Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-19 · 28 (19.7.1918) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
28 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022329--27023-3052416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seit» 442 Dr VlM'S «ochenschrlst ' . «r.. 28 gerechtsertigt er)d) erneu. D^ie „Leipziger Neuesten Nachrichten" waren die Ablagerungsstätte schlimmster antidynastischer und höchst illoyaler Artikel gegen Oesterreich und die Habsburger. Wer diese Artikel gelesen hat, deur fiel auch die Uebereinstimmuug aus mit jenen abscheulichen Gerüchten, welche die österreichischen Völker in Unruhe und EntrMung gebracht haben. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" bilden ein a n t i s em irische s Orga n, eine publizistische Schwester der Wiener „Ostdeutschen Rundschau" und anderer antisemitischer Zeitungen; sie zitieren sich häufig gegenseitig und dienen-einander als'Eideshelfer. Die „Mitarbeiter" der -,Leipziger Neuesten Nachrichten", welche. rihr die. Wiener „Berichte" liefern, gehören dein antisemitischen Kreise an, vor allem jenen - Deutschnationalen, die sich jetzt hier in Wien mit einem patriotischen Mäntelchen drapieren und im Reiche da draußen ihre wahre Gesinnung gegen die ^österreichische Dynastie verraten. Und dasgehört zu dem verlogenen System dieser Politikaster, daß sie die Juden, welche tatsächlich die einzigen staatstreuen Oesterreicher in der Monarchie bilden, bei der Krone als antivatriotisch und antidynastisch denunzieren und verdächtigen. Herr Jerzabek schloß seine Rede mir folgender Apostrophe au den Kaiser: A „Das 'christliche Volk bete noch immer: „Gott schütze unseren Kaiser", aber es ru,e gleichzsitig auch: „Schütze-auch Du, Kaiser, uns. befrsie Dein armes christliches Volk aus.der Umklammerung des unser Vaterland beherrschenden Judentums!" .Unehrlich und heuchlerisch wird dartiber Klage geführt, daß die Juden, und ganz besonders die jüdischen Verbrecher, von den Behörden bevorzugt seien. In dem Berichte' der „Reichspost" über die Versammlung des Christlich sozialen Arbeitervereines vom 10. Juli heißt es n>ämlich: Redner führt sodann einige Beispiele für dir wohlwollende Nachsicht an, deren sich diese Elemente zu lerfreurn haben« - Die Verordnung der Statthalterei, die Wucherer- und Schleichhändler öffentlich durch Anschlag zu brandmarken, ist nicht lange gehandhabt worden. Denn man las fach nur Namen wie Weichselbluh, Silberbaum usw. Selten ist nochje ein Statthaltercierlatz so klanglos verschwunden wie dieser. Auch hier haben sich die Juden als Frondeure gegen die Lebsnsmöglichtcit der arbeitenden Bevölkerung erwiesen. Wie es.-zahme Löwen gibt/ gibt es zweifellos auch anständige i Juden, aber der zahme Löwe'spricht nicht gegen den'Satz, daß der Löwe ein Raubtier ist. Während die christlichen Wucherer meist erwischt und dann sicher auch eingesperrt werden, .entschlüpfen die jüdischen meist der irdischen Gerechtigkeit. '' den Krieg gebotenen Verpflegungsvorschriften einzuhallen, an eine Art modernen „Pranger" zU stellen, indem sie ähre Namen der Allgemeinheit übergeben. Begrüßt würde diese Ankündigung in der .Anhoffnung, neues Material für Judenhetzen zu gewinnen. Dann kam die Enttäuschung! Als nämlich die.erste '„Pranger"-Liste des Wiener Magistrates der schweren Uebertretungen gegen -das - Lebensnnttelgesetz herauskam, stand auf der ganzen stattlichen Liste imr ein einziger Jude und dieser hat lwegen einer geringen Sache die kleinste Strafe bekommen. Das geht nun lder -lieben „Reichspost" gewaltig gegen den Strich. Dieses Blatt, "das sich auch das winzigste Vergehen eines Flüchtlings' nicht entgehen läßt und den Unglücklichen mit saftigen Titeln und großen Lettern.bespickt ihren ' Lesern vorsetzt, veröffentlichte die „Pranger"-Liste im kleinsten Druck und läßt geharnischte Ausführungen gegen die Veröffentlichungen folgen. Man solhe die „Großen"..annageln! Das heißt man wohl gründlich aus der Rolfe fallen! Der.