Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 29 (26.7.1918)
- Date
- 1918-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ar. 2S Dr. Bloch’s S«vr,«G XXX V Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums 0(r Q b OG= ». t Postfpcrr!assenamt Lleariug-Berkehr: 810.978 oo «rd«Mo» anb «dmintstrsttsar «Oft* U/i, Praterstrafte 9 Telephom 45*359 =DO Q -So "im Wien, 26. Juli 1918 Lrscbeint jeden kreitag Brie^Abrefle: Svie», llji, Praterstrafte 9 Lel»L»a«m-Adr«sie: Bloch t Wochenschrift, Wie» Oiß -—c f . VczugspreiS: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare bO Heller Ilatrtin; ttt S nal 9«i<t*Ue N $•*« nft.» ■ ü — Oa 5ulj..I*:|ite’itarti{el: Der Untergang der Romanows. — Organisation! — Aus der Woche: GR. Josef Stein als Eideshelfer des Herrn Kunschak. — Eine Vertretung der Juden der Mittelmächte beim Großwesir. — Die Vorbereitung des jüdischen Vorparlaments der Ukraina. — Kriegsdekorationen^ jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Vater und Söhne. — Schwere Verluste in einer jüdischen Familie. — Auf dem Felde der Ehre. — Brief aus einem holländischen Gefangenenlager. — Ein jüdischer Märtyrer für das Deutschtum. — Generalmajor Monash. — Korrespondenzen: Das Kaiserpaar in Preßburg. — Wien. — Konfession und Frauenwahlrecht. — Ein jüdisches TagblatL in polnischer Sprache. — Die Franzensbader Kursaison im fünften Kriegsjahr. — Noch ein Verbot der jüdischen Sprache. — Die Lösung der rumänischen Judenftage. — Die Judenftage in Finnland. — Vermischtes. — Feuill eton: Woher stammt der Glaube an Ritualmorde? — Literatur. — Brieftasten. — Inserate. Zur gefälligen Beachtung! An jene P. T.. Leser, welche es bisher verabsäumt haben, die in Nr. 25 beigelegten Posterlagscheine zum Begleich^ ihres fälligen Abonnements zu benützen, erlauben wir uns in den nächsten Tagen Postaufträge in der Höhe des Abonnementbetrages zu richten. Die geehrten Abonnenten werden gebeten, um Störungen in der Blattzusendung zu vermeiden, diese Postaufträge unbedingt einzulösen. Dle Admjnjstration. Der Untergang der Komauoivs. An dem Meer von Blut nnd Tränen, das! den Erdball zu verschlingen droht, ist nun auch der letzte Zar, den das russische Volk den „Blutigen" genannt, untergegangen. Bevor ihn noch die heranmarschi er end e Gegenrevolution mis dem Gefängnis von JekaterinbstrF befreien und nochmals auf den Schild heben konnte, hat er das' Schicksal erlitten, vor dem! er sicherlich, von seinem Sturze bis zur letzten Stunde gezittert hat. Tie Bolschewiki haben ihn nach langem Zögern erschossen, ihn, der nie gezögert hätte, sie scharenweise umzubringen, wenn er 'sie in der Gewalt gehabt hätte. /Er selbst? War Nikolaus II. selbst verantwortlich für die furchtbaren Schandtaten, die jahrzehntelang in seinem Namen begangen wurden? Diese Frage beeinflußt das Urteil über die grandiose Tragödie Rußlands und der Romanows, die vorläufig Mit der Ermordung des Exzaren einen knallenden Ajktschluß gefunden hat. Ein Mord ist unter allen Umständen eine Schändung der Kultur. Me war in RuMand der Wert des Menschenlebens! kostbar und niemand trägt daran solche Schuld wie die Romanows. Man könnte von der Vollstreckung eines Volksurteiles sprechen, wenn eine Verhandlung stattgefunden hätte und Beweise vorlägen. Der Grundsatz, über d,as Menschenleben lautet: Du sollst nicht töten, und dieser Grundsatz hätte in Geltung bleiben müssen, wenn tatsächlich mit der Revolution in Rußland die höhere und reinere Weltanschauung gesiegt hat- Wo fände sich aber jemanch der dem früheren Zaren von Rußland gegenüber das reine Recht Igelten taffen wollte? Er hatte eine furchtbare Macht in Händen und er hätte sie gebrauchen können, um Rußlands Politik und Kultur a.n Westeuropa anzugliedern. Statt dessen bekämpfte er jeden fortschrittlichen Gedanken, jeden Seufzer nach Freiheit mit unbarmherziger Vernichtung und pflasterte Rußland von der Peter Pauls-Festung bis in die sibirischen Bleibergwerke mit den Leichen der Edelsten und Besten. Ws russischer Untertan konnte mau für einen Raubmord eher auf Gnade > hoffen, als für die Verbreitung verbotener Schriften, und von einem Ende bis zum anderen widerhallte das Reich von den Klagen derer, die die Freiheit des Geistes gewollt und dafür die Freiheit oder das Leben unter Qualen verloren. Nun sagt die neueste Geschichtschreibung, nicht Nikolaus II. hätte alle di,e Grausamkeit begangen, sondern dunkle Mächte am Zarenhof hätten das barbarische Mi.ttela.fter festgehalten. Wer es ist gar nicht Möglich, haß die Botschaft eines so großen Jammers das Ohr pes Zaren nicht erreicht hätte. Wle die, welche ihm von den Leiden des Volkes erzählten, Milde und Erbarmen anrieten, sielen in Ungnade. Die Mörder der „Schwarzen Hundert" verübten ihre Greueltaten mit der. Beteuerung ihrer Zarentreue,- die zu 'Raub, Mord und Plünderung den Mob aufforderten und auszogen, schrsen aM vollem OMe: ,M lebe der Zar!" Der patriotische Mantel hätte alle Verbrechen geheiligt, Nikolaus II. ließ sich in seiner Torheit von solchen Gaukeleien narren. Schon am Tage nach dem Sturze des Zaren erfreute die ^Petersburger „Reichspost", nämlich das „Nowoje Wremja", das'Pogromorgan der Huglians, durch ein Bekenntnis, im Herzen stets für die Republik geschwärmt zu hahen/ r