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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-02 · 30 (2.8.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
30 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Aus der Möche. Aver intrpeffante Bischöfe in Ungarn. Vorliegende.Zeilen mögen eine Ergänzullg der Darstellungen bilden, welche , jüngst, aus der Feder Doktor Lpdwig Szabolcsis (RedäÜeurs. des' „Egyenlöseg"), und Dr. Josef P a t a is (Redakteurs des' „Mult es Jövö")- Wer den AütisemitisMus' in Ungarn in diesemweitverbreiteten Blatte erschienen. Man kann nämlich schwer einem klaren Einblick in die gegenwärtige antisemitische Strömung in Ungarn gewinnen, ohne die gegensätzliche Stellung zu derselben Von seiten zweier hervorragender Bischöfe in Betracht zu ziehen. Dieselben sind: Ottokar Prochaskä in der alten Krönungsstadt ' StnhlwLißssnburg und Desider B a l t h a sa r, - reformierter Bischof in Debreczin, auch das cälvinische Rom' genannt. Beide Kirchenwürdenträger sind vermöge ihrer hervorragenden Persönlichkeit geeignet, die Aufmerksamkeit der Judenheit auch außerhalb Ungarns' ans sich zu lenken, soweit es eben in der 'tiesdüsteren Kriegsstimmung der Gegenwart möglich ist. - /Beginnen wir mit dem zuerst genannten Bischof von Stuhlweißenbürg. Pro cha s k a war bis vor kirrzer Zeit der populärste Mann der ungarischen katholischen Kirche, dem auch, die Juden in Werschwenglicher Weise huldigten, da er sich nicht nur als' philosophischer Geist in seinen Schriften bewährte, sondern auch offen und ohne Scheu radikale sozialistische. Lehren verkündigte. . Mer eben darum mußte er bei der römischen Kurie in Ungnade verfallen und' seine bischöflichen Kollegen standen' ihm kalt gegenüber. . Es war allgemein .bekannt, daß die Werke -des freisimrigen Bischofs ans den-Jndex.-gesetzt-ävurden^ und er war gezwungen, bedenkliche Stellen im denselben zu streichen. , Doch es trat plötzlich eine Wendung ein. Prochaska versöhnte sich mit Rom und erhielt zum Lohn für. seine reuige Umkehr nicht weniger als 3500 Joch Feld, welche zur Vergrößerung seines bescheidenen Bistums dem benachbarten Veszpremer Bischof abgenommen wurden. ... . . Kaum', hatte sich diese Wandlung mit dem Bischof Prochaska vollzogen, als er am Pfingstfest in der Hauptstadt mit der bei chm. gewohnten Eloquenz eine Rede hielt. Pro juventute. catliolica (zugunsten der katholischen Jugend), und bei dieser Gelegenheit klagte er die Juden des! Mangels an Patriotismus an. und wies zur Bekräftigung seiner Behauptung! aus das Munkacser Regiment hin, in welchem angMich. die Juden nur zwei Prozent anstattz dreißig Prozent ansmachen. Als ih!M hieraus im „Egyenlöseg" die volle Unwahrheit seiner Anklage — allerdings! nicht in der schonerä>sten Form! — nachgewiesen wurde, ließ er sich zu einem ^iv eiten gehässigen Artikel in dem offiziellen „Wkotmäny" hinreißen und trat mit einem' zweiten Falfum hervor,daß an seinem Bischofssitze Stuhlweißenburg in den MlliLärkanzleien unter 60 Mann 57 Juden seien, die sich dem, Felddienste hinterlistig zu entziehen wissen. - - •: Doch bald folgte eine geharnischte Widerlegung! auch dieser gehässigen Behauptung, indenr! /auf Grund amtlicher. Daten bewiesen wurde, daß. Ln Stnhlweißenburg nicht 60, sondern 263 Soldaten Hilfsdienste verrichten, von denen 66 Juden sind. Seit dieser Zeit hüllt sich der ehemalige liberale Bischof in tiefes Schweigen und hie antisemitische Preßmeute klagt über Verunglimpfung ihres