Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-16 · 32 (16.8.1918) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
32 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022333--27100-3052497
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

*ti SS -Dir. WoH'Z Wochenschrift MW.blL Es kondolierten ferner: Geh. Justizrat und t k. Regierungsrat Dr. Adolf.-Edler o. ' Bachrach, Notar Dr. Bermann Oberkantor I. Bauer, Wien, Vorstandsmitglied S. Brod die DDr. Hermann und Immanuel Bruch, Wien.. Frau Marianne Brandes, Wien. Sam. S. Bing, Wien, Frau Charlotte Frischauer, Präsident des Franz-Josefs-Kinderhort im 2. Bezirk, Wien, Regierungsrat Dp. Frankfurter, Wien. Amtsleiter Wilhelm Freistadt,, dzt. Karlsbad. Oberkantor Don Fuchs, dzt. Gleichenberg, Frau Lina Hellmann, Bad Gastrin. Oberofsyial Alfred Meißner, dzt. im Felde. Fräulein Julie Menzel, -Malerin, Wien, Heinrich Neurat, Wien. Vertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Wilhelm 'Pappenheim, dzt. Bad Gastein Kommerzialrat Michael. Sonnenfeld, Wien Rektor Pros. Dr. Adolf Schwarz, .Wien, Frau Direktor Regine ulmann, Wien, Präsident der Kultusgemeinde Krakau, Dr. Samuel Tilles. . Kcyfet Wanz Josef und Mische Waisen. Wor Made 50 Jahren hatte Kaiser Franz Josef Gelegenheit, seine Güte und Einsicht einer schwerbetroffenen Wiener jüdischen Familie zu bezeigen. Die taubstumme Gattin eines Meerschaumdrechslers wurde am Fenster ihrer Wohnung in der Siebensterngasse von einer Kugeb eines'Soldaten des Regiments Baron ' Reischach bei einer Uebung zu Tode getroffen. Die Offi-' zN^besorgten das' Begräbnis unter Ajssistenz Dr. Jellt'Neks und Oberkantor Fischers in solennster Weise. Zhn Tage nachdem Begräbnis' erschien der allmächtige Graf Grün ne beim Prediger Dr. I el l i n e k, er möge eine kinderlose jüdische Familie (also kein christliches' Waisenhaus, wo die Kinder, dem Judentum entfremdet worden wären) ausfindig machen, wo der Kaiser auf seine Kosten die Kinder Hirschlers aufziehen lassen und das Obersthiofmeisteramt', die Aufsicht übernehmen wolle. Dies, hat Dr. Jellin e'k oft vor mir erzählt, -ob' der Plnn auch 'Kur- ArnsfÜhiruM'gelanKe, weiß, vielleicht einer meiner Leser. C. Benedikt. Was Stephan TisA- und Ministerpräsident Wekerle gegen den Antisemitismus. Zu den im' ungarischen Abgeordnetenhaus jüngst sich häufenden antisemitischen Reden nahm Gras Titza in der am 7. d. M. abgehaltenen Sibünq des ungarischen Abgeordnetenhauses in foltzender Weise Stellung: - Geehrtes Haus! Ich bedauere sehr, daß kürzlich in -die Debatte eine Frage hineingetragen wurde, die mit der Angelegenheit der Invaliden überhaupt nicht in Zusammenhang steht. Die Pertraktierung dieser Frage durch Schlagwvrte gereicht nach! keiner »Richtung hin zum Vorteil. Ich glaube, der überwiegende Teil des Landes ist davon überzeugt, daß sch jeden Antisemitismus auf das entschiedenste und bedingungslos verurteile. Auch in 'normalen Verhältnissen halte sch es für überaus gefährlich dieses -trennende und aufregende Moment in die ungarische Gesellschaft und in die öffentliche Meinung der ungarischen Nation hineinzuträgen. Jetzt im! Kriege ist das doppelt gefährlich. ) Paul Farkas: Richtig! Richtig! \ Zoltan Mesko (zum Abgeordneten Farkas): Sie haben die Frage hieher gebracht. > Graf Stefan Titza: Au!ch ich halte es fürlverfehlt, daß diese Frage hieher gebracht wurde, und bedauere es, daß »zwei Mitglieder