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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-26 · 29 (26.7.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
29 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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ftt. 29 Veit. 470 Dr.. Bloch's In dem fanatischen 8 frei t jüdischer. Sekten, in dem Kämpf zwischen Karäern und Rabbiniten, zwischen Chassidim und Misnagdim oder zwischen einzelnen Parteien der Chassidim, die sich nicht selten aufs widerlichste beschimpfen, mit giftigen Denun ziationen hei den Behörden verfolgten, vernimmt mannicht die leiseste Andeutung, die darauf schließen ließe; daß man den Verdacht der Menschenopferung gegeneinander liege. Die ersten des Ritualmordes Angeklagten waren Christen, die sich gegen die Anschuldigung mit Berufung auf das Zeugnis der Juden und ihrer auch den Christen heiligen Schriften, sowie auf das Religionsgesetz, welches jeden Blutgenuß verbietet, verteidigten. . >. Das hindert nicht, daß im Mittelalter christliche Sekten sich gegenseitig diese Anklage zuschleuderten und daß auch Martin Luther, der die Ritualmordbeschuldigung der Juden als „Narrenwerk“ brandmarkt, sich nicht scheut, gegen „Pfaffen“ solchen Verdacht auszusprechen. Wo nur irgendeine Anschuldigung des 'Ritualmordes in der Geschichte uns begegnet, sind immer Christen entweder aktive oder passive Träger der Anklage. Ohne einen christlichen Beteiligten gibt es keinen Ritualmord. Ritualmordwahn hat einen ausschließlich christlichen Gedankenprozeß zur Voraussetzung; die paulinische Lehre von der Versöhnung Gottes durch den Opfertod Jesu bildet sein Grundelement; sie war Ausgangspunkt zu jenen religiösen Verirrungen, deren man christliche Sekten des Mittelalters bezichtigte. Dem Juden, wenn man ihn solcher Verbrechen beschuldigt, muß man erst christliche Gedankengänge supponieren, dogmatische Vorstellungen bei ihm' voraussetzen, die seiner religiösen Auffassung vollständig-^widerstreben, Vorstellungen/ gegen die er sich gewehrt hat mit aller Energie seines Geistes, mit dem Einsatz seines' Leben s, wegen welcher er das Christentum ablehnt und lieber ein zweitausendjähriges grausames Martyrium trägt, als' sich ihnen zu unterwerfen. Wie die Hostien-Legende, bei der es viel deutlicher in Erscheinung tritt, so ist der Rituahnordwahii nichts als eine Entartung spezifisch christlicher Religionsvorstellungen. (Fortsetzung. folgt.). Menckw-r KriLgspredigteA von.Dr. Hochfe Id. Rabbiner der jüdischen-Gemeinde zu Berlin. Berlin, Verlag von M. «Poppelauer 1918. Die erschütternden^ Ereignisse- und. - schweren Erlebnisse der: Kriegsjahre Haben der Kanzel neue Probleme gestellt fund, die Predigt mit einer .ungeahnten Fülle. neuen Stoffes bereichert. Kein Prediger/.der. nicht umbeteiligt .an .all dem Großen- und-Gewaltigen dieser im /Innersten, durchbebten Zeit vorübergeht, :der - sichder Aufgaben. feines Amtes' bewußt ist und dessen'ünne -.gewordenwas die: Seelenbedürfnisse seiner Gemeindevon ihm '-heischen; wird die Gelegenheit sich.entgehen lassen^ .