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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-12 · 27 (12.7.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
27 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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öder ^init dem PhAsteh^Dtuf den Grund zu. gellen, die Quelienj dieses verlüpäi^svollen > Abergiauuens aufzuspüren, die Zusammenhänge der absdrden zu erfassen, stelle idh. .:inir ^ur Aufgabe. . . / . „ i , ' " ' ••.'■ -i- : * .. 7 '' ■■ .... ......... Einer der feinsinnigsten Gelehrten, der aus der Breslauer Schule hervoigegangene Professor David Kaufmann, schrieb mir aus Anlaß eines in der „Oesterr. Wochenschrift“ .publizierten- Essays über die Begebungen des Ritualmordwahn.es. zu.der noch immer sehr verbreiteten, aber schon in grauer Vorzeit geübten Zauberei mit Menschenblut,, einen Brief, in welchem die Bemerkung enthalten war : »Die Beständigkeit des Vorwurfes beweist die Zähigkeit .des Glaubens an den Biutzauber und die unausgesetzte U e bürig dessejben.waterjden:Cbrist en : das ist die einzig wahre psychologische Lößung hes sonst iäJseUiaUen -Fortbestandes der Blutlüge. Es ist wirklicher, das -heißt heidnischer Volksglaube, der dieses Gespenst galvanisiert.« . , ' Aeknlicihe Gedankengänge Raden sich bei den alten .Kirchenrätern. Auf die gegen die alten Christen häufig erhobene Anklage dos Ritualmordes antwortete T e r - tu 11 i an, daß die Heiden nur aus dem Grunde von den Christen Aätmlii,dbes: glauben, wj ei 1 sie el her dergleieben noch heutzutage üben. Man glaubt, einen jüdischen .Apologeten aus dem Mittelalter oder der Neuzeit vor sich zu haßen, wenn inan hei,Tertuil,ian Rest (Apol. .9), wie er die grauenhaftem heidnischen Gebräuche schildert, bei denen Menschenblut bald zur Besiegelung von Bündnissen,bald .zur... verinejnüichen. Hejluhg Von Krankheiten^- Bald zunr scheußlichen Mähie gebraucht - svird,. und dam ausruft:;,Ihr solltet voll ■ Schäm erröten vor uns Christen, cLije wir nicht ejnihal Tierblut zu den eßbaren Gerichten zählen, dfe Mr deshalb auch des Erstickten und des! Krepierten pns enthalten, damit wir A ur a u f keine W ei s e in i t Blut bef leckt wjerdeh, anch mit dem in den . Ei hg e w e i den sich bergenden.“ T.-er t u 11 i a n erinnert daran, daß die Römer bei ihren Gesellschaf tsabenden, wenn sie Verdacht hegten, dah in ihrer-Mitte ein heimlicher Christ sich befindet,die Eist angew.endet haben, Blutwürste herumreichen zn lassen. Der heimliche Christ verriet sich »dadurch, daß er diese Spei se oicbC berührte; T je. xt u l 1 i E Mg t hinzu: »Msist' aber Mesee Euer Vertabren zu bezeichnen, wenn ihr von ‘denjenigen glaiibt, "daß sie nach Mensehenülut lechzen vpn deren Abscu^i ^or d'ierhiut, lhr üherzeugt seid, Ihr .müsset, denn,idje ilhx!;dar4n seid, jenes -für wohlschmekkeiiäßr ^Ls;#eses .haltgü 1« Noch den Christen-Massakers1 in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts1 - lag die Beschuldigung zugrunde, daß die hingemetzelteh Christen aufgefangenen Kmdern Blut entziehen, . um damit zu Oster.ii-Kuchen zB.bereiten. Die christlichen :Ap<dogeten-diabcii,>ium idie Christen von den Beschuldigung -des BlutMiates zn entlasten, ihre -Ankläger ,au%efoxdert, die rehjjiösen: Bücher der Juden; zu lesen, und * diese- Religlonsgesetze, fügten die Apologeten hinzu, haben auch für mis Christen bindende Kraft - Aus Jus tins Dialog mft Trypbon' erfährt man, daLMe Mrismn auch das Zeugnis-der J u d e n angerufen hnZien, ium sich von dem Werdadhte des »Blutessens zu reinigen. - : - Selbstverständlich hat - es auch bei den damaligen „Blutprozessen“ an Kronzeugen nicht gefehlt, die. alles ’,,eihgestaAdeh‘‘ haben, so daß Justin. Mar-tyr (Ap. Kap. 12) den heidnischen Verfolgern zuruft: »Wenn Ihr durchiMartern von unseren Frauen,-Kindern .und Sklaven einzelne Ge ständ ni sse eTpreffl, so .sind das keine Beweise gegen uns.