des Hauses, mit denen sch in engen.freundschaftlichen Verhältnissen stehe, es getan haben. Ich halte aber -auch jede wie immer geartete Zuspitzung dieser Frage für verfehlt. Ich'verurteile den Antisemitismus, weil ich ihn an und für «sich für ungerechtfertigt halte. Die Handlungen einzelner dürfen nicht nach -der Konfession oder der Rasse verurteilt werden. Wßv können »ja aus deni Leben Beispiele anführen, zu welch ungerechtfertigtem Ergebnis ein solches Vorgehen führt. Ich selbst bin in «der Lage, mich auf solche Beispiele zu berufen, und in dem glänzenden «Regiment, dem ich^Die Ehre habe, anzugehören, dienten im' Vorjahre -zwei jüdische Ms zur Tollkühnheit tapfere, brave Offiziere, die die -glänzendsten Eigenschaften der ungarischen Offiziere repräsentierten. Jedermann verfüg^ über zahlreiche argumenta ad hominem. . Honvedminister Baron Alexander Szurmay: Auch unter Meinem Kommando haben sich zahlreiche jüdische Offiziere und Soldaten glänzend bewährt. - Graf Stefan Titza: ES ist im höchsten Maße »ungerecht, wegen des Verhaltens einzelner über alle unsere jüdischen -Mitbürger allgemein den Stab zu brachen. Das Uebel »b«,i uns liegt darin, daß bjic Beschäftigung^jipeige, bei denen in Verbindung, -mit dem KÄege die Mißbräuche meistens Vorkommen, zum igrößten Teil in den Händen der Juden sind. Demzufolge »werden die Mißbräuche, die auf diesem Gebiete begangen werden, zum großen Teil oon den Juden verübt. Wir sichen unleugbar -der Gefahr gegenüber, daß diese berechtigte Entrüstung und Erbitterung, die gegen diese Handlungen und gegen diejenigen, die sie »begehen; herrschten, einen konfessionellen Charakter annehmen. Gegen diese Art mutz jedermann Stellung nehmen und jeder ankämpftn. - Wir Müssen, das Volk aufklären, darin nicht konfessionelle oder »RassensyMptome zu erblicken. An dieser Arbeit mutz das -Judentum seinen werktätigen Anteil nehmen. (Zustimmung.) Paul FarkaS: Ich habe das getan. > Graf Stefan Titza: Ja, der Abgeordnete Paul FarkaS -hat das immer getan. Mein geehrter Freund hat nicht nur seinen Anteil an den Kriegsgefahren genommen, sondern er ist Wiederholt für die strenge Verfolgung der Schuldigen eingelreim. Nach meiner Ueberzeugung mutz gerade das Judentum! das härteste Vorgehen gegen derartige Mißbräuche fordern. Ich bedauere stets die -Erscheinung. daß die Verfolgung einzeüier Strafhandlungen auch im Judentum der Auffassung begegnet, als ob sie einm »antisemitischen Charakter hätte. Aus dem Gesichtspunkte der berechtigten Interessen des Judmtums halte ich diese Auffassung für »irrig und gefährlich. Denn durch eine solche Auffassung wird nur -das Wasser aus die MÄhle derjenigen gettieben, die die Strafhandlungen einzelner generalisieren wollm. Im! Kampfe gegen den Antisemitismus mutz uns zunächst das Judentum zu Hilfe »eilen, dann auch die Regierung in erster Reche dadurch datz sie plte Verfügungen trifft, damit-Me in Verbindung mit dem Kriege »begangenen Mißbräuche auf das Minimum reduziert und auf das»sttengste geahndet werden. Aus ein je engeres Gebiet sich diese »Mißbräuche, ersttecken und je strenger sie geahndet werden, umlso »eher verliert die antisemitische Agitation an Boden'. Gegen diese Strafhandlungen mutz mit der entsprechenden Strenge vorgegangen werden. Jede Begünstigung erweckt einen ungünstigen Eindruck und kann als Grundlage zur antiseinitischen Agitation dienen. Ich verspeise nur auf die Handhabung