Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 31 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4SÜ Hmmen können, .der das demsche Wort wie wenige Redner neßen ihmmeistert und Mer daA Unrecht jene innere,v«WediedaZEwicht auch des MeisteÄvortes noch vervlelfacht. Von historischer Bedeutung Reiben seine flammenden Protestzvo.rte, die er anlüßjlich der großen Pogrome in RuMyrd, des! Hilsner- Prozesses, der großen russischen Zhrleche in Oejtjerreich usw. in LausendKpsigen Versammlungen an diejenigen richtete, d^e es.a,nging. Die wissenschaftliche Bedeutung.Dir. Güdemanns wird Ln Fachzeitschriften eingehender gewürdigt werden. Hier ist es qm Platze, zu erwähnen, d.aß er auch! in leinen wissenschaftlichen Arbeitetr als Apologet des Judentums das Wertvollste auf diesem Gebiete geschaffen Kt. . l i - - - - '/ Dr. Müde mg n n war auch> als Kmrzel- und Gel^enheitsredner wegen seiner besonderen Eigenart außerordentlich geschätzt. Geistvoll und auch ein witzig es Wort nicht verjchmjähend> wußjte er seine ZuKrerschaft zu fesseln und Ms sie einen Liesen Eftwruck zu Men, wobei ihm die leichte, natürliche Vortragsweise und seine imponierende, vornehme Gestalt außerordentlich, zustatten^ hyneni i i .L." Mit dem To.de Dir. Güdem,anns schließt ein Kapitel der Meschiichte' des Wiener und österreichischen Judentums, welch.es! die ,/innere Konsolidierung..der AudenZem.einden" Merschriäen werden Hunte. Mrt diesem Kapürl der Geschichte der österreichischen .Judenschaft ist der Name Dr. Güdemanns auss engste oerknüpft, mrd er wird für Me Zeiten mit ihm verbunden bleiben. Sein Andenken wird in seiner Gemeinde, die ihn verehrte, für immer in Ehren gehMen werden. * * * * Dr. Moriz GüöeManm wurde am 19. Februar 1835 in HWesheim in Hannover geboren, erhielt 1862 am Breslauer Rabbiners,eminar dM Rabbinerdiplom, war LN 1866 RMHiner und Prediger in Magdeburg. Im ^AMruar 1866 erhielt er die Berufung nach, Wien als Prediger des Leopoldstädter Tempels. Rach> dLV-sW7 Leiben des Rabbiners Lazar Ho rowiS-^^^^5» looo wurde Dr. G ü dema. Sq ^^tnng d^RMmates lö<?9.er&¥e Bablbrner und rm Wärz s^^WMwlle d^?. verstorbenen Dr. Jellinek gum -öWiner und? Prediger des Stadttempels. Ajm- 20. März 1892 wurde ihm der Titel Ob errcchbin er verliehen. 1897 wurde er von Kaiser Franz Josef mit dem .Ritterkreuz L^s Franz Josef-Ordens! und vor einigen Monaten von Kaiser Karl mit dem Kriegskreuz für Zivilverdienste 2. Klasse ausgezeichnet. ... .Seit Wärz 1895 war Dr. GüdeMann in zweiter Ehe Mit Frau Jßa. GüÄem.ann, geb. S achs?, v ermählt. Dieser zweiten De antstammen zwei Söhne und Zwei Töchter, von denen ehre im jugendlichen Mter starK. Gner der Leihen Söhne ist derzeit 'uns Felde. Außer Arbeiten M zcchlr eichten wissenschaftlichjen Zeitschristen erschien von Dr. GüdeMann eine bedeutende Anzahl wissenschaftlicher Werke, von denen besonders her- .vorznheben sind: „Religiöse Studien", „JMisches ErzieMngswesen wahrend der spanjschf-arEschen Periode", das dreibändige Werk „Geschichte des Ertziehnngswesens und der Kultur der MendMrdischenJuden", die „Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichtes' und der Erzichnng bei den deutschen Juden", „Die Apologetik des Judentums^, „DM Rationaljudentum", welch letztere Arbeit zu sehr scharfen Konterversen seitens der Nationasjuden 'fnKte. / - Mochenschkist 8r. gl Wich««- der R«ff»«tze«sch«ft i« Kembrrg. Kurze