Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-02 · 30 (2.8.1918) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
30 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022331--27063-3052458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 480 Ta-. Bloch,'S Wochenschrift 9tt. 30 erwünschten Kouimentar erhalten. Jedenfalls! ist hieraus ersichtlich, daß die materielle Lage der Juden auch in jenen Gebieten Palästinas! viel zü wünschen übrig! läßt- Vorstehende Notiz, die zürn! Teil in unsere Tagest Miter übergegangen ist, können wir durch dtzn Hinweis darauf ergänzen, daß der „HilsskoMMisfion 1915 für Palästina" aus denselben Gegenden, insbesondere aus Jerusalem, durch Vermittlung der hiesigen spanischen Bö tscha ft wiederholt Bittbriefe zugekomwen sind. Wir sehen uns dadurch veranlaßt, um Spenden auch für die notleidenden Brich er in den von der Entente besetzten' Bezirken, zu bitten, insbesondere jene, , die früher für Institute in Jerusalem! Beträge zu überweisen pflegten. ,^Oesixrreichifches Komitee für den Orient." Ws die türkische Regierung den Wunsch aussprach mit Vertretern der mitteleuropäischen Judenheit Unterhandlungen zu pflegen, wurde sowohl von ihr selbst als auch: von einer hohen Wiener Behörde aus die Beteiligung österreichischer Juden an diesen Konferenzen Nachjdrück gelegt. Daraufhin wurde von den" bisher in Wien für Wische Kolonisation im Orient tätigen Institutionen: „Jüdischer Kolonisationsö er ein", „Wiener Komitee d. A. K. O.", „HilfskoMmission 1915 für Palästina", „Kriegsspitalshilfe für Palästina" und „Oesterreichisches Landeskonritee für Palästina", für .3. Mai d. I. eine Beratung abgehalten, an der sichaußer den Einberufern, kaiserlicher Rat Sachs v. S a ch f e n h a l l und! Rabbiner Dr. Grunwalddie Herren Dr. Kapralik, Dir. Pollack v. Parnau, Hofrat Dr. Schlag, Doktor Schwarz mann, Ernst Simon, Staütseis enbahnr at Stricker, Wolf Sland und Reichstatsrevisor Taussig beteiligten. Beschlossen wurde der Zusammenschluß der genannten Organisationen zu einem „Oesterreich ischen Komitee für den Orient". Das! Komitee setzt, sich zusammen a). aus! Vertretern derjeirigen jüdischen Vereurigungen und Komiteeswelche der Forderung der Niederlassung von Juden in Palästina, bezw. der Unterstützung der dort bereits ansässigen Juden dauernd sich widmen,, b) aus' Vertretern von jüdischen Körperschaften jeder Art, welche denk gleichen Zweck indirekt dienen oder ihnr vorübergehend ihre Hilfe angedeihen lassen, c) aus Persönlichkeiten, welche auf Grund ihrer Sachkenntnis, ihrer Stellung oder ihrer Beziehungen dem Komitee auf seinem Tätigkeitsgebiete besondere Dienste zu leisten in der Vage sinh. Mil der Geschäftsführung des Komitees und! der Vertretung bei den Verhandlungen in Konstantinopel wurden Rabbiner Dr. GrunWald und! Dr. P o llack v. P arnau betraut. Für euren späteren Zeitpunkt wurden'erforderlichenfalls Dr. Schwa rzmann und Ernst Simon in Aussicht genommen. Die Gewählten erklärten sich, soweit es ihre berufliche Inanspruchnahme zuließe, bereit, diese Mission zu übernehmen. Von diesem Beschlüsse würde die ottomanische Regierung verständigt, und es wurden zunächst die beiden Erstgenannten unmittelbar hierauf zu den Konferenzen nach Konstantinopel eingeladen. Durch: den Verlauf dieser Beratungen, über die an anderer Stelle bereits berichtet Wurde, ist die Frage der Schaffung eines jüdischen Zentrums' in Palästina in ein Stadium gerückt, das es wünschenswert erscheinen läßt. Möglichst weite Kreise der Judenheit Oesterreichs für den Beitritt zuM „O österreichischen Kant itee fürdenOrie n t" zu g ew innen. Da bei den Beratungen in Konstantinopel sämtlickse jüdischen Delegierten, darunter sowohl die Vertreter der Orthodoxie als auch die der