Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-09 · 31 (9.8.1918) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
31 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022332--27076-3052472
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«kV, 492 Dir. Bloch'H Wochenschrift Sfc* 31 Ich nützte die Gelegenheit aus uM ersuchte in höflicher Weife, Laß man michdurch einen. Zivildiener nach Hanfe begkMen Möge, denn ich schümte mich zum Zweiten-» mal von einem Wachmann geführt zu werdtzn' Der Beamte zeigte sich; entgegenkommend und willigte ein. Am zweiten Tage wurde ich; nochmals! zur Polizei vorgeladen; der KoMmissär entschuldigte sichdaß er Mich so früh rufen lieh — es! war morgens 6 Uhr—, aber es geschähe zu meinem Wohle. Er wolle das Protokoll umändern, welches ich alsdann unterfertigen mußte, denn auf GnnB des! vorigen, das man. einer höheren Instanz vorzeigen müsse, könnte ich noch! bestraft werden. -Ein zweites' Mal wurde ich von einem sog. russischen „Polizeiprystaw^ im Hause, wo ich Lektionen erteilte, augehallen. Nach-Mehreren Fragen, wer und was ich sei, forderte er Meine Adresse; ich gab! ihm eine falsche'an. Nach! 'mehreren Fragen sagte er, ich käme ihm verdächtig vor, er glaube, daß ich; eine Spionin oder Revolutionärin seideshalb würde er Mich verhaften und Nach Sibirien schicken lassen, „wo sich alle solche Schädlinge befänden". Glücklicherweise kam die Schwester meines! Schülers und bat, .mich FreLulassen; er frng, ob ich; Jüdin, oder Polin sei, ..Md die Schwester meines Schülers kam Mir mit der Antwort zuvor, indem sie sagte, ich sei eine^Polin und chre Freundin; daraufhin ließ er mich wiMr frei. Nach einigen Tagen kam! wieder ein Polizeidiener zu uns nach- Hause — ich war damals abwesend — uröd befahl meiner Mutter, mich; auszufordern, daß ich mich vom Hause und sonst von Lemberg nicht entfernen solle, denn man würde mich in den nächsten Tagen nach Rußland verschicken. Dank t^r Vorsehung undi ^nancher günstigen Umstände entkam ich auch glücklich! dieser letzten Verfolgung. Unsere in siegreichem Vormärsche heranrückende Armee beendete die grausame und barbarische Herrschaft der russischen Horden. am 28. Juni 1915. . Rach ela B esen. Mmrfche Mr- ««d Grirchritt««". Jü einer kleinen .monographischen Studie: „Die Ureüde in den Schriften des' Uten Bundes" (Weimar 1896) des Semitologen August W ü n sch e, des Kenners und Bewunderers unseres biblischen wie nachbiblischen Schrifttums (auß,er ant^ren Schriften hat er „Midrasch rMba" ins Deutsche Wertragen),. finden wir folgende bemerkenswerte Stellen: In erster Linie ist Gott als Schöpfer Gegenstand der Freude — Gott ist im Alten Testamente nicht ein inhaltloser, leerer, abstrakter Begriff im ph-iLofophischen Sinne, sondern ein im Werke der SchöMmg sich offenbar erwes Wesen, und infolgedessen ist er für den Menschien dass allergewisseste und sicherste Prinzip. Gott/-Äs Schöpfer, begeistert die Pro- . tcheten und Sänger der^Psallnien zu heller Freude und lautem Wonuejnbel. (S. 16.) Dvch das bMische Schrifttum kennt Gott nicht nur Ws' Weltschöpfer, sondern auch als Wütlleiter. Er. bekümmert sich; um das Großje wie um das Kleine, alles steht unter seiner Aüfficht und wird von ihm so gelenkt, daß es.nicht nur dem Ganzen dient, sondern auch! seinem eigenen Zwecke entspricht, rndün es sich, selbst vollendet und sein Ziel erreicht. Ule -göttlichen Attribute, wie Allmacht, Allgüte, Ällweishint, Allwissenheit, Allgegenwart, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit nsw., sind vorzugsweise Manifestationen des göttlichen Regimentes. Die menschliche Freiheit wird