Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 32 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022333--27101-3052498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
seit« 516 Dr. WlV-H'S WschesWrrst ftr. 32 Ministerpräsident Alexander We kr rle: Nicht wegen der Ga-- lizianer. In Galizien herrschen Zustände,- die die Rückbeförderung der geflüchteten' Bevölkerung ermöglichen. Die Rückbeförderung ist auch im Gange. Bei der Rückbeförderung gehen idie Behörden mit der entsprechenden Strenge vor. doch! dulde ich «Atrozitäten nicht, denn in einem- Rechtsstaat sind Atrozitäten unzulässig. (Lebhafte Zustimmung.) Die lästigen Frenrden werden möglichst bald in «die Heimat zurückbesördert. Ich gehe _auch weiter. Ts werden außerordentliche Maßnahmen getroffen, um die durch diese Leute erzielten Gewinne besonders zu besteuern. (Lebhafte Zustimmung.) Ich bitte, den Gesetzentwurf anzunehmen. (Lebhafter Beifall und Applaus.) ' , AntrsenntrsMUB in Ungarn. ' Wien. M2. August 1918. Geehrter Herr Redakteur! I Bor einigen Tagen hätte ich geschäftlich in Budapest «zu tun. Auf der Rückfahrt nach Wien saßen zwei ungarische Z:om>:a:sb:'n:nie aus Siebenbürgen vis-a-vis, zur Fahrt nach Wien. Wie.es schon so geht, war und drehte sich das Gespräch «der heutigen Kriegsrichtung und der/Politik zu. Das Gespräch kam-auch auf die neue Bodenreform der ungarischen Regierung. Da erzählte der eins dieser Beamten, daß ein geheimer Erlaß-von der -Wekerle- Regietung an die Komitate hinausgegeben wurde, daß andere-Rationalitäten und — Juden Grund und Boden, weder -pachten noch ankaufen dürfen und solche Pachtungen und Verkäufe -rechts- . ungültig erklärt werden müssen. Warum ich. Ihnen schreibe? -Damit. Ihre Leser es lesen sollen! Weil erst vor -einigen Tagen Gras ■sc tß a sowie Herr Ministerpräsident Wekerle im ungarischen Reichsrate erklärten, daß sie die Bewegung gegen die «jüdische Konfession verurteilen und es picht zulassen werden, daß diese Konfession, die für das Vaterland so viele Opfer Igebracht, beschmutzt oder verfolgt werde. Das erklärte Herr Wsekerle, der im ge-, Heimen gegen die Juden auftritt. Gibt es einen größeren Jauruskopf auf dem politischen Boden, als Herr Wskerle les ist? Wo bleDt der neu geadelte und getaufte Handelsminister SLern^ ^terenyi? Hier handelt es sich um nichts anderes, >als dem neu gegründeten parlamentarischen Agrarierblock entgegenzukommen, damit diese/und nur diese allein den reichen.-Fruchtboden ausnutzen und beherrschen können. > Das ist die neue Bodenreform der ungarischen Regierung. . Hochachtungsvoll . , (Bah m garten. KonfereW vier Mische» Ucknleinden in RÜWand. Infolge des Umstandes, daß der geplante Jüdische Kongreß gegenwärtig! nicht ahgehalten werden kann, haben sich die Artenden Kreise der russischen Juden zur G r ündung eines! jüdisch en Gemeindebundes entschlossen, der die Kräfte des russischen..Judentums! konzentrieren soll.. Der GeMeindebünd ist als! 'Ergänzung zum Jüdischen Nationalrat gedacht. Während dem Nationalrat die Politische Führung der JudÄcheit Rußlands Vorbehalten ist, sollen die Gemeinden und .der Ge¬ Meindebünd sich mit den jüdischen ökonomischen, sozialen und Kulturangelegenheiten beschäftigen. Die Gründung des Verbandes wurde aus einer Konferenz der jüdischen Gemeinden Ruß^- lands vollzogen, die, wie wir dem! Petrograder zionistischen ,,Raswjet" vorn 7. Juli entnehmen, am 30. Juni in Moskau begann und an der 133 Delegierte, 39 Gemeinden Großrußlands vertretend, sichbeteiligten. Nach ihrer Parteizugehörigkeit verbellten sich die Delegierten wie folgt: 53 Zionisten, 20 Achduth (Orthodoxe), 16 Bnrll), 13 Vereinigte jüdische Sozialisten, 9 Poale- Zion, 7 Volkspartei, 2 Volksgruppe urrd 13 Unparteiische. Außer den Delegierten wohnten auch Vertreter zahlreicher Organisationen