Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 28 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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-itT K, 2s " ' ' $r. BtM'S Hilfsaktion erstreckte sich von Januar 1915'bis Mitte Juni auf 163 -Orte, von Jmli 1915 'bis Ende auf 52 Orte. Die örtlichen russischen- Behörden in Galizien haben sich aber auch setzt der jüdischen Bevölkerung gegenüber besonders feindlich verhalten und angesichts des bei denselben vorherrschenden rohen 'Antisemitismus' waren wir immer wieder gezwungen, unter dem Deckmantel russischer Organisation aufzutreten. Trotzdem die Behörden die Bildung von Ortskomitees bewilligten, waren dennoch die letzteren in einer äußerst schwierigen Lage, da sie den Behörden stets „verdächtig" waren und ihre Mitglieder jederzeit Gefahr liefen, verhaftet, nach Sibirien verschickt zu werden usw. Ich erachte es als meine angenehme Pflicht, hier festzustellen, daß die meiste n K v m itee ’m i t g lie d e r u n g e a ch t e t der i h n' e n d r o h e n d e n G e f a h r e n a u f i h r e n P v - sten verblieben und ihre ganze Zeit, viel Arb'eit und Mühsal den: Hilfsw erke widmeten. . Da die Regierung Juden die Ulcsfotgung von Reisepässen verweigerte,, blieb die Zahl der Vertreter des Kiewer 'Komitees sehr gering. Die unter meine Leitung gestellten Vertreter des Kiewer Konnte es, H. G e l l m a n i:, H. A n s k i, F r au Aronowa und Fräulein Garkow.a, und nachher die Herrei: G o m e l s k i, Gitter m a n n und andere, lvidnieten ihre besten Kräfte dein Hilfswerke, aber wir waren vielfach gehindert, alt das, ivas wir für die Juden der okkupierten Länder zu tun beabsichtigten, voll uitb ganz auszuführell. Die Vorstände des „Zemskyj Sojuz" und des „Sojuz Gorodoiv" ständen der Sache freundlich gegenüber, aber die Angestellten der .genannten Verbände in den einzelnen 'Ortschaften, die Verwalter der Volksküchen und der übrigen Institute standen nicht immer auf der erwünschten Höhe. Manche von ihnen waren auch vom herrschenden 'Antisemitismus infiziert und verhielten ,sich der jüdischen Bevölkerung gegenüber feindlich. Nicht wenig Mühe und Energie mußten wir im Kampfe mit diesen Herren, die im Einklang mit den judenfeindlichen örtlichen Behörden arbeiteten, vergeuden. Jedoch, wem: wir bis zu einem gewissen Grade imstande waren, auf die vielmals -genannten allrussischen Organisationen Einfluß zu nehmen und dadurch das Hilfswerk Iir die galizischen Juden.-zu. fördern, so wären wir ganz machtlos im' Kampfe gegen den rücksichtslosen rohen Judenhaß der örtlichen Zivilititb Militärbehörden, unter welchem das jüdische Volk stöhnte. Bei solch ' schwierigelt Umständen ging unsere unendlich mühselige Arbeit für die galizischen Juden zweieinhalb Jahre — bis zum Ausbruch der Revolution — fort. Die Revolution hat vieles gebessert. Beinahe sämtliche früheren behördlichen Organe wurden abgesetzt. In Rußland wurden den Juden volle Rechte erteilt, und. wir benützten die neugeschaffenen günstigen Umstärrde, um das Los auch der in den okkupierten feilen Galiziens und'der Bukowina wohinenden Juden zu linderrr. Alls Initiative des Bevollmächtigten des Kiewer Komitees, des Herrn Gomelski, trat im Mai 1917 in Tarnopol eine Konferenz der Delegierten der Ortskomitees und der Delegierten, Welche die gesamte jüdische Bevölkerung einzelner Ortschaften durch Wahl entsandte, zusammen, um einen großzügigen Plan der Organisation des weiteren Hilfswerkes ausznarb eiten. Zu dieser Konferenz nach Tarnopok kamen der Vorsteher des Kiewer Komitees S. Grünberg und das Mitglied des.Ausschußkomitees Dies eng eff. Die russischen Juden bestrebten sich /beim höheren Militärkommando (General Brussilow), daß dem Generälgouvernenr