Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 26 (5.7.1918)
- Date
- 1918-07-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Wey».M2 Dr. «UMS . ..malen. Das Wichtigste an den ersten dieser Bilder ist freilich/ daß sie Rembrmchts eigene Braut Saskia, darv,sMen. Die weltberühmte „Judenbraut" der Galerie Liechtenstein - sin roten, goldgestickten Mantel ist 1632 . genwlt und das besterhaltene Saskia-BW dieser Zeit. . Kann es ein Zufall sein, daß der Künstler, als er seine -leidenschaftlich geliebte Braut zum erstenmal und. sin . größten Staat malte, sie als Judenbya.ut, d. h. als. Braut . dM.,,.Juden" ReMrarM, hinstellte? Zwei Jahre später - entstand, die Petersburger „Judenbraut", wiederum aufs reichste geschmückt und mit Blumen'bekränzt;- immer E Saskia -als Judenbraut i „Wahrlich,," ruft Richter Mo- -rary aus, „diese BWer sikch eht offenes Glaubensbe- : kenntnis!" . -Dast-SaMa v. Uylenbnrgh eine Jüdin gewesen. Weint dem Verfasser ausgemacht. (Cr vergißt, dabei .-Herpovzuheben, daß eine - ihrer Schwestern HM.ia hieß, . wie einer der alten Könige von Juda.) . Bei der da- - maligen 'Verwirrung der amtlichen Register war jede .: Unklarheit, und Ungenauigteit möglich. Die Biographen verzeichnen ganz genau, daß Rembrandit und S-asAa am 22. Juni ^1634 erst ans dem Rathause vereinigt mnd daun -in ihrer Pfarrkirche durch den Pfarrer Rudolf Hernmnsz: Luinga getraut wurden. Es ist schriftlich und -. amtlich aufdewahrr. „Schade nur, daß es nicht wahr - ist!" ruft Richter Morary aus. Der beste Beweis' dagegen ist jene reizende Silberstiftzeichnung in Berlin, . welche Hie junge Frau Saskia darstellt und folgende - Unterschrift Don des' Künstlers Hand hat: „Dies ist. nach meiner jungen Frau gemacht, da sie 21 Jahre -Ml war, 'den-twitten. Tag, als wir getränt waren. Den . 8. Junius 1633." Kein Mensch hat noch den Schatten ' eines VeMachtes hinsichtlich dieses Bildes und dieser - Schrift^ M(:äußern gewagt.. Wiereimt .sich -das nyn . j Mit jmie M angeblichen 22.^ Juni 1634?^ rWn fiebender- . -..Gatte, "der drei Tage nach, seiner Trauung Jahr und ./../--Z^ag-.HerseMen. nicht mehr anzugeben, ja nicht einmal . m^h'r auszurechnen weiß, müßte doch, ' blödsinnig fein. In der Tat stecken sämtliche Rembrandt-Biographen ret- . tangslos in dieser Klemme fest; keiner weiß das. Rätsel M eMächn. Richter Morary kann diesJauch nicht, aber - er? glaubt dem Gatten mehr als dem Kirchenbuche, wo . seiner Ansicht nach eine Schleineintragung ffattgefunden . -haben kann. Nach SasTas Tode lebte Rembrandt befkamttlich mit seiner treuen Mirffchasterin.'HendrickjeSlos- Person von seltener Treue, wÄche die Vor- - 'sehungfeürÄ sMeren .Lsbens! wurde. Diese wilde Ehe - :wurHe alsgelircher Skandal betrachtet und im.Jahre . 1654 war HeMrickje - sogar vor das! Konsistorium' ge- - > laden, das ihr dieserhcckb einen strengen Verweis' gÄ> - uiid / chr das' Recht zur Kommünion - nahm«. “ Warum, ftagt Richter Morarydiese - strengen Müß- ' . ^regeln? Solche Verhältnisse waren' ja. nicht selten in Amsterdam, öffenbar nur,. weil' Hendrickje mir einem . JrÄen lebte. UM dies sei jed enfalls auch die patürliche ErWrnng, warum er denn Aendrickje, dieer.fo hoch fchatzte, die auch so d!rap, treu, - wirtschaftlich uM ihm unentbehrlich war, trotz alledem nicht heiratete. Ms,Jude konnte er dies nicht. „Ich fordere alle Rembrandt-' Kenner aus, mir einen anderen, nur irgendwie mög- . lichen' Grund zu sagen!" ruft Morary aus.. "■ Richter Morary untersucht nun aufs genaueste den . Thpps RcMbvandts und seiner von ihm so oft gemalten . -Wem. Die SMstportriats. Remvrandts' Feigen außjer- . ordentliche Wweichungen. Man. darf wohl sagen, daß Seines ihn gibt, wie er-war. Die frühesten (um 1629) . darf Man' wohlgerWezn „Verchristlichungs'v ersuche"nen- . men. Er versuchte es auf jede Weise, den orientalischen - TysM>los HÜ weDden. 