der Konferenz als Gäste bei. Die Konferenz wurde im Namen-des Organisationskomitees' von deM Zionisten I. L. L ev ite eröffnet, der die Umstände, unter denen die Konferenz einberufen wurde, und ihre Hauptzüge schilderte. Ans dem Wege zum Aufbau der jüdischen nationalen Autonomie, sagte er, bilde die erste jüdischeGe- - meindekonferenz Rußlands die zweite wichtige Etappe. Die auf demokratischer Grundlage reorganisierten jüdischen Gemeinden seien vorläufig die einzige nationale Errungenschaft der Juden seit Beginn der Revolution. Diese junge .Institution habe sich noch nicht überall 'genug befestigt, aber es unterliege, keinem!.Zweifel, daß der Aufbau der' jüdischen Gemeinde einer normalen Entwicklung entgegengehe. Das Ziel der Konferenz'sei die Festsetzung gesunder g leich arti ger F o r men d es' neuen GeMeindelebens, die Feststellung einer «allgemeinen Verfassung für die W i r k saMkeit der Gemeinden. Die natürliche Entwicklung des! jüdischen' Gemeindelebens habe die Vereinigung der Gemeinden und die Schaffungi eines Zentralorgans notwendig gemacht, welches Otgan eine weitere Stufe zur Einführung, der jüdischen nationalen Autonomie darstelle. Dieses Organ sei berufen, die bereits bestehenden Gemeinden zu befestigen, die Bildung neuer Gemeinden in den, Orten, wo sie noch nicht bestehen,- zu. fördern urrd als Verbrndmrgsglied. zwischen den Gemeinden zu dienen. Das zu schaffende Zentralorgan müsse einen provisorisch en Charakter tragen, ba'- es der jüdischen gesetzgebenden Versammlung znsteht, das oberste Organ des russischen Judentums zu schaffen. ' Ein schriftlicher Bericht über die Verhandlungen und Beschlüsse der Konferenz liegt uns zur Stunde noch nicht vor. Wie uns! jedoch! eine eben aus Moskau in Stockholm eingetroffene führende jüdische P^rsöM lichkeit mitteilt, wurden im Sinneobiger Reb^eM.. Reihe von wichtigen Beschlüssen gefaßt, die beit) jüdischen GeMeindebünd ins! Leben rufen und ein einheitliches System für die Verwaltung der jüdischen Gemeinden und für die Besteuerung ihrer Mitglieder schassen. Sämtliche Beschlüsse würden auf Grund eines -zwischen den Parteifraktionen vereinbarten Kompromisses! mit Einstimmigkeit angenommen. Zur Ausführung der Beschlüsse wurde ern ans 43 Mitgliedern bestehendes Exekutivorgan, die wichtigeren Städte und sämtliche jüdisckD Parteien vertretend,^ gewählt.! Der Sitz des GeMeindebündes ist Moskau.' ' Mr JMschs AivtWerkongreß M Palästina. , (Unabhängige jüdische/R epubkik.) Dem Jüdischen Preßbürean in Stockholm wird aus London telegraphiert: Der JMsche Arbeiterkongreß für Palästina, der Vom 6. bis 9. Juni in ■ Newyork ab gehalten wurd e, war außerordentlich stark beschickt. Cr vertrat 250.000 politisch, gewerkschaftlich und in Versichernngsorden organisierte jüdische Arbeiter Nordamerikas. . ' Der Kongreß . faßte - unter allgemeiner außergewöhnlicher Begeisterung d er Delegierten und des Publikums eine Entschließung, die die Errichtung einer international garantierten ungbhängigen neutralen jüdisch en Republik in Palästina fordert: für die unmittelbar auf den Krieg folgende Periode soll Palästina zunächst einer voM Friedenskongreß zu ernennenden internationalen Kommission unterstellt werden, in welcher das jüdische Volk gebührend vertreten sein soll. Die Verwaltung Palästinas Müsse auf demokratischer Basis gestellt werden. Ferner fordert der'Kongreß die Nationalisierung des Bodens sowie auch der Naturschätze und der Verkehrsmittel. In einer anderen Resolution sprach sich der Kongreß entschieden für die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses ans, - der währ end und ' am Orte des Fried enskongresses der Mächte stattfinden soll. . Tie Tagung erregte viel Aussehen in der amerikanischen Oeffentlichkeit; Me großen Tageszeitungen Widmeten' ihr spaltenlange Berichte. .