Zeit nach dem Beginn des Krieges war Galizien infolge der zeitweiligen Ergebnisse und fatalen Fügung Scha.uplatz der russischen Invasion, und! wir in Lemberg hatten alles! Leid unter einer barbarischen Wilftürherrschast zu tragen. Obwohl die feindliche Ueberwacht die Bevölkerung unserer Residenzstadt mit brutalster und unmenschlicher Gewalt fast ein ganzes Jahr peinigte, gaben wir die Hoffnung nicht. Ms, daß die Knechtschaft enden und die im Weltall regierende Gerechtigkeit diese erbärmliche Macht besiegen und den Leiden der Unterdrückten ein Ende machen werde. Jeder hegte die Zuversicht, und fand in ihr den Akut, das böse .Geschick zu ..überdauern? , Nachstehende Schilderung enthält —^soweit ich nnch deren erinnern kann — Erlebnisse und! Eindrücke unter der Herrschaft der Russen, Erlebnisse, die mir in wertvollem Andenke verbleiben. f Die Zivilbevölkerung, die unter dem Vorwände der .Spionage und dergleichen Verbrechen in Ketten" gelegt wurde, ist mit der wildesten Brutalität behandelt worden, und nicht weniger barbarisch ist man mit den' Kriegsgefangenen, ohne Rücksicht aus die internationalen Pflichten, umgegangen. Den nach, Lemberg? gebrachten Gefangenen, die vom 6. bis 7. - täglich, mit ungenügender Verpflegung, ganz erschöpft ankamen, teilte; die Bevölkerung — meipenre ils u.nsere Anden — Brot, Zigaretten und Wäsche aus, woran ich, ständig Anteil nahm. ' — Infolge , der Annäherung an die Gefangenen war ich der größten Gefahr^ und Unannehmlichkeiten ausgesetzt, daher habe ichmir b eim^ russischen Etappenrommandanten einen Passierschein erwirkt und! besuchte die Gefangenen in der Kaserne, in. der man sie einige Tage in Lemberg behielt. Nach kurzer Zeit, bemerkte ich, daß in der KaiMe^ob^YWleMsche 'Ordnung noch, jene war, derer viele vom Schlachtselbe ^Neimgetehrte dringend, benötigten. ' s Eines Tages, als ich auch— mit Essen und Manchen Sachen versehen — zu den Gefangenen kam, fand ich in einem Zimmer beinahe siebzig Kranke. Manche waren schwerkrank, einer schon fast seinem Ende nahe, ferner eine Leiche, die jeder vorbeigehende Rüste mit schadenfroher Miene anschaute und, mit dem FuK stieß. v . , | . 7. ' . - '. : , l In der Hoffnung, daß es! mir gelingen würde, viele Opfer zu 'retten, waMe ich -mich, keine Zeit verlierend, sogleich, an einen russischen Offizier, dessen Befürwortung mir den Weg zum Etappenkommandanten bahnte, mit der Bitte, man möge in dieser Kaserne Ordnung schaffen, die Leiche aus! dem Saale heraustragen und sich, Her übrigen Kranken annehmen. Ich, wandte mich diesbezüglich? auch an viele Offiziere und Aerzte, fand aber nirgends Gehör. Einem Arzte, dem Verwalter des Reservespitals Nr. 1, schilderte M die Verhältnisse, die derzeit in der Kaserne herrschten, und, seine Höflichkeit mißdeutend, glaubte ich^ schon den Zweck erreicht zu haben. Der aber antwortete spöttisch: „Dafür ist Kriegs die Menschm sollen umkomtnen, ohne Unterschied, ans welcher Weise dies geschieht." Ich Mtgegnete, daß meiner Meinung nach einem Soldaten der Tod auf dem Felde der Ehre lieber ist, als in der Kaserne auf? verfaultem Stroh. Daraufschrie der Arzt mjch an und untersagte mir strengstens, in solche Angelegenheiten mich? einzumischen, sonst würde er michgleich, einsperren lassen. ...Ich konnte doch, nicht ruhig Weggehen, da.' ich, wuAe, daß außer den .übrigen Kranken noch ein Mensch in den letzten Zügen