für Galizien und die Bukowina H.Do- Wochenschrift roszenko (dem jetzigen. Minister des Aenßern der Ukrainer) ein Kommissär beiacstellt wurde, der ausschließ- ^lich die Vertretung der Interessen der Inder: zur Aufgabe hätte. Die maßgebenden Stellen haben dem zugestimmt und mit 1. Juni 1917. wurde ich auf diesen jüdischen Posten gestellt. Erst jetzt konnte an die regelrechte O.rganisation des Hilfswerkes — nicht nur der materiellen Hilfe, sondern auch der rechtlichen und kulturellen — geschritten werden. Mich auf die Beschlüsse der Tarnovoler Maikouferenz stützend, habe ich zunächst alt meine Bemühungen dahin gerichtet, daß allerorts Komitees' gewählt werden, welche sich des allgemeinen Vertrauens erfreuen. Diese sollten das Hilfswerk in aller: seiner: Zweigen, wie Volksküchen, Kinderheime, Siechenhäuser, schulen, medizinisch-hygienische Hilfe, in die Wege leiten. Da die Evakuierter: die Erlaubnis erhielten, in ihre Wohnorte (Skala, Husiawn, Zaleszezyki. Sniatyn usw.) zurück-rukehren, lag es in unseren: Programm, ausgiebige Hilfe bei der Wiederherstellung-'der vernichteten Wirtschaften zu leisten. Auf diese Weite war ein' breites Tätigkeits Programm -endvorfen. Der Generalgouverneur Do roszenko und die Bezirks kommiffäre verhielten sich wohlwollend diesen Absichten gegenüber. Nach drei Jahren der widrigsten Verhältnisse ward eine besonders günstige Atlnowhäre für unsere "Arbeit geschaffen und wir durften hoffen, daß die Resultate unserer Tätigkeit befriedigend seil: werden. Als Mitarbeiter Habe ich Irl. Barr er. die Herren M o ß n e r urrd M i n ko w s-k i engagiert. Die iüdische Bevölkerung der okkupierter: Gebiete hat znm erstenwal frei anfgeatinet und fühlte, daß nnmnehr ihr Recht - vertreten wird. Ich bereiste ununterbrochen die Städtchen Galiziells und der Bukowina und habe überall in den Synagogen die jüdische Bevölkerung über die ekngetretene Acndcrung aufgeklärt und auf meine nnnruelftige Stetlunq hingewieserr, wobei sch ersuchte, mich von allen Faller: etwaiger Verletzung oder Mißachtnna ihrer Rechte sofort zu benachrichtige::. Die nengewäblten Komitees gingen überall energisch an die Arbeit. Mein Amtssitz'war Czernoiv itz, wo auch der Gerreralgouverneuramtierte. Bald scholl kamen zu mir ans einzelnen Städter: und Städtchen Vertreter verschiedenster — sowohl ökonomischer als auch politischer — Interessen, für die ich dar::: bei der höheren Behörde vorznsprechen Pflegte. Zwischen mir und der indische!: Bevölkerung bildete sich eii: vertrauellsvolles Verhältnis heraus und die Tätigkeit nahm eine günstige Entwicklung. Da kamen die Julitage. Es begarln der Rückzug der Russen, verbünden mit der: unglaublichsten Greneltatell, verübt cm der jüdischen Bevölkerung in Kalusz, Tarnovol, Stanislau nsw. Es war keine Möglichkeit, diesen: .Unglück zu steuern. In jener Zeit bere'ste ich die Bnkowinn und kan: nach Czernowitz, eine Woche bevor die Rufsetr diese Stadt verließen. Auch für diese Stadt kamen furchtbare Tage: der jüdischen Bevölkerung drohte das Schicksal, das die Inder: in anderen Städten bereits erreichte. Ich strengte all meine Kräfte an, diesen Schrecknissen vorzubengen, und bis zum letzten Mon:er:te meines Dortseins aelana dies unter Beihilfe der besseren Eleir:ente der Militärbehörden. Ich verließ Czernowitz knapp bevor die Oesterreicher die Stadt wieder besetzten. Wie. bekannt, blieben noch, nachdem sich die Russen voi: Tarnopok und Czernowitz zurückgezogen hatten, bis Februar—März 1918, einige Ortschaften Galiziens und der Bukowina okkupiert. Im russischen Heere griff eine vollständige Desorganisation Platz, die Soldaten machten, was sie wollten, und wurden immer zügelloser. Die zurückgebliebenen örtlichen Militär- und Zivilbehörden