Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 28 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sefo 448 m. Nr. 2 8 waren ganz machtlos. Raub', Brand im& Mord wurden Außer dieser Hilfe (in ForUr von G.eld) Leb'enZ'- zur täglichen Erscheinung. Am'meisten litten die Juden. Mitteln und Kleidern) hüben die russischen Juden (das Ich blieb auf'dem Posten als' Vertreter der jüdischen Kiewer, Petersburger und Moskauer Komitee) große Interessen beim Generalgouverneur 'für die okkupier- ^Summen für die nach Rußjlandl verschickten, in Gehängten österreichischen Provinzen, der jetzt in Kiew seinen nissen und jn Sibirien gehaltenen Juden verwendet. Mntssitz hatte, und begab mich iw August 1917 in die Diese Summen gehen in die Millionen Kronen, abschliebesetzten Städtchen, damit ich die Möglichkeit hatte, weßende statistische Ziffern sind jedoch! zurzeit noch! nicht nigstens teilweise das Vos d er jüdischen Bevölkerung) vorhanden. .;; die unter dem Pogrorg so furchtbar litt, zu lindern. Ich war in ständiger Verbindung mit den örtlichen und höheren Behörden, und hie und da gelang es!, größeren ÜngWcksfällen vorzubeugen. Leider waren wir jedoch sehr oft ganz machtlos. Die allrussischen Organisationen, der „Zemskij Sojuz" und der „Sojuz Gorodow^, hatten nach dem Rückzug der Russen aus! Tarnopol und Czernowitz« im Juli 1917 ihre Tätigkeit fast ganz eingestellt, einzig! und allein, das Kiewer jüdische Komitee fuhr fort, der jüdischen Bevölkerung Hilfe zu leisten. Zu dieser Zeit waren die Lebensünttelvorräte in Galizien «äußerst gerürg, die Preise derselben stiegen ins Unermeßliche und die vom Kiewer Komitee gewählten (verhältnisinäßig bedeutenden) Summen erwiesen sich als nicht genügend. Der Winter rückte naher und der.Bevölkerung der Städtchen drohte förmlicher Hunger, um so mehr als' beim Vorhandensein welcher Vorräte diese für Heereszwecks beschlagnahmt wurden, und. anderseits' die Ausfuhr von Lebensbritteln aus 'Rußland! nach Galizien verboten war. Ich reiste wieder nach Rußland und wurde eindringlich , vorstellig, daß die zu dieser Zeit geschaffene „Galizisch-Bukowinaer Kommission für 'Uüchtlingshilfeleistung" den Einwohnern des okkupierten Randes Galiziens mit Lebensmitteln durch Zuschub derselben aus Rußland zur Hilfe käme. Ungeachtet dessen, daß auch in Rußland damals Mangel an Lebeirsmitteln herrschte, und daß die Tvansportverhälttrisse zerrüttet waren, fand' ich volles Verständnis bei der obgenannten „G alizisch-Bukow inaer Kommission", und schon iM NovenEer 1917 kamen die ersten zur Verteilung an die arme Bevölkerung zu billigen Preisen (9 R. 50 Kp. per Pud, d. i. 16 Kilogr.h bestimmten Mehltranslvorte nach Galizien. Ich habe alle Maßnahmeir getroffen, daß die jüdische Bevölkerung bei der Verteilung der Lebensmittel im Vergleiche der restlichen Bevölkerung nicht benachteiligt werde, wobei die armen Inden 'das Mehl umsonst erhielten, da das Kiewer jüdische Hilfskomitee für sie den Kaufpreis entrichtete. Trotz dieser Aushilfe mit-LMnsMittelu fuhr das Kiewer jüdische Hilfskomitee fort, den Ortskomitees die notwendigen Summen zuzuwenden, damit noch andere Arten der Hilfe angewendet werden könnten. Auf diese Weise h!ade ich — ohne die okkupierten Ortschaften zu verlassen — als offizieller Vertreter der jüdischen Interessen und gleichzeitig als der einzige zurückgebliebene Bevollmächttgte des Kiewer Komitees für Galizien und die Bukowina — nröglichst das' Hilfswerk für die jüdische Bevölkerung sortgeführt bis! zu der Zeit, als die Russen sich; von Galizien und der Bukowina ganz zurückgezogen haben. Aus eigenen Mitteln gab das russische jüdische Komitee für die notleidende Zeit, als die Russen sich aus Galizien und der Bukovon der Zeit des 24. Januar 1915 bis März '1918 zusamMerr den Betrag von 5,600.000 K. (Umrechnungskurs des Rubels nrit K. 2.50.) Davon erhielt das Lemberger .Rettungskomitee in der Zett vom 24. Januar bis 22. Juni 1915 den Betrag von 392.817 K., das Tarnopoler Rettungskonrttee von Mai 1915 bis'. Juli 1917 1,064.130 K., Czortkow außer Bekleidung von Avril 1915 bis Juli 1917 297.315 K., außer Bekleidung den Rest die übrigen OrMomitees. ' Aas Heiden eines Hlabömers. Aus den Schreöenstagen der Russenherrschast in Galizien, .mitge- J teilt von Prof. Ed. 