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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-02 · 30 (2.8.1918) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
30 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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*r 30 Tr. Bloch's lo Mete rn bei eisigem Regen und tiefem Morast, wurden sie von der Müdigkeit überwältigt. Viele von ihnen begannen sich zu beklagen und verlangten nach Hanse. Die. Bitten wurden aber streng znrückgewiesen und man verweigerte ihnen sogar das! Geld/ das den Kindern von ihren Führern weggenommen war. Von Ptoesti ging der Weg weiter zu Fuß, ohne Kleider und ohne Essen, und die unglücklichen Kinder schleppten sich mühsam . hinter den Truppen her, die vor den vorrückenden feindlichen ArMeen flohen. In beit verödeten Dörfern fanden die Flüchtlinge weder Nahrung noch Unterkunft. Von Buzau ab! begannen die Kleinsten und die Schwächsten längs! der' vereisten und Morastigen Straßen zusammenzubrechen. Wer niemand blieb stehen, um ihnen Hilfe zu leisten, weil alle von der Angst vor den unerbittlichen Geschützen- und Bomben der Flugzeuge vorwärts getrieben wurden. Ter Weg begann von den .Leichnamen der Knaben besät zu werden, dir von Hunger und Kälte oder auch von. Kugeln und Bombensplittern niedergestreckt wurden. Von Focsäni ab stieg die Zahl der Toten aus viele Hunderte. B is i n di e M itt e d er Moldau war m'eh r als die Hälfte dieser unglücklichen „Pfadfinder" tot, und in Hnsi, an der nördlichen Grenze^ der Moldau, trafen z. B. von ein ent1 Zuge vonl 2000 Kindern kaum! 47 ein. * Augenzeugen — so fährt der Abgeordnete Theodor esc u fort — haben mir erzählt, daß sie in den verbrann.ten und verwüsteten Dörfern Leichname von Pfadfindern sahen, die von hungrigen Hunden zerfleischt wurden. Andere Leichname wurden auf den Feldern von den Wölfen gefressen. Die in Jassy Angelangten wurden in den Sälen der Universität auf dem bloßen und gefrorenen Zementfußboden untergebracht. Am nächsten Morgen stand von den Gruppen von je 20 Unglücklichen kaum! die Hälfte auf, di e ü brig e n w a re n in der Nacht vor Kälte gestorben. Ein Teil der Knaben ging über den Pruth, uM irgendwo nach einem unbekannten Bestimmungsort gebracht zu werden. Einer der -Hauptschuldigen an diesen Greueln, dessen Name bei der parlamentarischen Untersuchung genannt werden soll, hat nicht weniger als 500 Kinder über den Pruth verschleppt. Nach! einiger Zeit kehrte er ans Rußland. zurück' und brachte von dort — 500 Totenscheine Mit. Seine erschütternden Schilderungen schließt Theodor escu.Mit den Worten: „Ich glaube genug gesagt zu. haben, dctniit eine gründliche Verfolgung! der Schuldigen an diesen Greueln stattfindet und nichts vernachlässigt wird, um die grausamen und wahnsinnigen Henker von Kindern der verdienten Strafe züzuführen. Und ich. hoffe, daß die Stimmen der Eltern, die Stimmen der Mütter sich! machtvoll als ein schrecklicher Fluch erheben werden, damit der Gerechtigkeit Genüge geschieht." . JaMrÄ Rothsch ild in Tel AD iw. Zur Begrüßung der Palästinakommission wurde in Tel Awiw eine jüdische Volksversammlung äbgehalten. Die ganze jüdische Bevölkerung, auch viele Mohammedaner und Christen, wohnten der Versammlung bei. Die Regierung hatte eine Eskadron australischer Reiter als. Ehrenwache geschickt. Dr. Thon begrüßte die Gäste namens der jüdischen Gemeinde. Rach Professor W e izm a n n, der die Erklärung Balfours würdigte, nahm Major James de Rothschild, der Sohn des