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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-19 · 28 (19.7.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
28 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seit» 446 Dr. MoEs WoNenWrM j »kr. 28 andere SLröniung dagegen, welche der Präsident Dr. Diamond vertrat, sah in der materiellen Unterstützung t-er galizischen notleidenden Juden seitens der russischen Juden eindn politischen Schritt und wollte auf diese Hilfe ohüeweikers. verzichten. Zwei Monate waren an fruchtlosen Verhandlungen "verstrichen; unterdessen verschlimmerte sich die Lage der Juden von Tag zu Tag, der Hunger griff um sich. Damals entschloß ich mich!, ohne irgendwelches'Mittun der autoritativen jüdischen.Faktoren Galiziens, nach Rußland mich! zu begeben, um dort die öffentliche jüdische Meinung für. eine Hilfsaktion zugunsten der galizischen Juden, zu gewinnen. Uh hielt entsprechende Vorträge in größeren Städten, wie New, Petersburg usw., in denen ich die schreckliche Lage des Judentums im okkupierten Gebiete schilderte und' meine Zuhörer' von der Notwendigkeit der raschen Hilfe für die Notleidenden überzeugte. Mein Aufruf.fand' überall lebhaften Widerhall. Die russischen Juden bezeigten volles Verständnis, und von Maßgebenden Kreisen erhielt ich das feierliche Versprechen, daß ausgiebige Hilfe' geleistet werden wird. Schon nach wenigen Tagen, und zwar Anfang Dezember 1914, begab sich mit mir Herr David Feinberg, gewesener Vertreter der „Jca" und Vertreter des . jüdischen Petersburger- Zentral-Hilfskomitees, nach Galizien, um beim Generalgouverneur Galiziens!, dem Grafen B o br i nski, vorzusprechen. Es handelte sich darum, von den russischen Behörden die Bewilligung zu erhalten, den galizischen'notleidenden Juden Hilfe leisten zu dürfen. Es sollte in Lemberg ein Zenträl-Hilfskomitee gebildet und „legalisiert" werden. Nach zwei Wochen hatten unsere Bemühungen einen günstigien Erfolg. Der Gencraloouverneur gab! seine Zustimmung und nahm unsere Vorschläge an. Nun begann aber die störende Gegenaktion eines Teiles der Mitglieder der Lemberger Kultusgemeinde. Ungeachtet dessen, daß ich die betreffenden Führer der Minderheit der Kultusgemeinde zu überzeugen suchte,, daß uns nichts ferner liegt, als dien Patriotismus der österreichischen Juden zu schwächen, daß wir ausschließlich den Zweck verfolgen, die arme notleidende Bevölkerung vor Hunger und Kälte zu schützen, ohne in das innere politische Leben irgendwie eingreisen zu wollen, gelang es . uns dennoch nicht, ein einmütiges, wohlwollendes Verhalten seitens der Kultusgemeinde zu bewirken, die. Arbeit kam nicht vom' Fleck, man konnte natürlich an die Organisation des Hilfswerkes nicht schneiten. Erst als die Stadt Lemberg von heu Flüchtlingen aus verschiedenen Provinzstädten und von Evakuierten aus Przemysl überfüllt wurde, die Not täglich wuchs und die Mittel der Kultusgemeinde allmählich versiegten, organisierte sich endlich in Lemberg ein Zentral- Hilsskomitee, welches mit Mitteln der russischen Juden ebenso für Lemberg, wie auch für die Provinz wir- . ken sollte. . Das Komitee begann energisch zu arbeiten. In Lemberg ging es glatt vonstatten, in der Provinz aber stellten sich uns große Hindernisse in den Weg, denn trotzdem der Geueralgonoerneur zu unserer Arbeit seine Einwilligung erteilte, machten doch die örtlichen Milltär- und' Zivilbehörden gus offenkundigen Gründen beinahe unWerwindliche Schwürigse'ten. Die Organe des Komitees konnten nur mit Lebensgefahr ihre'Aufgaben crsüllen. Meme persönliche Lage war auch eine äußerst schwierige. Ich müßte alles nur im geheimen tun, zumal wegen . der Verbindung mit den einheimischen Juden war ich