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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-26 · 29 (26.7.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
29 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit» 45o Dr. Bloch's WoHenMrift .!'' Nr. 29 Ebenso verlogen wie in der inneren Politik feines Reiches war Nikolaus II. in der Führung der - auswärtigen Angelegenheiten. Er spielte immer den Erbauer und Beschützer des Friedenspalastes im Haag,' aber an Holland 'vorüber fuhr er nach. Cherbourgs um dort den französischen Revanchegedanken zu ermutigen. Er nmchte Oesterr eich-Ungarn wegen des! geplanten Baues der Mriabahn den Vorwurf der Unzuverlässigkeit, 'aber er selbst. reiste demonstrativ nach Racconigi, wo der italienische Verrat vorbereitet wurde. Angeblich zu schwach gegen seine Vettern und Generale, war er stark genug, die Katastrophe des Weltkrieges heraufzubeschwören. Dgs war das' Gesicht und Gehirn des Monarchen, dein die offene und heimliche Liebe großer politischer Parteien in Oesterreichs-Ungarn gehörte. Ajlle jene, die deir Wsolutisnms ass Schutz ihrer Raubgier und eigenen .Herrschaft brauchen, schauten immer sehnsüchtig.hinüber in das' Land! des weißen Schreckens. Außer diesen Agrarb'aronen und anderen Rückschrittlern hatte die Aarenregierung aber auch den mrgeteilten Beifall der Christlichsozialen und Klerikalen. Hatte sie doch! die schönste Methode, diese Juden auf den Stand von Tieren und Sksaven hinunterzudrücken. Die Pogrome, die der ehrenfeste Kunschak so sehnsüchtig verlangt, warw ian zarischen Rußsand an der Tages'ordnung und hatten stets' eine beträchtliche Strecke von Judenleichen -auszuweisen. Die russische Staatskunst hatte es mit Höchstem Geschick verstanden, aus dem Ghetto einen Kerker voll Hunger und Elends zu machen, in welchem die Karte Zur Auswanderung als das höchste Glück erschien. Das Gebet für den Zaren in den jüdischen Tempeln war ein Gebet für den grausamen Peiniger in einem riesigen Zwinger, dessen polizeilche .Wächter und Be-cynten zum Glück bestechlich waren, damit die Insassen wenigstens zur Not.noch weiter leben konnten. Bekanntlich! hat das Buch! des Amerikaners' Ke.n na.n über Sibirien Europa erschüttert. Die Wirkung hätte verdreifacht sein müssen in einer Geschichte der Juden unter' den letzten Zaren. Das gab! natürlich eine größte Ernte wilden Haffes unter den Brüdern der Gemordeten, in den Familien der Verfolgten und unter den titanischen Kräften, die den Zarenthron aus seinen Grundfesten rissen, war die Rache der unmenschlich gemarterten Juden nicht die kleinste. Bei der Gelegenheit dieses Sturzes hat sich aber auch gezeigt, daß der.Antisemitismus nur von den Machthabern hervorgerufen und gepflegt wird. Keine einzige Volksgruppe setzte sich für den Entthronten ein, sein Geschick erregte kein Mitleid, keine Teilnahme. Das von den Tyrannen und Ausbeutern befreite russische Volk hat sich init seinen Mischen Leidensgenoffen sofort vereinigt und hat sogar teilweise ihre Führung anerkannt. Nun schmcchen wohl einige Unverschämte bei uns! diese Führung, deren Taten die Mittelmächte wahrscheinlich vor dem Untergang gerettet haben. Wo aber sind die jüdischen Ausbeuter-Eigenschaften und -Bestrebungen dieser Braunstein und Genossen? Sie arbeiten für den Frieden, für das gleiche Recht und gegen den Kapitalismus. Djas ist die kraftvollste Antwort für unsere Antisemiten. So erfüllen sich neue Geschicke für etwa sieben Millionen russischer Juden, für die Mehrzahl des' 'jüdischen Volkes. In Jekaterinburg aber richtete das" Schicksalden Mann, der glaubte, seinen Thron mit jüdischem Blut am Vesten zu Allen, und in der Krim.zittern die Großfürsten, deren Wort noch vor einem Jahr das Ghetto erzittern