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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-05 · 26 (5.7.1918) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
26 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr'M , M.WMs'M>8Wß»r« •mmms siehMmalte. er dann gelegentlich, als! Ritter mir glänzendem MWerg. Seine Zeitgenossen wurden daran nicht irre, unv auch die alten Kataloge Vicht. Ist es! nicht sehr bezeichnend, daß ein Porträt diHM braven Men M30).'mnge Zeit als der „Mische Philosoph- Philo" durch die Verzeichnisse ging? Und Roulanv Savery stach sein Porträt in orwntalislerender Fassung unrer dem Titel„Mahomed". .Im Alter von chum 20 Jahren, nach .Art der orientalischen Frühheiraten, hatte dieser höchst eyre,i- - .werte Mann bereits! eine eoensv wackere Frau genommen. Rentürahdt hat seine Mutter immerfort gemalt, meist mit der Bibel vor sich, oft orientalisch gekleidet, sogar . mit.'dem Turban' um Heu Kopf, aber auch geradezu Kdisch, z. B. chs! früher sogenannte „Prophetin Anna" (Oldenburg), deren Haare, nach der Beschreibung eines berufenen Schild er ers, „wie bei -einer Jüdin", unter / einer- 'welKn 'Hlyche 'veÄorUen sind. Die Untersuchungen Rnhter Mörarys! 'Mer Rentbrandts' 'Vater ergeben, um kurz zu sein, eine höchst merkwürdige Tatsache. Bisher galt er als Müller, und , man kennt auch alles dazu Gehörige ' genau. Allein Gerard Dvws Bild „Der Zahnreißer" im Louvre stecht ein neues' Licht aus- Gerard Dow war ein Schüler RembrMdts und hat den Vater seines Lehrers' als Zähnreißer dargestellt. Die Portvätmäßigkeit ist unbestreitbar und anerkannt. Was läge da näher, als zu mutmaßen, daß der alte Rembrandt einer der jüdischen Aerzte in Amsterdam, gewesen sei? Eine Bemerkung.in. Arent van BucheA «UvL xuewriav- , kann vielleicht dieses! LiAt'verstärken. 'Ban'Büchel äußert sich unter anderem Mer den 'aufstrebenden Rembrandt : ,Moiit0ri8' etiam 1^6iä6U8i8 ülu» uiaguu8 ür" (auch der Sohü'eines Leydener MMersI wird ansehnlich), Kolitor .!<(!(=i^i MahsDd.e)..bedeutet Mn fiMrch/Hx,.. Mvöhglich..., . . MUler. Allein in dem"willSürlich en Latein jener Zeit war es ganz gut auch für molare (Mahlzahn, Backen- ' zahn) zu verwenden. .In. der philvlvgisierenden Humvristik vondamals könnte der..Satzl. dann bedeuten: „Der Sohn eines Meisters Backenzahn aus Leyden", d. h. eines Zahnarztes (Richter Morary rennt leider den deutschen FaMilieünamen „v. Mältzan" nicht, - der ihm ein unschÄtzbares Analogon gd'öen könnte). Ist diese Voraussetzung richtig, dann erklärt sich auch so manches' in Rembrandts Werk. Ohne Zweifel wird er seinem Vater .als chirurgischer Gehilfe gedient, wohl auch, selbständig operiert haben. .Jedenfalls.beschäftigte. er sich viel mit Anatomie; die berühmten „Anatomien", Seziersaalszenen, die er malte, sind klassische Zeugnisse dafür. 'Kann es Mndernehmen, daß Dr. Tulv sein.Anatomiebi'ld bei keinem anderen als wer ihm bestellte? Oder daß -Rembrandt die Freundschaft jüdischer 'Aerzte und kabbalistisch ^kurierender Rabbis suchte? DÜrchmüstert man seine StudienbWtter, so Erstaunt man über die Menge elender Krüppel, die - er mit Stift und Nadel dargestellt'hat. W>o in älter Welt nahm er' diese Sammlung hÄnDresthafieN'-jeder Art her? Seine Patienten müssen sie gewesen sein. Unter seinen weiblichen Aktstudien-gibt .es welche, die nur' unter dieser Voraussetzung denkbar siüd, da einerseits weibliche Modelle schwer^ zu haben wären und andererseits! so abnorm häßliche Modelle von e^em Mnstler schwerlich. gewählt worden wären. StelzsWge, wasserWlchtige, einarmige, buckMe, gichtbrüchige Leute tummeln sich in buntem Gewirr auch auf dem berühmten „Hundertgüldenblatt", »das den „krankenheilenden Christus" darstellt: es sind augenscheinlich lauter Arme jüdische Patienten aus wer Amsterdamer Juden- (stadt, die den ärztlichen Rat durch Modellstehen vergalten. Däs 'iwäreAo (in 'grvßen-Zügen der Gedankengang Richter Mörarys. Vor seinem Richteifftlhle. kann, wie man . zugeben wird, der bisherige Rembrandt gküz stnd gar nicht bestehen. Er begnügt sich aber nicht mit der Kombination wohltritifterter Tatsachen, sondern faßt die Frage auch vom SDüdpumte des ^eLhüögraphischvnLunsthchchvlögen" ins Äuge. 