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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-26 · 29 (26.7.1918) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
29 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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s»ü» «r. sS Nr. EUM'S mit Gold und Edelstein geschmückt und geslickl, 6as ein Pfaff Kat müssen anziehen, wenn erhat sollen Menschen sch lachten und opfern. Wenn nun der Pfaff solche Kleider angehabt, so hat er gewartet auf eine Offenbarung, danach hat er gelesen und genommen aus dem Haufen ein Kind oder einen anderen Menschen, den er geschlachtet und geopfert mit großer Andacht und Ehrerbietung des Volkes, das näher gestanden usw.«*) Der englische Historiker Elliot W arburto n, der die „Geschichte des Prinzen 'Ruprecht und der Kavaliere“ 1849 in London herausgegeben hat, berichtet in diesem Werke (L, pag. 17): Von den Puritanern sei verbreitet worden, 'daß die Kavaliere die kleinen Kinder schlachten und essen, und daß infolgedessen damals in England die Mütter ihre Kinder mit dem Schrecken des Namens Ruprecht von der Pfalz einschüchterten. Noch im 19. Jahrhundert mußten' katholische Bischöfe in England dagegen auf treten, daß man der Kirche derlei Verbrechen zumutet und als Argumente gegen die Emanzipation der Katholiken vorschützt. Im „American Journal of Sociology“ wurden folgende. Tatsachen aneinandergereiht: In Paris gab eS um 1760 eine Sekte, die in Nachahmung der Kreuzigung Christi Mitglieder ihrer Gemeinde kreuzigten, im Glauben, daß die Seelen der überlebenden Mitglieder durch die Opferung ihrer Genossen gerettet werden würden. Im Jahre 1817 ermordeten die „Paschelianeri“, eine österreichische Sekte, einen Mann, seine Frau und deren Tochter in dem Wahne, daß die drei, weil sie sich nicht ihrer Sekte anschließen wollten, vom Teufel besessen seien. Am folgenden Tage kreuzigten sie ein etwa 18 jähriges Mädchen aus ihrer Mitte, die sich1 Selbst als Opfer erboten hatte, um durch diese Nachahmung des Kreuzigungstodes’ Jesu die Seelen ihrer' Glaubensgenossen zu retten. Im Jahre 1823 hätte die Führerin eines pietistischen Zirkels in der Schweiz ihre Schwester umgebracht, die ihr Leben, hergegeben hatte, um die Seelen ihrer Verwandten zu re tten und sieh von ihren Anhängern kreuzigen. lassen, um zu sterben, nach drei Tagen wieder aufzustehen und die Schwester, die sie getötet hätte, wieder ins Leben zurückzurufen. Im Jahre 1875 hat ein Müller in Ungarn, der zu der Gemeinde der Nazarener gehörte, seinen Sohn als Opfer für seine Sünden getötet nach dem Beispiele — Abrahams. Im Jahre 1870 gewann! ein Schismatiker in Irkutsk in Rußland nach Beten und Fasten und vielem Bibellesen die Ueberzeugung, daß er behufs Rettung seiner Seele gekreuzigt werden müsse. Er versuchte, sich selbst ans Kreuz zu schlagen^ und hatte soweit Erfolg, als es1 den Umständen nach möglich war. Daß die Chinesen Christen-MaSsaker veranstaltet haben unter dem Vorwand, daß Christen das1 Blut chinesischer Kinder für ihre Zwecke brauchten, ist bekannt. Man kann hierüber in Hübners »Promenade autour du monde« (Paris 1873, Band II, S. 385 bis 455) viel Lehrreiches finden. In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts hat sich auch innerhalb der japanischen Landbevölkerung der gleiche Wahnwitz in bezug auf die Christen breitgemacht. (Mitteilungen des ^Orientalischen Seminars, Seite 117.) Im Jahre 1900 mußte die Türkei gegen die mohamlmedanischen. Beduinen am Sinai Truppen aussenden, weil sie gegen die Mönche des Klosters am Berge Sinai die Beschuldigung erhoben hätten, daß die Mönche die schöne Zuleika, die Tochter des reichen *) Dr. M. Luthers »Tischreden« oder Gollocjuia, herausge geben von Eduard Fürstenau, Leipzig 1841, 1. Band, Seite 295 WoiHenWrist Achmed, zum Zwecke der Blutabzapfung ermordet haben. Die erregten Beduinen rüsteten sich, das katholische Kloster zu zerstören. In neuester Zeit waren es vornehmlich deutschnationale Schriftsteller welche die heidnischen Anklagen gegen die Urchristen in bezug auf das Abendmahl erneuert haben. Im Jahre 1863 erschienen die theologischen Briefe Richards von der Ulm, der deutlich wiederholte, daß es Christen gegeben, „welche den Fleisch- und Blutgenuß im Abendmahl buchstäblich ausgeführt“ (2, 510.). In einem Aufsatz der Wiener „Deutschen Ztg.