-.dieldürstenden-Geister«, und lechzend«! ^Hetzen , aus den Quellen der- -Religion /zu laben-undauf all das>..rvas die Menschheit.bewegt,-,'das-ihren -klassischen Ar-, künden, entstrahlende Licht einstromlen zu lassen- : Wenn je> so "muß in unserer--Zeit-^hie rLehve.-ein.. Baruu-deÄ L e be n s sein. - Nicht mls ob Die Kanzel ihren, allen - Wandel mnd Wechsel überragenden Aufgaben entfremdet und.an das..Gewühl, des tobenden^. Kampfes herabgezogen werden sollte/ aber mitten iM schweren- - bedrückten, sorgenreichen, geistig- und sittlich;^verdunkelten Leben soll sie aufgerichtet.- werden- .die iGedankeu lenkend, - der Herzen>.sich annehmenh/And,- stets, -matzhattend jwohl.und - ihrert Würdeeingedenk - den. großem Ereignissen -der. Zeit ihre. Aufmerksamkeit zuwenden. > Anerkennung gebührt dem Prediger, -der die Fähigkeit , besitzt, -dieser Aufgabe - gerecht zu werden; -undies Ist von hohdm Interesse, von - diesem Gesichtspuntte : aus die homiletische,.Tätigkeit eines in weiten Kreisen geschätzten Kanzelredners.zu beobachten, WMenschrist dem es beschieden ist, in solchen Tagen Ritter großen Gemeinde die Ideen der Religion zu künden. Wir Hussen daher dem Verfasser Dank, daß er seinein den i Jahren 1914—1917 in Berliner Synagogen. gehaltenen Kriegspredigten gesammelt und einem oft geäußerten- Wunscheseiner Zuhörer entsprechend der größeren Oeffentlichkeit. zugänglich-gemacht, hat. , Die Sammlung enthält 3£ Predigten mit den .Aufschriften: 1. Die ersten Siege; 2. die innereWandlung; 3. Opfer; 4. Macht und -Frieden; 5. der Kampf gegen die .Lüge; 6. Frevler und Gerechte; 7. Trauer und Trost; 8. Geduld; <9. Einigkeit und Heimatliebe; 10. der dreifache Panzer; 11. Sittenstrenge und Eottvertrauen; 12. Ursachen und Folgen des Krieges.;. 13. Kaisers Geburtstag; 14. du sollst, nicht töten!?; 15. die Krönung der Freiheit; 16. das Gefpieyst der Hungersnot; 17. statt des Fluches:, der Segen; 18. Treue; 19. materielle lund ideale Kriegsziele; 20. Rückschau; 21. Hohenzollernfeier; 22. aus ,Bösem Gutes; 23. Rache?; 24. die Zukunft der «Religion; 25. den Weg des Königswollen wir gehen; 26. Liebelzum Fremdling; 27. Aberglaube-und echter Glaube;. 28. Kampf und Frieden; 29. stillein Gott; 30. das Recht des Friedens (und die Pflicht des Krieges; 31. das Gotteshaus iM Kriege; 32. der Ineue Himmel und die , neue Erde> ' Einim -besten: Sinne - aktuelles Buch, .eine ^Wertvolle BereiäM rung unserer - homiletischen . Literatur.. Mustergültig. vermöge seines Inhaltes., und zugleich wegen der ansprechenden, edlen -Form, in der der Verfasser seine Gedanken darbietet.- - Die -Geschichte der - ersten Kriegsjahre mit ihren erhebenden und erschütternden -Momenten. tritt uns vor die -Seele, und.wir folgen Mit gespannter Aufmerksamkeit den. Ausführungen eines auf der Höhe istehenden Mannes,, der an der--Hand des Schrifttr-ortes «die mit dem großen Weltbrande in Verbindung - stehenden Fragen und -Erlebnisse be- - leuchtet-und die -Ergebnisse seines NackKenkens in religiöse Werte« um setzt-' - > ' . Es sind samt und sonders klare Gedanken -und warme Herzenstöne. die diesen Predigten entströmen. In reiner, kräftiger, schwungvoller Sprache, in kurzen, markigen, prägnanten Worten, frei von Schwulst- und Bombast, spricht der Prediger-zu seiner Gemeinde,, das. Buch zu seinen-. Lesern. Man «ist heute nicht in der Stimmung, langatmigen- Erörterungen, zu folgen, : Abstrakte Auseinandersetzungen eignen sich nicht für unsere Seelenverfasfung. Und wer ergötzt sich noch an überladenem! «Bilderschmuck? Es muß klipp und klar -gesagt , werden, was man. meint..