Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 29 (26.7.1918)
- Date
- 1918-07-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 463 Dr. Moch'S Wochenschrift Ri. 29 Transportes aufnahm und es uns ermöglichte,- acht Tage lang bei vollkommen freier Verpflegung und'Wohnung bei verschiedenen Familien in Haltem und Zwolle einen höchst angenehmen Iomtow zu verbringen. Dasselbe geschah auch in dem Zivillager Wolfheze, wo 'sich die Mitglieder der Gemeinde Arnheim der internierten Glaubensgenossen annahmen. . Am Schewuoth genoß, ich Mit noch einigen anderen jüdischen Internierten die Gastfreundschaft einer Familie S. van Straten km kleinen Orte Wick bei Duurstede,, wo. nur zibei füdische Familien ansässig sind. Wir wurden da sehr reichlich bewirtet und trugen zur Ergänzung des, -Minjan bei. Um wieviel anders war es doch in England (auch schon bei -Ausbruch des Krieges), wo uns jede Möglichkeit zur Rückkehr nach der Heimat genommen wurde. Gemeinnützige Vereine,- zum Beispiel die „Sabbat Observa'tions-League", konnten gar nicht genügend betonen,' daß sie in erster Reihe ^Engländer" und bann erst Juden seien,- wenn man sie um Hilfe und Schuß selbst nicht materieller Art bat. Die Zustände in dem jüdischen Lager Kamp zu Douglas,- wo sich zurzeit noch über 600 «strenggläubige Juden,- Deutsche, Oesterreicher und Türken, alte, kranke, invalide Leute über 60 Jahre, befinden, sind nicht gerade erfreulich. Die Holzbäracken sind nichts weniger als ideale Wohnstätten (für kranke, schwache Menschen. 'Solange die Nahrungsmittelfrage in England noch nicht so drückend' war, wurde Koscher-FleisGgegen gute Bezahlung natürlich regelmäßig von Liverpool herübergeschickt. Ueberhaupt standen sich die wohlbegüterten Gefangenen in erster Zeit (bis vor ungefähr zwei Jahren) bedeutend besser als die Unbemittelten, da erstere Pakete und Unterstützungen von Bekannten und Verwandten aus England empfingen. Die Armen jedoch' waren in großer Not-' läge, denn die Speisen waren mangelhaft und oft ungenießbar. Alle Beschwerden auf Abstellung der Mißstande totes der Kommandant schroff zurück. Später, als infolge der deutschen U-Boote die Lebensmittelfrage für England selbst brennend wurde, wurde den Internierten verboten, Lebensmittel irgendwelcher Art aus England »zu, beziehen. Die Bestände unserer Kantine wurden bis . auf ganz geringe Quantitäten herabgemindert. Damit begann aber auch für die Reichen die Zeit der schweren Not. Für Lebensmittel, die gewöhnlich nach wochenlaNgem Transport aus Deutschland und Holland ankamen, wurden die fabelhaftesten Preise verlangt und bezahlt. Zuweilen sahen wir acht Wochen lang kein' Stückchen Fleisch und die Verabreichung von Kartoffeln war ein halbes Jahr lang verboten. Bei meiner Abreise gab eS Milch überhaupt nicht mehr und Brot wurde nur in Gestalt von Schiffszdiieback verabreicht. Die Hauptnahrungsmittel bestanden aus „Porridge", einem Mehlbrei geringster Qualität/ Salzheringen und Stockfischen. Als Gemüse wurde Turnips, eine Art Stechrüben. geliefert. ' M W. („Israelit", Nr. 26.) b Kin jüdischer MärlyreEür das Aeulschlum. ' Die'Mörder des deutscher; Reichsangehörigen Robert Prager'sind vom amerikanischen Geschwornengericht freigesprochen worden. Die „Newyork Times" äußern dazu u. a.: Diese Freisprechung war offensichtlich ein sch weres Berg ehen gegen die Gerechtigkeit. Der Verteidiger berief sich auf ein neues ungeschriebenes