Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-26 · 29 (26.7.1918) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
29 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022330--27046-3052440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

j Seil« 464 «r, 29 Dr. MüW'S «oiffenWrtst nerr zu dürfen. Redner Woß seine Ansprache mit dM Wunsche, Paß! der Allmächtige die Friedensziele Seiner Majestät baldigst in ErMlung gehen lasse, damit unser geliebtes Vaterland und die Gesamtmonarchie unter dem glorreichen Zepter Seiner Majestät neues 'Glück und Heil eMicke. Oberrabbiner Schreiber erbat sich hierauf die Erlaublnich den Seg'ensspruch in. hebräischer Sprache bedeckten Hauptes sprechen zu dürfen. Nachdem Sa Majestät dies gnädigst gestattete, hat der Oberrabbiner in hebräischer Sprache die Benediktion gesprocheir, worauf die Anwesenden mit Amen antwortetn. Se. Majestät antwortete auf die Ansprache wohl in kurzen Worten, versicherte abßr die Preßburger orth.- israel. Kultnsgemeinde seiner Huld' und Wniglichen Gnade. Mit lebhaften Eljenrufen schloß dieser für diese Gemeinde historische Moment, wonach! die Deputation der Neologengemeinde unter Führung ihres Vizepräsidenten in Audienz empfangen wurde. Ms das Kaiserpaar zur Besichtigung desKrönungstwnres fuhr, ließ der Kaiser vor der Synagoge der isr. Religionsgemeinde halten. Daselbst war ein festlich geschmückter Baldachin aufgestellt, unter welchem Mehrere Gemeindemitglieder Mit den Thorarollen standen. Rabbiner Dr. Funk sprachden Segen Wer fra§rKaiserpaar in althergebrachter Weise. D!er religiös^ Akt verlies sehr eindrucksvoll urrd> das Kaiserpaar war von der dargebrachten . Huldigung sichtlich! gerührt und dankte dem Rabbiner in herzlichsten Worten: Die israelitische Religionsgenreinde wird dieses Ereignis durchs eine an der Synagvgenmauer anzübringende Gedenktafel verewigen. Wien. Der isr. Humanitätsv er ein für die westlichen Bezirke Wiens „Na ch lat I e s ch u r u n" feiert no ch! in diesem Jahre seinen 50jährigen Bestand. Es^sei gestattet, hie Leistungen, welche der Verein in den Bereich seiner-Tätigkeit'gezogen, zu besprechen. Mit Kriegs'- begürn wurde eine Gratisausspeisung eingerichtet, an welcher derzeit 300 Personen' teilnehmen. Im' vergangenen Winter haben wir in Gemeinschaft mit dem Fraueir-Arbeitskomitee des 6. Bezirkes eine Wärmestuöe installiert, in welcher Kinder, die zu Hause keine geheizten Räume hatten, sich aufhalten und ihre Schularbeiten machen konnten und beim Weggehen eine Schale Suppe erhielten. Zu gleicher Zeit wurde eine Suppenanstalt erruhtet, in welcher für 10 H. eine kräftige Suppe verabreicht wird. Täglich werden mehrere tausend Portionen abgegeben. Die Kürzung, der Brotration veranlaßte den Verein, sofort dafür zu sorgen, daß Bedürftigen eine Abendmahlzeit in ForM eines schmackhaften Gemüses zum Preise von 20 H. geboten wird. Bereits' in den ersten Tagen war der Zuspruchs ein so bedeutender, daß täglich 3000 Portionen abgeholt wurden. Diese Kriegssuppen-, Wärmestuben- und Gemuseäktion war, wie lobend anerkannt werden MUß-, die .erste Wohlfahrtsdinrichtung in Wien, welche am Abend Suppe und warmes Gemüse verabreicht hat. — Allfällige Spenden für diesen Verein sind au den Kassaverivalter Herrn Herrnran König, Wien, 7. Bezirk, Seidengasse 28, zu senden. Konfession und Ftzmenwahkchcht. DeM österreichischen Leser dürfte es' unbekannt sein, daß gelegentlichder iM ungarischen Wgeo rdn etenhaus' abgeführten Debatte Wer das Frauenwahlrecht auch das konfessionelle Moment hervorgehoben wurde. Diese Geschmacklosigkeit hat der Abgeordnete Zoltan M e sko auf dem Gewissen, der seine Voreingenommenheit gegen das Ftauenwahlrccht damit begründete, daß die jüdischen Mädchen die Mittelschulen