-- Dessenist der Verfasser sich-wohl.-bewußt und daruM wird!auch der Eindruck, den seine Worts: auf.die Zuhörer gebracht, lim Geiste und im Herzen. der Leser sich wiederholen. Es' sind jzumeift Bibelworte, auf die seine Betrachtungen sich stützen, und-es sei anerkennend hervorgehoben, daß er. wenn er auch „jetzt «die Bibel -Anders als sonst liest" und die Terte hie und. dafrei übersetzt, fetten in das.Schriftwort L:twas hineinlegt, . was fernem ' eigentlichen Sinne -fremd ist, aber nicht dies sei als besonderer Verzug betont, sondern der biblische Geist, der sie durchweht und auch in der Form sich spiegelt. Von erschöpfender Behandlung eines, Gegenstandes. - kann bei der lapidarischen Kürze nder - Predigten . -naturgemäß nicht ..die Rede sein, aber was-gesagt wird, ist von Bedeutung-und Wirkung, anregend, erhebend, eindrucksvoll. - . Es wird gewiß für jeden Leser -von hohem Werte sein, „die wechselnden Stimmungen, denen diese Sammlung ihre Entstehung verdankt, noch einmal zu durchleben" und das treffliche Buch, das. wir hiemiteinem weiten Kreise und . besonders (Amtsgenossen angelegentlichst empfehlen, auch im Dienste jener „Zukunftsaufgaben" sich bewähren, die nach-dem Kriege erwachsen-«werden. Nagykanizsa. __ Dr. E. Reumanu. Jerubbaat. Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend.- Heft 3. Verlag R. Lü wit, Wien, 1. Bezirk, Fleischmartt-1. Auch das soeben erschienene 3. Heft dieser Zeitschrift der jüdischen-Jugend .überraschtdurch Fülle-und-Gehalt der Beiträge, von denen-einige: geeignet-find, lebhafte Diskussionen in. Fluß zu bringen. So hat der.Artikel i,ZuM Jugendtag" von Rabbiner Dr;' Erünwald in Zuschriften an den Verfasser ein vielstimmiges Echo - geweckt. Als -"Probe finde hier eine. Stelle ein Brief, der für . die Stimmung, die unsere jüdische Jugend beseelt, so recht bezeichnend ist und uns für unsere Zukunft mit Zuversicht erfüllen muß. , Feldpost 4, 17C Mai 1918 (8. Ab £678). Hochgeschätzter Herr. Rabbiner Dr. Grunwald!?Jm^-.„Jerubbaal" finde, - Ihre. Worte zum.. Jugendlag. Ich bitte Sie;-mir. zu verzeihen, wenniich r heute an Sie 'schreibe, abeir es geschieht aus Freude und Sie'werden es einem Soldaten, der seit vier Jahren eigentlich-jeder völkischen--A!rbeit entzogen --ist, gewiß nicht übel nehmen. Ich war nicht aM Jugendtag und -bin nur teilweise.'informiert, kenne. abch: hir Wiener Verhältnisse und weiß, daß Sie nur einen Teil der, Jugendbewegung sehen konnten, da der größere Teil doch draußen iNf -Felde sieht und seS nicht jedermanns Sache ist, sich -Mit-Worten.-und Zeitungsartikeln zufrieden, zu geben, wenn er selbst von der. Arbeit ausgeschaltet tstz. Sie fordern uns auf, -„unsere Feste" zu feiern. ^.Jn der,Gemeinschaft, die mich zu den ihren zählt, im? Blau-Weiß, ist «dies ^bisher immer geschehen, auch iml Krieg, denn trotzdem von uns über 60

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