Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 28 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022329--27022-3052415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zentralorgan für die gesamten.llnteressen des Judentums Dr. Bloch’s -' < ' o xr — Wim, 19. Juli 1918 •:* Erscheint jeden Freitag BsüHCbxeff»: «ie», II/i, Praterstr«ße 9 g&tcmnK*&xtftc: »loch » »ocheuschrist. Wie» 0{J--.-TT..U-O Q Q Bezugspreir: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 30 Krone« Einzelexemplare 50 Heller Kapifia: fit Sw*i|eff«tt«c WecktzeUe N ttln b * O -- QO OG K. L Poflsparkafsrnamt . Cleariug«Gerkehr: 810.978 oo Rtbtftloa unb «bmUUfbatt*«: fHt« ll/,. Praterstraße 9 , TcUphoai <45*359 DO Q OG= -Do - «halt: Leitartikel: Pogromagitation. — Aus der Woche: „Was sagt Rabbi Bloch?" — Inspektionsreise des Lubliner k. u. k Generalgouverneurs. — Die Judenfrage in Litauen. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — „Ein dringender Appell." — Weitere Auszeichnungen. — Fürsorgetätigkeit russischer Juden für galizische Brüder. — Das Leiden eines Rabbiners. — Peter Rosegger und das Judentum. — Korrespondenzen: Das Kaiserpaar in Preßburg. — Bekanntmachung, betreffend Eßrogim. — Ein Fünf Millionen-Legat für ein jüdisches Waisenhaus. — Die jüdischen Flüchtlinge in Alexandrien. — Das Gerichtswesen in Palästina. — Vermischtes. — Feuilleton: Woher stammt der Glaube an Ritualmorde? — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Pogromagitation, Die gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung gerichtete^ Tätigkeit der Wiener Antisemiten nimmt immer bedrohlichere Formen an. Sie ist um -so gefährlicher, ,als sie mit einer Heuchelei und Unehrlichfkeit in Szene gesetzt wird, die manchen, der nicht in der Lage ist, den Dingen auf den Grund zu sehen, leicht veMenden und irresühren könnte. Während auf der einen Seite die Führer der Partei so tun, wie wenn sie den Burgfrieden, wenn auchwiderwillig, getreulich hüten, werden im . Parlament Pogromreden gehalten, wird der judenblutgierige Kunsch-ak, dieser von sadistischem Wahn besessene Volksverführer, von Versammlung zu' Versaminlung auf die ohnehin erregten Bolksinasfen losgelassen, um dieselben gegen die Juden gufzureizen. An den letzten Wochen war die öffentliche Meinung, sowohl in Oesterreich; aH! auch in Ungarn, tief erregt wegen bösartiger, antipatriotischer Gerüchte, die >üherall verbreitet wurden, deren Urheber offenkundig.nichts Geringeres beabsichtigten, als die patriotische Gesinnung der Bevölkerung in beiden Staaten der Monarchie , heimtückisch zu untergraben. . Gegen diese bösartigen Gerüchte fanden großartige D!ömonstrationsversammlungen statt, wurden in den öffentlichen Körperschaften feierliche Resolutionen beschlossen und im ungarischen Parlament nahm -der Ministerpräsident D;r. W-ekerle seMr das Wort, um diese Gerüchte zu brandmarken. Auch in der -Eröffnungssitzung des Herrenhauses wurde dieser abscheulichen Ausstreuungen von dem Präsidenten mit Entrüstung gedacht. Nunmehr war es die Aufgabe der Wiener Pogromagitatoren, die..Juden für diese Ausstreuungen anti- . patriotischer Gerüchte verantwortlichzu machen. Im Mittelalter hat man in Zeiten der Epidemien die Juden der Brunnenvergiftung angeklagt — warum soll die Methode in Wien derzeit nicht nachgeahmt werden? Bei den öffentlichen Demo nstrationsversammlung^n war es Herr Kunsch-ak, der das Kunstwerk zustande gebracht hat, die Juden anzuklagen, daß sie die Träger dieser habsburgfeindlichen Gerüchte bWen. In einer Versammlung des Christlichsozialen Arbeitervereines erklärte Herr Kunschak die Juden als die Schuldigen mit folgender, etwas;'seltsamer. Beweisführung : „Ein jüdischer Journalist namens Kuh habe in einem Blattei selbst erklärt, die Juden seien die geborenen iFrondeure. Die „Arbeiter-Zeitung" schrieb anläßlich der Ausstandsbewegung, daß sich dabei die Jünglinge aus dem Osten sehr ibemerkbar machten. Wenn sie selbst die Jünglinge aus dem Osten lkritisiert, kann man sich vorstellen, wie es diese Jüngels getrieben haben. Hier sehen wir. den Juden als Frondeur für die Revolution lim Dienste des feind-' lichen Auslandes." („Deutsches Volksbkatt" vom.16. Juli 1918.) Die „Reichspost" glaubt es überschlau zu machen. Sie stellt Prüfungsfragen: „Wer ist an den böswilligen Gerüchten schuld? Wer spielt der Entente solcherart in die Hände? Wer. . .?, und ruft: „Fluch 'über die Häupter der „gewissen Kreise", der „heimischen Trotzkis" und „Wühlgesellen", die sich zu Mitarbeitern solcher Gerüchte hergeben." In der Eröffnungssitzung des Abgeordnetenhauses war es wiederum der stramm'deutsche Herr Jerzabek, der in einer antisemitischen Hetzrede die Juden als die Verbreiter antipatriotischer Mitteilungen bezeichnete. Wer aber sind, in Wahrheit die Ausstreuer und Verbreiter der giftigen Verleumdungen gegen das Kaiserhaus? Wo die wirklichen Verleumder des Kaiserhauses zu suchen sind, darüber herrscht in eingeweihten Kreisergar kein Zweifel. Auch die Regierung hat dafür Anhaltspunkte genug. Vor mehreren Tagen hat sich die Regierung genötigt gesehen, einem der bedeutendsten Blätter der Schwerindustrie Deutschlands, den „Leipziger Neuesten Nachrichten", das, österreichische Postdebit zu entziehen. Die Gründe für die Maßregel wurden Nicht bekanntgegeben. Mlein, wer dieses Organ je gelesen hat, dem wird die Verfügung der Regierung nicht un-