zionistischen Organisation, sich aus ein einheitliches Programm geeinigt haben, ist auch für die Arbeiten des „Oesterreichischen Komitees" eine Grundlage geschaffen, die ein gedeihliches Zusammenarbeiten aller Richtungen ermöglicht. - Tiie JMn als! MnzöfiDe Brigadegeneräle. - Nachdem vor kurzem Hauptmann. G e i snr a r zum Brigadegeneral in der französischen ArMee ern-annt worden war, ist nun ein zweiter Jude,. Cob ÄibMann, zu der gleichen militärischen Charge befördert worden. Jüdische HilMWeit in AjMerika. Einem Bericht des Dir. I. V. Magjn es in Newyork zufolge haben die etwa anderthalb Millionen jüdischer Einwohner von Newyork im Jahre 1917 die SumMe von 17 Millionen Dollar für jüdische lokale Wohlfahrt^wecke und mehrere MMonen für allgemein amerikanisch-jüdische Hiljchwecke gespendet. Im ganzen wurden 20 Millionen. Dollar für philanthropische Zwecke gespendet. Die gesamte amerikanische Judenheit spendete 1917'40 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke. (Also ungefähr so viel, wie das g esamt e - Staatsbudget eines Staates wie Bulgarien oder Serbien beträgt.) Ein Jude .als Lebsenslpecher Kaiser Wilhelms I. Zu den beliebten antisemitisch-alMutschen Schlagworten gehört die BehNrYtung, die. Revolution ist „der Stern Judas!", und daß nur Franzosen, Polen und Juden 1848 die Revolution in Berlin angefangen haben. Einen interessanten Beitrag zu diesem Kapitel bildet die wenig bekannte Tatsache, daß gerade ein Jude es war, der aM 19. März' 1848 den Prinzen von Preußen vor der aufgebrachten 'Volksmenge rettete. Der Retter des damals von allen „Freiheitsfreunden" gehaßten Prinzen war der Seidenwarenhändler Julius Wolf M e y e r, Inhaber der damaligen großen Seidenfirma W. A. Meyer Söhne, deren Geschäftshaus neben dem Palais des Prinzen in der! Behrenstraße lag. M e yer fuhr bei: Prinzen von Preußen-und seine Gemahlin von seinem Palais.. im: eigenes Wagen weg und hatte sich dafür später fortdauernder Gnadenbeweise von diesem zu erfreuen. Der Prinz hat auch noch als! König und Kaiser dem späteren KomMerzienrat Julius Wolf Mey e r bis zu dessen 1872 erfolgtem Tode seine Dankbarkeit alljährlich! durch ko Ware G eschenke zu erkennen gegeben, die Meist aus der königlich en Porz ellanmanufäktür hervorgeigangen waren. Ein Teil dieser, mit. dem Monogramm des Kaisers versehenen- Geschenke wurde in den Familien des BanMirektors Julius Alexander, eines' Schwiegersohnes^ I.. W. Meyersdessen Leichenzug auch ein Galawagen des Kaisers begleitete, und seines Sohnes) des als humoristischer Schriftsteller unter seinem Pseudonym Siegmey besonders in den siebziger Jahren bekaNnten Siegbert M e y e r,!als Andenken an den ' hohen Geber pietätvoll bewahrt. - - AiriM PreMrMer und Schleichhändler. ' Inder „Arbeiter-Zeitung" vom 24. Juli erzählt eine Leserin, . daß e$ in dem> frommen Wallfahrtsort Ma r i a - E nzersdor f bei Mödling noch immer Möglich sei, sich Nahrungsmittel ohne Karten zu hohen Preisen zu verschaffen. Sie kam! La in ein Geschäft, das unweit der Kirche gelegen ist, und fand allerlei schöne Waren zu folgenden Kilo graMmpr eisen: Filz 62 K., Butter 65 K., RindfchMalz 75 K., Davon war ein großer Behälter vollgefüllt. Der Filz war ungesalzen von frisch geschlachteten Schweinen. Schweinefleisch 40 K, Selchfleisch 42 K., dürre Wurst 37 K., Powidl 14 K., ein KrauKopf, der sehr klein war, K. 3.80, Zwiebeln K. 7.20, PftamMn K. 5.60! Für reiche Leute und fromme - Beter ist also da gut gesorgt, wie in Manchem anderen Wallfahrtsort. Wieweit es in Tirol Mit her Preistreiberei' kam, erzählte kürzlich! der „Allgemeine Tiroler Anzeiger". Er Meldete, daß im Bezirk Kitzbühel, seitdem dorthin Soldaten verlegt wurden, die Preistreiberei in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.