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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-16 · 32 (16.8.1918) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
32 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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««»512 Dr. Bloch' Baron Sprmgerffche Waisenhäuser (Dir. Alex. Hecht), Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen (ViZepräs. Cäcilie F r a n k l), Verein „Einheit" (Max Hofb au er, Mols Fisch er), Verein „FrauerchorL" (Vizepras. Regine B ett elheint, Frau kais. Rat Hi r s ch und Clotilde B e n e d i k t), Baron Hirsch-Stiftung (Dr. Edmund Kohn, kais. Rat Arn. A s ch e r). Israelitische Volksküche (Frau Kadisch), Mädchen-Unterstützungsverein (Direktor S. Kühner), „Weibliche Fürsorge" (Vizepräs. Hermine Kadis ch, Henriette Gr unwald), . Verein „Zukunft" (Vizepräs. Nina N o b e l), Verein „Treubund" (Dir. B r ö n n au e r, Ignaz Glück), Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums (Bernhard Hofbauer),' Verein zur Unterstützung, jüdischer Kleingewerbetreibender (Rudolf.G old stein), . / Pestalozziverein (Präs. Adnold L-emb erger), Frauenverein für den 4. und 5. Bezirk (Karoline H o ffmann), Kaiser Franz Josefs-Ferienheim unh. Oesterr. Seehospiz, Kriegermütter-Kassa „Feuchtwang-Fonds" (Berta Donreich), Verein „Kinderfreunde" für den 16. und 17. Bezirk (Frau D r a b), Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten (Isidor Frommer), Oesterr.-ungar. Kantorenverein (Präs. Isidor Löwit), ' Chewra-Kadischa Währing (Josef Nofsig und Gustav Rosenberg), Verein „Gemilas Chesed" (Obm. S i l b' e r st e i n), Verein „Krankenbesuch" '(Präs. Lea Bon di, Softe Waltuch), Verein „Emes Weschurun". (Dr, Zipser), , , Verein der Kolömeaer (Dr. Zipfer), „Wahrheit und Friede" (Bernh. Wald mann, Aron Goldberg, Herrn. Edel)'. „Nächstenliebe" (Moritz Rosenblatt, Hermann L/öwy), „Monteftöre" (Edmund Ho f f m a n n, Karl Kalman n). Weiters wären anwesend: Herrenhausmitolied Dr. Philipp Ritter v. Gomperz, in Vertretung des Baron Louis Rothschild Herr Prokurist Rich ard Bettelheim, Hofrat Dr. Wilhelm Binder, Hosrat Prof. Pollr/tzer^, Prof. Dr. Ludwig Braun, die Oberstabsärzte Prof.-Dr. Reumann und Dr. Pro tz ui % Konstantin Noske, der Großindustrielle Bernhard Gold st ein, Frau Salo Cohn und Töchter, Regierungsrat Dr. Frankfurter, Regierunqsrat Ignaz Wilhelm, Baurat Wilhelm Kemvler, Schulräte Professor T f ch i a ßn y und Dr. WeiU Professor Josef Sulz er, Professor Dr. Kanitz, kais. Rat Zitti a, Karl Lemberg e r, Ed. Jonas Schm ch tr Hi, Emil Jellinek, kais. Rät Josef Popp e r, Prof. Naschö, Generaldirektor Alt, Moritz! Kann u. v. a. Wtk d!eis ObiermMnejrs Dr. Chäjes. - Ein bedeutsames Kapitel'der jüdischen Kulturgeschichte findet seinen Abschluß in dem Heimgange des uns so jäh, so unerwartei entrissenen religiösen Oberhauptes unserer Gemeinde. Bedenkt man, daß vor 52 Zähren, als Moritz Güdemiann zu uns kam, das jüdische Wien sich! eben aus seinen winzigen Anfängen, -von einer kleinen Gruppen, die es im Vormärz war, zu.einer Mittelgemeinde entwickelt hatte und daß in den langen Jahren '.seiner gesegneten Wirksamkeit eines der größten Volks- und einflußreichsten Zentren der gesamten Diaspora daraus geworden, ist, so begreift /man mühelos, welche Fülle von geistiger Energie, von Arbeitskraft und Arbeitswillen. von Ausdauer und Schmiegsamkeitdazu gehören mußte, deM machtvoll sich. entfaltenden, in stetem Wachstum begriffenen Gemeinwesen Führer zu sein und Berater, Wegweiser und! Fried ens- «rhalter. Mit Stolz duffen wirr es verkünden: Unter den jüdischen Metropolen der Welt ist Wien die einzige, 'Sie .trotz unvermeid-!•' Wochenschrift «r« 32 licher innerer Reibungen und Parteiungen nach außenhin als Ganzes sich darstellt. Das Verdienst, die Einheit der Gemeinde unter schweren Gefahren bewahrt zu haben, gebührt vornehmlich deM entscheidenden Wirken'des nun Heimgegangenen Oberrabiners. Das allein genügte, ihn zu.einer geschichtlichen Gestalt ,zu stempeln. Unsere GroßgeMeinde, äußerlich geeint, besteht in Wirklichkeit aus einer Antzahl von Kleingemeindcn. die verschieden 'sind nach Ursprung und Art, nach Denken und Leben, -nach Sitten und {Riten. Juden des Ostens leben unter uns und Juden des Westens von Nord und Süd sind zu uns gekommen. > Juden/die mit sprichwörtlicher Zähigkeit am Hergebrachten sesthalten und andere, die von Traditionen der Väter sich losgelöst-haben. Bei fo mannigfaltigen, auseinanderstrebenden Elementen, das Gemeinsame zu stärken, das Trennende zu mildern, dc^u beduffte es.einer harmonischen, in sich geschlossenen Persönlichkeit. Gü de Mann war in seinem Tiefsten konservativ. Er