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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-05 · 26 (5.7.1918) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
26 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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fttam Dr. VloH'S Wochenschrift Seit» 431 rs lehrreich ist schon der Katalog des RembrandtebenÄverkes. Wern muß es nicht auffallen, daß Uemlrrattdt ein Zu)»r? Man wird sich wohl noch des großen Aufsehens erinnern, welches vor einigen Jahren ein Buch, „Rembrandt als Erzieher", machte, in welchem der große nordische Maler als der Germane schlechtiveg, als Typus der Rasse erschien, und just die Rassenantisemiten waren es, welche dieses Buch als eine Art Evangelium ihrer Weltanschauung für sich reklamierten. Es gäbe nun wirklich keinen besseren Spaß und keine gelungenere Satire auf die Rassentheorie, als den Beweis«, daß Rembrandt selbst ein .Jude, ein Vollblutjude gewesen sei. Diesen Beweis' hat ein Amerikaner, der Friedensrichter. Osias U. Morary in. Boston, allen Ernstes angetreten in dem Buche „Uemdraiiät a Jew? A critical disqiiisition“ (Boston 1894.) Und wenn auch die Beweisführung Morarys — der, nebenbei bemerkt, ein guter Christ und Mitglied der methodistischen Gemeinde von Westhill Square ist — in manchen Punkten an die berühmte Fuchsetymologie erinnert, so ist dieselbe doch auch vom wissenschaftlich-kunsthistorischen und kunstkritischen Standpunkt durchaus nicht so kurz Von der Hand zu weisen. Der Anlaß zu Morarys Entdeckung. war folgender: Unter der Photogravüre einer Zeichnung, welche Rembrandts Frau Saskia vorstellt, sah er einige Zeilen Von ltzes Künstlers Hand und hielt sie im ersten Augenblick. für jüdische Kursivschrift. Es! waren die Charaktere einer Hand, die in stoßweise hingesetzten Einzelbuchstaben solche Schrift zu schreiben pflegt, und zwar von rechts nach links. „Der Eindruck war ganz frappant", schreibt Richter Moraxy, .„und ich staunte, als ich bei niaherer' Bekrä'chtulig dbMvch' einen' christlichen "Text Wbn links nach rechts lesen mußte". Indes war seine „analytisch-kombinatorische Phantasie" einmal erregt und er . gab ihr nach. Er suchte Abbildungen von allem, was Rembrandt gemalt, rMert und gezeichnet, und seine Verdachtsgründe „wurden immer fetter". Selbst für eine ererbte Neigung der Hand, von rechts nach links zu ziehen, fand er merkwürdige Beweise. Er weis! z. B. sehr scharfsinnig auf die Wendeltreppen in mehreren Bildern Rembrandts.(so im „grübelnden Philosophen" des Louvre, im Porträt des Ephraim Bonus.usw.) hin, die ihre Schwenkung . sämtlich Won rechts nach links nehmen, wahrend ein christlich gewohnter Darsteller seine christlichen Wendeltreppen höchst wahrscheinlich von links nach rechts gedreht hätte. Er weist auf das' radierte Blatt „D'r. Faustus" hin, wo -die mystische Erscheinung als eine lichtumstrahlte kaWälistische Inschrift oder Formel dargestellt ist. Er macht auf das Schwanken in Rembrandts eigener holländischer Unterschrift aufmerksam, wo der Name bald Mit „d", bald mit „t", bald mit „dt" endet; ein Beweis, daß der Name erst seit kurzem in der geltenden Landessprache geschrieben zu werden pflegte. Djas sind ohne Zweifel auffallende Beweisgründe, obgleich man einiges dagegen einwenden kann. Vor allem ist die Schrift kein sicherer Beweis, denn dann war auch der hochkatholische Leonardo da Vinci Jude, der seine großen Folioblände von rechts! nach links in Spiegelschrift vollschrieb. Und die Richtung der Schneckenstiege ändert sich schon durch den Abdruck von einer . Platte, so daß rechts und links sich vertauschen. Die unsichere Schreibung des Namens endlich hat Rembrandt mit seinen meisten Kollegen geMein; der-Delfter Vandermeer ist gar mit Vermeer identisch und trotzdem kein Jude. jDoch betrachten wir den weiteren