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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-09 · 31 (9.8.1918) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
31 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«r. 31 Dir. MoW MoMenMist Sn.e 4SI liegt,'den ärztliche Wfe. vielleichjt noch zu retten ver- Obwohl mich der Arzt so angeschrien hätte, ^aßte ich nochmals! Mut und wandte mich an einen russischen Feldscher, ihn kniend und weinend anflehend, nur den einzigen, fast schon Sterbenden, ins Spital zu bringen. Gerührt durch meine Bitte, lieh er denselben in ein Spital überführen, wo er in der Tat nach mehrwöchigem Aufenthalt genesen ist. Ich begab mich sodann zum Reichsratsabg eordn et en Herrn Ernst Breiter, schilderte chm die Vorfälle und Verhältnisse der Gefangenen und ersuchte ihn, bei den maßgebenden Behörden zu erwirken, daß man für Ordnung in der Kaserne, resp. für die Pflege der' Kranke Sorge trage. Herr Breiter antwortete mir, daß er die Deute herzlich bedauere, doch sei er ganz machtlos und trotz des besten Willens könne er nicht helfen, riet mir aber, mich an den Präsidenten der Stadt Doktor R u t o w skr zu wenden. Ich eilte zum Präsidenten Ru to wski, da er aber gerade einer Sitzung! beiwohnte, so wandte ich mich an den Vizepräsidenten Dr. .Stahl und wurde von chm empfangen. IHM habe ich meine Wahrnehmungen mitgeteilt und um Hilfe für die tranken Gefangenen ersucht, worauf mir Dr. Stahl mit Tränen in den Augen erklärte, er zweifle sehr, daß es ihm gelingen werde, etwas zugunsten der'Unglücklichen zu erwirken, doch werde er keine Mühe unterlassen und versuchen, zu helfen. , Dr. Stahl verständigte sich gleich mit dem Phhsikus Dr. Legizynski und. sagte mir, daß man eine Kommission in die Kaserne entsenden wird, aber ich müsse-als Zeuge dieser Kommission beiwohnen. Da ich aber Bedenken äußerte aus Furcht wegen der Folgen, die mir seitens der russischen Behörden drohen könnten, so befreite er mich davon. Am nächsten Tage kam ich wieder in die Kaserne und fand zu. meiner größten Freude und Befriedigung eine große Ajenderung. Bn.«^rl.wie außen herrschte Reinlichkeit, der Hof und die Kaserne w^^ desinfiziert und' ein Saal würde speziell für ein Ajmbulatorrulil-^^. Behandlung der Kranken bestimmt. Ein Sanitätsgehilfe sagte mir, es wurde ihm an demselben Tage vom EtappenkomMarcho anbefohlen, alle Kranken ins Spital zu nehmen und ständige Ordnung aufrechtzuerhalten. Gleich darauf kam ein Arzt, untersuchte alle Kranken und . bat mich, ihm beim Vormerken der Namen derselben als Dolmetsch behilflich zu sein. Nachher wünschte er, daß ich — falls ich« mich! nicht vor. Ansteckung fürchte — vierzehn an Dysenterie erkrankte Soldaten an Stelle einer Krankenpflegerin in die Baracke Mhre. Ohne Zögern habe uh diesen Mit jedem Tage vergrößerte sich die Zahl der kranken Gefangenen, die vom Felde gebracht wurden und alle Spitäler überfüllten. Au Stelle der Gesunden und nach 'Rußland Weggeführten sind Massen anderer Kranker und .Invaliden gekommen. Ach fühlte mich verpflichtet, in dieser schweren Zeit den Leidenden zu helfen, besuchte fast alle Spitäler und versorgte manche Kranken mit Essen, Kleidung und dergleichen Sachen, soweit es mir möglich war. Die Gefangenen wurden periodisch! nacheinander nach Rußland geschickt und von dort bekam /ich eine Menge Briefe und Karten, in denen die Unglücklichen ihre Dankbarkeit ausdrückten. Der Besitz dieser Korrespondenz war jedoch sehr kurz, da uns ein Bekannter aufmerksam machte, daß eine Revision dürchgesührt würde — was auch wiEch geschah — und so waren wir gezwungen, jede Spur, die auf einen Verkehr mit den