Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 29 (26.7.1918)
- Date
- 1918-07-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Rr, 29 Dr. vlrW'S Wochenschrift Seit» 465 Me FrMzenMadser Kursaifon im fünften Kriegsjahr. Von Armin W i l k o w i t s ch, Eger. Die wunderschöne Gartenstadt Franzensbad prangt wieder in ihrer sommerlichen Schönheit. Die herrlichsten und seltensten Kinder Floras verbreiten Dust und Pracht um sich. Die goldene i^onne blitzt und blinkt auf die Silberrinden in den Parkanlagen, ^chön und friedlich liegt die von Gott gesegnete Landschaft wir in 'einstigen friedlichen Zetten . : . Dir Mineralquellen und Moorlager haben trotz des Fernbleibens unserer Feinde nicht im mindesten an Wert eingebützt. Im Gegenteil! Der Weltkrieg hat leider sein Zerstörungswerk auch auf die Menschenherzen in reichem Matze ausgedehnt. Unbedeutende Herzöefekte wuchsen sich im Schützengraben wie in den Kasernen des Hinterlandes zu schweren und lebensgefährlichen Leiden aus., die nach Heilung förmlich schreien. Dann: Wie viele Gattinnen .und Mütter büßten durch das stete Hangen und Bangen um ihre Lieben draußen im Felde, oder gar bei Hiobsbotschaften ihr gesundes.Herz ein! Trotz Verordnungen und Verschärfungen hinsichtlich der Verabreichung der Lebensmittel an die Kurgäste,, sozusagen: trotz Hochhängens des Brotkorbes, sind die Kurhäuser sehr gut besetzt» was ein beredtes Zeugnis für die Wertschätzung dieses Kurortes seitens der Heilsuchenden Mbt. und die Kurverwaltung unter bewährter Leitung des Herrn Bürgermeisters Löimann hat Wunderdinge zu vollführen,, um das Allernotwendigste zur Verproviantierung des großen Kurpublikums zu beschaffen. ' - Bei der herrschenden Hungersnot ist die Kurverwaltung ehrlich bestrebt, nur Kurbedürftigen im wahren Sinne des Wortes feine Heilquellen und Mittels zu überlassen. Und doch: Wem^ soll man die Wohltat der Kur versagen! Denen, die sich im ^Feldej ihr Hertzleiden zugezogen hatten, den Kranken, die noch die Uniform! tragen, oder den Trauernden um gefallene Helden? Soll man die Tore der Kurstadt jenen verschließen, die seit Jahrzehnten nach, Franzensbad kommen und tausend Eide fchjwören, daß sie die Erhaltung ihres kranken.Lebens ausschließlich den Heilschützen dieses Kurortes verdanken? . . . Man darf — ohne ein Prophet zu sein. — Franzensbad nach dem Kriege einen glänzenden Aufschwung prophezeien. , i Noch ein Verbot der jüdischen Sprache. Wie Aus! einer Wolfs-Meldung über die Wiederaufnahme des Postverkehres zwischen Deutschland und 'Äützmnd' W "erschew' istz find'" fast sämtliche Sprachen m für den KorrespondenHV erkehr zulässig — .mir , Ans- »nähme der hebräisch eit und jüdischen Sprache. lEs ist «zu erwarten, daß die Millionen russischer Juden 8 gegen diese ungerechte Ausnahmestellung tatkräftige Ver- Wahrung einlegen werden. Die Lösung der rumänischen Judensrage. Ein von der rumänischen Regierung ausgegebenes Coinmuniqne sagt ü. a.: Der Minister beschloß, die JndenfrAge aus breitester Grundlage zu bösen und den - etwa Benachteiligten das Recht der Berufung an den Obersten Gerichtshof'zuzugestehen. Bei Erbringung der vorgeschriebenen Nachweise wird den das Staatsbürgerrecht anstrebenden' Juden w eitge h e ndes Ent ge gentommen bekundet werden. Die nächste Zukunft wird lehren, ob die rumänische Regierung diesmal ihr Versprechen