durch! das! göttliche Regiment nicht angetastet. Der Mensch bleibt ein freies! Wesen, das sich aus sich selbst bestintmen. und für das Gute und Böse entscheiden kann. In dieser Fassung tritt die Lehre' von der göttlichen. Weltregierung und Weltleitung ebenso, wie die von der WelischöPfung in scharfen Gegensatz zu verschiedenen anderen Anschauungen des Altertums. Sie ' stellt . sich in Gegensatz zuM Fatalismus der Griechen, nach dem ein FatuM, eine unnennbare SchicksalsMacht, blind in der Welt wirkt, der jeder einzelne sich! fügen MNßj, er Mag wollen oder nicht. Ebensow enig v erträgt sich die Lehre mit der Mschanung der epikureischen Theologie und Physik, nach; der die Götter sich nicht uM die Welt, und nM die Menschen hekümmern. Für den Frommen wird der lebendige Gedanke Gottes als Weltregenten und Weltleiters' ebenfalls ein Anlaß zur Freude. (S. 18.) Nach, der Mythologie der Griechen beherrscht eine unabänderliche SchicksaMstacht (ävävx^) die Welt und! die Geschichte, gegenüber der alles M- Mühen und Kämpfen des Gesunkenen zur Wiedererhebung vergeblich! sich erweist. (S. 26.) Ein andrer Gegenstand heiliger Freude . ist die von den Propheten und apch im Pentateuch verkmrdete Zett der Erlösung, wo Gott seinem Volke nach schweren Heimsuchungen wieder-seine Gnade und Liebe zuwendet. Aller Götzendienst schwindet, eine reine und geläuterte Gotteserkenntrris' erblüht, die sich! im Leben, in Werken allgemeiner Menschenliebe und Barmherzigkeit betätigt. Dias! mörderische Handwerk.des Krieges hat ein Ende, die Mordwaffen verwandeln .sich in Geräte d er fri edlichen Landkultur. - (Jesaias 2, 4, Micha 4, 3.) Gefühllosigkeit und. Herzenshartnäckigkeit hören, anß .da Gott ein neues' Herz und einen neuen Geist in die Herzen senkt. (Ezechiel 11> 19.) Selbst auf die Tievwelt bleibt dieser neue- Zustand , nicht ohne Einfluß. Die. Tiere schaden weder den Menschen, noch sich selbst untereinander. (Jesaia 65, 25; 11, 6—9.) Der neue Zustand! nnmnt weite Dimensionen an,.er schließt alle Völker^ ein. In dies er universalistischen Gtweiternng -zeichnen die künftige Erlösung naMmtlich die Propheten Jesaia, Jeremia, Ezechiel, Micha und Sacharjä, wie nicht minder die Psalmen in den farbenprächtigsten Schil- dernngen. Ein solches Ergebnes der Weltentwicklung kennt weder die Literatur der orientale scheu noch der klassischen Völker. Der große Plato hat zwar in seiner Republik auch einen Jdealstaat entworfen, aber es fehlt darin die Idee des. alttestamentlichen UneversalisMus. Nach dem platonischen llniversalftaate stehen Griechen und Nichtgriechen ununterbrochen im Kampfe einander feindlich gegenüber, der Krieg gehört zu den notwendigen Ue'beln. (S. 26.) Endlich blldet auch Gott alssittliche Lebens- Macht. für die Propheten und! Sänger einen Gegenstand hoher Freude. AM sittliche Lck^nsmacht ist Gott vor allem auch Gesetzgeber. Das Gesetzdie Lehre (die Thora), ist wegen des nneMMen Wertes Mit allen Gütern der VZelt unv ergleichbar, es bildet M den Frommen gleichfalls einen Gegenstand uneMicher Freude.. (S. 33.) Bisher wurde die ideale, heilige, Freude, sofern sie in Gott und göttlichen Dingen ihre Veranlassung hat, vorgesnhirtnunmehr soll die reale, weltliche Freudv, die in den allgemeinen LchdMverhältnissen wurzelt, berühtt werden. Dia ist zunächst der Besitz und das Gedeihen der Kinder ein Gegenstand - der Freude. Auch in der Würdigung der "Kinder unterschied sich das hebräische Altertum sowohl V-o n den übrig en h eidnischen Völkern, wie insbesond er e v on den hochgebildeten Griechen und Römer-n. Wurden die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.