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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-02 · 30 (2.8.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
30 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«dt* 486 Dir. Bloch U Wochenschrift SK.M JMsche ZHLLtervorMlung. Die Sektion II des zionistischen Zentralvereines veranstaltet Donnerstag den 8. August uml 7 Uhr abends in der „Jüd. Bühne", 2. Bezirk, Praterstraße 25. eine Theatervorstellung zugunsten der Einrichtung einer öffentlichen Lesehalle. Zur Aufführung gelangt . das beste Gordinsche Drama „Der Unbekannte" in 5 Akten. Die Regie' liegt in ausgezeichneten künstlerischen und literarischen Händen. Karten von 3 bis 10 Kronen sind zu «haben in der Buchhandlung üöiuu. J. Bezrrt. Ztvleururmstraße, im Cafe MÜUrr, z. Bezirk, Lilienbrunugasie 2, ini Cake Walleustein. 26. Bezirk, und in der Lesehalle, 2. Bezirk, Glockengasse 30, sowie bei der Kasse. Krakau. Professor Qeo Sternbach! ist für seine Verdienste auf dem GMete der klassischen Philologie zum Ehrendoktor der Jagietlonischen -Universität ernannt worden. Prag. (Ehrung.) Die Witurienten der Prager deutschen Handelsdkadeurie haben, um das Andenken ihres verstorbenen Klassenvorstandes Professors Paul.Baum zu ehren, eine den Namen des! letzteren tragend e Stiftung gegründet, deren Zinsen alljährlich an arme und würdige Schüler der genannten Anstalt verteilt werden. Bodenboch. (Leichenbegä n g n i s Rabbiner Mar Freu n d.) Sonntag den 14. Juli l. I. fand unter' überaus großer Beteiligung aller Bevölkerungsschichten das Leichenbegängnis des Herrn Rabbiners Mar Freund, der über zwei Jahrzehnte als Rabbiner und Religionslehrer in Lodenbach wirkte, statt. Was er jedem einzelnen war und welcher besonderen Beliebtheit er sich in seinem Wirkungsorte erfreute, gab am besten die allgemeine Teilnahme kund. Unter den zahlreichen Trauergästen', die sich inr israeluijchen Tempel, woselbst die Le-chr ausgebahrt wurde, versammelt hatten, bemerkte man Vertreter der k. k. Bezirkshauptmannschaft, des k. u. k. Militärstalionskommandos Bodenboch. des Bezirksausschusses. Des Stadtrates Bodenbach und Tetschen, des römisch-katholischen Pfarramtes, Rosawitz- und Tetschen,, der-evangelischen Kirchengemeinde, der Postdirektion Bodenboch und. des Tisenbahnoetriebsamtes Bodenbach, die-Direktoren und ein großer Teil des Lehrkörpers der Schulen in Bodenbach und Tetschen, Vertreter auswärtiger Kultusgemeinden und Berufskollegen des Verstorbenen. Nach einer kurzen Zeremonie im* israelitischen Tempel setzte sich der imposante Trauerzug unter Vorantritt der Schuljugend in Bewegung. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Tr, Kringel aus Vöhm.-Leipa eine tiefempfundene Grabrede. Tief erschütternd war der Nachruf, welchen der Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Bodenboch Herr Adolf Pacher dem Verstorbenen widmete. Herr Oberlehrer Springer aus Prag gedachte mit beredten Worten der großen Verdienste, welche sich der Dahingeschiedene während der letzten drei Jahrzehnte um die israelitische Lehrerschaft Böhmens erwarb, und nahm , mit tiefer Wehmiut Abschied von ihm. Herr stud. jur. Adolf Soii^k (Bodenbach) hielt namens der ehemaligen Schüler des Verstorbenen einen von Herzen zu Herzen kommen- Ä den Nachruf. Herr Oberlehrer Isidor Rohftfchek aus Lundenburg« widmete namens der Verwandten seinem dahingeschiedenen.Schwager einen herzergreifenden Nachruf und nahm /mit tiefempfundenen Worten Abschied von ihm. Jede Judenmassenverfolgung des Mittelalters war eine große, für die verschiedensten Schichten der Bevölkerung gewinnreiche Konjunktur, bei welcher jede Volksgruppe auf ihre Kechnung kam: zunächst eine radikale Schuldentilgung für Adelige und Bürger, welche in sicherer