Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 32 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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m. 32 Dir. Blocht Wochenschrift S-»te 607 seren Vätern überkommen sind-, sowie die Organisation der Schuten auf der Basis der engen und innigen Bereinigung von Thora und! Derech Erez, und ihre Zuge-, ständnisse, zunächst vielleicht abgerungen, werden am Ende doch Gemeingut aller sein. Ahmen wir nicht das Beispiel der Engländer und Franzosen nach, die den Verhandlungstisch ängstlich weiden. Lernen wir von den Zentralmachten, welche bereitwillig dem Gegner ihre Hand, zur Verständigung entgegjenstrecken. ' Wilhelm Wundt betont mit dem größten Nachdruck das, Gesetz vom Wachstum der geistigen Energie. Dasselbe jgilt von der religiösen Energie. Auch sie wächst innerhalb gewisser Grenzen beständig an. Eine wichtige Rolle spielt hiebei das Milieu, das gerade von konservativer Seite geschaffen und erhalten werden muß. Die Leistungsfähigkeit des religiösen Faktors im jüdi- " schon Herzen erlischt nicht. Sie harrt vielmehr des geeigneten Augenblickes, in Wirklichkeit uMgesetzt zu werwerden. Der Talmud drückt das in seiner prägnanten Weise aus. Wer die Gültigkeit' seiner Eheschließung von der Bedingung abhängig Macht, daß-ex. ein frommer Mann sei, während er tatsächlich ein gottloser ist, der bleibt dennoch nach dem Gesetz der Religion verehelicht.;©§!. dürfte der auch dem Bösewicht immanente Gedanke an Teschuwa än feines Bewußtseins Helligkeit .gestorben sein. (Kidüschin 49 d.) 'Diese im Unterbewußten schlummernde Energie-ist gleichsam der unterirdische Flußlaus in der religiösen Karstgegend. Auf die, Spitze getrieben, erscheint an anderer Stelle die..Immanenz der .Religion rim Wesen des Judentums. Danachwird der Messias nicht eher kommen, als bis das gaiHe Reiche in „Minus" in Unglauben verfallen wird. Die Rückkehr, zu Gott durch einen - plötzlichen Umschlag ist dann gewiß und sicher. (Sanhedrin 97 a.) - Won hier aus ckoniML mau der Begriffsbestimmung der nationalen Einheit der Juden näher. Verfehlt ist die letzthin versuchte Anwendung der von der. modernen Psychologie angenommenen Dreiteilung der seelischen Grundfunktionen, des Bewußtseins!, des Gefühls und des Willens, aus den Begriff der jüdischen Einheit, um -das Gefühl oder den Willen als. vorherrschend in den Vordergrund zu rücken. Verfehlt deshalb, weil diese drei Momente der Bewußtfeinstätigkeit ausschließlich durch die Reaktionsweise des Organismus bedingt sind. Diesen Faktor übersehend und den Vorsteltungsablauf allein ins Auge fassend!, haben in der Tat Männer, wie Schopenhauer und Wundt, Münster barg und Lehmann, ein e bestimmte Seelentätigkeit als die eigentliche psychische - Grundform' darzutun gesucht- Nun ist aber Ne geistige Einheit in der Vielheit vom Wesen nicht durch die Art bestimmt, wie diese Reaktionen der Außenwelt beantworten. Ausschlaggebend ist vielmehr das gemeinsame Merkmal, das a priori gegeben, die schöpferische Funktion, die in. allen lebendig ist. Auf diesem Wege entdeckte 'Kant die Kategorren oder die StaMmbegriffe des Verstandes überhaupt. Fragt Man, welches das hervorstechende Merkmal —des jüdischen Volkes istdas ihm! 