der Geldstrafen durch die oorgehendm Behörden. Auf diesem Gebiete mutz etwas geschehen. Denn es »ist absurd, datz unsere Behörden nicht imstande sind, von demj alten »Rahmen der lächerlich niedrigen Geldstrafen sich zu befteien. obwohl die -Erlässe der letzten Jahre längst eme Bresche in dieser Beziehung geschlagen haben. Wir haben Gesetze und Erlässe, die eine Hohe Geldstrafe seststellen und sogar bis zum mehrfachen Betrage des »erzielten unberechtigten Gewinnes sich erstrecken. Unsere Behörden können sich aber von dem! Drucke nicht befteien,, der -jn dieser Beziehung, namentlich in der polizeilichen Judikatur, eingerissen ist. So »sehen wir, datz sogar in der jüngsten Zeit reiche. iKudapester Kaufleuta wegen Preistreiberei zu 50 oder 100 Kronen Geldstrafe verurteilt worden sipd. Das sind vollständig illusorische Maßnahmen Da mutz radikal eingegriffen werden. Ferner müssen sowohl die bürgerlichen, wie die Militärbehörden dafür sorgen, daß die »Verkehrtheiten bei den Enthebungen auf das Minimum reduziert -werden, namentlich aber bei der Einteilung der Soldaten! in.die Marschkompagnie aufhören. Ich glaube, datz der Herr Honvedminister der Stimmung des Lantzes einen großen Dienst erweist, »wenner bei den Enthebungen die größte Sttenge walten läßt »und wenn er dafür sorgt, daß bei den Ersatzkaders die »Einteilung in die Marschkompagnie durch höhere Offiziere und durch Offiziere besorgt wird, deren Charakter absolut einwandfrei ist. (Lebhafte Zustim> mung.) Werden auf diesem Gebiete die notwendigen Schritte »getan und werden namentlich die Juden uns zu »Hilfe kommen, damit die Erlässe auf das sttengste eingehalten werden, so werden wir imstande sein, mit vereinter Kraft der Gesahke ches Antisemitismus zu begegnen. (Lebhafter Beifall und Applaus.) » Ministerpräsident Alexander Wekerle: Geehttes Haus! Was die Frage des Antisemitismus bettifft» so freue ich »mich, datz Graf Stefan Titza sie richtig eingestellt hat. Die Juden »selbst dürfen sich mit Men Leuten nicht identisyieren. sie tun.es auch nicht, andererseits hat auch die Regierung in dieser Hinsicht.Pflichten. Die Regierung ist bestrebt, auf die öffentliche Meinung den entsprechenden Einslutz auszuüben, damit diese wegen Handlungen.einzelner nicht Konfessionen verantwortlich mache. Die Regierung hat auch in anderer Hinsicht entsprechende Maßnahmen getroffen. Auf die Verschärfung der Strafen kann ich wohl keinen unmittelbaren Einfluß ausüben, doch habe ich die Verwaltungsbehörden als Minister des Innern angewiesen, die größte Sttenge walten zu lassen. Auch müssen die Behördentunlichst verfügen, datz die »Gegenstände-, mit denen Mißbrauch gettieben worden ist. konfisziert werden. Ich mutz zu meinem Bedauern seststellen, daß einzelne Behörden gerade aus konfessionellem Gesichtspunkte allzu weit gegangen sind und sich zu Schritten hinreitzen ließen, gegen die »ich Verfügungen treffen mutz. (Lebhafte Zustimmung.) \ DrI Leopold Bad atz: Die Vorgänge in Satoraljaujhely sind nicht der Strenge, sondern, der Dummheit der dortigen Behörden zuzuschreiben. . Ministerpräsident Dr. Alexander Wekerle: Solche Mißbräuche der Behörden dürfen in einem Rechtsstaate nicht »geduldet werden. Man spricht stets oon den Galizianern und »erwähnt 70.000 bis 100.000 Galizianer. die da leben sollen. » Zoltan Mesko: In Budapest ist keine Wohnung zu »finden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.