Pariser Barons Edmünd Rothschild, das Wort. „Hier," erklärte er, „wo ich zum erstenmal vor den Juden Palästinas spreche, will ich Wochenschrift 479 schwören, daß ich in den Wegen meines Vaters wandeln und mein Leben und Vermögen für die Verwirklichung des zionistischen Ideals opfern werde. Ich bringe euch die Grüße meines Vaters, der durch alle drei Jahre um den Jischuw, der ihm tief ins Herz gewachsen ist, bangte. Auch ich, wenn ich Palästina und die Juden dieses Landes sehe, die das schwere Leid von drei Kriegsjahren nicht zu beugen vermochte, werde stolz darauf sein, einem derartigen Volke anzugehören. Ein solches Volk muß eine große Zukunft haben." Dich! Gerichtswesen in Palästina. Den „TiMes" wird' aus Kairo unterm 20. Juni gemeldet: Die Wiedereröffnung der bürgerlichen Gerichtshöfe im besetzten Teile Palästinas ist anqekündigt. Das Personal wird eine gewisse Anzahl englischer Offiziere umfassen, die juridische Erfahrung besitzen und der arabischen Sprache Mächtig sind, während der übrige Beamtenstab', soweit es nur möglich ist, der Bevölkerung entnommen wird. Das Gehalt der örtlichen Beamten wird ansehnlich erhöht werden, um die Korruption, die unter deM türkischen Regime bestand, unmöglich zu machen. Die Gerichtshöfe werden unter ständiger Kontrolle stehen. Sie werden das ortsübliche Recht sprechen, das in seiner Art ungeändert bleiben wird. Die Gerichtshöfe für die Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften behalten die Jurisdiktion dieser Gemeinschaften. Fmuenwahlrecht in Palästina. Bei den Wahlen, die unlängst in den jüdischen Kolonien in Jaffa dnrchgefnhrt wurden, wurde den Frauen das aktive und passive Wahlrecht eingeräumt. Landkäufe amerikanischer Juden in Palästina. Wie die amerikanisch-jüdische Presse berichtet, macht sich augenblicklich ein reges Interesse für Landkäufe in Palästina unter den anierikanischen Juden geltend. Ein reicher Kaufmann in San Francisco, Leopold Michels, hat in der Nähe von Jericho eine Obstptantage von 100 Ackern Ausdehnung zum Preise" von 100 Dollar per Acker gekauft. Seinem Beispiel soll bereits ein anderer der reichsten jüdischen Bürger von San Francisco gefolgt sein. Tie jüdische Nnibersität in Jerusalem!. v Die israelitische Universität m Jerusalem wurde in Gegenwart des englischen Generals Allenbhs und des französischen Konsuls Conlondre feierlich eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Dr. Weißmann, Begrüßungsschreiben sandten B a l s v n r und P i ch o n. Alle Ansprachen wurden ins Hebräische übersetzt. Ans deM englischen Okkupationsgebiet Palästinas. Alle vorstehenden Meldungen kommen ans Ländern der Entente. Mit der Wahrheit scheinen sie es nicht ganz genau zu nehmen. Denn aus Stockholm wird uns berichtet: An den Führer 'des! jüdischnationalen Arbeiterbundes „Poale Zion", Kaplanski, in Amsterdam lies über Stockholm ein dringendes Ersuchen um moralische und finanzielle Unterstützung aus jenem Teile Palästinas ein, der gegenwärtig von der Entente besetzt gehalten wird. In diesem Hilferuf der palästinensischen Juden wird betont, -daß sie seit der Okkupation des Landes durch die Engländer keine Arbeit Mehr finden können. Diese Nachricht, die angesichts der zahlreichen Berichte über judensreundliche Maßnahmen der Entente in Palästina um so peinlicheres Aussehen erregt und vor allem in den Kreisen der „Poale Zion" Unwillen hervorgerufen hat, wird voraussichtlich recht bald in weiteren Mitteilungen den

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