„Reichspost" ist eine versteckte "Kiste Seife wichtig genug zur -Veröffentlichung, wenn ihr Besitzer einen Ähnlichen Namen wie Naftalilhat, und .5000 Kronen Geldstrafe für einen Bäcker, der dem Konsum ^Weizenmehl entzogen hat, sind ihr zu wenig. Da offenbart stich wieder einmal die wahre Volkssreundlichkeit und Ehrlichkeit. Dir Juden angreifen, die Parteigenossen schützen. Denn die Entrüstung der „Reichspost" -rührt daher, weil auf dem ersten Pranger gleich leine ganze Reihe von Parteigenossen stehen. \ „Am 6. Februar kam dann die zweite Este von etwa 200 Straferkcnntnissen gegen Wiener Lebensmittelhändler, und ■ auch diese ist derart, daß der biederen „ReMspost" .gegen wie „Pranger"- Liste schwere Bedenken aufstiegen, und sie fühlt sich zu der Anregung gedrängt: , „Es würde der .Slatthalterei gewiß nicht zur -Unehre gereichen, wenn sie, durchs die Erfahrung klüger gemacht, wen Anprangerungserlah entweder so gestalten würde, daß vor stillem ' jene an den Pranger kommen, die es am ehesten verdienen, foder aber, wenn ihr dies nicht möglich ist, auf die'(fernere Durchführung der gutgemeinten, aber unter streu gegebenen Verhältnissen als-Ungerechtigkeit wirkenden Anordnung verzichten würde." 1 - Mit anderen Worten, nur die jüdischen llebeltäter sollen an den Pranger kommeip sei es, daß die -Statthalterei eine Auswahl trifft, oder aber der „Reichspost" es überläßt, am eigenen Wirkungskreis eine Liste derer, „die es am.-ehesten verdienen", znsaMmenzustellen. Vor allem sollen Parteigenossen verschont bleiben! „ Unsere Forderung bewegt sich in entgegengesetzter Richtung; wir verlangen keine'Schonung für die Juden, jalle jüdischen Missetäter sollen an den Pranger kommen. Wir -.wünschen indes eine weitere Ausdehnung und Ergänzung der „Pranger"-Liste nach hinten und nach oben. Nach ,,oben">, indebr bei. den unreellen Kriegsprofiten der Großbanken und alldie christlich-arischen,, hochadeligen Nutznießer der Banken mit ihrem Namen der Oeffentlichkeit übermittelt werden. Nach „unten",' indem auch von den ländlichen Gesetzesübertretern - vor allem diejenigen aus den Pranger kommen, die durch Zurückhaltung von Vorräten so sehr dazu beitragen, die Lebensmittelversorgung des Volkes zu erschweren. Der ländliche Produzent, der seine Ware heute dem Markte vorenthält, versündigt sich nicht nur an seine städtischen "Mitbürger, er versündigt sich auch an dem Vaterlande, dessen. Widerstandskraft er in der Zeit der schwersten Prüfung mindert. - Wer das tut> dessen Name gehört an den Pranger. Mas wir wünschen, ist nichts als eine treue, ehrliche Statistik." l. Unser Standpunkt hat sich seitdem nicht geändert. Wir 'fürchten auch heute den „Pranger" nicht, vorausgesetzt,'daß die arischen Preistreiber gleichfalls' vollzählig auf den „Pranger" gesetzt werden. s „ Also K u n sch a k und Genossen wollen den Pranger wieder 'eingeführt haben. Bitte schön! Wir chatten niemals. gegen diesen Pranger etwas einzuwenden, nur möge sich doch Knnscha.k an-seine Parteigenossen und insbesondere an sein Leiborgan, die „Reichspost", wenhen, die seinerzeit an der Spitze jener marschierten, welche die Abschaffung der Veröffentlichung der Pr eistr eib erliste mit dem g a nz e n Ge w ich t ihres E i n f l u s s e s gef o r - dort und dnrchgesetzt hatten. Wir hatten schon in Nr. 6 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 9. Februar 1917 in dem Artikel „Von jener Selbstgerechtigkeit, die immer nur die Sünden anderer beichtet" (II), auf die jesuitisch-heuchlerische Art, in welcher die „Reichspost" nnÄfthr Anhang , die „Pranger"-Frage behandelte, hingewiesen, indem wir damals' schrieben: :. „Eine lustige Wendung hat übrigens die Bewegung gegen die Prcitrciber und Schieber für die antisemitischr Presse angenommen. „Anfänglich begrüßte sie die Ankündigung, daß die Behörden entschlossen seien, diejenigen, die sichbeharrlichweigern, die durch Aus der Mache« „WaK sagt -ROibi . BWH,?"'. —' -JnspikMonAr-öl-fe - des LuÄiner k. u. t. WrWalgouvIerneurs!. — Die Juden frage in Litauen. Zur antisemitischen Hetzarbeit wird Don dem wackeren Organ' des K. H. Wolf sonderbarerweise - die Tatsache ausgebeutet, daß die Juden in den Ländern der Entente ihre patriotischen Pflichten gegen ihre Heimat, erfüllen.' - . - V In der „O. R." Nr. 120 vom 29. Mai 1918 wird „Schließlich, meldete Reuter am 14. März aus Nswyork, die Verbände der jüdischen Kaufleute, die ungefähr 300.000 Israeliten vertreten, hätten 'tags zuvor in einer Versammlung einstimmig beschlossen, an .die Stelle ihrer ehedem-, pazifistischen Politik. eine „Politik der Propaganda für die energische Fortsetzung des Krieges" treten zu lassensttz. So treiben es diese-sin.Deutschland geborenen Juden "in Amerika! Die alte p,,Mimikrypolitik" der Hebräer wer wird nach dem Kriege dieser Rasse!noch über den Weg trauen?"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.