell zugegeben, daß eine „Menge russischer Juden" des Landes verwiesen werden. Nun wird aßet behauptet, daß diese Maßnahme nur diejenigen trifft, die sich „vorübergehend" iw Lande aufhakten. Demgegenüber stellen wir fest, daß es nur eine ganz winzige Anzahl von solchen Juden in Finnland gegeben hat', und wenn eine „Menge russischer Juden" das Landverlassen muß, so sind das eben finnische Inden, die die finnische Regierung, das Beispiel der rumänischen nachahMend, als Fremde betrachtet und behandelt. Uns selbst find zahlreich e Fälle bekannt, wo in Finnland' ansässige Juden den Befehl erhalten haben, bis zuM 30. September das Land zu verlaßen. Wenn von 3lD. jüdischen Familien, die in Finnland leben, eine „Menge" zuM Wanderstabe greifen muß, so bedeutet das öben den Ruin der finnischen Judenh'eit.'