'Er widmet z. B. ein eiMenes Kapitel dem Helldunkel des 'Meisters und weist dessen „nationäl-jüRfchien" Ursprung ausWrlich .nach. ,-Dieses Hellvuntel," sagt er, ,ftst nichts änveres 'als der 'höchste ästhetische /Ausdruck, die Idealisierung jenes Dunkels, in dem -die Vorjahren des unvergleichlichen Meisters fünfzig Generationen hindurch, manipuliert -oder, um eine delannte Redensart zu geörauchen: jenes Trüben, Tn-deM sie gefischt haben". 'Rembrandt hat dieses „Trübe" geläutert, veredelt, verklärt, aber noch immer fischt er Parin, wie alle seine Al'tvorderen, und-was er herausholt, ist eitel Gold und -Edelgestein. Dies kann ebensogut wörtlich gelten. Rembrandt war Wer größte Schnmckmäker aller Zeiten, er harte die alt ererbte PäWn des Geschmeides. Er kaufte es überallher zusammen und über-' häufte damit seine kleine, üppige in Samt Und Brokat erstickende Saskia, wie alle Orientalen es tuü./Wn genialer Trödlergeist hat sich hier in höchste Kunst ümgesetzt. Und nun sehe man dazu den merkwürdigen Gegensatz, der allerdings im Judenviertel zu begreifen 'sein wird: das Inventar seines Nachlasses führt ganz aufsalend wenig Leiw und Tischwäsche auf. Bei' den echten christlichen HoWttdern war gerade dies bekänntlich die Hauptsache, ja -der Stolz ihrer Fraüeü; im Haufe ReMbrandrs trug man reiche Oberkleider und ärMlüchesUnterzeug. ADer Herr Friedensrichter Wersieht dabei, daß Rembrandt zu Saskias Lebzeiten sehr wohlhabend, 'bei seinem Tode aber ein vollkommener Habenichts' war, dessen Ober- und Unterkleider sich Tn gleich jänrmetlWm Zustande, befanden.) Den Wert des Geldes hahe Rembxaüdt'Mhl Wkannt, 'undes fei gewiß tief begründe^, daß er die Szene malte, np der reuige .JüiM dem Hohenpriester das Geld zurückoringt; diese Szene Misse ihm als die besondere Tragik in Judas.Jschariöths Leben erschienen sein. An den oft erwähnten Gekz--Rembrandts glaubt er nicht, allein ebensowenig an . dessen Verschwendungssucht. Ex war ' einfach ein unsolider 'Geschäftsmann, der schließlich-bankerott'machen mußte. Daß er den Vorstand der BankeroLkkammer, den alten Haa- ' Ä'üg, und auch' den jlkngen 'Warüng chnd ' den -Sekretär der Kammer -obendrein ' porträtierte, um sie sich günstig zu stimmen, oder daß er dem widerstrebenden Sekretär des Prinzen von Oranien wegen wer - Prinzfichen Bestellüngeu / durchaus ein Lehn 'Fuß -hohes Md Acht Fuß '-'bireites''BW verehren "wöllte, liegt ganz M' der Natur solcher Leute.. Das sind, wenn man will, verschämte BestechMWversuche. „Die Inden," sagt RichIer Morary, „sind vorzügLiche GefchäfMeute: wenn über ein- .mal einer ein schlechter Geschäftsmann ist, dann ist eres auch so sehr, daß ihn'daxrn fein Christ Md kein Türke erreicht." Und einer dieser nnglaübkich Wechten Geschiäftsleute sei Rembrandt gewesen. „Ungeschickt bis zum Schein der Unehrlichkeit!" ' E. G. KolbeWrryer, 'Soi. Ein Spinoza-Roman. Georg. Müller, München.. . Lin Büch, das sich seine Stelle' in der Literatur gesichert' hat und, als das Muster eines historischen RülNanes, diesen Ehrenplatz vollauf verdient. Bis in die feinsten ZuschNM^Hänge ist dec biographische und -zeitgeschichtliche. Stoff durchforscht. Md' in 'lebensvollen frischen ^Farben dargestellt. Längst spricht man nicht mehr von 'dem ..öinsamen Denter", 'Denn -Mn SsMoza die 'Rede ist. Man rennt ihnals eines der geistigen.Zentren' in dem Treiben und Gären einer bewegten Zeit. Gern hätten^wir auch/ die Szene ausgebeutet gesehen, wie : n ni '. bei Spinoza zu Besuch weilt, zwei Denker sich gegenüber sitzen, deren Ideen noch heute die phi-

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