gefeierten Schntzpatrones. /Nun. ist Man gespannt auf die Rechtfertigung P r o - chaskas, da er. rücksichtslos der Lüge geziehen wurde. So traurig es Wer ist, daß ein so reichbegabter - Kirchenfürst es Wer sich gewinnen konnte, in den Chor der gemeinsten Antisemiten einzustimmen und die öffentliche. Meinungzu vergiften, so erfreulich istes, daß einer der' hervorragendsten reformierten Bischöfe, Desider Balthasar, den' nicht zu unterschätzenden Mut besitzt, für das Recht der Juden einzutreten, so. oft hiezu, sich Gelegenheit bietet. Wahrlich, es' ist Mehr als begreiflich, daß. die ungarische Judenheit.zu Ehren des! wackeren Antipoden P.roch ask äs eine Stiftung gründet -und' 'ihre Dankbarkeit öffentlich bekundet. Ist es doch nicht häufig' in unserer Geschichte vorgekommen, daß Man uns Inden aufrichtig und ohne jeden Vorbehalt Gerechtigkeit widerfahren ließ!, und wie sollt' - es uns nicht wohltun, wenn in christlichen Kreisen sogar ein Bischof sich sind et, .der mit dem antisemitischen Pöbel auch nicht die geringste Fühlung hat und' sich ein- Urteil ans eigener Erfahrung und eigenem Nachdenken gebildet hat. Wahrlich, es kann nicht zweifelhaft sein, wer zwischen beiden genannten Bischöfen^mehr Anspruch auf das Lob und die Anerkennung aller Unbefangenen erheben darf. Dr. I. S t ein Herz, . Oberrabbiner in Stuhllveißenbnrg. Zur Natur der antisemitischen Rasse. Das rumänische Regime war der ideale Typ eines antisemitischen Regierungssystems'. Die Verbrechen, die \ die rumänische Regierung in der Vergangenheit gegen die Juden verübt hat, zeichnete einmal der gewesene Minister Peter Ca.rp in der rumänischen Deputiertenkämmer am 16? Februar 1893 mit einer Rede, in welcher er u. a— sagte:- - - „Sie haben sie (die Juden) in der Donau ertränkt: Sie haben mit ihnen gemacht, was Sie'nur wollten..." Die Grausamkeit gegen die wehrlosen Inden hat der rumänischen Regierung den Beifall eingetragen aller . antisemitischen Parteien in ganz Europa. Die Führer der Wiener Christlichsoziälen verailstalteten förillliche Huldigungen für die rumänischen Vorbilder. Allein-die Grausamkeit, welche ihre Befriedigung in der Mißhandlung wehrloser Juden gesucht und gefunden, Mächte sich später Luft in grauenhaftem Taten gegenüber Wehrlosen eigener Nationalität. Und' so ist es denn belehrend, daß 'die Wiener „Reichspost", die vor einem' Jahrzehnt dem rumänischen Antisemitismus begeisterte Hymnen gesungen hat, in der NuMMer vom' 23. Juli 1918 nutet dem Titel „Der Kindermord des Ministeriums Bratiann" nachstehende Mitteilungen zu publizieren sich genötigt sieht: „Eine ergreifende Anklage gegen das System B r a - , tiann veröffentlicht der ^rumänische Abgeordnete I. Theodores'cn, ein bekannter Mitarbeiter der Zeitung „Lümina". Theodorescu erzählt: Von den gegen die Regierung!. Br a tiann'erhobenen Anklage- - punkten Macht, rein menschlich genommen, den tiefsten Eindruck der letzte Punkt, der 'sich, auf das entsetzliche Märtyrertum der Knaben im Alter von 12 bis . 15 J a hr en, der sogenannten „P f a dfi n d e r", bezieht. Die Knaben, die zu militärischen Zwecken verwendet werden sollten, wurden von überall, insbesondere äus Bukarest, unbekannt von wem' und ans w essen Befehl, in aller Elle weggeschleppt, nicht ordentlich gelleidet, ohne LebeüsMittel, ohüe Ordnung, .zu Fuß inmitten .des Winters. Bis' nach Chitila ging die Sache noch. In Psoesti, n a ch ei n e M M a r s ch v o n 60 .sti-

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