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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-16 · 32 (16.8.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
32 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sstts 503 M. Bloch,'S Wochenschrift Lr. 32 < von uns empfinden oft unbewußjt die tiefe Wahrheit dessen, was der nordische Märchendichter in scheinbar kindlicher Art zum Ausdrücke dringt. Ueb er . das' Bett haben schon so viele Dichter gesprochen, über seine Poesie, Wer. seine Bck) euLung„ für den'Menschen. Niemand kann aber leugnen, daß dieses! wichtigste Einrichtungsstück der menschlichen Heimstätte, in welchem manin gesunden und kranken Tagen einen so großen Teil des LeÄns ver- - bringt und in welchem man schließlich! normalerweise deutung ist. .In Wien aber Haben Tausende Flüchtlinge aus Strohsäcken oder auf deM' Erdboden geschlafen; sie hatten nicht einmal ein Bett. Wie soll es'nun aber in der Seele jener aussehen, welche flüchtig werden mußten — welch surchKares- Wort, und vor dem Kriege klang es noch ganz anachronistisch —, uW die alles! oder fast alles verloren, ihr Hauch ihr'Heim, ihre mehr oder minder reiche Habe. Bon Feind oder Freund nach des Krieges hartem Brauche zerstört, oder weggenommen. Bon den Opfern der Flüchtlings episode an Menschenleben oder Gesundheit will ich' hier lieber überhaupt nicht sprechen. Für diese Armen fiitb alle Zusammenhänge werschwuNden, zwischen Gegenwart und Vergangen-- heit Nafft ein tiefer, unheilbarer Riß. Und> viel moralische Werte sind mit den materiellen, mitzerstört worden. Dazu-kommt noch die unfreundliche Umwelt, in welche die Flüchtigen verschlagen wurden, die- Fremdheit der Lokalität, der Sprache und Sitten.' Durch ,übermäßig länge andauerndes Unglück leidet Manches' Mannes Moral, oft auch des,besten. Und auch die Moral der Hinterländler hat stark gelitten in all ihren Schichten. Warum nimmt man dann gerade dem Flüchtling seine Fremdartigkeit, die naturnotwendhgeft Ergebstisse seines Unglückes' als'ein besonderes, nirgends sonst vorkoMmeudes Verbrechen übel? Warum hat Man ihn vom Anfang an als besondere Kaste, beileibenüHt als vertriebenen,österreichischen Staatsbürger aus den vom Kriege in erster Linie und am härtesten Mitgenommenen-GrenMnden betrachtet? Wenn seine Kultur fremdartig, ja vielleicht abstoßend, war, warum hat man dies nicht in erster Linie als Vorwurf für das Hinterland empfunden, das sich um diesen Bruder bis dahin nicht gekümmert hat? Warum hat man nicht sofort die- Verpflichtung empfunden,' Versäumnisse in Hinkünfte gut zu Machen? Vorwürfe hat man erhoben und die'öffentliche Meinung, wurde gegen sie . gehetzt ohne Beschränkung. Hier gab es keine Zensur. . Will man einen Blitzableiter vorbereiten für den Zeitpunkt, da vielleicht dasb Donnerrollen eines enttäuschten Volkes Opfer finden muß? AVer wir Mittelmächte känrpfen doch für die wahre Kultur, Freiheit und Menschlichkeit im Gegensätze zu England.und seinen Genossen! - Die Flüchtlinge kehren zurück, arme und! reiche. Wer-, ihren Auszug beobachten will, komme an einem Montag Nachmittag auf den Nordhahnhof (Frachten- Magazin). Ahasver ist wieder auf - der Wanderung Armseliger Hausrat wird da mitgeschleppt; und aus elenden Br-Mern und Fetzen soll oben in der Heimat sich neues LÄen entfalten. Man muß die Lebenskraft und. den - Lebensmut all der Leute bewundern.-Sie.ziehen ins Nichts Zurück mit. nichts und dennoch hoffen .sie. Vielleicht'ist es Her Glaube an ihren Gott und an ihr eigen Voll, der sie so stark, so unbeugsam macht. In der Heimat wurde und wird.für sie noch wenig getan.