Voraussicht der kommenden Geschehnisse vorerst den Juden höhere Beträge entliehen und nach dem Judenmord ihrer Schulden größtenteils frei und ledig waren; die unteren Volksschichten erhielten ihren Anteil an der Beute, indem sie über das herrenlos zurückgebliebene Hab und Gut der Verbrannten straflos herfielen. Aber auch die ganze Stadt hatte ihren Vorteil. Zum* Grabe der angeblich von den Juden ermordeten Märtyrer pilgerten jährlich Hunderte und. Hunderte Wallfahrer. Die Gebeine erwiesen sich erfahrungsgemäß als wundertätig. Es entstand ein Zustrom von Fremden, was der Gemeinde und ihren Einwohnern dermaßen Vorteile. brachte, daß es oft den Neid der Nachbarstädte erregte. Die anderen Ortschaften wollten nicht zurückstellen, trachteten nach den gleichen Vorteilen und bemühten sich ebenfalls, irgend einenkleinen christlichen Märtyrer, der von Judenboslieit -zu Passahzwecken ermordet wurde, fürsich zu gewinnen. Man findet hierüber hei Johann Christoph Wagenseil ausführliche, durch historische Zeugnisse belegte Mitteilungen. Die veranstalteten Judenexzesse entsprangen somit nicht sozialen oder religiösen Konflikten, sondern rein äußerlichen Bedürfnissen geschäftseifriger Unternehmer. Im März 1421 ließ Erzherzog Albrecht von Oesterreich 104 Juden auf der unteren Werd in Wien öffentlich verbrennen, während viele ihrer Leidensgenossen im Kerker durch Selbstmord endeten. - Vorwand, gab -dazu die" Anklage, daß sie drei Christenkinder geraubt und eine Hostie von der Mesnerin von Enns gekauft und an jüdische Gemeinden verkauft hätten. Selbst gutchristliche Historiker charakterisieren das Geschehnis als eine grosse Finanzoperation des Erzherzogs Albrecht, um die Güter der vermögenden Juden zu konfiszieren. Ein Akt im k. k. Finanzministerium zu Wien aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts verzeichnet folgende Tatsachen: Woher stammt der Glaube ✓ an Ritualmorde? Ein Vortrag m Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Breslau gehalten von Dr. Joseph 8. Bloch. (Fortsetzung.) * 5. Was aber den gegen die Juden ausgestreuten Verleumdungen ihre besondere Zugkraft verliehen, sie so volkstümlich gemacht, zu ihrer Verbreitung so ungeheuer beigetragen, war, daß liier Aberglaube mit der Habsucht sich vermählt, in welcher Ehe sie, die Habsucht, das Zepter geführt hat. ij „Graf Wolf zu P ö sing war dem Juden Esslein Anseh adaselbst Geld schuldig und außerdem noch mehreren (Juden zu Marchegg in Niederösterreich. Er wollte sich 'dieser Schulden entledigen, indem er seine Gläubiger aus dem Wege räumte. Graf Wolf vermochte nämlich ein altes, halbblödes Weib sich mit einem nicht ihr gehörigen Kinde, aus Pösing zu entfernen. Nachdem dieses geschehen, erhob Gräf Wolf die Klage gegen die Juden. Esslein Ausch wurde in Gewahrsam gebrächt und gefoltert. . . . Er sagte aus, was man wünschte und wollte, unter anderem auch, daß. die Juden in' Marchegg seine Mitschuldigen seien. Hierauf erlitten alle Juden, welche nicht durch Flucht ihr Leben gerettet hatten, den Feuertod. Nun wollte Graf Wolf in Marchegg sein Werk fortsetzen. Da. wendeten sich die Juden . . . an den Kaiser Ferdinand mit der Bitte, die Sache untersuchen zu lassen. . . . Während der Prozeß geführt wurde, fanden in Geschäftsangelegenheit herumzi ehe n d e Jud e n aus Wien das Weib samt de m K n a b e n, d e r a n g e blieb ermorde t wurde, womit auch selbstverständlich der Prozeß ein Ende hatte.“ Das Geschick, das den Grafen Wolf ereilte, ist aus den dort vorliegenden Akten nicht ersichtlich. Der Geschichtschreiber Wenmsky erzählt: »Die geistlichen Herren, z. - B. .der E r_z b i s ch of v.o n Köln, der doch gewußt hatte, was kirchlich gestattet ist, 'oder wrffiTCTTing ■ ^;nniiv-Tffa«a8

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