'Nascher. Im Kreise der Vertreter vom Kriegswaisenfonds der „Agudas /Jiftoel" zur Errichtung von Kriegswaisenhäusern für die >Verwaisten nach den gefallenen jüdisch-orthodoien Kriegshelden aus Galizien und der Bukowina hatte ich Gelegenheit, den Rabbiner der hartgeprüften Stadt Grzymalow Herrn JsakWeidenfeld kennen und schätzen zu lernen. Sein Aeüßeres trägt — trotz seines frühen Mannesalters, die sichtbaren Spuren überstandener Leiden, und er teilte mir die Geschichte schwerer Leiden mit, die wert sind, für die Geschichte festgehalten zu werden. Der Rabbiner Weiden feld durchlebte und durchlitt die' bangen Tage der Russenbesetzung, verließ nicht seine Gemeinde, und die heimatliche Scholle, über welche der schwere Tritt grausamer russischer Horden durchschritt. Er fühlte' sich gedrängt,' den arg geprüften Mitbrü-dMn und Mitbürgern .angesichts von Raub und Plünderung, Schandungen und »Vergewaltigungen Tröstung und gläubigen Zuspruch zu spenden. Der Mann der Schrecken-, der würdige Kommandant seiner grausamen Truppen, war nicht müde, die furchtbarsten Qualen für 'die jüdischen Bewohner Grzymalows zu ersinnen, in deren Gefolge «Brandlegungen, die Verbreitung von Angst und Schrecken, das «schwere Verbog des Synagogenbesuches, die allermildesten waren. Er glaubte, 'in der Person des Gutsbesitzers Pavel Ehrupo w i c z ein gefügiges Werkzeug zu erblicken, und wählte ihn zum> «Bürgermeister der Stadt. Und weil er sich darin täuschte >und das Stadtoberhaupt sich mitleidsvoll von verübten' Greueln fernhielt, sollte er am eigenen Leibe die tierische Grausamkeit des russischen Machthabers und seiner Leute erfahren. AIS der Bürgermeister 'einen nrit geplünderten Tuchwaren beladenen Wagen beschlagnahmen wollte, wurde er surchtbär verprügelt und mutzte seine -Gewissenhaftigkeit Wit schwerer Krankheit, zwischen Leben und Tod schwebend, bützen. Doch siegte seine Natur, aber das Martyrium seiner Stellung' weiter zu.erleiden, fehlte es ihm :an /Kraft und Mut. Der Bruder« des »Genannten, Herr Nikolo Chrupowi cz, trat an'.seine Stelle, leider außerstande, den Bränden, Weiberfchändüngen undden Raubzügen der russischen Horden Einhalt zu gebieten. - Da entschloß sich der Rabbiner .Weidenfeld, bei dem im besetzten Grzymalow weilenden russischen JnspektionSgeneral naMens Eiche vorstellig zu werden, entschlossen, mft Gefahr des .'Lebens die flammende Anklage ob des Terrorismus des KomMMd^anten und seiner Soldateska in Gegenwart des letzteren zu 'erheben. Dick jTage des Jammers gaben dem Rabbiner Tränen 'und überzeugende Worte, ein, um mit dem Muhe der «Verzweiflung vor dem hohen Offizier, dem späteren Kommandanten von Lemberg, das düstere Dild der russischen Schreckensherrschaft zu entrollen. Die ihmreitzenden Worte der Wahrheit, die der schwerbeladenen /Brust des Rabbiners entströmten, die packenden, jeder Schilderung trotzenden Mißhandlungen, welche an allen Bewohnern, vornehmlich an denen des jüdischen Bekenntnisses, . verübt wurden, «die überzeugende Rede von Raub und Mord, Plünderung «und Grausamkeit, verübt vom Kommandanten und seinen Brandgesellen, das schwer . empfundene Verbot des Synagogenbesuches, die Entziehung des Glaubenstrostes dortiger glaubensstarker Juden, das Betonen, daß alle menschlichen Vorstellungen an der Härte des ^Kommandanten wirkungslos sind, die stetig sich steigernden und imehrenden Schreckensszenen, welche der Kanonikus Valenta bekräftigte, machten auf den ■ General sichtbaren Eindruck. Nur schwer —" so Getonte Rabbiner .Weidenfeld — habe der Bürgermeister, abgeschreckt vom blutigen Exempel an dem -Bruder verübt, sich entschlossen, das Bürgermeistererbe seines Bruders anzutreten, und nur dem Zuspruch des Kommandanten: „Fürchten Sie' nicht, als Stadtoberhaupt zu wirken, bei Ihrem Bruder waltete 'ein Irrtum verhängnisvoll, er trug einen Vollbärt — und (man hielt ihm f.ür einen Juden (!)" gelang es, Chrupowitz jun. «zur Annahme der Bürgermeisterstelle zu bewegen. Der Rabbiner schloß i seine Anklage mit den Worten: ,/Ich weiß, Herr/General, daß ich Gefahr laufe, deM blutigen Rachewerk des Kommandanten -aus-, geliefert zu werden, aber diesem zu entrinnen, .will ich mit meinem Weibe und meinen armen Kichdern entfliehen, um tim ruhigeren Tarnopol das Gleichgewicht meiner Seele zu finden", «worauf General Eiche wortwörtlich, erwiderte: t : „Wohl kommt cfe so bei uns vor, /daß Kosaken die Juden belegen (sie), aber Sie^ Herr Rabbiner, haben /nichts zu fürchten.