Gesetz. Das alte ungeschriebene Gesetz War eine Schande und ein Skandal, das neue, welches ebenfalls den Mord .als gesetzliche amerikanische Institution betrachtet, ist sicherlich nichts weniger als dies. Auch „Newyork Evening Post" erklärt die Freisprechung der Mörder Pragers für einen schweren Verstoß gegen die Gerechtigkeit. Der Tatbestand, sagt das Matt, war nicht zweifelhaft, aber die Jury weigerte sich, die Verurteilung austzusorechen. Das Verdikt ging dahin, daß es kein Verbrechen sei, einen Deutschen zu töten. Der ganze bedauernswerte Fall sollte jeden Amerikaner mit Scham erfüllen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt dazu: Wir unterschreiben die Urteile dieser vereinzelten amerikanischen Zeitungen über das ftuchwürdige Verbrechen der amerikanischen Volksmasse, woran sich die amerikanische Justiz durch die Freisprechung der Mörder eines unschuldigen Deutschen in einer Weise mitschuldig machte, die ihr selbst das Urteil spricht. Keneratrnajor Worrash. Zur Ernennung des Generalmajors Sir John Monash, des ersten Juden, der in der britischen Armree diesen Rang bekleidet, wird geschrieben: John Mo nash, jetzt Sir John Monash und K. C. B. (Kommandeur des Bath-Ordens), im Zivilberns Ingenieur, ein sehr befähigter,' strebsamer Mann, war von Jugend an ein eifriges Mitglied des Melbourner Volontär-Korps. Seine Eltern waren sehr gute Deutsche, die auch ihre Kinder in deutschem Sinne auserzogen, so daß in ihrem Hause fast nur Deutsch gesprochen wurde. Der Vater sowie auch der jetzige General waren auch Mitglieder des Deutschen Klubs in Melbourne, und noch, einige Jahre , vor Ausbruch des Krieges weilte er mit Frau und Schwester zum Besuche vom Verwandten in Berlin. TW Kaiserpaar in PrchÄMg. Preßburg hatte seinen solennen Festtag. Ihre Majestäten kamen hieher, um' an einem Wohltätigkeitsseste, das zugunsten der Kriegsinväliden, -Witwen und -Waisen veranstaltet wurde, teilznnehmen. Nach Anlangen Ihrer Majestäten mit dem Schiffe empfingen sie die Deputationen der Stadt und des Komitates Pozsony. Hierauf begäben sich .Ihre Majestäten ins erzherzogliche Palais, woselbst Vertretungen der Konfessionen, Komitate, Militärbehörden, Munizipalausschüsse, und öffentlichen Körperschaften in Audienz empfangen wnrden. Als vierte Deputation erschien vor dem erlauchten Königspaar, das vom Thronfolger, der Suite und dem Ministerpräsidenten Dr. W e k e r l e umgeben war, die der orthodoxen isr. Knltusgemeinde, welche vom Oberrabbiner A. Schreiber geführt wurde, und ferner aus Gemeindepräses David Krau ß, Vorstehern I. K a l t - m a n n und L. Ungar und Sekretär Grünsseld bestand. Oberrabbiner Schreiber hielt in gewählten Worten eine glänzende ungarische Ansprache, versicherte Ihre Majestäten der durch ihre historische Vergangenheit erprobten Liebe, traditionellen Königstreue und Anhänglichkeit der Pozsony er orthodoxen isr. Kultusgemeinde zur geheiligten Person Sr. Majestät und der Ihrer Majestät, der geliebten Landessürstin, wies ans den Umstand hin, daß diese Gemeinde seit undenklichen Zeiten die Auszeichnung genießt, alljährlich am Märtinstage vor dem geliebten erhabenen Regenten in Audienz erscheinen zu dürfen, was aber durch den besonderen Ernst der Zeit seit drei Jahren nicht der Fall sein konnte. Mit um so größerer Freude begrüßen wir den heurigen Tag, an dem es uns zum erstenmal'gegönnt ist, vor den Stufen des Thrones Sr. Majestät erschei-