4628 ziehter.es vor, breit und '' viereckig au?sznsehen (Kassel); 1629 sucht er i>as' Gegen- WochenWrist l 26 teil und zieht sein' Gesicht unglaublich in die Länge (Haag) - 1630 versucht er . es -mir Häßlichkeft, er zeichnet sich mit offenem Münde u. dgl. Die Nase gibt ihm besondere Mühe. Vater und Mutter hatten gebogene Nasen, was in den Profitbildnissen deutlich genüg wird; sich selbst malte der Sohn mit Vorliebe Stulpnasen, Stuurpsnasen, ja Zwieöelnasen. Wer kennt sie nicht? Er machte eigene Vorstudien dazu, z. B. in Radierungen, wie „Rembrandt mit der flachen Mütze" uff. Meist, sir er .aufjiatterrd' schlecht rasiert; ßa damals noch, viele Amsterdamer Juden statt des -Schermessers das' sogenannte „Aurum" benützten, uM sich den Bart wegznatzen. -In zahlreichen Radierungen undälteren DelbWerir ist dies leicht zu erkennen. Eharakteristisch ist 'es; daß er Pie. Arme oft zu kurz Machjte, M..B.'-auch- -FeiMWHrLim. Bonus, und Des wird von manchem dem „jüdischen Typus" zugeschriebeu; er übertrug aber-diese Eigenheit selbst aus Porträks von Christen, z. B. auf den alten Haarung, den „großen Coppenol", den Jan Lutma (und andere. Ebenso muß man sich, wundern, daß ein Meister wie Rembrandt, der alles wie kein Zweiter machen -tonnte, erst gegen Ende seines. Lebdns dahin gelangte, ein leidliches Pferd zusamMenzübringen. Noch im Porträt Turennes ist es elend. Er war also kein -Pfevdekenner, jedenfalls-kein Reiter, wie alle seine Stammesgenossen. Auchdem Schweine stand er fremd gegMÜber. Er, der alles, was er j,ah, in dämonischem Drange malen und zeichnen mußte, hat nur drei oder vier .Blätter mit Darstellungen von Schweinen hinterlassen. Dieses Tier lag, wie das Pferd; nicht in seiner Tra- 'dition. Erst äm Jahre 1643 komMt ein radiertes' Blatt mit einem Schweine vor. Augenscheinlichj hat er in seiner . Judenstadt keine Gelegenheit, das Tier zu studieren- . Dies muß. sich, auch auf seinem Tische Üemerklich ge-!macht''häbenü Der Mte., WMMckeM'ML.eW. -'.GepäHn: „Er lebte sehr, einfach, uM wenn er an der Arbeit war, begnügte - er sich? mit einem! Stück .Käse vofrer einem Hering und Brot." Also nicht etwa mit Schinken, Speck oder Wurst, obgleichdloch- De Schiweinemetzgerei (in/Hol- . land, wie die Bilder von Bronwer, Teniers nsw. . zeigen, u minbu-! stand. Kein Wunder, daß im -Louvre ein geöffnetes Mnd von -RembraM. ' über -.Min geöfsnetes Schwein, wie es seine Landsleute-mit Vorliebe gemalt haben. ' Auf -dem berühmten Dresdner Bilde,, wo Rembrandt, seine festlich gekleidete Saskia auf dem Schoße, mit ihr trinkt und lacht, ist das (Hauptstück des wohlgedeckten Tisches nicht etwa ein schon dressierter Schweinskopf, sondern ein Pfau in vollem - Gefieder. Mer, wie die damaligen Satiriker rügten, an . diesem ~ hoMrtigen Pfauen steckten gar oft nur gemeine gebratene .-Gänse, und - diese - waren ja gerade auf einer jüdischen Tafel zu Hause. Warum sollte auch -Rembrandt keine Gans in einen Pfau verkleiden? Berkleideie eo doch sich, feine Familienmitglieder, Freunde undModelle.fortwährerrd inganz abenteuerlicher-Weise.zn^^intimen Zwecken morgeUländisch, zu -öffentlichen abendUndisch.' Sein., gan- -zes Haus war eine ' Trbdelöüde voll . solchen Krams. - Auch dies hat seine guten Gründe. ^Rembrandt lebte in der (Zeit der neuen Toleranz; Arminius! - in Leyden hatte erst vor kurzem,-seit 1614ietwa,• die,Hexenvrozesse - und JudLNverfolgungen abgeschafft. Die Juden waren - nun auch in ihrer Tracht wicht - mehr beschränkt > und gäben, sich dieser 'neuesten Freiheit mit -Wonne (hin. Sie. gingen - einhD-'-tMe-.--niederljüMsche ':HdelkMe;' Rembrandt malte sich sogar -mit einer Mwissen Vorliebe..-,geharnischt. und bis an die. Zähne bewiafs'n et, - bald als Ritter, bald als Fakkonier, Fahnenträger, -ja als ungarischen Magnaten! und,.leibhaftigen „Sobieski". Auch seinen Vater, der auf dem Bildevon 1630 mit wem-im - Profil gesehen en Kahlkopf - so recht „alttestainentlich" aus-