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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-16 · 32 (16.8.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
32 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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m, 32 T>r. Bloch'Z Wochenschrift Seit» 513 flossenen Wochen ihm! menschlich näher zn kommen, daß er in unvergeßlilchen. Stunden' aus seinem lückenlosen Gedächtnis Männer und Geschehnisse vor mein geistiges Auge zauberte, die-dem letzten halben Jahrhunderte Unserer Gemeinde ihren Stempel aufgedrückt haben, . .• An Deiner Bahre, Moritz Güdemann, gelobe ich Dir ,mein Bestes hingeben zu wollen. uM den kostbaren, in-Jahrzehnten aufppferungsvoller Arbeit von Dir gehobenen .Schatz unversehrt zu erhalten. Stark und einig soll unsere Gemeinde für -die kommenden Kämpfe bereit und gerüstet sein, für den Kamps um unser Recht und unsere Zukunft, um die Befreiung und die Erlösung der Menschheit. .!; Ziehe ein in den ewigen Frieden, in das Reich der ungetrübten Harmonie, zu friedensdurstiger Seele, Du harmoniegetränkter Geist! Rede deZ RMrinevs Dr. Bach-. In dem> 'für uns so schweren Augenblicke, da es Abschied nehmen heißt von der sterblichen Hülle unseres großen Lehrers wer vermöchte da seine überragende Bedeutung, seine machtvolle Persönlichkeit in engbegrenzter Rede, in jener Kürze, in -der er selber? Meister und Muster gewesen, erschöpfend zu schildern sich unterfangen? Besonders mit dem Bewußtsein im Herzen, daß »man an der Bahre des unvergeßlichen väterlichen Freundes steht? -Was' wir gefühlt, seitdem die Trauernachricht eingetroffen, daß dieses leuchtende Licht Israels erloschen, es drängt sich zusammen an die? Worte des Klageliedes: Gefallen ist die Krone unseres -Hauptes! Ja, eine Krone war eS, keine bloß glänzende -und gleißendesondern wahrhaft gediegene, die unsere Gemeinde durch 52 -Jahre stolz ihr Eigen hat nennen dürfen. Ein unbeugsam -fester Charakter, zum Herrscher in seinem Berufe geboren und auserwählt. Seine Probepredigt in dieser Gemeinde sprach von der Berufung Moses, vö^ fdK^ Dornbusch,., der--brennt und glüht, nicht (aber verbrennt imrgie ihn rmf Mannesalter, ließ selbst beim wrerse vergessen. Was er einmal als richtig erkannt hatte, 'dafür setzte er seine ganze Persönlichkeit ein;. Halbheiten und laue -Nachgiebig-» kejt kannte dieser Charakter nicht. So hat er -auch seinen schon int Knabenälter erwählten Beruf geliebt; stets galt der Titel ndes' Rabbiners ihm hoch,' und freudig sah er seine Ansichten durchdringen. In solch felsenfester Ueberzeugungstreue, frühzeitig ausgezeichnet durch rasch erfassende Klugheit und außergewöhnliche Menschenrenntnls, hörte er, beinahe' auf den Tag, genau >52 Jahre vor - seinein Tode, bei seinem Amtsantritte in Wien als erstes Wort der Thora-Borlesung: Du sollst sehen! And er hat gesehen, -mit weithin schauendem, durchdringenden Auge, dessen geistiger Blick die Zeit hat nicht trüben können, das gepaßt hat zu ider. ganzen Erscheinung, in der Würde und Kraft imponierend vereinigt waren. > Und so blieb er m seiner ganzen Wirksamkeit: -ein scharfes Auge, ein feuriger Charakter. Griff Man ihm sein iHeiligstes, sein Judentum an, da ward er ein Euerer für '-die heilige Sache und schonungslos ging er von der Verteidigung zuM Angriffe -über; die Gefahr sehen, sich.erheben und handeln, war -für ihn eines. Und fürsolchen Kanrpf hatte er glänzende Waffen. > Eine tief© Kenntnis des weiten Meeres rabbinischer' Wissenschaft wußte er. mit umfassender Kenntnis allgemeinen Wissens zu vereinigen, kannte er in seltenem Maße Kulturentwicklung von Völkern und Sprachen: eine Bildung, vor deren Umfang, Vielseitigkeit und Gründlichkeit man' staunend dastand. Und diese seine Sprache! Wie hat -Worte geprägt, Reden gemeiselt, deren Form allein - schonrMMMrchzAms zur höchsten Ehre gereicht haben. Und ebenso unermäWchi tpaty im Bereiche der Wissenschaft durch eigene Werke. Die waren Erzeugnisse rasch verludernden Feuers oder vielschreibender Tatigkeit; was seine Hand zürückließ, war gereift durch Innerlichkeit der Gedanken, durch höchsten Adel des Wortes. Und nie blieb er untätig stehen. Die Sehkraft war schwächer geworden; aber die Lehre war bei ihm und bis in -die letzten Tage arHeiMe er rüstig weiter, gestützt auf ein geradezu bewunderungswürdiges Gedächtnis und seinen scharfen, auch treffenden Witz wie schäumender Geist. . , 1 ' -'11 :..l So wurde er ein Herrscher in seinem Reiche,-.der die Krone rabbinischer Würde, die Krone des Wissens und die -des Priesters im Heiligtume mit der Krone des Namens vereinigen -dürfte, die man auf derganzen Erdenrunde mit Ehrfurcht nennt. Und