Forschungsgang Morarys, der sich übrigens weder philonoch antisemitisch gibt und nur die reine sachliche Wahrheit sucht. Ueberaus scheu Lei _ da nicht weniger als 41 Bilder aus dem Alten Testament Vorkommen? Und es sind ihrer noch« weit mehr, allein viele gehen falsch gedeutet unter unrichtigem Namen, wie die berühmte „Dange" in der Eremitage, welche früher richtig „Sara" geheißen hat, und diese, biblische Dame darstellt, die ihren geliebten Tobias' erwartet. Oder man zähle einmal die vielen berühmten „Rabbiner" Rembrandts, in deren Gruppe aber noch viele andere bärtige Gestalten gehören, die nur als Gelehrte, Philosophen und Eremiten bezeichnet sind. Der „Rabbiner" des Herzogs von Devonshire in Chatsworth kann sich am wenigsten verleugnen, denn er sitzt im Tempel und hinter ihm ragt eine Säule, um die sich eine Schlange windet, natürlich wieder von rechts nach links. Man vergesse nicht, daß Rembrandt selbst zur Zeit seiner Blüte in der Amsterdamer Judenstadt wohnte; in der Juden- Breeftraat stand sein Haus, und der portugiesische Jude Salvador Rodrigue war sein Nachbar. Dort fand er alle die „krummnasigen"' Modelte für seine vielen alten Leute, unter denen die Geldwechsler auffallend häufig sind. Die „Geldwäger" sind eine seiner Spezialitäten: selbst den holländischen Schatzmeister Uytenbogaerd konterfeite er als Getdwäger zwischen Getdfäckchen ab, ja in Dresden gibt es sogar eine „Geldwägerin", und unter den radierten Landschaften ist eine der schönsten das „Landgut des Geldwägers". Es hat gewiß seinen Grund, daß schon zwei feiner ersten Bilder (1627) ein „Geldwechsler" und „Samson und Delila" sind. Nach den alten Juden seiner Nachbarschaft malte er auch viele christliche Heilige; so ist der herrliche „Apostel Paulus" in Wien einer der schönsten sogenannten „Rabbiner" von ehemals. Diese Rabbinerbilder nehmen auffallenderweise zu, als der Künstler durch den Tod seiner geliebten Gattin tief gebeugt ist. Offenbar sucht er in solchen Zeiten der Prüfung geistlichen Trost und bezahlt, ihn durch Porträts. Aus jener Zeit (1645) stammt . der berühmte Rabbi der Berliner Galerie, der, auch von seinen Schillern oft gemalt wurde. Mch eines feiner besten Synagogenbilder (1648) ist in solcher, Gemütsstimmung gemalt. Damit steht. es wohl auch, im Zusammenhänge, daß er mit dem vorrückenden Alter .sozusagen immer „jüdischer" wird, als 'zöge ihn etwas wie Reue aus der Christlichkeit zum verlassenen Ursprung Zurück. Merkwürdig genug, daß. ein Künstler von so glänzendem Namen, der. zu den Berühmtheiten seines Wohnortes gehörte, keinerlei Verkehr mit den christlichen Geistesgrößen des damaligen Amsterdam pflegte. Dagegen ^waren zwei Juden seine besten Freunde, die er auch ^wiederholt gemalt und : radiert hat. Der eine war der Rabbi Menasse ben Israel, dessen weißer Bart und schwarzes Barett in der Petersburger Eremitage sich weithin anmelden. Er stand fast in gleichem Alter mit Rembrandt, und sie waren als Nachbarn viel beieinander. Es ist gewiß eine höchst auffallende Tatsache, daß das einzige Buch, welches Rembrandt jemals illustriert hat, Rabbi Menafses „La Piedra glöriosa“ war: er illustrierte es, obgleich er den theofophischen Inhalt gar nicht verstand, so daß er in der Tat nur verworrene, ja unverständliche Bilder zustande brachte. Der andere jüdische. Freund war der portugiesische Arzt Ephraim Bonns (ursprünglich Bneno), der auch sein Hausarzt gewesen zu sein scheint. Und in dieses Kapitel schlagen endlich seine zahlreichen Bilder, die seit jeher unter dem Namen „Die Judenbraut" gehen. Sie sind sämtlich bewunderungswürdige Meisterwerke, wie nicht minder die Radierungen der sogenannten großen und kleinen Judenbraut. Noch in seinem spätesten Alter fühlte er das Bedürfnis, eine Judenbraut, die soundsovielte, zu - il

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