wußte aus den ^Lehren der ihm innig vertrauten Geschichte, daß die Erhaltung der nationalen und der religiösen Bräuche für kein Volk wie Has unsere eine so ausschlaggebende, lebenserhaltende Bedeutung hat. Die Juden, seit zwanzig Jahrhunderten ihrer Heimat entrissen, in Tausende von Gemeinden zersplittert, von denen jede die Sprache des 'Landes spricht. - in dem sie lebt, die Sitten des .Volkes übt!., bei deM sie ihr Heim aufges-chlaqen. konnten nur dadurch bis auf »den heutigen Tag als Volk bestehen, daß sie in ihrer imehrtausendijährigen Tra- . dition ihr zweites, geistiges Vaterland gefunden, daß die 'Gegenwart für sie die unmittelbare Fortsetzung einer inS «graue Altertum 'zkrückgreifenden Vergangenheit .ist. Seine umfassende, tiefgründige, aus allen Kulturquellen schöpfende Bildung bewahrte andererseits GüdeMaun vor der Gefahr, verständnislos gegenüber zu stehen den freien Bewegungen der Gegenwart, deM Streben nach geistiger Unabhängigkeit, nach religiöser Fortbildung. So vermochte er, die am rechten Flügel Stehenden an lsich zu ziehen, ohne die auf der äußersten Linken Befindlichen von sich.zu stoßen. Meisterhaft verstand er es, seinen Brüdern begreiflich zu machen, daß nur das Zusammenfassett all. unserer Kräfte uns die Möglichkeit'verleihen kann, dem drohenden Ansturm übermächtiger Feinde wirksam Einhält zu tun. In deM Kampf um »unser Recht, um'unsere ' Weltanschauung, um/ die Ehre unseres Namens und unseres.Glaubens war er von unübertrefflicher AUrde und unerschütterlichem Mute.' Hier kannte er keine Rücksichten, auch nicht die.Rücksicht aus die eigene Sicherheit. Er wußte, daß dir Verteidigung seines.Volkes' gegen mittelalterliche Vorurteile, gegen die Mächte der Finsternis, die Verteidigung der Menschheit bedeutet, in ihrem Rechte auf Freiheit und Fortschritt. In seinen. denkwürdigen. Kundgebungen auf der Kanzel und am Voffragstische . fühlte er.sich und warer ein Menschheits- und Wahrheitsapostel. ,» Die Waffen aber für diesen heiligen Kampf konnte >er mit Leichtigkeit wählen in deM reichgefüllten Arsenal seines Wissens, Moritz Güdemfann hat Neuland erschlossen der Wissenschaft vom Judentume. Vor mehr als 40 Jahren war er 'einer der wenigen, unter uns vielleicht der einzige, der den überragenden »Wert erkannte. der der Geschichte 'der Sitten und des iCrziehungswesens in der Entwicklung der Menschheit zukoMmt. Wenn djr /politische - Geschichte der Staaten und Völker, die. aneinander bekämpfenden, gegensätzlichen Kräfte betont und dadurch stärkt, so-weist/die Kulturgeschichte letzten Endes auf das Gemeinsame in den.Menschen hin, auf den Kampf gegen den gemeinsamen Feind, auf gleiche Bestrebungen und gleiche Wirkungen. Wäre diese Erkenntnis so verbreitet. wie ßjä sein sie es verdiente,. so befänden wir uns heute vielleicht uicht int Blutbade des schrecklichsten aller Kriege. Erzählte Man der Jugend weniger von Kriegen und Siegen, .von streitbaren Fürsten und lorbeerbekränzten Feldherren und mehr von den unblutigen Schlachten, die in den Hörsälen Und Werkstätten, >imj Studierzimmer und Laboratorium geschlagen und gewonnen werden, so wäre vielleicht schon-jetzt die Menschheit reif .genug, um den vernichtenden. Schlag zu führen gegen den unversöhnlichen Feind! aller Kultur, den männermordenden Mars. Die, noch heute nicht veralteten Untersuchungen Güdemanns über die Erziehungs¬ und Sittengeschichte.der Juden des Mittelalters in Deutschland und Frankreich, in Italien und Spanien gehören zum eisernen Be-> stände unserer Literatur/ -Ihre lieber setzung -in. die Sprache der Väter machte sie züm Gemeingute der Gebildeten in den Ländern des weiten Ostens. U-eberblicken wir das lange taten- und erfolgreiche Leben unseres verstorbenen Führers, so dürfen wir ihn trotzder schweren Schicksalsschläge, die sein Alter erschüttert haben, als Glücklichen einschätzen. Seinem hohen Beruft mit Leib und Seele »ergeben, fand er in ihM eine unversiegbare Quelle tiefer /Befriedigung^ AuS der Qual und deM-Leide des Tages flüchtete >sr sich in die R»be seiner geliebten Wissenschaft.. Er war einer der Begnadeten,-die' bis. ans Lebensende ungebrochen den Geist» die Seele ungetrübt haben. ■ Nun ist auch diese machtigss Eiche gefällt! Als.ob ^r in seiner mustergebenden, unbeirrbaren Pflichttreue den Tag. hätte abswarten, Wollen, an deM der zu seinem' Nachfolger bestimmte -Mann sein Amt würde autreten können, schloß er die Augen »zum ewigen Schlafe in-der Stunde^ in der ich di; Leitung des Rabbinates übernahm. Ich werde es. als unschätzbaren Gewinn für meine künftige Wirksamkeit betrachten, daß es mir vergönnt war, in'.den jüngst per-

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