“ vom 30. Juli 1891: „Die schwarze Maria“ von Guido List waren Ausführungen zu lesen, welche jenen vorstehenden Anschauungen ziemlich nahekommen. In diesem Aufsatz heißt es: »Viele Stellen der Kirchenväter deuten auf solche blutige Mysterien: so zum Beispiel Chrysostomus: »Die Mysterien vollziehen wir bei verschlossenen Türen, nachdem die Uneingeweihten entfernt sind.« Und vom heiligen Franz von Assisi wird in dessen Lebensbeschreibung wörtlich gesagt: „Er tötete viele, um sie nachher zum Leben zu erwecken.« »Darinnen liegt eben der mystische Sinn, denn derlei Totenerweckungen gelten dem ewigen Leben, der Seligkeit durch die Bluttaufe des freiwilligen Opfertodes.« Bis zu welchen Abgründen derlei Gelehrsamkeit geraten kann, zeigt der Fall Friedrich Daumer. Friedrich Daumer in seinem Werke „Geheimnisse des christlichen Altertums“ verteidigte die These, daß Christus als Hersteller der alten Religion die Menschenopfer wieder eingeführt hat. Die Pharisäer hätten sich gegen diese Wiederherstellung alter Bräuche erhoben und Christus gekreuzigt, aber seine Jünger führten das Menschenopfer wieder ein. So werden die Worte „Lasset die Kleinen zu mir kommen“ von Daumer dahin interpretiert, Christus habe dies befohlen, um die Kinder zu opfern. Er sagt wörtlich auf die Stelle Math. 18, 5: »Es sind offenbar wieder jene überlassenen oder entlaufenen Kinder gemeint, die sich im Gefolge des Propheten befinden, Kinder von der niedrigsten Herkunft, die sich, von dem Fanatismus der Zeit ergriffen, als Paschalämmer töten und verzehren lassen und darum so außerordentlich hochgeschätzt und hochgestellt werden.« Die Ausschreitungen dieses Autors, der sich übrigens in deutschnationalen Kreisen mancherlei Sympathien erfreut, ernst zu nehmen, ist kein Anlaß. Sie zeigen bloß auch ihrerseits in die dunkeln und düsteren Gedankengänge, welche zu dem phantastischen Spuk des Ritualmordwahnes geleitet haben, ihren Quellen . . . ihren Abgründen. Der gelehrte Hebraist Prof. Alois Müller, ein gut katholischer Arier in Graz, schrieb mir vor Jahren gelegentlich meines Prozesses gegen Prof. Rohling ein Gutachten gegen die Blutbeschuldigung und in dem Begleitbrief bemerkte er: »Doch trösten Sie sich. Wir haben hier Barmherzige Brüder, einen Orden, der nicht müde wird, Gutes zu tun. Und doch herrscht hier im gemeinen Volke ein gewisses Vorurteil gegen sie. Ich habe nämlich Leute getroffen, die steif und fest behaupteten, die Barmherzigen brächten jährlich viele Menschen um, damit sie Menschenschmalz bekommen. Also wieder ein Analogos. Es gibt eben so manchen haarsträubenden Unsinn, der in den Köpfen der Leute spukt. In hochachtungsvoller Ergebenheit Alois Müller.« Ueberblicken wir das vorgeführte Tatsachenmaterial, so kann man als gesichertes und unumstrittenes Ergebnis resümieren: Türken, Araber und Perser, unter deren Herrschaft Juden als Ungläubige im Laufe der Jahrhunderte schwere und grausame Verfolgungen erdulden mußten, haben gegen die Verfolgten niemals Anschuldigungen des Ritualmordes erhoben. Mohammedanische Sekten, die sich gegenseitig blutig bekämpften, bezichtigten einander niemals des Menschenopfers zu religiösen Zwecken.

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