in unverhiältnism'äßig großer Zahl besuchen. UnMittelb'ar nachihm sprach der Schöpfer, des Wahlrechtes^ Wninister D-r. Vaszonyi, der u. a. ansführte: Man habe chM k o n f e s si o n e ll e Gesichtspunkte vorgeworfen. Redner verwahrt sich! auf das! ent-, schiedenste gegen diese Insinuation. Vergißt man denn, daß! das engere Wahlrecht für das Judentum ufel günstiger ist, als das allgemeine? Die Landesstatistik erbringt den Beweis, daß die Zahl der katholischen Frauen, die vier Bürgerschulklassen absolviert haben, den Landesdurchschnitt weit Wertreffen. Dasselbe gilt auch für die Protestanten. Der größere Perzentsatz! der jüdischen Frauen mit der bezeichn eten Schulbildung. ist auf die soziale und kulturelle Stellung der Juden zurückzüsühren. Nur für die Griechisch-Katholiken und die Griechisch- Orientalen ist dieses Kriterium ungünstig. Bei der Abfassung der Wahlrechtsvorlage ließ sich Redner nur von demokratischen und nationalen Gesichtspunkten leiten, natürlich aber nicht von konfessionellen. (Lebhafte ZustimMüng links'.) 'Ein jüdisches DMblatt in polnischer Sprache. Der seit Anfang Juli von einer Gruppe selbstbewußter, Modern denkender, dabei jedoch der Sache ihres Volkes treu ergebener.Juden in Krakau h'eraüsgegebene „Nowy Dziennik" („Neue 'Zeitung") dürfte die erste in einer europäischen Sprache erscheinende jüdische TageGeitung sein. :JndeM das Blatt in redaktioneller und technischer Hinsicht allen Anforderungen der Zeit gerecht wird, verspricht es gleichzeitig ein vornehm gehaltenes Organ der jüdischen Oeffentlichkeit Galiziens' zu. werden. Seht sympathisch klingt der Leitartikel in der ersten NumMer, gleichsam der Morgengruß! des neuen Blattes. Er sticht in so vorteilhafter Weise von -ähnlichen Auslassungen^ der .'sogen. „Judenpresse" ab'.. 'Indem wir die , Ausführungen, bte sich auf die Judensrage beziehen, nachstehend in wortgetreuer Uebersetzung folgen lassen,. er-M achten wir es als eine moralische Pflicht aller jüdischen D Kreise Galiziens, diesem, publizistischen Organe tatkräs- I tige Förderung zuteil werden zu lassen. B >. k. \ In dem oben zitierten Artikel heißt es: „Ein Kreis jüdischer Bürger, die mit ganzem Herzen ihrem' Volke ergeben.sind, schreitet an die Herausgabe eines .polnischen Tagblattes'. Wir unterstreichen diesen Umstand so deutlich und offen an leitender Stelle des ersten ProgramMartikels, um' verschiedenen gutgesinnten Leuten die Mühe zu ersparen, nachznsorschen, wer hintei dem Blatte verborgen sei. Juden werden diese Zeitung herausgeben, Inden, die treu und sorgsam alle Lebensinteressen der aus polnischem Boden wohnenden Volksgenossen wahrnehMen Und v ertreten wollen. Eine so. Ansehnliche, nahezu drei Millionen - Menschen, also ungefähr 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, zählende Minderheit. soll auf. jeden Fall eine eigene Tribüne ihr einen nennen, von der aus sie sich vernehmbar zu macken vermag. Sie will sichunmittelbar an das polnische Volk selbst wenden. Wir sind , der Ansicht, daß der Augenblick herangereist ist, in welchem sich die Völker unmittelbar miteinander ohne heuchlerische Vermittler von innerhalb, ohne unberufene und ungebetene Vormünder von auswärts verständigen sollten. Dieser Vormünder Möchten wir uns ehestens und' gründlichst entledigen. Wir wollen nicht imMer unmündig bleiben. Wir leb'en weder in Marokko nochin Rumänien und wollen, von dieser Tribüne aus'direkt zum' -rwlnischen Volke sprechen, dasselb'e Mit unseren Absichten, Forderungen und Beschwerden bekannt' Machen. Wir glauben an das polnische Volk, selbst ohne zu verschiedenen Füh-- rern dieses Volkes Vertrauen zu haben. Vorläufig soviel - in der Judensrage . . ." rr» HTir^TT

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.