in steter Gefahr, als „Verräter" an Rußland angeklagt. und vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Zusammen mit 'mir haben in der Zeit der Schriftsteller Anski, Frl. Widrin und Frl. Bezsmcr tn i j a aus Rußland gearbeitet, aber auch diese durften nicht offen als Vertreter einer jüdischen Organisation erscheinen, sondern waren gezwungen, unter dem Deckmantel einer russischen > Organisation mit öffentlichem Charakter zu wirken. . / In viele Ortschaften konnten wir überhaupt unter keinen Umständen Vordringen. Dort, wohin wir gelangten, waren wir gezwungen, unsere Tätigkeit vor den russischen Behörden mit peinlicher Sorgfalt zu verbergen. Kein-Wunder, daß. unter diesen Bedingungen der Plan einer umfassenden Hilfe nicht ganz in Erfüllung ging, und daß, vielerorts Menschen buchstäblich des Hungers starben, obwohl in unseren Händen Hilfsmittel genug waren und uns ein starker Wille beseelte, den Armen zu helfen. Nur in Lemberg, in der Stadt selbst, entfaltete sich die Tätigkeit des Komitees. .Dort wurde die Hilfe in verschiedener Art organisiert, dort haben wir auch! die Mittel beigestellt zur Organisierung der Handwerkstätten, um Arbeitsgelegenheit notleidenden Frauen zu Verschaffen. Nachdem die Russen im' Juni. 1915 gezwungen würfen. Nachdem die Russen im Juni 1915 gezwungen wurden, Lemberg zu verlassen, wurde die Läge der"restlichen okkupierten Ortschaften viel schlimmer. . Ans einer Reihe von am' Dnjestr und Zbrucz gelegenen Ortschaften wurde die jüdische Bevölkerung nach Rußland verschickt und bald wiederum — bnchstahlich hungrig und nackt — nach Oftgalizien zurückgejagt, um bloß in einigen Städtchen Ostgaliziens konzentriert zu werden. Unter diesen zusammengepferchten Evakuierten brachen bald Epidemien, wie Cholera, Typhus und andere Krankheiten, aus. Von den russischen Juden, die in Galizien am Hilsswerk tätig waren, blieb ich als 'letzter, und zwar mit sehr geringen Mitteln, zurück; von Rußland war ich vollständig abgeschnitten. Unter außergewöhnlich schwierigen Umständen' vermochte ich erst gegen Ende August 1915 nach Rußland hinüberzugelangen. Ich begann wieder eine neue Agitation, um die Fortsetzung desHilfs'- werkes seitens der russischen Inden zu sichern, und gleichzeitig habe ich bei den russischen öffentlichen Organisationen (dem Landwirtschaftlichen Städteverband) „Zemskij Sojuz" und „Sojuz Gorodow" vorgesprochen, daß auch ihrerseits geholfen werde. Dieser Intervention blieb d er Erfolg nicht versagt. Das Kiew er und Petersburger jüdische Komitee waren gern bereit, das Hilfswerk sort'zusühren. Der „Zemskij Sojuz" und der „Sojüz Gorodow" haben auch volles Verständnis bewiesen, indem sie in'einer ganz kurzen Zeit in neunzehn Ortschaften rituelle Küchen und Teeanstalten für die jüdische Bevölkerung öffnete, aus denen bis 40.000 Portionen täglich unentgeltlich abgegeben wurden. In zehn Orten wurden für Kriegswaisen jüdische Kinderhorte gegründet. In Städtchen und. Städten, wo Epidemien unter heimischen und vertriebenen Juden wüteten, öffneten sich Spitäler. Soweit die philanthropische und jozia l e H i'l f e für die Iu d e n G a l i z i e n s seit e n s rein russischer Institutionen. , Parallel mit. den großzügigen Aktionen der sogenannten Institutionen entwickelten - die russisch-jüdischen Komitees eine suppletvrische Aktion> Unterstützungen in Bargeld, Sustentationen für die jüdische Intelligenz, Kleider, Heizmaterial, Versorgung der Kranken, Greise und Schwachen leisteten ausschließlich die jüdischen Hilfskomitee. In Lemberg nahmen unsere Hilfe 8000 jüdische Familien in Anspruch, in dem übrigen' Galizien und der Bukowina mehr als 50.000 Personen. Unsere-

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