dabeiblieb er, ein wahrer MofeS, doch innerlich bescheiden. '-Wer in! seinem Hause zu beobachten das Glück hatte, in. wem Heime, in dem er ein wirklicher König war, in dem -Heime, in dem seino wahrhaft würdige Gattin nur ein Glück kannte, ihm jdäs Leben zu echellen und verschönern, in dem Heime, in chem es ihm vergönnt war, feine ihm im Herbste deS Lebens -geschenkten Kinder zu erziehen, in diesem Hause, das von der -Herrlichkeit Gottes erfüllt war, wer' ihn gesehen: der sah den!großen LebenskünstleS in seinem berechtigten Glücksgesühle einfach, immer an sich und an der Vervollkommnung seiner Schriften arbeitend, nicht rastend und nicht ruhend, sah einen Patriarchen, der alt geworden.durch Lebensjahre und durch .Erfahrung, aber nnt der Zeit .gehend' und fört- Meitend und bis auf die schwere Stunde, die.ihm in den letzten iJähren Krankheit und Tod im Familienweise bereiteten, froh und heiter, die Krone der von der Welt anerkannten.Größe tragend. So ist er ein, Wahrzeichen unserer Gemeind« geworden und so wird er in unserer dankbaren Erinnerung fortleben. - An dieser Stelle sagte er einst seinem großen Kollegen nqch. märt werde dessen Reden lauschen wollen, man werde sie -aber nicht mehr hören können. Mit mindestens demselben Rechte darf man sagen: Gar manche Stunde wird kommen, da man ihn, wer nun auf der Bahre liegt vermissen wird, das Licht vergebens suchen, das nun erloschen, den Ratgeber entbehren müssen, der nicht mehr -da. Gefallen ist die Krone unseres Hauptes! v Darum nochmals heißen Dank Dir. großer .Meister, nicht zuletzt teuerster, väterlicher Freund. So lange die Wiener -Gemeinde besteht so lange jüdische Wissenschaft blüht, wird sie, dieser Stunde gedenkend, sagen: Der Herr hat ihn gegeben, der -Herr hat ihn nach gottbegnadetem!, glücklichen und beglückenden Leben zu sich genommen. Der Ranch des Herrn sei gelobt! Amen! i Rede des Präsidenten Dir. Mfred Stern. Wenn mir die Gäbe der Rede in gleichem Maße verliehen fträre, wie den beiden ehrwürdigen Sprechern, welche heute in unserem Gotteshause und hier an der; Bahre der Trauer um den Dahingeschiedenen Ausdruck, gaben, so wäre ich wohl der Berufenste, um die Tätige keit des Verewigten, die hervorragenden Verdienste, die er sich um unsere Gemeinde und um das gesamte Judentum erworben hat, der hier versammelten Trauergemeinde darzulegen. D'enn mir war das Glück beschieden, durch ein Menschenalter, durch 30 Jahre, da ich dem VyFAande angehöre, an seiner Seite zu wirken, mich mÄsftiW'vsMer, die religiösen Angelegenheiten unserer GtzmMdBsiM, chMaten, darüber hinaus aber auch dort, wo es^Wk, fE'bäZMßcht der gesamten Judenschaft gegen Verfolgung und Vorurteil einzustehen, gemeinsam das Wort zu führen, seine zum Herzen gehende hervorragende Rednergabe in Anspruch zu nehmen. Gemeinsam find wir vor Ratgebern der Krone und öffentlich in Versammlungen vor dem Volke erschienen, und ich kann es gar nicht genug rühmen, in welch beredter, zündender, zu Herzen gehender Weise der Dahingeschiedene das Wort für seine, unsere Stammes- und Glaubensgenossen geführt hat. Schon hiefür allein würde ihm ' unser heißer Dank, unser unvergeßliches Gedenken gebühren, aber ebenso wie vor der Oesfentlichkeit hat er auch im stillen Beratungszimmer damals, als eff.galt,,, aus Grund eines neuen Gefetziös».-die nerSv^MeWeindd^ zu konstituieren, ein den so M ÄskH ßWKEeö"''wÄeö^" streitenden Anforderungen der verschiedenen Richtungen unserer Gemeinde entsprechendes Statut zu entwerfen, als es galt, in so mancherlei religiösen Fragen die Entscheidung zu treffen, als es gaff,' Fegen von 'auswärts gMoffene.. V ersügungoN, j ÄWNNM1 f iftlch behördliche Verfügungen, durch welch GMA 1 religiösen Nnrichtungen und Geb^WchfflMN,^xen-Ausübung empfindlich - beschränkt- - werden sollten, die geeigneten «schÄtte^zn ^unternehmen, die dann auch nicht selten von Erfolg begleitet waren. Nicht hier, nicht an dieser Bahre, aber vor dem gesamten Kultusvorstande, in öffentlicher Sitzung über die Tätigkeit des Dahingeschiedenen, über die vielen Verdienste, die er sich um unsere Gemeinde erworben, zu berichten, wird meine Ausgabe sein. Eines aber, und das muß ich hier und wieder hier als sein besonderes, unvergeßliches Verdienst betonen, das ist, daß er in entschiedenster, maßgebendster Weise der Aufrechterhaltung des Friedens in unserer Gemeinde zu dienen, Meinungsverschiedenheiten zumindest nach außen hin zu 'Überdrucken und so für pie Ausrechterhäktung der Einheit unserer Gemeinde nach außen zu wirken, mit Erfolg bestrebt war. „Was vergangen, kehrt nicht wieder. Aber ging es leuchtend nieder, Leuchtets lange noch zurück!"

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