ließ. Die Weltgeschichte ward zuM Weltgericht und nachj Jahrhunderten echob sich das' Recht für die gequälten Juden. Organisation! Bon kais. Rat Direktor Dr. S. Krenberger. Organisation! Ein Wort, das überall erklingt und planvoll veranstaltetes Gemeinschaftsleben vieler Einzelwesen oder auch das planvoll gestaltete Tun zum Vorteil vieler Einzelwesen bedeutet. Man wendet es in allen Belangen des Lebens' an, im Wirtschaftlichen und Politischen, in kultureller und materieller Beziehung,. und preist die Erfolge der Organisation. Ihr Ansdruck ist das' alte häbsbürgische Kaiserwort: Viribus uuitis. Jeder ZusamMenschluß zu besonderem Zweck beinhaltet eine orgcärisatorische Tat, das Wesen der förderlichen Organisation ist aber der ethische Vorteil und die Gewähr hiesür ist die planvolle, ethischen Zielen zustMemde Zusammenfassung. Förderung und Vorteil von bleibendem W.erte ist nur ethisch zu bewerten, sind, nur die, welche von allen Menschen für lööens!- und liebenswert angesehen werden. Auch eine Diebsorganisation kann sehr planvoll und systematisch gestaltet sein, die Art der Organisation wird intellektuell zu loben sein und. kann wegen ihrer Augen Zusammenfassung. Gefallen erregen, aber moralisch, dem Zwecke nach, ist sie zu verurteilen. ' Die volle Zusammenfassung aller jener Organisationen welche menschliche Betätigungen betreffen, geschieht. durch den. Staat. Hier sind alle kulturellen, alle materiellen, die sozialen und religiösen planvollen Gemeinschaften vereinigt zum Zwecke, den Staat, also alle.zur Selbsterhaltung unter gemeinschaftlicher Führung zusamMengefaßten Menschen zur höchsten Vollendung zu bringen. Diesem obersten Staatszweck dienen vor allem die sozialen und religiösen Organisationen, weshalb sie auch in Kulrurstaaten zuhöchst geschätzt sind. Die beiden betreffen dauernde, stets! sortwirkende, den sittlichen Aufstieg der Menschheit fördernde Interessen. Die religiösen-Gemeinschaften aber, welche-durch-ihre, von göttlicher Eingebung formulierten Menschheitsgesetze die Menschen binden, sind die höchsten sozialen Fürsorgeorganisationen, da aus eigener Einsicht entspringende Erkenntnis und Tugenden seit Menschheitsbestand nur sehr wenige gebunden und verpflichtet haben. . Es' ist: daher größtes Menschheitsinteresse, religiöse, inneren höchsten Wert auszeigende Gemeinschaften zur Entfaltung und allgemeiner Wirksamkeit zu bringen. , - . Daraus.folgt .für uns als Juden und -als Menschen vor aller anderen Betätigung Kräftigung und Förderung unserer religiösen Gemeinschaft. Das beinhaltet wieder ihre. Verteidigung gegen Widersacher, ihre Bekanntmachung und ihre „Verherrlichung" in allen - Kreisen des Judentums selbst und außerhalb'desselben: Und damit entsteht die Frage: Haben wir hier 'in Wien solche Organisationen, welche diese Ausgaben, die man 'abwehrende urtfr aufklärende, im .weiteren Sinne verbreitende und vertiefende nennen kann, pflegen und erfüllen? Wir haben an.der Spitze der Wiener Judenschaft einen Kultusvorstand, dessen staatliche Aufgabe es ist, für den Gottesdienst der Juden, für die Erbauung und Erhaltung der Gotteshäuser. zu sorgen. Eine Zusammenfassung aller in Wien wohnenden Juden außer zu Zwecken der Abgabe von Kultussteuer und eines geringen Bruchteiles zu Zwecken der Wahl in den Kultusvorstand kennt dieser nicht, bezweckt er nicht,, hat er nicht erreicht. Die Tempelvereine, deren es in Wien rund dreißig anerkannte gibt, find kleine Kultusgemeinden in größeren oder kleineren Stadtteilen. Sie pflegen den Gottesdienst. Die jüdischen Frauenvereine sind charitativer Natur; sie - pflegen die Wohltätigkeit und!. haben. bestimmte diesVdzügliche . Einzelzwecke. Sie sind Mithelfer

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