« Eines der seltsamsten Phänomene in der Geschichte geistiger Verirrungen bildet der radikale Rollen tausch im Ritu älm'or d W ahn: wie nach Ablauf von etwa acht Jahrhunderten aus den Angeklagten rasende Ankläger werden, welche ihre ehemaligen Ent 1 a stungsze.ugen^zar Ri.’clit stätte, zum Blutgerüst^schleifen. Wie ist das möglich geworden? Das muß man zunächst verstehen lernen! Was den Mosaismus1 von der Kirche wesentlich unterscheidet, ist, daß der mosaische Gesetzgeber die im Volke Vorgefundenen beidni s ehen Vorstellungen, Bräuche und Sitten mit einer oft als-hart und. grausam1 verschrienen Energie bis auf die t i e fste Wur zel ausrottet e, während die Kirche mit den überlieferten Volksanschauungen und Sitten vielfachKomp r o’mi s se abgeschlossen hat. Selbst die heidnischen National-Go Ithei teil würden nicht gänzlich abgesdhafft (oder als Ausgeburten des Irrtums und der Lüge geächtet), sondern in böse Geister, kleine-und große' Teufel und Teufelinnen umgewandelt, welche in dem Volksbewußtstem 'auch unter der Herrschaft des Christentums1 ein allerdings ziemlich unbehagliches finsteres Dasteiri foftfristeten, während im jüdischen Volke keine Spur mehr des a 11 e n G ö tte rku 1 tu s geblieben .war.- Durch eiae Unsumme strenger Vorschriften würde das1 Geistesleben des jüdischen Volkes von dem der heidnischen Nach1 harn isoliert und die Traditionen, welche die teige- 1 nen Eiinherühgleh’^ös'Wölkes^’hii.t\seihtef'Keidiii^ch'teA Vorzeit, verknüpften, gewaltsam zefschnitteri und zer-' stört. ' V. •. ' ' Ganz ähnlich verhielt es sich mit dem' phantastischen Blutzauber' Der Blutekel, welcher dem MdL Sehen Volke e i n g e j m p f t worden in zahlreichen Vorschriften, der Bibel, die wiederholt und in immer schärferer Mahnung bei Strafe der A'üsr.ottung. aus der Völksgemeihschäft den BjutgeAuß ycrbiejein: die eigeiia^tigen-Reinheitsgese tz e der Bibel, kraft Hefen: jedermann, der eine Leiche berührt, zum Gottesdienst in den Tempel unfähig wird; Gesetze, welche im Laufe der Jahre hnsdehhüngen Md Efweitofungen erfahren haben: das alles’ hät der Phaintasie Ües.Volkes eine Richtung gegehen, welche es vor den Verirrungen des -bei arideren Völkern verbreiteten:BlÜtZäubtefs . geschützt hat, von dem man tatsächlich' in. der Lfte - ratur und Geschichte .des! jüdischen A b o r g l aub,ens nicht die geringsten Spuren 'auffinden kann. - So rigoros Waren die Vorschriften, so ängMitzh wurden sie beobachtet, daß man sich scheute, vor dem Pessachfeste .eine: Leiche, zu.bie e rdig en, weil diejenigen, welche ab der Beerdigung ..teilgenommen hatten, unf ähig wären, . das ^itpelle . Pe.sbAo.hm.,ahl zu geiüeßen. Man /überließ .d^rärtige hpprdi: gungen .deswegen den. F rau en; nnd so wprde;der 8 tickte r de s C.lir j s te nt um es, wie- ^s>. jdas ’^eije Testainent bestätigt, von F rauen zuhRphe^fätte ge-, bracht. ' > . \ Das Qhnstenfum'ihat 5das npdis^bLe ^erjefpojiialge^etz au fg ei.ö 81, um. allen VOlkerh Mine.-Pfo^n 'z-u-'-SMeB;M Me.FKhM'Mtzr,A9m^olM8S;Asschritten,. um' .mit don^her^sebteuden, gei^tigeh Ma/chteu sich auszusöhnen. Der Aenuß-der .R1 ü t/w-ü r s.,tr hörte auf, ,^in: Dn - terscheidungszeichen zu sein zwischen Christen;5ppd Heiden. Wje die alten Götter als Teufel und Teufelin -

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