Gefangenen Hinweisen Mnnte, zu vernichten. Anfolge gemeinen Verrates wurden wir nun von der Polizei verfolgt und mußten drei aus Preußen stanmrende Gefangene, die sich bei uns verkleidet hatten (Kurz, Dietrich und Blei), ihre Besuche bei uns in Zukunft unterlassen. Außer diesen habe ich noch zwölf Gesungenen beim Verkleiden geholfen und sie mit Legitimationen versehen. Einige wurden über meine Verwendung beim Werkführer der Fabrik „Merkur" ausgenommen, zwei habe ich in Holzlagern, einen in einer Tischlerwerkstätte untergebracht, einer blieb bei uns zu Hause, Zwei erkrankten, fanden aber über meine Fürsprache bei Dir. Jonas und Dr. DioMa.nskr im Allgemeinen Krankenhause Aufnahme. Beide habe ich während ihrer mehrmonatigen Krankheit mit verschiedenen Sachen versehen, bis die Genesenen nach der Rückkehr unserer Armee wieder zum Militär.einrüMen. Unmittelbar vor der Rückkehr unserer Armee nach Lemberg mußte ich meine Hilsstätigkeit für die Gefangenen unterbrechen, da wir bei den russischen Behörden in Verdacht kamen und ich verhaftet wurde. Einmal führte man eine Partie Gefangener herbei, von welcher einer ohnmächtig, zusammenbrach; gleich fprgng ein Kosak auf ihn zu, schlug ihn mit der Peitsche und zwang ihn, aufzustehen. Verwirrt stand eine Menge Leute dabei, aber niemand wagte, dem Ohnmächtigen Hilfe zu leisten. Auch ich war Zeugin dieser Szene, eflte schnell .auf chn zu — ungeachtet der Hiebe, dfe ich von den Kosaken mit der Peitschst bekam —, half ihm aufstehen und, gab chm Wasser und etwas Nahrung, um chn zu stärken. Daraufhin wurde ich verhaftet. Ein Wachmann.faPe mich beim Arm und führte mich wie einen Verbrecher zur Polizei. Meine Mutter sing M zu weinen und bat, er rnöge mich freil.afsen. Diese Eunedrigung konnte ich aber nicht ertragen, und um zu zeigen, daß ich nicht äbgeschreckt sei, sagte ich ganz energisch zu Meiner Mutter, sie solle sich nicht erniedrigen, denn ich fürchte nichts, und sollte Mich die härteste Strafe treffen, würde ich alles ge- . dnkdig ertragen. Darauf gab mir der Wachmann einige ,Stoße in den Rücken und führte mich.ab. - ^. ^D^.der Polizei dauerte die Protokollaufnahme fast wurde der Wachmann vcchär . ' fl Verhaftung »L«. stand leistete, was rch q,.' 1 J ~ Kommissär schrie mich! dafür Ä „Schweig', sonst lasse ich dich gleich emDottm E- & Mußte jch bis zu meinem Verhör schweigen, würbe ich mehrmals um das gleiche gefragt. Mit Rühe beantwortete ich alles. Halb streng, halb scherzhaft sagte % der Kommissär, daß meine Antworten Lügen wären, nur die Angaben des Wachmannes seien wahr. Deshalb verurteilte er mich zu drei Monaten Kerker und zwanzig Peitschenhieben. Unerschrocken sagte ich, daß ichanf die Strafe gefaßt sei, trotzdem ich sie nicht verdient hätte; nur was den Vorwurf der Lüge betrifft. Möchte ich hervorheben, daß Mein Charakter mir nicht erlaube, Lügen vorznbringen. Diesen Protest habe ich erhoben. Gleich darauf font der Polizeikommandant; von ihm wurde ich nochmals zu Protokoll genommen, worauf er mich dann in Begleitung eines Wachmannes nach Hause gehen hieß, um alle meine Angehörigen zu notieren. Während der Protokollaufnahme frug mich der Kommissär, .oft ich eine Polin oder Ruthenin sei, worauf ich antwortete, daß ich österreichische Untertänin _ und Jüdin sei. Darauf reichte er Mir die Hand und sagte: „Zwar war Ihr Vorgehen ein Widerstand, gegen die gegenwärtigen Vorschriften, doch nach menschlichem Empfinden haben sie edel gehandelt und. sind eine sehr energische und brave Jüdin." Deshalb ließ er mich frei, nur sollte ich mich in Zukunft' vor solchem Vorgehen hüten.

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