- Vielleicht gelingt, es aber unserer Kaiserin, . diese herÄrche Frau und wirkliche Landesmutter, die an den Leiden-: ihrer Völker seltenen Astteil nimmt.und für deren Linderung selbständig -mitwirkt, auf die vergessenen Provinzen und Völker auMerksam zu machen. Jedermann bewundert ihre. Energie, mit welcher sie dep Wiederaufbau von Gorz geradezu persönlich leitet. Möge sie. ihre wundertätige Hand auch über ihre anderen getreuen Untertanen auZbreiten. Der Wiederaufbau im Osten unseres Reiches, in welchen man die Heimatlosen zurückkehren läßt, ist zur brennenden Tagessrage geworden. Sie ist kein Politikum allein, sie ist keine Frage der staatlichen Opportunität oder Pflicht allein, sie ist weit mehr geworden, sie ist ein wert über, die Grenzen dieses Reiches hinausgedrungener Aufschrei^der in diesen Tagen allerdings so arg mit Füßen getretenen Menschlichkeit. . ' Das UMßiKüxrsdisN »irrst rrrrd jetzt. Die Stellungnahme der gesetzestreuen Judenheit zur rnddernen zionistischen Bewegung ist bekannt. Von den Misrachisten abgesehen, lchnte die Orthodoxie in.ihrer überwiegenden Mehrheit jedwede Kooperation mit dem .. a-religiös orimtierten NationaljudiMium ab. Nicht die .Idee als solche forderte den Widerspruch der Glaubenstreuen heraus^ Der nationale Gedanke war.und bleibt das' Rückgrat. des jüdischen Volkes, der Glaube an die Rückkehr nach Jerusalem der einzige Lichtstrahl in der Nacht des Galnt. Nach Osten gerichtet sind die Angen der Frommen dreimal täglich im Hauvtgebet. Allein die Gestalt, welche in treuester Zeit dein! Nationalisnrus gegeben, der RahMen, in den er gezwängt wurde, drängte die konservative Judenheit in" die Opposition. Einen jüdischen Staat Mit der Religion als „Nebensache" kennt die Vergangenheit nicht und würde auch m der Zukünst kein kebenssähiges! Gebilde sein. Solange, aber die Lösung der Palästinafrage in grauer Nebelserne verschwommen vor uns lag: 'genügte es, der Tätigkeit der 'Zionisten unseren religiös durchtränkten OptimisMus gegenüber- - zustellen: . den Glauben näm!lich> daß unter göttlichem Beistände aus dem Gewühle und Gewirre der Völker Israels -heiß ersehntes Geschick von selbst^ sich, herauskristallisieren wird. Beide ^Parteien konnten getrennt Marschieren undeventuellsich gegenseitig befehden, denn uM eine intenre jüdische Angelegenheit handelte es sich. Anders heute. Die' Palästinafrage ist aus dem engen jüdischen Kreise auf die Weltbühne gehoben worden. Mit-ihr beschäftigen sich beide in einem furchtbaren Kamps um Sein. und Nichtsein verwickelten Mächtegruppen. Der Krieg-als! „Vater aller Dinge" vollsührte auch hierin eine. Umwertung aller Werte. Einmal in Bewegung gesetzt, steht das Vökßerringen unter göttlicher Aussicht nnb steuert dem gottgewollten Zielezu. Dürfen angesichts! dieses gewaltigen Umschwunges Orthodoxie und Zionismus nach wie vor zwei parallel neben- - einander verlaufende Linien bleibenanstatt ergänzend ineinanderzugreifen? Müssen wicht vielmehr vor. dem hohen Gerichtshof der Welt - alle Gegensätze verstilNr-. Men? R. Meier ermahnt uns nachdrücklichstmit keinem wie immer gearteten Meinungszwist vor das nichtjüdische Tribunal zu treten. Mittin y 89 b:) Das Vergehen gegen diese Mahnung wird als Gotteslästerungals eine HeräbwüMgung der Lehre- Moses gebrand- Markt. (Choschen Mischpot, § 26.) Gewiß gähnt eiste tiefe Kluft zwischen der alljüdischen Tradition und dM Modernen Nationalismus.- Sie ist aber nicht' üstüb erbrückbar. Nicht ein prinzipieller, sondern ein gradueller Gegensatz scheidlet sie voneinander. Der. religiöse Jndifftrentisntus der Gegenseite ist, um mit Hegel zu sprechen, .eine Schranke, die durchbrochen werden' Mußj, um zu desto höherer Einheit em^rdringen zm könnem Verlangen wir von den - Zionisten die rückhaltlose Anerkennung unserer Institutionen, wie sie uns von Ün-

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