'den Stempel der Auserwählkheit ausdrückt, das Gepräge und'Gepränge gibt, so erleichtert diese Problemstellung die. Problem- Wsung. Mch hier sei dem Talmud das Wort gegeben. R. Meir wirft die Frage auft warum gerade Israel zum' Träger der Thora erkoren wurde, wodurMsich dieses Volk von den übrigen Nationen unterscheid^. Durchseine Widerstandsfähigkeit. Israel' überragt an Widerstandsfähigkeit alle Völker"der Erde. (Beza 25 b.) Dem' Judentum eigen und auf allen Entwicklungsstufen sich gleichhleibend ist seine stählerne Widerstandskraft. Als eine Bundeslade wird sie gedacht, darin die.Thora für ewige Zeiten fest und sicher ruht. Auf diesem Grunde wogte der durch das mehrtausendjährige Lieben des jüdischen Volkes in hundertfachen Gestalten sich hindurchziehende KäMpf, in welchem es siegreich.geblieben ist. Nicht nur in Zeiten, da Israel unter demj Banne der Tradition verharrte, sondern auch der Epoche der kühnsten Neuerung, des stürmischen Vorwärtsschreitens erlahmte der religiöse Selbsterhaltungstrieb nicht, auch wenn er bisweilen kaum! gefühlt wurde. „Obwohl er sündigtein Israelit, ein Kämpfer für Gott ist er." Die jüdische Nation ist demnach eine organische Einheit, getragen von der religiösen Energie, die jedem ihrer Mitglieder immanent ist. Der Satz von der Erhaltung der Energie, auch für den jüdischen Geist gültig, ist bisher hüben und drüben wenig gewertet und gewürdigt worden. Wie die Physikalischen Vorgänge nicht absolut selbständige, voneinander unabhängige Bewegungen sind, sondern einen einzigen großen, in sich geschlossenen Vorgang bilden, ebensowenig besteht das Judentum aus Individuen, deren jedes ohne Rücksicht auf alle übrigen existiert. In seinem ureigenen Wesen begründet ist der Satz: „Me Mitglieder des isra-r elitischen Volkes sind für einander verantwortlich." (Schebuoth 39a.) Spinoza hat seine auch heute noch unangefochtene Lehre von dem Parellelismus zwischen äußeren Bewegungen und geistigen Vorgängen' nicht, wie allgemein angenommen wird, der Scholastik entlehnt. Aus der Tiefe seines jüdischen Wesens schöpfte er sie. Dort war sie ursprünglichgefgeben. Dort reiste sie allmählich zum Lehrsatz heran. Die Absonderung eines Teiles der Judenheit von dem Mutterboden der Gesamtheit, einerlei welche Motive hiebei wirksam sind, erweist sich als ein Angriff gegen die Einheitsfront des jüdischen Geistes und jüdischen .Gesetzes'. An Mehreren Stellen im Talmud und Midrasch begegnet Man dem Spruch: „Die Thora ist dem Wasser vergleichbar." Wie eine Wassersäule in kommunizierenden Gefäßen eine gleichmäßige Oberfläche herzustellen strebt, also strahlt die Gotteslehre in gleichen Weise ihr Licht in die Herzen aller ihrer Bekenner. Gewiß ist der Strahlendurchbruch bei verschiedenen Menschen verschieden. Bei vielen sind es Strahlen der. Wintersönne auf einer starren Eisdecke. Der Parellelis- Mus Uvischen Seele und Körper kehrt hier wieder. Wie schwer versündigen sich diejenigen, welche, mit reichlichem Äichtvorrat versehen, sich abschließen und Hre Fenster tief verhängen, daß kein erwärmender und befruchtender Lichtschimmer zu Öert andersgesinnten Brüdern hinüberdringe. Von den Molchen in den Tropfsteinhöhlen Krams wird erzählt, daß ihnen das Augenlicht ausgeflossen ist, weil nach einem bekannten biologischen Gesetz nicht gebrauchte Organe verkommen und verkümmern. Die Augen Israels ist die Thora. Hüten wir uns davor, daß große Massen unseres Bolkes diese Sehkraft einbüßen, weil kein wärmender Strahl auf ihr religiöses Sehfeld fällt. Die währe Orthodoxie sollte vielmehr als eine Feuersäule dem jüdischen Volke auf seinem Wege nach Palästina voranleuchten. Um heilige Prinzipien, die dabei verloren gehen könnten, braucht ihr nicht bange zu sein. Denn soweit sie in Thora und Talmuds begründet sind, bilden sie, ein Naturgesetzinfoffexn^M pAWHr^ Befolgung das Gedeihen des jüdi- Wiederbelebung und Ein- >Modernen'Zülgeist tut not. Hier sollte die Tätigkeit der Glaubenstreuen einsetzen. In der Abgeschlossenheit liegt das Heil des konservativen Judentums nicht. Ein halbes Jahrhundert der. Spaltung liegt hinter uns. Welchen Vorteil brachte sie?- Gestehen wir es. Die Teilung hat die Schwankenden abgestoßen, anstatt sie in den Bannkreis der Tradition