den Juden gegenüber einhalten und den obigen Beschluß des Ministerr,ates auch tatsächlich binnen kürzester Frist zur Ausführung bringen wird. m £ ’m. _____ Iie Iudenstage in Mnntand. Eine nach allen bisherigen Veröffentlichungen ganz unverständliche Nachricht erhalten wir' aus .Kopenhagen: Ungeachtet aller Ereignisse und Umwälzungen, die irr Finnland im Laufe der letzten Zeit vorgesallen sind, ist die Judenfrage in Finnland bis ans den heutigen Tag ungelöst. Oe facto b e st ehen heute noch alle Beschränkungen und Ausnahmegesetze für die Juden in Finnland.. Als die rote Regierung in Kelsingfors' zur Macht gelangte, stellte sie die Gleiche berechtigung der Juden in Finnland in nahe Aussicht. Nach dem Siege der weißen Garde ist das' Gesetzesprojekt bezüglich der Gleichberechtigung der Juden ad acta gelegt worden. Während der revolutionären Bewegung hatten die Juden in Finnland schwer zu leiden. Die 300 jüdischen Familien in Finnland wohnen ausschließlich in drei Städten, Helsingsors, Wo und Viborg, alles Orte, wo sich die Unruhen am blutigsten gestalteten. Die neue finnische Regierung hat in der Lösung der Judenfrage sich Rumänien völlig als Beispiel genommen. Anstatt ein Gesetz« über die generelle Gleichberechtigung der Juden in Finnland zu erlassen, hat der Senat den Beschluß gefaßt, den finnischen Juden das Recht zu geben, individuell um die Naturalisation nachsuchen zu dürfen, wobei die Erfüllung des Gesuches von einer Reihe von Bedingungen abhängig gemacht wird. Die finnische Regierung ging so weit in der Nachahmung Rumäniens, daß sie den traurigen Mut hatte, öffentlich zu erklären, daß nur diejenigen Juden Anspruch auf Naturalisation haben, die in der weißen Garde gekämpft haben. Solche Juden gibt es aber kaum mehr als zwanzig bis fünfundzwanzig. Vermischtes. Amtsantritt des Oberrabüin erstestvertreters Professor Dr. K P. Chnj es. Der neuberufene stellvertretende Oberrabbiner der isr. Kultusgemeinde Wien, Professor Dr.H. P.. Chajes, wird seine Tätigkeit Samstag den 3. August b. I. heim Morgengottesdienste im Stadttempel beginnen. Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Temrpeks. Dem Komitee (2. Bezirk, Tempelgasse 3) sind in der abgelaufenen Woche nachstehende Spenden zugekomMen: XXVI. Spendenliste. Herr Wilhelm Reumann, Wien, 1. Bez. K. 8000.— Herr Ferd. 'Ljöwenseld, Wien, 1. Bez. ,/ 200 — Herr Richard Stein, Wien, 13. Bez. ft 200 — Herr Hermann Stern, Wien, 18. Bez. 200 — Anonym „ 20:— Herr Max Gutmann, Wien, 2. Bez. tt >20.— Herr Schick, Wien, 2. Bez. ft 10 — Herr Gustav Stern, Wien, 3. Bez. ft 200.— Herr Emil «Löwenbach, Wien, 1- Bez. 1000.— Herr Moritz' Ornstein, Wien, 4. Bez. 1000 — Herr Johann Meister, Wien, 10. Bez. 20 — Frau Helene Knlik, Wien, 9. Bez. ,, 20.— Frau E. Schneider, Wien, 2. Bez. 8.— Herr Max «Lemberg er ft 10.— Herr Albert Adler, Wien, 14.. Bez. Herr Fritz und Frau Johanna Herczka, ft 20 — Wien, 5. Bez. ft 20.— Herr Ignatze Kwetler, Wien, 2. Bez. 100 — Anonym Herr Josef Randnitzky, Wien, 19. Bez. ft 600 — ft 500 — Herren Brüder Wellesz, Wien, 2. Bez. tt 500:— Herr Dr. Maximilian Roth, Wien, 9. Bez. „ 50.— Herr Julius Thenen, Wien, 9. Bez. „ 500 — Frau Josefine. von Winter „ 500.— Fr. sind- Med. Olga Wiener ft 20 — Frau Dr. Bloch 10.— Herr Siegfried Ljö-w, Wien, 4. Bez. ,, 30 — Anonym tt 5.— Herr Salomon Meister, Wien, 2. Bez. Ft 20 —